{"id":18852,"date":"2014-05-22T17:07:07","date_gmt":"2014-05-22T20:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18852"},"modified":"2014-05-24T17:15:40","modified_gmt":"2014-05-24T20:15:40","slug":"santiago-porter-und-die-erinnerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/05\/22\/santiago-porter-und-die-erinnerung\/","title":{"rendered":"Santiago Porter und die Erinnerung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der argentinische Fotograf zeigt &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221; bei Rolf Art und &#8220;La Ausencia&#8221; bei arteBA<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/la_ausencia-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/la_ausencia-1.jpg\" alt=\"la_ausencia (1)\" width=\"500\" height=\"342\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18854\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/la_ausencia-1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/la_ausencia-1-300x205.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDer argentinische Fotograf Santiago Porter macht zur Zeit mit gleich zwei Ausstellungen in Buenos Aires von sich reden. Eine ist die Einzelschau &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221;, die seit einigen Wochen und noch bis zum 30. Mai in der auf Fotografie spezialisierten Galerie Rolf Art in Recoleta zu sehen ist. Die andere ist sein Auftritt am Stand von Rolf Art &#8211; zusammen mit anderen renommierten Fotografen &#8211; auf der Kunstmesse arteBA, die bis einschlie\u00dflich Montag, den 26. Mai, im Messegel\u00e4nde Rural im Brennpunkt des Interesses steht.<\/p>\n<p>In der Galerie Rolf Art wird man, nachdem man geklingelt hat, eingelassen und freundlichst \u00fcber die Ausstellung informiert. Hatte man sich unter dem Titel, den man etwa mit &#8220;Befindlichkeit der Blumen&#8221; \u00fcbersetzen k\u00f6nnte, eher eine farbenfrohe Geschichte vorgestellt, wird man im ersten Saal der Galerie von intimistischen, kleinformatigen, zarten Werken in Schwarz-Wei\u00df \u00fcberrascht. Sie sind mehr als 15 Jahre alt, Porter hat sie bislang noch nie gezeigt.<\/p>\n<p>In den weiteren R\u00e4umen der Galerie h\u00e4ngen Bilder j\u00fcngeren Datums von Zweigen aus verbrannten W\u00e4ldern, ein gro\u00dfformatiges Werk aus Porters Foto-Serie in einem leerstehenden ehemaligen Gef\u00e4ngnis, und auch ein Bild aus seiner Umzugsserie, mit der Porter seit Jahren seine h\u00e4ufigen Wohnungswechsel dokumentiert.<\/p>\n<p>Der rote Faden, der sich durch die Ausstellung zieht, ist das Werk des mexikanischen Kult-Schriftstellers Mario Bellatin. &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221; hei\u00dft eines seiner B\u00fccher, das f\u00fcr Santiago Porter ausschlaggebend wurde, diese unver\u00f6ffentlichten Arbeiten auf diese Weise jetzt zu zeigen. Porter gibt damit Einblick in einen bestimmten Moment der Klarheit in seinem sch\u00f6pferischen Prozess, in dem verschiedene Punkte der Vergangenheit zusammenlaufen und einen Sinn ergeben. Der Besucher dieser sch\u00f6nen Ausstellung wird Zeuge eines nur selten \u00f6ffentlich mit-erlebbaren Ph\u00e4nomens: Wie im Schaffensprozess eines K\u00fcnstlers f\u00fcr diesen selbst verborgene Mechanismen wirken k\u00f6nnen, die erst nach Ablauf einer bestimmten Zeit ihr Geheimnis preisgeben.<\/p>\n<p>Um eine andere Art von Erinnerung geht es Porter in seiner Bilderwand \u201eLa Ausencia\u201c (2001-02) auf der Kunstmesse arteBA. Porter arbeitet mit diesem Projekt das Attentat auf das j\u00fcdische Sozialwerk AMIA im Juli 1994 auf, das 85 Menschen in den Tod riss und das bis heute eine offene Wunde darstellt, da die Schuldigen nie gefunden wurden. Die L\u00fccke (ausencia= Abwesenheit), die die bei dem blutigen Anschlag vor fast 20 Jahren get\u00f6teten Menschen f\u00fcr immer im Leben ihrer Angeh\u00f6rigen hinterlassen haben, zeigt Porter anhand von 20 Triptychen &#8211; er w\u00e4hlte nach eigenen Kriterien 20 Betroffene aus.<\/p>\n<p>Ein Foto zeigt die Person oder die Personen, die einen Menschen verloren haben, daneben ist ein Objekt abgebildet, das diesem geh\u00f6rte, auf einem dritten Bild steht ein kurzer Text. So wird etwa Rosa gezeigt, die Mutter von Sebasti\u00e1n Barreiros. Der F\u00fcnfj\u00e4hrige ging an ihrer Hand gerade an dem AMIA-Geb\u00e4ude vorbei, als kurz vor 10 Uhr morgens am 18. Juli 1994 die Bombe explodierte. Auf dem anderen Foto ist sein Fu\u00dfball zu sehen.<\/p>\n<p>Porters aufw\u00fchlende Arbeit macht das unendliche Leid unmittelbar deutlich, das das AMIA-Attentat verursacht hat. Mit der Sparsamkeit seiner Mittel und seiner rigorosen Sprache bezieht der K\u00fcnstler auch Stellung zum heutigen Foto-Journalismus, der mit immer schockierenderen Fotos von Katastrophen zu punkten versucht. Vielleicht lassen diese die Menschen dem Leid gegen\u00fcber eher abstumpfen.<\/p>\n<p>Santiago Porter wurde 1971 in Buenos Aires geboren. Der K\u00fcnstler wurde mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet und u.a. mit einem Guggenheim-Stipendium ausgestattet. Sein Werk ist in nationalen und internationalen Museen vertreten.<\/p>\n<ul>\n<li>Santiago Porter, &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221;. <a href=\"http:\/\/www.rolfart.com.ar\/\">Rolf Art<\/a>, Posadas 1583, PB (Erdgeschoss) &#8220;A&#8221;, Buenos Aires. Mo-Fr 11-20 Uhr. Eintritt frei. 27.3.-30.5.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.arteba.org\/\">23. Internationale Kunstmesse arteBA<\/a>. Messezentrum La Rural, Av. Sarmiento 2704, Buenos Aires. 14-21 Uhr. Eintritt 90 Pesos. 23.5.-26.5.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nSantiago Porter, &#8220;La Ausencia&#8221;, 2001-02.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der argentinische Fotograf zeigt &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221; bei Rolf Art und &#8220;La Ausencia&#8221; bei arteBA Von Susanne Franz Der argentinische Fotograf Santiago Porter macht zur Zeit mit gleich zwei Ausstellungen in Buenos Aires von sich reden. Eine ist die Einzelschau &#8220;Condici\u00f3n de las flores&#8221;, die seit einigen Wochen und noch bis zum 30. 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