{"id":1896,"date":"2010-02-02T08:18:37","date_gmt":"2010-02-02T11:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/09\/28\/eine-ausstellung-die-keinen-kalt-lasst\/"},"modified":"2010-02-02T13:07:23","modified_gmt":"2010-02-02T16:07:23","slug":"eine-ausstellung-die-keinen-kalt-lasst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/02\/02\/eine-ausstellung-die-keinen-kalt-lasst\/","title":{"rendered":"Eine Ausstellung, die keinen kalt l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Anne Frank Zentrum in Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1978\" alt=Foto11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/Foto11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Sie gilt als Symbolfigur f\u00fcr die Opfer des Holocausts: das j\u00fcdisch-deutsche M\u00e4dchen Anne Frank. Das Tagebuch, in dem die Heranwachsende ihre Erlebnisse im Versteck eines Amsterdamer Hinterhauses bis zur ihrer Verhaftung und Deportation festh\u00e4lt, geh\u00f6ren zu den ergreifendsten Zeugnissen \u00fcber die nationalsozialistische Vernichtungspolitik. Seit wenigen Monaten gibt es in Buenos Aires einen Ort, der dem M\u00e4dchen, das Anfang 1945, gerade 15-j\u00e4hrig, im KZ Bergen-Belsen ums Leben kam, gewidmet ist: Das Anne Frank Zentrum (Centro Ana Frank Argentina) im Stadtteil Belgrano in der Stra\u00dfe Super\u00ed 2647. Dieses will dem Besucher auf interaktive Weise den Lebens- und Leidensweg des verfolgten M\u00e4dchens und ihrer Familie n\u00e4herbringen und somit das Gedenken an das unfassbare Geschehen wachhalten.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eAnnes Schicksal zeigt an einem individuellen Beispiel, was die Shoa war\u201c, fasst H\u00e9ctor Shalom zusammen. Der gelernte Psychologe ist Direktor des Zentrums, das er mit vier weiteren festen Mitarbeitern und zahlreichen freiwilligen Helfern betreibt. Die Ausstellung, die den Titel \u201eAna Frank &#8211; Una historia vigente\u201c (Anne Frank &#8211; hier und heute) tr\u00e4gt, beginnt im Erdgeschoss mit einer Bilderpr\u00e4sentation. Gezeigt werden pers\u00f6nliche Ereignisse aus dem Leben Annes und parallel dazu die politischen Entwicklungen in Deutschland beziehungsweise Europa. Die Familie Frank emigrierte bereits 1933 nach Holland, wo sie zun\u00e4chst &#8211; im Gegensatz zu Juden im Deutschen Reich &#8211; ein normales Leben f\u00fchren konnte. Dies wird deutlich bei der Gegen\u00fcberstellung der Fotos: W\u00e4hrend Anne und ihre Schwester Margot Ende der Drei\u00dfigerjahre in ungetr\u00fcbter Stimmung am Strand zu sehen sind, brennen in Deutschland bereits die Synagogen, wenig sp\u00e4ter bricht Hitler den Zweiten Weltkrieg vom Zaun. Alles \u00e4nderte sich f\u00fcr die Franks im Mai 1940 mit dem \u00dcberfall der deutschen Wehrmacht auf Holland, das von da an besetzt war. Einschr\u00e4nkungen und Diskriminierungen f\u00fcr Juden lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. Den Entschluss unterzutauchen fassten Annes Eltern im Juni 1942, als die Nazis die \u00e4ltere Tochter Margot in ein Arbeitslager nach Deutschland bringen wollten. In dieser Zeit begann Anne mit den Aufzeichnungen in ihrem Tagebuch, das sie kurz zuvor zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt bekommen hatte.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1901\" alt=Foto22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Foto22.jpg\" \/><br \/>\n<em>Dafna Nudelman ist eine der rund 50 jungen Helfer, die Schulklassen durch die Ausstellung f\u00fchren.<\/em><\/div>\n<p>Zwei der R\u00e4ume, in denen die Familie Frank zusammen mit vier weiteren Personen w\u00e4hrend der nun kommenden gut zwei Jahre im Versteck lebte, sind im zweiten Stock der Ausstellung originalgetreu nachgestellt. Wie seinerzeit im Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht 263 ist der Zugang durch ein Regal getarnt, das sich wie eine T\u00fcr \u00f6ffnen l\u00e4sst. Dahinter befindet sich der Hauptraum mit K\u00fcche, Schlafstelle und Waschbecken. Daran schlie\u00dft das Zimmer an, das sich Anne mit dem j\u00fcdischen Zahnarzt Fritz Pfeffer teilen musste. Arbeitskollegen von Otto Frank halfen den Versteckten. Diese konnten nicht nach drau\u00dfen gehen und mussten st\u00e4ndig darauf bedacht sein, keine lauten Ger\u00e4usche zu verursachen. Die Enge und die Bedr\u00fcckung kann der Besucher in den Ausstellungsr\u00e4umen hautnah sp\u00fcren. <\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1902\" alt=Foto33.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Foto33.jpg\" \/><br \/>\n<em>Das Bild zeigt einen original nachgestellten Aufenthaltsraum der Familie Frank im Amsterdamer Versteck.<\/em><\/div>\n<p>Schlie\u00dflich f\u00fchrte ein bis heute nicht endg\u00fcltig gekl\u00e4rter Verrat dazu, dass die Gestapo von dem Unterschlupf erfuhr und die Versteckten am 4. August 1944 verhaftete und deportierte. Zun\u00e4chst in das Durchgangslager Westerbork, dann am 3. September nach Auschwitz. Es war \u00fcberhaupt der letzte Zug, der in das ber\u00fcchtigste deutsche Vernichtungslager ging. Wenige Wochen danach begannen die Nationalsozialisten angesichts der n\u00e4herr\u00fcckenden Roten Armee, das Lager zu evakuieren. Dadurch kamen Anne und ihre Schwester Ende Oktober 1944 ins Lager Bergen-Belsen in der L\u00fcneburger Heide, wo sie im M\u00e4rz &#8217;45 durch Entkr\u00e4ftung und Typhus ums Leben kamen. \u201eSie starben nur wenige Wochen vor der Befreiung durch die Briten\u201c, beschreibt H\u00e9ctor Shalom die Tragik. Otto Frank \u00fcberlebte als Einziger der Versteckten den Holocaust. Nach dem Krieg fand er in dem Amsterdamer Hinterhaus das Tagebuch seiner Tochter und k\u00fcmmerte sich in den folgenden Jahren um dessen Ver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n<p>Die Geschehnisse werden durch Bilder, Texte und Gegenst\u00e4nde im Zentrum dokumentiert. Zudem gibt es eine Wanderausstellung, die bereits in zahlreichen St\u00e4dten des Landes zu sehen war. Eine Besonderheit des Anne Frank Zentrums in Buenos Aires ist ein Ausstellungsteil, der sich unter dem Titel \u201eVon der Diktatur zur Demokratie\u201c mit dem Milit\u00e4rregime in Argentinien (1976 bis &#8217;83) auseinandersetzt. Ein Raum ist dem Bildungsprogramm \u201eFree2Choose\u201c gewidmet. Zu sehen sind hier Filmclips mit zw\u00f6lf Jugendlichen aus verschiedenen Kulturr\u00e4umen, die sich zum Thema Freiheitsrechte \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Im Au\u00dfenbereich geht es auch um Antisemitismus der Gegenwart: Hier befindet sich eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die 85 Opfer des Bombenanschlags auf das j\u00fcdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires vor 15 Jahren. Im Garten ist eine Kastanie in Gedenken an Anne Frank gepflanzt. Verwendet wurde hierf\u00fcr der Samen des Baumes, den Anne von ihrem Amsterdamer Versteck aus sehen konnte. Im Tagebuch schreibt das M\u00e4dchen, dass dieser ihr Hoffnung gab und Trost spendete.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1904\" alt=Foto55.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Foto55.jpg\" \/><br \/>\n<em>Im Au\u00dfenbereich wird der 85 Toten des Anschlags auf das j\u00fcdische Gemeindezentrum Amia vor 15 Jahren gedacht.<\/em><\/div>\n<p>Die Entscheidung, nach Amsterdam, New York, London und Berlin auch in Buenos Aires einen Ort des Gedenkens f\u00fcr Anne Frank zu schaffen, begr\u00fcndet H\u00e9ctor Shalom damit, dass hier rund 300.000 Juden leben und es somit eine starke j\u00fcdische Gemeinde gibt. Allein 8000 \u00dcberlebende des Holocausts seien hierher gekommen. Auf der anderen Seite habe Argentinien auch rund 1500 geflohene Nazis aufgenommen, so dass der Kampf gegen den Antisemitismus stets aktuell war und ist, erl\u00e4utert der Zentrums-Direktor. Das Haus wurde von einer Stifterin zur Verf\u00fcgung gestellt, die selber zu Zeiten der Milit\u00e4rdiktatur Verfolgten Unterschlupf gew\u00e4hrte und in ihrem Testament festlegte, dass das Anwesen f\u00fcr soziale Zwecke genutzt werden solle. Nach ihr hei\u00dft das Haus \u201eCasa de Hilde\u201c.<\/p>\n<p>Nach Meinung von H\u00e9ctor Shalom eignet sich das Schicksal der Anne Frank besonders gut, um Jugendliche f\u00fcr das Thema der Shoa zu sensibilisieren. \u201eAnne Frank hat eine starke Wirkung. Sie war in demselben Alter wie viele der Sch\u00fcler, die das Zentrum heute besuchen. Sie f\u00fchlen sich ihr nahe und k\u00f6nnen sich mit ihr identifizieren\u201c, meint Shalom. Pro Tag kommen eine oder zwei Sch\u00fclergruppen \u00e0 50 Personen. Die freiwilligen Helfer, meist Studenten, geben ihnen einen Einblick in die Ausstellung, die dienstags bis sonnabends von 14 bis 19 Uhr ge\u00f6ffnet ist. Zur Vertiefung hat das Zentrum auch ein Buch mit dem Titel \u201eTestimonios para nunca m\u00e1s\u201c (Zeugnisse, damit es nie wieder geschieht) herausgegeben, das die Themen der Ausstellung aufgreift. Neben der Geschichte der Anne Frank geht es auch um die Milit\u00e4rdiktatur in Argentinien und Diskriminierungen in der Gegenwart.<\/p>\n<p>F\u00fcr F\u00fchrungen kann man sich unter der Telefonnummer 3533 8505 anmelden. Die Kontaktadresse f\u00fcr Volont\u00e4re (freiwillige Helfer) ist: voluntarios.anafrank@gmail.com.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1900\" alt=Foto11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/Foto11.jpg\" \/><br \/>\n<em>Direktor H\u00e9ctor Shalom freut sich auf Besucher im neuen Anne Frank Zentrum.<br \/>\n(Fotos: mc)<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Anne Frank Zentrum in Buenos Aires Von Marcus Christoph Sie gilt als Symbolfigur f\u00fcr die Opfer des Holocausts: das j\u00fcdisch-deutsche M\u00e4dchen Anne Frank. Das Tagebuch, in dem die Heranwachsende ihre Erlebnisse im Versteck eines Amsterdamer Hinterhauses bis zur ihrer Verhaftung und Deportation festh\u00e4lt, geh\u00f6ren zu den ergreifendsten Zeugnissen \u00fcber die nationalsozialistische Vernichtungspolitik. 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