{"id":1951,"date":"2009-10-24T08:18:37","date_gmt":"2009-10-24T11:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/10\/17\/ordnung-langweilt-mich\/"},"modified":"2009-11-12T19:44:00","modified_gmt":"2009-11-12T22:44:00","slug":"ordnung-langweilt-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/10\/24\/ordnung-langweilt-mich\/","title":{"rendered":"\u201cOrdnung langweilt mich\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Interview mit dem argentinischen K\u00fcnstler Luis Felipe No\u00e9<em><\/p>\n<p>Von Maria Exner<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1950\" alt=noe11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/noe11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Am 5. Oktober 1959 er\u00f6ffnete die Galerie Witcomb im Zentrum von Buenos Aires die erste Einzelausstellung von Luis Felipe No\u00e9 &#8211; der Ausgangspunkt eines bewegten K\u00fcnstlerlebens. Genau 50 Jahre sp\u00e4ter widmet jetzt die Galerie Rubbers dem gro\u00dfen argentinischen Maler eine Werkschau unter dem Titel \u201cY son cincuenta, sin cuento\u201d &#8211; \u201cEs sind 50, im Ernst!\u201d. Erst im Mai vertrat Luis Felipe No\u00e9 Argentinien mit zwei gro\u00dfformatigen Werken bei der Biennale in Venedig. Ein Beleg seiner enormen Popularit\u00e4t. In einem Gespr\u00e4ch ber\u00fchrte der Maler, Kunsttheoretiker und Autor Themen wie das Konzept der Zeit, das Durcheinander in der Welt und Buenos Aires&#8230;<!--more--><\/p>\n<p><em>In einem j\u00fcngeren Selbstbildnis von Ihnen findet man die Frage \u201c\u00bfD\u00f3nde est\u00e1 el tiempo?\u201d Fragen Sie sich, wo seit Ihrer ersten Ausstellung die Zeit geblieben ist?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: F\u00fcr mich ist die Zeit das gro\u00dfe Mysterium der Welt. Nach all den Erfahrungen, die ich gemacht habe, verwundert mich nichts so sehr wie sie. Es gibt eine chronologische und eine subjektive Zeit. Wenn man zum Beispiel Schmerzen hat, k\u00f6nnen sich wenige Minuten wie Stunden anf\u00fchlen. Alles ist so subjektiv, alles ist immer in Bewegung. Das Bild, von dem Sie reden, hei\u00dft \u201cZu Besuch in dieser Welt\u201d. Ich spreche darin \u00fcber das, was ich \u201cerlebe\u201d und das bewegt sich st\u00e4ndig, \u00fcberkreuzt sich. Das ist es, was mich interessiert. \u201c\u00bfD\u00f3nde est\u00e1 el tiempo?\u201c &#8211; diese Frage, das bin eigentlich ich.<\/p>\n<p><em>Ihre neueren Werke zeigen mehr denn je Szenen eines Strudels des Lebens. Ist das Chaos noch immer das bestimmende Thema Ihrer Arbeit?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Ich interessiere mich immer noch f\u00fcr das Chaos, aber derzeit suche ich vor allem nach einer M\u00f6glichkeit, Widerspr\u00fcche, die in meiner Wahrnehmung gar keine sind, miteinander zu vereinen. Ich versuche, den Unterschied zwischen Abstraktion und der figurativen Darstellung zu \u00fcberwinden. Dann interessiert mich die Trennung zwischen Gem\u00e4lde und Zeichnung. Ich finde die Unterscheidung nutzlos; als ob man behaupten w\u00fcrde, ein Klavierkonzert und ein Violinkonzert seien zwei v\u00f6llig unterschiedliche Dinge. Beides ist Musik.<\/p>\n<p><em>Die 50er und 60er Jahre waren eine Zeit der politischen und sozialen Einschr\u00e4nkung des Individuums. War die Kunst Ihr Mittel zum Ausbruch?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: H\u00e4ufig werde ich gefragt: Welcher K\u00fcnstler hat Sie am meisten beeinflusst? Ich lehne es ab, diese Frage zu beantworten. Aber wenn ich eine Antwort gebe, dann diese: Der K\u00fcnstler, der mich am meisten beeinflusst hat, ist Juan Per\u00f3n. Ich komme nicht aus einer peronistischen Familie und Per\u00f3n war nat\u00fcrlich kein K\u00fcnstler. Aber ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als ganz Argentinien in einer Art Fieber lag. Ich habe das gesp\u00fcrt und fing an zu malen. Damals hie\u00df es oft, meine Werke w\u00e4ren keine Einheit. Und ich dachte: Wovon reden sie? Wie soll ich eine Einheit darstellen, wenn um mich herum Chaos herrscht? In dieser Hinsicht hat diese Zeit mich und meine Bilder sehr gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><em>Bemerken Sie Ver\u00e4nderungen, die mit dem Alter zusammenh\u00e4ngen?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Wissen Sie, ich bin immer noch der Gleiche. Nat\u00fcrlich sieht man, dass ich mich ver\u00e4ndert habe, wenn man ein Foto von mir als 30-J\u00e4hrigem und eines von heute miteinander vergleicht. Aber an sich bin ich der gleiche Mensch, der gleiche K\u00fcnstler.<\/p>\n<p><em>Entdecken Sie heute Sujets oder Techniken von sich aus fr\u00fcheren Werken wieder?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Das Leben eines K\u00fcnstlers ist wie eine Zugfahrt, man passiert verschiedene Stationen, aber man sitzt immer im gleichen Zug. Der Zug meines Lebens f\u00e4hrt Runden und ich greife jetzt tats\u00e4chlich Dinge wieder auf. Zum Beispiel die Norm des Rahmens zum Teufel zu jagen und installationshafte Bilder zu machen, so wie in den 60er Jahren. Es gab auch eine Zeit, in der ich nicht gemalt habe. Mir fehlte etwas Wichtiges im Leben, also ging ich zu einer Gespr\u00e4chstherapie. W\u00e4hrend ich erz\u00e4hlte, zeichnete ich Figuren, Menschen in Zust\u00e4nden der Zerrissenheit. \u00c4hnliche Figuren integriere ich heute in meine Gem\u00e4lde.<\/p>\n<p><em>Sie kennen Buenos Aires seit Ihrer Kindheit &#8211; wie erleben Sie die Stadt im Hier und Jetzt?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Ich glaube, Buenos Aires ist das komplette Gegenteil der Werte und Konzepte der westlichen Welt. Buenos Aires ist die chaotischste, zerrissenste Stadt &#8211; und das fasziniert mich. Ordnung langweilt mich. Ich glaube, wenn ich woanders geboren worden w\u00e4re, w\u00e4re mir das Durcheinander auf der Welt nie so bewusst geworden. Meine Malerei w\u00e4re eine andere.<\/p>\n<p><em>Was sind Ihre n\u00e4chsten Projekte?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Am liebsten m\u00f6chte ich ein Buch schreiben, \u00fcber das ich schon l\u00e4nger nachdenke. Aber es f\u00e4llt mir schwer, das Thema ist kompliziert. Der Titel soll lauten: \u201cDer Striptease der Malerei\u201d. Meine These ist, dass die Malerei sich in der Konzeptkunst komplett ausgezogen hat. Und nun steht sie nackt da! Und wie sieht er aus, der K\u00f6rper dieser nackten Malerei? Das ist die Frage, die ich mir stelle. Aber vorher werde ich einen Doppelband fertigstellen. Der eine Teil ist ein Bildband mit meinen Arbeiten und der andere ist ein Zeugnis von mir als K\u00fcnstler.<\/p>\n<p><em>Keine Autobiografie?<\/em><\/p>\n<p>No\u00e9: Nein, ich finde mich selbst nicht so interessant. Es gibt ein paar Seiten \u00fcber meine Kindheit, aber eigentlich halte ich darin fest, was mich als K\u00fcnstler bewegt. Und ansonsten male ich nat\u00fcrlich weiter.<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image1949\" alt=noe1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/noe1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Das Selbstportr\u00e4t &#8220;De visita en este mundo&#8221; (2004) von Luis Felipe No\u00e9.<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit dem argentinischen K\u00fcnstler Luis Felipe No\u00e9 Von Maria Exner Am 5. Oktober 1959 er\u00f6ffnete die Galerie Witcomb im Zentrum von Buenos Aires die erste Einzelausstellung von Luis Felipe No\u00e9 &#8211; der Ausgangspunkt eines bewegten K\u00fcnstlerlebens. 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