{"id":18356,"date":"2014-03-21T14:01:54","date_gmt":"2014-03-21T17:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18356"},"modified":"2014-03-22T14:07:08","modified_gmt":"2014-03-22T17:07:08","slug":"ein-zeitgenossisches-marchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/03\/21\/ein-zeitgenossisches-marchen\/","title":{"rendered":"Ein zeitgen\u00f6ssisches M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der deutsche Komponist Helmut Lachenmann l\u00e4utete mit seinem Werk &#8220;Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern&#8221; die Spielzeit 2014 des Col\u00f3n ein<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/colon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/colon.jpg\" alt=\"colon\" width=\"500\" height=\"269\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18361\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/colon.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/colon-300x161.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDas M\u00e4rchen von Hans Christian Andersen ist mit einfachen, kindlichen Worten erz\u00e4hlt, und doch ist es der reine Horror. Die Musik-Ger\u00e4usch-Komposition des deutschen Komponisten Helmut Lachenmann, die &#8220;Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern&#8221; als Grundlage nimmt, wobei Lachenmann auch Textst\u00fccke von Gudrun Ensslin und Leonardo Da Vinci verwendet, l\u00e4sst dem Zuh\u00f6rer &#8211; passend dazu &#8211; immer wieder das Blut in den Adern gefrieren. Da geht ein kleines M\u00e4dchen am Weihnachtsabend nach drau\u00dfen in die eisige K\u00e4lte, um Streichh\u00f6lzer zu verkaufen. Beim \u00dcberqueren der Stra\u00dfe wird sie fast \u00fcberfahren und verliert in der Hast ihre Schuhe. Barfu\u00df geht sie weiter. \u00dcberall in den H\u00e4usern ist warmer Lichtschein zu sehen, und der Geruch von Essen dringt nach drau\u00dfen. Das M\u00e4dchen friert und hat Hunger. Keinerbeachtet sie an oder kauft ihr etwas ab. Ohne Geld traut sie sich nicht nach Hause. Irgendwann brennt sie die Streichh\u00f6lzer ab, um etwas W\u00e4rme zu sp\u00fcren. Sie sieht eine Sternschnuppe und beginnt zu halluzinieren &#8211; sie sieht die verstorbene Gro\u00dfmutter vor sich. Dann stirbt das M\u00e4dchen. Kein Mensch k\u00fcmmert sich darum, und am n\u00e4chsten Morgen lehnt die Erfrorene immer noch an der H\u00e4userwand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/opera-vendedora-de-fosforos11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/opera-vendedora-de-fosforos11.jpg\" alt=\"opera vendedora de fosforos11\" width=\"250\" height=\"177\" class=\"alignright size-full wp-image-18307\" \/><\/a>Helmut Lachenmann hat mit der Konzertversion seiner Oper &#8220;Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern&#8221; am vergangenen Samstagabend und Sonntagnachmittag die Spielzeit 2014 des renommierten Col\u00f3n-Theaters er\u00f6ffnet. Mit der Unterst\u00fctzung des Goethe-Instituts Buenos Aires, fand der von Mart\u00edn Bauer geleitete Zyklus &#8220;Col\u00f3n Contempor\u00e1neo&#8221; (Zeitgen\u00f6ssisches Col\u00f3n) im Hauptsaal des ehrw\u00fcrdigen Opernhauses statt. Das Publikum der Lateinamerikapremiere des Lachenmann-Werkes war in der Mehrzahl etwas j\u00fcnger und freakiger als das &#8220;normale&#8221; Opernpublikum und nahm das experimentelle Musiktheaterwerk mit gro\u00dfem Wohlwollen auf.<\/p>\n<p>Unter der Stabf\u00fchrung des jungen Schweizer Dirigenten Baldur Br\u00f6nnimann gaben Orchester und Chor des Col\u00f3n sowie verschiedene Solisten ihr Bestes, ihren Instrumenten bzw. Stimmen die ungew\u00f6hnlichsten Kl\u00e4nge zu entlocken. Auch die Stimmen der beiden Sopranistinnen wurden als Instrumente eingesetzt. Das Pfeifen des Windes, die K\u00e4lte, die Schw\u00e4rze der Nacht wurden heraufbeschworen. Evoziert werden die K\u00e4lte und Gef\u00fchllosigkeit der Gesellschaft, die sich um ihre schw\u00e4chsten Mitglieder nicht schert.<\/p>\n<p>Lachenmann lotet die Grenzen der Musik und auch der Sprache aus. Er selbst fungierte in der Auff\u00fchrung in einer Szene als Erz\u00e4hler. Doch getragen wurde sein beeindruckendes Werk vor allem durch die hochkonzentrierte, virtuose Glanzleistung aller beteiligten Musiker. Der in Stuttgart geborene Lachenmann war sichtlich ger\u00fchrt vom Applaus des Publikums, aber mehr noch von der Darbietung seines Werkes durch die K\u00fcnstler &#8211; er h\u00f6rte gar nicht mehr auf, den Musikern und Br\u00f6nnimann auf die Schultern zu klopfen und die H\u00e4nde zu sch\u00fctteln oder sie zu umarmen.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Das ehrw\u00fcrdige Col\u00f3n-Opernhaus in Buenos Aires erlebte eine ungew\u00f6hnliche Lateinamerika-Premiere.<\/p>\n<p>Helmut Lachenmann bei einer Probe im Col\u00f3n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Komponist Helmut Lachenmann l\u00e4utete mit seinem Werk &#8220;Das M\u00e4dchen mit den Schwefelh\u00f6lzern&#8221; die Spielzeit 2014 des Col\u00f3n ein Von Susanne Franz Das M\u00e4rchen von Hans Christian Andersen ist mit einfachen, kindlichen Worten erz\u00e4hlt, und doch ist es der reine Horror. 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