{"id":18848,"date":"2014-05-14T16:54:44","date_gmt":"2014-05-14T19:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18848"},"modified":"2014-05-24T18:25:00","modified_gmt":"2014-05-24T21:25:00","slug":"hinschauen-ohne-zu-blinzeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/05\/14\/hinschauen-ohne-zu-blinzeln\/","title":{"rendered":"Hinschauen, ohne zu blinzeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nina J\u00e4ckle stellte auf der 40. Internationalen Buchmesse ihren ersten auf Spanisch erschienenen Roman &#8220;Zielinski&#8221; vor<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/nina_jaeckle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/nina_jaeckle.jpg\" alt=\"nina_jaeckle\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18850\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/nina_jaeckle.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/nina_jaeckle-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n&#8220;Als ich das Buch schrieb, passierten gerade in der Welt viele Selbstmordanschl\u00e4ge&#8221;, erz\u00e4hlt die deutsche Autorin Nina J\u00e4ckle dem Publikum der Internationalen Buchmesse von Buenos Aires. &#8220;Da war ein ganz gro\u00dfes Unverst\u00e4ndnis in mir. Ich wollte \u00fcber diese Radikalisierung nicht oberfl\u00e4chlich urteilen &#8211; ich wollte sie ansehen.&#8221; J\u00e4ckles Roman &#8220;Zielinski&#8221; \u00fcber den Weg eines Menschen in den Wahnsinn, der in Deutschland im Jahr 2011 erschienen ist, ist der erste aus dem ansehnlichen Werk der 1966 in Schwenningen geborenen Schriftstellerin, das auf Spanisch erschienen ist (Verlag Serapis) &#8211; ein weiteres Buch J\u00e4ckles ist bereits ins Spanische \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Die Autorin weilte auf Einladung des Goethe-Instituts und der Frankfurter Buchmesse einige Tage in Argentinien. Die Veranstaltung &#8220;Erz\u00e4hlung und Wahn&#8221;, die am 10. Mai im voll besetzten Bioy-Casares-Saal des Messegel\u00e4ndes La Rural stattfand, mag zwar wegen der begrenzten Kapazit\u00e4t des Raumes keine Massen angezogen haben, sie fand aber durch ein sehr positives Echo in Radio-, Zeitungs- und Webbeitr\u00e4gen ein gro\u00dfes Publikum.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem argentinischen Autor Ariel Magnus gab Nina J\u00e4ckle einen Einblick in ihre Motivation zum Schreiben von &#8220;Zielinski&#8221; und die gesellschaftliche Relevanz der Figuren ihres Romanes &#8211; der Hauptperson Schoch, dessen psychische Dekadenz beschrieben wird, und der &#8220;Person&#8221; Zielinski, einer imagin\u00e4ren Gestalt, die sich in Schochs Wohnzimmer breit macht und die nach und nach vom freundlichen Zimmergenossen zum Peiniger wird, obwohl Schoch in lichten Momenten wei\u00df, dass Zielinski nur in seiner Einbildung existiert.<\/p>\n<p>Andere Themen waren u.a. das Schreiben an sich und die Eindr\u00fccke, die Nina J\u00e4ckle bei ihrem ersten Aufenthalt in Argentinien gesammelt hat. Au\u00dferdem gelang es der Autorin, bei der Fragerunde, die die Veranstaltung abschloss, auf eindrucksvolle Weise so intensiv auf jeden einzelnen Frager einzugehen (was beim intellektuellen argentinischen Publikum, dessen Fragen manchmal sehr komplex sind, gar nicht so einfach ist), dass die Zuschauer mit einem sch\u00f6nen Gef\u00fchl eines gemeinsamen Erlebnisses nach Hause gingen.<\/p>\n<p>&#8220;Was mich eigentlich interessiert hat, ist, wie es sein kann, dass jemand sich einer Situation hingibt, dass jemand etwas mit sich machen l\u00e4sst, das von au\u00dfen v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich erscheint, das aber von innen eine zwingende Logik hat.&#8221; Schoch l\u00e4sst Zielinski gew\u00e4hren, auch als dieser beginnt, ihn zu schlagen. Nach anf\u00e4nglichem Entsetzen werden die Schl\u00e4ge f\u00fcr Schoch sogar zunehmend zu einer Art religi\u00f6ser Zeremonie. &#8220;Wie kann so etwas passieren?&#8221; &#8211; mit dieser zentralen Frage setzte sich Nina J\u00e4ckle beim Verfassen des Buches auseinander. &#8220;Ich wollte beschreiben, wie schnell man sich an eine Sitation gew\u00f6hnt&#8221;, sagt die Autorin. &#8220;Aber ich wollte nicht werten und auch nicht zum Widerstand aufrufen.&#8221;<\/p>\n<p>Hinschauen, ohne zu blinzeln, das kann auch f\u00fcr den Leser schwierig sein. Ariel Magnus sagt, er habe in Kritiken zu &#8220;Zielinski&#8221; in Deutschland Vergleiche mit Beckett gelesen. Nina J\u00e4ckle ist davon \u00fcberrascht. &#8220;Beckett &#8211; das ist gut!&#8221;, freut sie sich. Und gibt zu, dass ihr Werk ein Buch sei, das &#8220;keine Notausg\u00e4nge&#8221; habe. &#8220;Meine ersten Leser sind immer meine Mutter und meine Schwester&#8221;, erz\u00e4hlt sie. Letztere habe in &#8220;Zielinski&#8221; eine Rolle gehabt. Nach dem Lesen kamen die Reaktionen &#8211; die Schwester: &#8220;Das bin ich nicht!&#8221;, die Mutter: &#8220;Nina, geht es dir gut?&#8221;<\/p>\n<p>Und wie ist Nina J\u00e4ckle zum Schreiben gekommen? Sie sei mit einem sprachaffinen Vater aufgewachsen, und der habe gesagt: &#8220;Nina, du hast \u00fcberhaupt keine Talente, aber du kannst dich gut rausreden.&#8221; Die Autorin nachdenklich: &#8220;Vielleicht mache ich das &#8211; ich rede mich raus.&#8221;<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nNina J\u00e4ckle im Gespr\u00e4ch mit Ariel Magnus.<br \/>\n(Foto: Editorial Serapis)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nina J\u00e4ckle stellte auf der 40. 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