{"id":19409,"date":"2014-08-09T16:38:23","date_gmt":"2014-08-09T19:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19409"},"modified":"2014-08-09T18:10:40","modified_gmt":"2014-08-09T21:10:40","slug":"innenstadtbesuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/08\/09\/innenstadtbesuch\/","title":{"rendered":"Innenstadtbesuch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwei Beh\u00f6rdeng\u00e4nge in nur f\u00fcnf Stunden!<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/stempel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/stempel.jpg\" alt=\"Business Stempel\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-19412\" \/><\/a>Ich wohne in einer nahen Vorstadt von Buenos Aires \u2013 kaum 10 km von der City entfernt. Den Weg kenne ich bestens, mache ihn aber nur noch, wenn es unumg\u00e4nglich ist, denn ein fr\u00f6hliches Fahrerlebnis bietet er weder in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln noch im Auto. Heute aber muss ich in den sauren Apfel bei\u00dfen, weil ich mir in der Botschaft eine Lebensbescheinigung abstempeln lassen und in meiner Bank den Eingangscode f\u00fcr Onlinebanking erneuern muss.<\/p>\n<p>Die Botschaft liegt auf halbem Weg. Sie hat keinen Besucherparkplatz. Die umliegenden Stra\u00dfen sind mit parkenden Autos \u00fcberf\u00fcllt. Die n\u00e4chstgelegene Parkgarage ist voll. Nach etwa 20 Minuten habe ich eine andere gefunden, eine von denen, deren dunkle, unbeleuchtete, kurvige Einfahrt eine Steigung von ca. 30 Grad aufweist und deren Stellpl\u00e4tze dem Vehikel h\u00f6chstens 10 cm Freiraum lassen bis zur Wand, einer S\u00e4ule oder dem n\u00e4chsten Auto. Zur Botschaft muss ich jetzt nur noch 6 Blocks laufen, \u00fcber zwei stark befahrene Durchgangsstra\u00dfen hinweg.<\/p>\n<p>Die Botschaft hat vier Schalter, von denen drei besetzt sind. Lebensbescheinigungen werden in dem bearbeitet, der auch f\u00fcr Rentenantr\u00e4ge und allerlei Sonstiges zust\u00e4ndig ist. Das scheinen recht langwierige Dinge zu sein; der Mann, der schon bei meiner Ankunft da steht, tut das noch 10 Minuten l\u00e4nger. Dann sind noch vier andere vor mir. Das k\u00f6nnte noch ein kleines St\u00fcndchen dauern.<\/p>\n<p>Ich habe aber das unverhoffte Gl\u00fcck, von einer mir bekannten Botschaftsdame au\u00dfer der Reihe herbeigewinkt zu werden. Sie hat mein in den Pass eingeklemmtes Lebensbescheinigungsformular erkannt und in f\u00fcnfzehn Sekunden abgestempelt. Ich \u00fcberlege, ob ich der Botschaft als Betriebsverbesserungsvorschlag empfehlen soll, dem Publikum alle 10 Minuten von einem gerade unbesch\u00e4ftigten Mitarbeiter anbieten zu lassen, solche Bescheinigungen zwischendurch abzustempeln, womit er einige Minuten verl\u00f6re, dem Publikum jedoch einige Stunden Zeit ersparte. Als in noch j\u00fcnger, naiver und unbelasteter war, schrieb ich solche Vorschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Zur Bank gelange ich im 2. Gang und nachdem ich den Wagen im 5. Untergeschoss einer Gro\u00dfgarage lassen konnte, die nur 5 Blocks entfernt ist. Ich bin seit \u00fcber 20 Jahren Kunde der Bank und wurde in einem fr\u00fcheren Leben bei Eintritt von der H\u00e4lfte der Angestellten freundlich begr\u00fc\u00dft, dann von meinem Betreuer bedient, der mich und mein Konto kannte. Jetzt muss ich erst vor der Auskunftsstelle anstehen. Dort wird mir gesagt, dass mein Anliegen von irgendeinem der drei Kundenbetreuer im 1. Stock bearbeitet wird.<\/p>\n<p>Die erste Betreuerin will erst wissen, welcher Art von Konten meines angeh\u00f6rt, dann verweist sie mich auf das zweite Kabuff. Als der dortige Betreuer mit seinem l\u00e4ngeren Telefongespr\u00e4ch fertig ist und ich ihm sage, dass ich meinen Onlinecode wechseln will, sagt er, das m\u00fcsse ich mit meiner Bankkarte am Automaten machen. Ich erkl\u00e4re ihm, dass ich eine solche Karte nicht besitze und schon dreimal abgelehnt habe, weil ich sie so selten benutzen w\u00fcrde, dass der Aufwand gr\u00f6\u00dfer w\u00e4re als der Nutzen. Dann l\u00e4sst er mich einen Revers unterschreiben, mit dem ich best\u00e4tige, den Code gewechselt zu haben. Ich unterschreibe, darauf vertrauend, dass er mir dabei nun helfen w\u00fcrde. Das tut er aber nicht, denn daf\u00fcr gibt es eine Spezialistin, die neben den Automaten steht und deren einzige Aufgabe offenbar ist, dem Publikum zum Verst\u00e4ndnis des Systems zu verhelfen.<\/p>\n<p>Sobald sie frei ist, ruft sie die entsprechende Maske auf, wo ich meine \u00fcblichen Daten eingeben muss. Dann soll ich eine vierstellige neue Codenummer eingeben. Sie wird vom System abgelehnt. Die Betreuerin will sie nun wissen. Ach nein, sagt sie, Du (sie k\u00f6nnte ja meine Enkelin sein) darfst weder mit 19 noch mit 20 beginnen (vermutlich aus Sicherheitsgr\u00fcnden, weil wohl 80 % der Kunden Jahreszahlen benutzen). Mein zweiter Versuch hat auch keinen Erfolg, wahrscheinlich, meint die Betreuerin, weil ich eine Ziffer wiederholt habe, was man &#8220;nat\u00fcrlich&#8221; nicht darf. Beim dritten Versuch klappt es dann. Nun muss ich aber noch einen Benutzerspitznamen eingeben, wohl als zus\u00e4tzliche Sicherheit. Er muss mindestens 8 Stellen haben. Das System ist aber schon wieder nicht zufrieden, ich muss den Spitznamen der Betreuerin offenbaren. &#8220;Aber das sind ja alles Buchstaben!&#8221;, wirft sie mir vor, &#8220;es muss doch mindestens eine Ziffer enthalten sein&#8221;.<\/p>\n<p>Irgendwann ist das System endlich zufrieden. Ich pr\u00fcfe und freue mich, wieder Onlinezugang zu besitzen. Die Betreuerin guckt mir dabei \u00fcber die Schulter, damit ich auch alles richtig mache. Sie verabschiedet mich froh und stolz \u00fcber unseren gemeinsamen Erfolg. Als ich sicher bin, dass mir niemand mehr zusieht, \u00e4ndere ich Code und Spitznamen.<\/p>\n<p>Auf der Heimfahrt h\u00f6re ich im Radio, dass das Mutterhaus meiner Bank soeben zur effizientesten Bank Europas erkl\u00e4rt wurde. Wie mag wohl die B\u00fcrokratie der anderen aussehen? Blo\u00df gut, dass ich in Argentinien wohne, wo es m\u00f6glich ist, in kaum f\u00fcnf Stunden einen Stempel auf ein Formular und einen neuen Onlinezugang zu bekommen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Beh\u00f6rdeng\u00e4nge in nur f\u00fcnf Stunden! Von Friedbert W. B\u00f6hm Ich wohne in einer nahen Vorstadt von Buenos Aires \u2013 kaum 10 km von der City entfernt. Den Weg kenne ich bestens, mache ihn aber nur noch, wenn es unumg\u00e4nglich ist, denn ein fr\u00f6hliches Fahrerlebnis bietet er weder in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln noch im Auto. 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