{"id":18857,"date":"2014-05-21T17:02:10","date_gmt":"2014-05-21T20:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=18857"},"modified":"2014-05-24T17:06:28","modified_gmt":"2014-05-24T20:06:28","slug":"spiegel-der-russischen-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/05\/21\/spiegel-der-russischen-seele\/","title":{"rendered":"&#8220;Spiegel der russischen Seele\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fotoausstellung \u00fcber Leo Tolstoi im Centro Cultural Borges<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/tolstoi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/tolstoi.jpg\" alt=\"tolstoi\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-18858\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/tolstoi.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/tolstoi-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEr gilt als einer der ganz Gro\u00dfen der Weltliteratur: Leo Tolstoi. Der Autor so bedeutender Werke wie &#8220;Krieg und Frieden&#8221; oder &#8220;Anna Karenina&#8221; steht dieser Tage im Mittelpunkt einer Foto-Ausstellung, die unter dem Titel &#8220;Leo Tolstoi &#8211; Spiegel der russischen Seele&#8221; noch bis zum 8. Juni im Centro Cultural Borges zu sehen ist. Gezeigt werden Aufnahmen aus dem Leben des 1910 verstorbenen Schriftstellers, der trotz seiner adeligen Herkunft das einfache Leben propagierte.<\/p>\n<p>Zur Er\u00f6ffnung der Foto-Schau war mit Alexander &#8220;Sascha&#8221; Tolstoi der Urenkel des rauscheb\u00e4rtigen Poeten nach Buenos Aires gekommen, um mit einem Vortrag \u00fcber seinen ber\u00fchmten Vorfahren auf die Ausstellung einzustimmen. Der in Frankreich geborene und heute in Uruguay lebende Nachkomme ging auf die gro\u00dfe Tradition der Familie Tolstoi ein, deren Ahnen einst vor sieben Jahrhunderten von Deutschland nach Russland gekommen waren, dort den Zaren dienten und in den Adelsstand aufstiegen. Leo Tolstoi \u00fcbernahm Jasnaja Polnaja, das Landgut seiner Familie s\u00fcdlich von Moskau, und feierte mit den eingangs erw\u00e4hnten Werken Erfolge, die ihm internationale Anerkennung brachten.<\/p>\n<p>Doch mit Beginn seines sechsten Lebensjahrzehnts begann eine Zeit der inneren Einkehr. &#8220;Er wollte eine Religion praktizieren: nicht im Himmel, sondern auf Erden&#8221;, so Sascha Tolstoi \u00fcber seinen Urgro\u00dfvater. Von den Ideen des franz\u00f6sischen Philosophen und Zivilisationskritikers Jean-Jacques Rousseau beeinflusst, erblickte Leo Tolstoi in der schlichten, naturnahen Lebensweise der russischen Bauern eine Form, die dem idealen Naturzustand des Menschen frei von den (sch\u00e4dlichen) Einfl\u00fcssen der Zivilisation nahe komme. Sascha Tolstoi berichtete dabei vom Ringen seines Urgro\u00dfvaters mit sich selbst, um dem Ideal zu entsprechen. Der Dichter predigte N\u00e4chstenliebe und Gewaltlosigkeit und beeinflusste so unter anderem den indischen Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfer Mahatma Gandhi.<\/p>\n<p>Dabei machte Sascha auch Widerspr\u00fcche bei seinem ber\u00fchmten Vorfahren aus: &#8220;Er predigte die universelle Liebe, aber seine eigene Frau behandelte er mitunter schlecht.&#8221; Als Tolstoi in seinem Testament verf\u00fcgte, dass seine Werke als Besitzt\u00fcmer des Volkes anzusehen seien, kam es zum Streit mit der Gattin. Der 82-j\u00e4hrige Dichter verlie\u00df das heimatliche Gut und brach zu einer Eisenbahnfahrt auf, bei der an einer Lungenentz\u00fcndung starb.<\/p>\n<p>Dass das geistige Erbe des vor \u00fcber 100 Jahren verstorbenen Dichters weiterhin aktuell ist, machte Valery Kucherov, der Chef des russischen Kulturhauses in Buenos Aires (Casa de Rusia) deutlich: &#8220;Das Verm\u00e4chtnis Tolstois ist f\u00fcr immer und ewig und f\u00fcr alle.&#8221; Seine Gedanken lebten weiter. Tolstois Kritik am Konsumismus und einer &#8220;unmoralischen Lebensweise&#8221; sei aktueller denn je. Kucherov spannte bei seiner Ansprache zudem den Bogen zur aktuellen politischen Situation auf der Krim, die j\u00fcngst zum Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine wurde. In Erinnerung an Tolstois Teilnahme am Krim-Krieg Mitte des 19. Jahrhunderts meinte der Kulturfunktion\u00e4r, es k\u00f6nne gar keinen Zweifel geben, dass die Halbinsel im Schwarzen Meer russisch sei. Schlie\u00dflich habe Russland in der Geschichte mit seinem Blut daf\u00fcr gezahlt.<\/p>\n<p>Der russische Botschafter Victor V. Koronelli w\u00fcrdigte die Ausstellung als &#8220;bedeutendes kulturelles Ereignis&#8221; f\u00fcr Buenos Aires. Dies zeige auch das gro\u00dfe Publikumsinteresse zur Er\u00f6ffnung, der rund 200 G\u00e4ste beiwohnten.<\/p>\n<p>Die Ausstellung im Centro Cultural Borges (Viamonte 500) ist noch bis zum 8. Juni montags bis sonnabends von 10 bis 21 Uhr sowie sonn- und feiertags von 12 bis 21 Uhr zu sehen.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDas Bild zeigt (v.l.n.r.) den russischen Botschafter Victor Koronelli, Sascha Tolstoi und dessen langj\u00e4hrige Freundin Ana Mar\u00eda Bozzo, Kuratorin Virginia Fabri und Valery Kucherov, den Chef des russischen Kulturhauses.<br \/>\n(Foto: Marcus Christoph)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fotoausstellung \u00fcber Leo Tolstoi im Centro Cultural Borges Von Marcus Christoph Er gilt als einer der ganz Gro\u00dfen der Weltliteratur: Leo Tolstoi. 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