{"id":18478,"date":"2014-04-03T11:08:28","date_gmt":"2014-04-03T14:08:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18478"},"modified":"2014-04-05T11:34:25","modified_gmt":"2014-04-05T14:34:25","slug":"pladoyer-fur-aktive-gedenkarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/04\/03\/pladoyer-fur-aktive-gedenkarbeit\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4doyer f\u00fcr aktive Gedenkarbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Klaus Wowereit er\u00f6ffnet Ausstellung &#8220;250 Jahre J\u00fcdisches Krankenhaus Berlin&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/wowereit.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/wowereit.jpg\" alt=\"wowereit\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18480\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/wowereit.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/wowereit-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nUm die Zukunft zu meistern, bedarf es einer aktiven Gedenkarbeit. Dieses Credo formulierte Klaus Wowereit anl\u00e4sslich der Ausstellungser\u00f6ffnung &#8220;250 Jahre J\u00fcdisches Krankenhaus Berlin&#8221;, die seit Dienstag im J\u00fcdischen Museum von Buenos Aires (Libertad 769) zu besichtigen ist. Der Regierende B\u00fcrgermeister der Spreemetropole weilte in der argentinischen Hauptstadt, um das 20-j\u00e4hrige Bestehen der St\u00e4dtepartnerschaft zwischen beiden St\u00e4dten zu feiern. Diese werde getragen von den B\u00fcrgern zweier St\u00e4dte, die beide von wechselvoller Geschichte gepr\u00e4gt seien, so Wowereit.<\/p>\n<p>Der Regierende B\u00fcrgermeister hob das J\u00fcdische Krankenhaus (JKB) im Ortsteil Gesundbrunnen als einen Ort hervor, der beispielhaft die Ver\u00e4nderungen und Verwerfungen der Geschichte zeige: Wie Menschen friedlich miteinander gelebt haben, aber auch, wie Menschen verfolgt und schlie\u00dflich ermordet wurden. Erinnerung daran sei man den Opfern der NS-Terrorherrschaft schuldig. Wowereit w\u00fcrdigte, dass Argentinien mehr als andere L\u00e4nder Juden aufgenommen habe. Rund 30.000 vom Holocaust bedrohte Menschen h\u00e4tten sich damals vor dem Regime der Nationalsozialisten hierher retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister erinnerte an das einstmals bl\u00fchende j\u00fcdische Leben in Berlin, das durch den Holocaust zerst\u00f6rt worden sei. Heute kehre j\u00fcdisches Leben zur\u00fcck in die deutsche Hauptstadt. Dies m\u00fcsse jedoch besch\u00fctzt werden, da es immer noch Menschen gebe, die nichts aus der Geschichte gelernt h\u00e4tten, so die Einsch\u00e4tzung des B\u00fcrgermeisters, der vor diesem Hintergrund ermahnte: &#8220;Demokratie muss jeden Tag neu gelebt werden.&#8221;<\/p>\n<p>Wowereit unterstrich die Vorbildfunktion, die Metropolen wie Berlin und Buenos Aires f\u00fcr das Zusammenleben von Menschen insgesamt zuk\u00e4me. Dabei habe die Geschichte beider St\u00e4dte gezeigt, dass man immer dann erfolgreich war, wenn ein Klima der Offenheit und des Respekts vor den Menschenrechten geherrscht habe.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Stadt Buenos Aires sprach Kulturminister Hern\u00e1n Lombardi, der die St\u00e4dtepartnerschaft als &#8220;fruchtbare Beziehung&#8221; charakterisierte. Buenos Aires und Berlin, die beide in der Geschichte viel gelitten h\u00e4tten, st\u00fcnden heute f\u00fcr Pluralismus, Jugend und f\u00fcr Kultur als Lebensform.<\/p>\n<p>Besonders auf die Geschichte des Hospitals ging Dr. Jochen Palenker, der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung JKB, ein. Seit 200 Jahren stehe das Krankenhaus Menschen aller Konfessionen offen. Menschlichkeit sei schlie\u00dflich nicht teilbar. In Berlin weise nur die Universit\u00e4tsklinik &#8220;Charit\u00e9&#8221; eine l\u00e4ngere Geschichte auf. Bedeutende \u00c4rzte wie Dr. James Israel, der Wegbereiter der modernen urologischen Chirurgie, sowie Bernhard von Langenbeck, der Gr\u00fcnder der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Chirurgie, h\u00e4tten im JKB gewirkt. Gemeinsam mit der &#8220;Charit\u00e9&#8221; sei das JKB &#8220;Motor des medizinischen Fortschritts&#8221; gewesen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Julius Schoeps, der Direktor des Moses-Mendelssohn-Zentrums der Uni Potsdam, beschrieb das J\u00fcdische Krankenhaus als &#8220;ein St\u00fcck berlinisch-j\u00fcdischer, aber auch deutsch-j\u00fcdischer Geschichte&#8221;. Schoeps\u2018 Institut hatte die Ausstellung 2006 konzipiert, die bereits in Berlin, Jerusalem, Haifa und New York zu sehen war.<\/p>\n<p>F\u00fcr die DAIA, den Dachverband der j\u00fcdischen Organisationen in Argentinien, sprach deren Vizepr\u00e4sident Waldo Wolff. Er machte die Wichtigkeit, Geschichte zu vermitteln, am Beispiel eines Geschichtslehrers deutlich, den er bei einem Besuch in Deutschland kennengelernt hatte. Dieser begr\u00fcndete seine Lehrmotivation damit, dass er von seinem demokratisch gesinnten Gro\u00dfvater das Verm\u00e4chtnis \u00fcbernommen habe, die Erinnerung an das w\u00e4hrend der NS-Zeit Geschehene wachzuhalten. <\/p>\n<p>Der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee sieht in der aktuellen Ausstellung einen &#8220;Br\u00fcckenschlag zum j\u00fcdischen Leben in Berlin&#8221;. Die Geschichtsschau st\u00e4rke die Beziehungen nicht nicht nur zwischen Berlin und Buenos Aires sowie Deutschland und Argentinien insgesamt, sondern auch die Verbindungen zwischen der hiesigen deutschen Botschaft und den j\u00fcdischen Vereinigungen vor Ort.<\/p>\n<p>Als Gastgeber des Abends sprach Museumsdirektor und Rabbiner Dr. Sim\u00f3n Moguilevsky von einer &#8220;gro\u00dfen Ehre und Genugtuung&#8221;, die Berliner Ausstellung in Buenos Aires zeigen zu k\u00f6nnen. Die Bezeichnung Hospital stamme vom lateinischen Wort f\u00fcr beherbergen, erinnerte Moguilevsky. Seien in fr\u00fcheren Zeiten Menschen in ihren H\u00e4usern kuriert worden, entwickelten sich heutzutage Krankenh\u00e4user zu Einrichtungen, in denen die Patienten nicht nur operiert, sondern sich auch l\u00e4nger zu Genesungszwecken aufhalten k\u00f6nnten. Die Ausstellung spiegele auch die Entwicklung zum modernen Hospital wider.<\/p>\n<p>Die Geschichte des JKB begann im Jahr 1756 mit der Schaffung eines Hospitals an der Oranienburger Stra\u00dfe durch die j\u00fcdische Gemeinde. 1914 erfolgte der Umzug aus Berlins Mitte in den Wedding\/Ortsteil Gesundbrunnen. Als einzige j\u00fcdische Institution in ganz Deutschland \u00fcberstand das JKB den Naziterror. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde das Krankenhaus als Sammellager und Zwischenstation f\u00fcr die Transporte der Juden in die Konzentrationslager missbraucht. Es wurde Ghetto, aber auch Zufluchtsst\u00e4tte f\u00fcr Untergetauchte. <\/p>\n<p>Nach dem Holocaust konnten die wenigen Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde das Krankenhaus finanziell nicht mehr tragen. 1963 wurde es in eine Stiftung des b\u00fcrgerlichen Rechts umgewandelt.<\/p>\n<p>Die Sonderausstellung im J\u00fcdischen Museum von Buenos Aires (Libertad 769) ist bis zum 27. Juni zu besichtigen. \u00d6ffnungszeiten sind dienstags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr sowie freitags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/04\/02\/berlin-ist-ein-bisschen-neidisch\/\">Am Montag hatte Klaus Wowereit im Rahmen einer Veranstaltung zur St\u00e4dtepartnerschaft Berlin-Buenos Aires eine Ausstellung im Design-Zentrum CMD eingeweiht.<\/a><\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nBerlins Regierender B\u00fcrgermeister Klaus Wowereit (re.) in Buenos Aires.<br \/>\n(Foto: Marcus Christoph)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaus Wowereit er\u00f6ffnet Ausstellung &#8220;250 Jahre J\u00fcdisches Krankenhaus Berlin&#8221; Von Marcus Christoph Um die Zukunft zu meistern, bedarf es einer aktiven Gedenkarbeit. 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