{"id":19346,"date":"2014-08-05T15:18:28","date_gmt":"2014-08-05T18:18:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19346"},"modified":"2014-08-09T18:18:11","modified_gmt":"2014-08-09T21:18:11","slug":"zwei-lange-unterhosen-der-marke-hering","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/08\/05\/zwei-lange-unterhosen-der-marke-hering\/","title":{"rendered":"&#8220;Zwei lange Unterhosen der Marke Hering&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lesung und Gespr\u00e4ch mit Ariel Magnus im Goethe-Institut<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/maximiliano_luna_telam.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/maximiliano_luna_telam.jpg\" alt=\"maximiliano_luna_telam\" width=\"250\" height=\"168\" class=\"alignright size-full wp-image-19449\" \/><\/a>Bei einer Lesung mit anschlie\u00dfendem Gespr\u00e4ch am Donnerstag, dem 7. August, um 19 Uhr, in der Bibliothek des <a href=\"http:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/bue\/esindex.htm\">Goethe-Instituts Buenos Aires<\/a> (Av. Corrientes 343) spricht der argentinische Autor Ariel Magnus mit Silvie Rundel (Die Zeit) und Andrea B\u00e9lafi (Goethe-Institut) unter der Moderation von Carla Imbrogno (Goethe-Institut). Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<p>Ariel Magnus dokumentiert in seiner bewegenden Familienchronik, die im Originaltitel &#8220;La abuela&#8221; hei\u00dft, das Leben seiner Gro\u00dfmutter, einer j\u00fcdischen Immigrantin, die 1946 aus Auschwitz fliehen konnte und nach Brasilien emigrierte. In der deutschen \u00dcbersetzung erschien das Buch unter dem kuriosen Titel &#8220;Zwei lange Unterhosen der Marke Hering&#8221;. &#8220;Ariel Magnus [&#8230;] liefert mit \u201aZwei lange Unterhosen der Marke Hering\u2018 ein \u00e4u\u00dferst unkonventionelles Erinnerungsbuch einer Holocaust-\u00dcberlebenden.&#8221; So schrieb die J\u00fcdische Zeitung \u00fcber &#8220;La abuela&#8221;, das Buch, das Kiepenheuer &#038; Witsch in deutscher \u00dcbersetzung von Silke Kleemann ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Die Buchkritiken haben nicht mit Lob gespart. Eine der Rezensionen hebt besonders die Einstellung des Autors hervor, der folgende Anmerkung in seinem Vorwort angibt: &#8220;Es gibt reichlich Literatur von den und \u00fcber die \u00dcberlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Dieses Buch ist nicht aus dieser Literatur hervorgegangen und m\u00f6chte ihr auch kein weiteres Werk hinzuf\u00fcgen. Ich habe nicht vor, \u00fcber den Holocaust zu reflektieren oder f\u00fcr die Annalen die Geschichte einer weiteren \u00dcberlebenden zu erz\u00e4hlen. Stattdessen geht es um eine Gro\u00dfmutter und ihren Enkel, in diesem Fall um meine Oma (die Auschwitz \u00fcberlebt hat) und um mich (der ich manchmal \u00fcber Dinge reflektiere, von denen ich wenig Ahnung habe).&#8221;<\/p>\n<p>In der Originalfassung auf Spanisch gibt Ariel Magnus einen Bericht seiner Oma wider, in dem sie ihm, gespickt mit S\u00e4tzen auf Deutsch und Portugiesisch, auf chaotische Weise erz\u00e4hlt, wie sie sich mit 22 Jahren auf der Suche nach ihrer blinden Mutter freiwillig ins Konzentrationslager Theresienstadt deportieren lie\u00df, ihr sp\u00e4ter nach Auschwitz folgte, um anschlie\u00dfend wie durch ein Wunder in Bergen-Belsen freigelassen zu werden und \u00fcber Schweden in Porto Alegre, Brasilien, zu landen, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2013 gelebt hat.<\/p>\n<p>Die Eigent\u00fcmlichkeit dieser Reportage stellt in Bezug auf die \u00dcbersetzung in eine Metasprache, die im Original sowohl kulturell, historisch als auch w\u00f6rtlich vorkommt, eine Herausforderung dar. In der spanischen Originalfassung sind die Textstellen, in denen die Oma spricht, \u00dcbersetzungen (des Autors) aus dem Deutschen und Portugiesischen ins Spanische. Die deutsche Fassung erforderte daher, auf die Quellen zur\u00fcckzugreifen, d.h. auf die Kassetten mit den ungeordneten Aufnahmen. Die \u00c4nderung des Buchtitels wurde vom Verlag entschieden und greift das Bild eines wiederholten Geschenks der Oma an ihren Enkel auf. Immer wieder schenkte sie ihm zwei lange Unterhosen der Marke Hering.<\/p>\n<p>\u00dcber die Form der Erz\u00e4hlung erkl\u00e4rt der Autor: &#8220;Meine Oma zu portr\u00e4tieren, hei\u00dft nicht nur, ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen, sondern vor allem, die Art und Weise abzubilden, wie sie diese Geschichte erz\u00e4hlt. Daher geben die zeugnishaften Kapitel, deren Grundlage ein ebenso ausgedehntes wie schwieriges Interview im s\u00fcdlichen Sommer 2002 war, ihre Sprechweise so getreu wie m\u00f6glich wider und auch ihre Art, die Informationen zu ordnen oder eher durcheinanderzubringen. Auch wenn ihre Erz\u00e4hlung zu Beginn etwas verwirren mag, l\u00e4sst sich die Stimme meiner Oma nur so in ihrer ganzen Vitalit\u00e4t \u00fcbermitteln, die sie auf gewisse Weise vor dem sicheren Tod rettete.&#8221;<\/p>\n<p>Der Autor erz\u00e4hlt aber nicht nur von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart: &#8220;Ich erz\u00e4hle also von der Gegenwart einer Person, von der vermeintlich nur die Vergangenheit interessant ist. Dabei bewegt mich in erster Linie die literarische Intuition, dass meine Oma eine bemerkenswerte Figur ist, und au\u00dferdem der journalistische Instinkt, dass die seltsame Beziehung, die sie noch immer zum Land ihrer Henker unterh\u00e4lt, viel \u00fcber diese schreckliche Vergangenheit sagt, die sie lieber vergessen w\u00fcrde und die ich hier rekonstruieren m\u00f6chte.&#8221;<\/p>\n<p>Ariel Magnus, geboren 1975 in Buenos Aires. Studium in Deutschland, schrieb f\u00fcr verschiedene Medien in Lateinamerika, die taz in Berlin und Spiegel Online und lebt heute als Autor und literarischer \u00dcbersetzer in Buenos Aires. Er hat bislang elf B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht. 2007 wurde er f\u00fcr seinen Roman &#8220;Ein Chinese auf dem Fahrrad&#8221; mit dem internationalen Literaturpreis Premio La otra Orilla ausgezeichnet. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen \u00fcbersetzt. 2010 erschien es auf Deutsch bei Kiepenheuer &#038; Witsch. &#8220;Zwei lange Unterhosen der Marke Hering&#8221; erschien 2012 ebenfalls bei KiWi.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nAriel Magnus.<br \/>\n(Foto: Maximiliano Luna)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesung und Gespr\u00e4ch mit Ariel Magnus im Goethe-Institut Bei einer Lesung mit anschlie\u00dfendem Gespr\u00e4ch am Donnerstag, dem 7. August, um 19 Uhr, in der Bibliothek des Goethe-Instituts Buenos Aires (Av. Corrientes 343) spricht der argentinische Autor Ariel Magnus mit Silvie Rundel (Die Zeit) und Andrea B\u00e9lafi (Goethe-Institut) unter der Moderation von Carla Imbrogno (Goethe-Institut). 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