{"id":18505,"date":"2014-04-11T13:44:58","date_gmt":"2014-04-11T16:44:58","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18505"},"modified":"2014-04-12T13:55:17","modified_gmt":"2014-04-12T16:55:17","slug":"vom-verregneten-teppich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/04\/11\/vom-verregneten-teppich\/","title":{"rendered":"Vom verregneten Teppich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anekdoten zum Filmfestival BAFICI<\/p>\n<p><em>Von Philipp Boos<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/La-Salada.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/La-Salada.jpg\" alt=\"La Salada\" width=\"500\" height=\"263\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18506\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/La-Salada.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/La-Salada-300x157.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEin bisher abwechslungsreiches BAFICI l\u00e4utete die kulturelle Jahreszeit in Buenos Aires ein. P\u00fcnktlich zum Herbstanfang erschwerten monsungleiche Regeng\u00fcsse die Anreise f\u00fcr die Festivalbesucher, so wie goldene Herbsttage lichtscheue Kinog\u00e4nger nach den Vorstellungen warm in Empfang nahmen.<\/p>\n<p>Manchmal ist nicht ganz klar, wo sich hier Filmreifes abspielt, ob auf oder vor der Leinwand. Die edel gekleidete Anw\u00e4ltin in ihren 60er Jahren, ein kr\u00e4ftiger roter Lippenstift bringt ihren Mund zum Leuchten, sitzt mit mir in jeder zweiten Vorf\u00fchrung. Die Frage, ob sie derzeit keine F\u00e4lle zu l\u00f6sen habe, von mir nicht ganz ernst gemeint, tut sie mit dieser typischen \u201enooo por favor\u201c-Geste ab. Sie nehme sich die Zeit, f\u00fcr die Filme. Sie erz\u00e4hlt mir von ihren Reisen nach Deutschland, die M\u00e4rchenstra\u00dfe habe sie zuletzt abgefahren. Und unter anderem die Bronzestatue der Bremer Stadtmusikanten in der gleichnamigen Hansestadt gesehen und ber\u00fchrt. Sie kommt aus dem Schw\u00e4rmen gar nicht mehr heraus. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter wei\u00df ich dann auch, dass sie einen Geliebten in M\u00fcnchen hat.<\/p>\n<p>Die Kinog\u00e4ngerin vor mir ist sichtlich irritiert, immer wieder zuckt sie zusammen, wenn die laute und selbstbewusste Dame, die immer gleich alle um sie stehenden Menschen adressiert, den Mund aufmacht. Die Schlangen von wartenden Kinobesuchern vor dem Kinokomplex Village Recoleta sind ein guter Ort f\u00fcr Beobachtungen, sicherlich auch f\u00fcr den ein oder anderen Drehbuchautor.<\/p>\n<p><em>Den<\/em> Kinobesucher gibt es im BAFICI nicht. Da ist der Hipster in R\u00f6hrenjeans, der auch im Kinosaal nicht seine Sonnenbrille absetzt; Cineasten im h\u00f6heren Alter, unter dem Arm den Festivalkatalog geklemmt, als w\u00e4re er in die Achselh\u00f6hle geklebt, Brille mit dicken Gl\u00e4sern und in sich gekehrt, Kontaktaufnahme nur im Notfall. Modisch gekleidete Menschen aus dem angrenzenden Palermo und Recoleta, die die Warteschlange auch schon mal mit dem roten Teppich in Cannes verwechseln, aber auch Familien sind zugegen. Ein sch\u00f6ner, unterhaltsamer &#8220;bunter Haufen&#8221; also.<\/p>\n<p>Seit Festivalbeginn am 2. April herrscht um das Centro Cultural Recoleta, wo sich das Festival-Hauptquartier befindet, sowie im Village Recoleta, wo zehn Kinos\u00e4le dem Festival gewidmet sind, reges Treiben. Das Festival ist gr\u00f6\u00dfer als letztes Jahr, 50 Filme mehr werden gezeigt. Ob man trotz des launigen Wetters die Besucherzahl von 370.000 im Vorjahr zu \u00fcberschreiten vermag, ist nach Auskunft der Organisatoren jedoch fraglich.<\/p>\n<p>&#8220;La Salada&#8221; sei ganz toll gewesen, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Rote Lippen brennen sich auf meiner Netzhaut ein. Der Einlass beginnt, und einer folgt nun dem anderen. Das hat schon fast Zeremoniecharakter. Auch die Kritik ist von dem Beitrag aus Taiwan mit argentinischem Einschlag, der im internationalen Wettbewerb konkurriert, begeistert. Und der Erfolg gibt dem in Argentinien gro\u00df gewordenen und ausgebildeten Regisseur Juan Mart\u00edn Hsu recht. Etliche Preise, auch auf unterschiedlichen europ\u00e4ischen Festivals, hat er bisher abger\u00e4umt.<\/p>\n<p>&#8220;La Salada&#8221; besch\u00e4ftigt sich mit Argentiniens neuen Immigranten und gibt ihnen ein Gesicht. Der Film ist als Mosaik angelegt, drei unterschiedliche Schicksale treffen auf dem riesigen, illegalen Markt &#8220;La Salada&#8221; aufeinander. Aus S\u00fcdkorea, Bolivien und Taiwan kommen die Protagonisten. Erz\u00e4hlt wird eine Augen \u00f6ffnende Geschichte von Entfremdung und Einsamkeit in der neuen Heimat.<\/p>\n<p>Ebenfalls im internationalen Wettbewerb zu sehen ist der mutige Dokumentarfilm &#8220;Iranian&#8221; des in Paris lebenden iranischen Architekten und Filmemachers Mehran Tamadon. Dieser reist in den Iran, da es ihm nach langer Suche gelungen ist, vier treue Regimeunterst\u00fctzer unter einem Dach zusammenzubringen. Diskutiert werden Demokratie, der Schleier, die Rollen von Mann und Frau sowie die B\u00fcrde, die eine Minderheit in einer seit mehr als 30 Jahren bestehenden, gew\u00e4hlten islamischen Republik zu tragen hat. Ob es dem Liebhaber aus dem fernen M\u00fcnchen geschuldet ist, man wei\u00df es nicht, aber die Dame mit dem Lippenstift und der gro\u00dfz\u00fcgigen Perlenkette verl\u00e4sst die Veranstaltung schon zur Halbzeit.<\/p>\n<p>Wer es auch an diesem letzten Wochenende nicht zum Festival schafft, dem sei ein Blick auf die <a href=\"http:\/\/festivales.buenosaires.gob.ar\/bafici\/es\/home\">Webpr\u00e4senz des BAFICI<\/a> empfohlen. Man bekommt einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Wettbewerbe und die darin enthaltenen Filme und kann sich die dazugeh\u00f6rigen Trailer ansehen. F\u00fcr ein paar Anregungen lohnt es sich ganz bestimmt.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\n&#8220;La Salada&#8221; von Juan Mart\u00edn Hsu, der im internationalen Wettbewerb konkurriert, wurde von der Kritik und dem Publikum begeistert aufgenommen.<br \/>\n(Foto: BAFICI)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anekdoten zum Filmfestival BAFICI Von Philipp Boos Ein bisher abwechslungsreiches BAFICI l\u00e4utete die kulturelle Jahreszeit in Buenos Aires ein. P\u00fcnktlich zum Herbstanfang erschwerten monsungleiche Regeng\u00fcsse die Anreise f\u00fcr die Festivalbesucher, so wie goldene Herbsttage lichtscheue Kinog\u00e4nger nach den Vorstellungen warm in Empfang nahmen. 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