{"id":190,"date":"2005-10-02T20:13:23","date_gmt":"2005-10-02T23:13:23","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/10\/02\/zauberin-des-lichts\/"},"modified":"2016-10-15T17:26:29","modified_gmt":"2016-10-15T20:26:29","slug":"zauberin-des-lichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/10\/02\/zauberin-des-lichts\/","title":{"rendered":"Zauberin des Lichts"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/10\/02\/hechicera-de-la-luz\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Tod der Star-Fotografin Annemarie Heinrich<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/Annema1.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>\u201eMan lernt durch das Sehen, was Sch\u00f6nheit ist\u201c, sagte Annemarie Heinrich \u00fcber ihre Arbeit. \u201eIch habe mein ganzes Leben lang einen K\u00f6rper, ein Licht, eine Spiegelung gesehen.\u201c Die gro\u00dfe Fotografin der Sch\u00f6nen und Ber\u00fchmten Argentiniens hat jedem ihrer legend\u00e4ren Portr\u00e4ts ihren unverwechselbaren Stempel aufgedr\u00fcckt. Unvergesslich sind ihre Bilder der Filmdiven der goldenen 40-er und 50-er Jahre des argentinischen Kinos, Delia Garc\u00e9s, Mirtha Legrand, Zully Moreno, Tilda Thamar, Tita Merello oder Nin\u00ed Marshall, in denen sie nicht nur die oberfl\u00e4chliche Sch\u00f6nheit der Frauen dokumentiert, sondern ihren inneren Glanz, ihre Pers\u00f6nlichkeit, durch eine bestimmte Pose, ein Mienenspiel oder einen Blick einzufangen versteht. Durch diese Meisterschaft des In-Szene-Setzens ihrer Modelle, die perfekte Ausleuchtung und die anschlie\u00dfende Montage und Retusche ihrer Werke erhob Annemarie Heinrich tausende Stars mit ihren Portr\u00e4ts in den Stand der Unsterblichkeit.<\/p>\n<p>Die begnadete K\u00fcnstlerin, die in ihrer langen Laufbahn auch mit ihren Farbaufnahmen, Landschaftsbildern, Aktfotos, ja sogar surrealistischen Montagen auf sich aufmerksam machte, wird mit den zeitlos-sch\u00f6nen Schwarz-Wei\u00df-Portr\u00e4ts in den Olymp der Gr\u00f6\u00dften ihres Fachs eingehen. Aber auch ihre Tanz-Fotografien sind von au\u00dferordentlich hohem k\u00fcnstlerischem Rang: In ihnen gelang es ihr wie kaum jemandem zuvor, die Essenz des Tanzes einzufangen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/Annema2.jpg\" alt=\"\" align=left hspace=5 \/>Annemarie Heinrich wurde am 9. Januar 1912 in Darmstadt geboren. Ihr Vater Walter, ein professioneller Geiger, wurde im Ersten Weltkrieg eingezogen und so schwer verwundet, dass er seinen Beruf nicht mehr aus\u00fcben konnte. Im Jahr 1926 entschied er sich, mit seiner Familie nach Argentinien auszuwandern. Zwei seiner Br\u00fcder waren aufgrund ihrer pazifistischen Einstellung bereits 1914 emigriert und hatten sich in Entre R\u00edos niedergelassen. Annemaries Onkel Karel, der im l\u00e4ndlichen Larroque als Fotograf arbeitete, f\u00fchrte die jugendliche Annemarie in die Grundlagen der Fotografie ein. Dass sie diese als Beruf und als Berufung gew\u00e4hlt hat, liegt unter anderem auch daran, dass sie eine Art und Weise suchte, sich auszudr\u00fccken. Denn zun\u00e4chst war es nicht leicht, die neue Sprache zu lernen, sich an die neue Kultur anzupassen.<\/p>\n<p>Als die Familie nach Buenos Aires umzog, arbeitete Annemarie zun\u00e4chst als Assistentin in verschiedenen Fotolabors, w\u00e4hrend sie abends Schulbildung und Spanischkenntnisse aufholte. An den Wochenenden zog sie mit Vaters Kamera los, um auf dem Hauptplatz von Villa Ballester, wo die Familie lebte, Fotos zu schie\u00dfen. Als 18-J\u00e4hrige richtete sie im Elternhaus mit Hilfe ihres Vaters ihr erstes Studio ein. Als erste Beleuchtungsk\u00f6rper dienten von beiden selbst gebastelte Scheinwerfer aus Benzinkanistern. Aus dieser ersten Zeit stammen Fotografien mit ausgepr\u00e4gten Kontrasten. Sp\u00e4ter, als Annemarie ihr Studio in die Innenstadt verlegte &#8211; erst auf die Santa Fe, sp\u00e4ter die Callao &#8211; verfeinerte sie ihre Technik immer weiter.<\/p>\n<p>Die Stars und Sternchen des argentinischen Kinos, des Theaters und des Rundfunks rissen sich f\u00f6rmlich darum, von Annemarie Heinrich fotografiert zu werden, die ihren ruhmvollen Karrieren noch mehr Glanz verlieh. Ihre Portr\u00e4ts schm\u00fcckten \u00fcber Jahrzehnte hinweg die Titelseiten von zahlreichen Zeitschriften wie Antena, Radiolandia oder TV Gu\u00eda. Aber auch die Gro\u00dfen des Kulturlebens wollten sich von Annemarie ablichten lassen. So entstanden Bilder von Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Astor Piazzolla, An\u00edbal Troilo, Atahualpa Yupanqui, Lino Enea Spilimbergo oder Juan Carlos Castagnino. In Erinnerung bleibt die Heinrich aber auch als Fotografin der \u201eganz normalen\u201c Leute, die sie f\u00fcr Hochzeitsbilder oder andere wichtige Anl\u00e4sse verpflichteten.<\/p>\n<p>Annemarie Heinrich bewahrte vor und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs eine strikt anti-nationalsozialistische Einstellung, die ihre Wurzeln in den pazifistischen Grundwerten ihrer Familie und ihrer eigenen ethischen Auffassung hatte, die ihr Leben und Werk &#8211; neben einer wahrhaft deutschen Disziplin und Gr\u00fcndlichkeit &#8211; pr\u00e4gte. Auch f\u00fcr politische Zwecke gab sie sich nicht her: So ist sie zwar als Portr\u00e4tistin der noch jungen Schauspielerin Eva Duarte (sp\u00e4ter Gattin General Per\u00f3ns) bekannt, kam aber sp\u00e4teren Aufforderungen zu Foto-Sessions im Regierungspalast nie nach.<\/p>\n<p>Annemarie Heinrich liebte ihren Beruf leidenschaftlich und begegnete ihren Kollegen mit gro\u00dfem Respekt. Sie war Mitgr\u00fcnderin mehrerer Verb\u00e4nde argentinischer Fotografen, wie des \u201eFoto Club Argentino\u201c oder des \u201eConsejo Argentino de Fotograf\u00eda\u201c. Heinrich wurde mit Fortbildungs-Stipendien (Deutschland 1954, USA 1979) und zahlreichen Preisen geehrt. Im Jahr 1992 wurde sie zur Ehrenb\u00fcrgerin der Stadt Buenos Aires ernannt. Zwischen September und November 2004 fand im Centro Cultural Recoleta eine von Juan Travnik kuratierte erste umfassende Retrospektive ihrer Werke statt.<\/p>\n<p>Annemarie Heinrich starb am Donnerstag vergangener Woche in den fr\u00fchen Morgenstunden im Alter von 93 Jahren in ihrem Haus in Buenos Aires. Ihre Reste sollten auf dem Deutschen Friedhof ihre letzte Ruhest\u00e4tte finden. Heinrichs Kinder Alicia und Ricardo Sanguinetti, beide Fotografen, k\u00fcmmern sich mit allergr\u00f6\u00dfter Sorgfalt um den bedeutenden Nachlass ihrer Mutter, dessen hoher k\u00fcnstlerischer Wert sicher erst in Zukunft angemessen gew\u00fcrdigt werden wird.<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.annemarieheinrich.com\/\">Mehr Informationen und Bilder auf der Webseite der K\u00fcnstlerin.<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 1.10.05 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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