{"id":18417,"date":"2014-04-30T14:45:29","date_gmt":"2014-04-30T17:45:29","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18417"},"modified":"2014-05-02T14:45:46","modified_gmt":"2014-05-02T17:45:46","slug":"reichtum-und-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/04\/30\/reichtum-und-staat\/","title":{"rendered":"Reichtum und Staat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reichtum steht zusehends am \u00f6ffentlichen Pranger<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/reichtum.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/reichtum.jpg\" alt=\"reichtum\" width=\"250\" height=\"188\" class=\"alignright size-full wp-image-18717\" \/><\/a><em>Statement des Wirtschaftsministers eines als Demokratie verkleideten, s\u00fcdamerikanischen autorit\u00e4ren Regimes: Die Wirtschaft ist wie ein Luftballon. Sie steigt immer nach oben. Die Regierung muss nur aufpassen, die Strippe nicht aus der Hand zu geben.<\/em><\/p>\n<p>Dieser Minister marxistischen Ursprungs steht der wirtschaftlichen Wirklichkeit nat\u00fcrlich ferner als der Polarstern. Er agiert zudem in einem durch Jahrzehnte des Populismus gepr\u00e4gten, katholischen Umfeld mit feudalistischen Reminiszenzen und sozialistischen Utopien. Aber auch in Gesellschaften mit langer marktwirtschaftlicher Tradition steht der Reichtum zusehends am \u00f6ffentlichen Pranger, seit die \u00fcberbordenden globalen Geldmengen vorwiegend Konzerne und Topmanager beg\u00fcnstigen. In Deutschland etwa streiten sich Politiker und Medien \u00fcber wenig mehr als \u00fcber eine h\u00f6here Besteuerung des Reichtums.<\/p>\n<p>Dabei wird h\u00e4ufig ersichtlich, dass der Begriff Reichtum recht verschieden definiert wird und sowohl \u00fcber seine moralische Berechtigung wie \u00fcber seine gesellschaftlichen Auswirkungen \u00fcberaus divergierende Ansichten bestehen. Ein Versuch zur Vereinheitlichung:<\/p>\n<p>Die einschl\u00e4gigen Statistiken sind kompliziert, un\u00fcbersichtlich und von Land zu Land nur \u00e4u\u00dferst schwer vergleichbar. In \u00c4thiopien w\u00fcrde ein schwedischer unterer Mittelst\u00e4ndler als reich gelten, in Abu Dhabi kommen sich manche Million\u00e4re arm vor. Reichtum ist relativ. Verm\u00f6gen und Einkommen sind ziemlich verschiedene Dinge. In Argentinien existiert das Sprichwort vom reichen Estanciero, der nicht genug Geld hat, um das Taxi zu bezahlen. Es gibt, im Kontrast zum Estanciero, Einkommensmillion\u00e4re (im Show-Buissness, im Sport, Spekulanten), die es nie zu einem angemessenen Verm\u00f6gen gebracht haben. Im Allgemeinen kann jedoch schon davon ausgegangen werden, dass gro\u00dfe Verm\u00f6gen und gro\u00dfe Einkommen sich gegenseitig bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Das Zustandekommen von Reichtum moralisch beurteilen zu wollen, gleicht dem Versuch, das Geschlecht der Engel zu ermitteln. Nat\u00fcrlich gibt es Extremf\u00e4lle. R\u00e4uber und Korrupte sind zu verurteilen. Wer seine eigene Erfindung in jahrelanger Arbeit zu einem Weltprodukt entwickelte, verdient uneingeschr\u00e4nktes Lob. Aber die gl\u00fccklichen Erben? Die Lottogewinner? Die erfolgreichen Sportler, S\u00e4nger, K\u00fcnstler, Anw\u00e4lte, die f\u00fcr einen Sieg, einen Auftritt, ein Werk, einen gewonnenen Prozess sechsstellige Summen kassieren? Die Topmanager, deren Meriten wom\u00f6glich darin bestehen, in Davos, auf dem Poloplatz, im Jockeyklub, auf der Hannover Messe oder in Bayreuth ein Milliardengesch\u00e4ft angebandelt zu haben? Es ist m\u00fc\u00dfig, deren Leistung und deren Privilegien in Bezug zu setzen zu denen eines f\u00e4higen Technikers, Kaufmanns oder Beamten. Gl\u00fcck und Pech, Verwandt- und Freundschaften spielen halt auch in unseren hoch zivilisierten und reglementierten Gesellschaften ihre traditionelle Rolle und k\u00f6nnen durch die besten Gesetze nur einged\u00e4mmt, nicht ausgemerzt werden.<\/p>\n<p>So ist es wohl erheblich zielf\u00fchrender, den Status des Reichtums nach dem Ma\u00df zu definieren, in welchem er der Allgemeinheit zugute kommt. In aller Regel besteht Wohlstand nur zum geringsten Teil aus Geldverm\u00f6gen. Seinen Kern pflegen Firmenbeteiligungen, Grundst\u00fccke, Marken- und andere Rechte zu bilden. Das sind Aktiva, die initiativ und behutsam verwaltet werden wollen. Alle Erfahrung zeigt, dass private Besitzer dies erfolgreicher bewerkstelligen k\u00f6nnen als Staatsbeamte. Sie verdienen Geld damit, f\u00f6rdern aber auch das Gemeinwohl, indem sie Arbeitspl\u00e4tze schaffen, Steuern zahlen, h\u00e4ufig Wohlt\u00e4tigkeit betreiben. Der Staat tut gut daran, ihnen unternehmerische Freiheit zu gew\u00e4hren, jedoch darauf zu achten, dass die Steuern angemessen sind zu den Vorteilen, die er dem Unternehmer gew\u00e4hrt wie Rechtssicherheit, gut ausgebildete Arbeitnehmer mit ausreichender Gesundheits- und Altersversorgung, sozialen Frieden also, eine intakte Infrastruktur, Geldstabilit\u00e4t sowie die Verfolgung ausreichend g\u00fcnstiger auch internationaler Rahmenbedingungen. Au\u00dferdem hat der Staat darauf zu achten, dass Monopole und andere sittenwidrige Strategien unterbunden werden.<\/p>\n<p>Aber auch Geldverm\u00f6gen k\u00f6nnen der Gemeinschaft dienen, wenn sie vern\u00fcnftig angelegt sind. Bankguthaben verwandeln sich schlie\u00dflich im Finanzsystem in Kredite. Wenn diese vern\u00fcnftigen Zwecken dienen, etwa der Erh\u00f6hung unternehmerischer Wettbewerbsf\u00e4higkeit, der besseren Energieversorgung oder der Wohnraumbeschaffung, kann der Profit f\u00fcr die Gesellschaft gr\u00f6\u00dfer sein als der Zinsertrag f\u00fcr den Anleger. Es liegt auf der Hand, dass bei der Zweckbestimmung der Kredite die Verantwortung bei den Banken liegt (deren Vernunft seit einiger Zeit in Zweifel geraten ist). Nat\u00fcrlich kann ein einigerma\u00dfen erfahrener Geldinhaber den Zweck seiner Anlagen (in gewissen Grenzen) auch selbst bestimmen, indem er Aktien oder Investmentzertifikate kauft. Wenn er vern\u00fcnftig sein will, sollte er dabei allerdings nicht unbedingt Waffenexporteure finanzieren oder die Errichtung von noch mehr Wolkenkratzern in \u00d6lscheicht\u00fcmern.<\/p>\n<p>Was die Reichen mit ihren Eink\u00fcnften nach Steuern machen, hat den verfassungsgem\u00e4\u00df handelnden Staat nicht zu interessieren.<\/p>\n<p>Mitnichten ist dies jedoch gesellschaftlich irrelevant. Hier kommen Vernunft und Anstand der Betreffenden ins Spiel. Niemand wird es einem Erfolgreichen verwehren wollen, in einem sehr sch\u00f6nen Haus mit gro\u00dfem Garten zu wohnen, Oberklassenautos zu fahren oder sich darin fahren zu lassen und, statt zu kegeln oder Briefmarken zu sammeln, Golf zu spielen oder mit einer Yacht auf dem Mittelmeer zu segeln. Wer jedoch die Priorit\u00e4t darauf setzt, im internationalen Jet Set zu re\u00fcssieren, wer nicht ein Feriendomizil oder eine Yacht besitzt, sondern solche im Tessin, in Katar, in London oder New York oder in der Ostsee, im Mittelmeer und in der Karibik, neben Jagdrevieren im Sachsenwald, in Rum\u00e4nien und Patagonien, wer die teuersten Spezialisten bezahlt, um die letzte Steuersparl\u00fccke der Welt zu entdecken oder, um einer geringen Rentabilit\u00e4tsverbesserung willen, langj\u00e4hrige Mitarbeiter auf die Stra\u00dfe setzt, der schafft gesellschaftlichen Sprengstoff. Er f\u00f6rdert mit seinem Geld nicht nur unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig teure, gesellschaftlich unn\u00fctze, Investitionen im Luxussektor, er l\u00f6st auch Neid aus, bei Kollegen Gier, es ihm gleichzutun, und in manchen politischen Kreisen eine nicht unberechtigte Hoffnung, die Marktwirtschaft zu knebeln oder ganz abzuschaffen.<\/p>\n<p>Und dagegen kann sich der Rechtsstaat nicht wehren.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDas Zustandekommen von Reichtum moralisch beurteilen zu wollen, gleicht dem Versuch, das Geschlecht der Engel zu ermitteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reichtum steht zusehends am \u00f6ffentlichen Pranger Von Friedbert W. B\u00f6hm Statement des Wirtschaftsministers eines als Demokratie verkleideten, s\u00fcdamerikanischen autorit\u00e4ren Regimes: Die Wirtschaft ist wie ein Luftballon. Sie steigt immer nach oben. Die Regierung muss nur aufpassen, die Strippe nicht aus der Hand zu geben. Dieser Minister marxistischen Ursprungs steht der wirtschaftlichen Wirklichkeit nat\u00fcrlich ferner als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-18417","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18417"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18417\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18719,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18417\/revisions\/18719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}