{"id":19619,"date":"2014-08-30T14:27:08","date_gmt":"2014-08-30T17:27:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19619"},"modified":"2014-08-31T14:31:14","modified_gmt":"2014-08-31T17:31:14","slug":"die-gehen-weg-wie-warme-wurstchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/08\/30\/die-gehen-weg-wie-warme-wurstchen\/","title":{"rendered":"&#8220;Die gehen weg wie warme W\u00fcrstchen&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zwei deutsche Bratwurst-Brutzler schreiben in Buenos Aires an einer Erfolgsgeschichte<\/p>\n<p><em>Von Tobias Zwior<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Bratwurst1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Bratwurst1.jpg\" alt=\"Bratwurst1\" width=\"500\" height=\"282\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19620\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Bratwurst1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Bratwurst1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nAuf den ersten Blick erinnert er ein wenig an den jungen Gerard Depardieu, doch der Schein tr\u00fcgt. Mit Schauspiel hat Michael Schnirch nichts zu tun, sein Handwerk ist das W\u00fcrstemachen. Schnirch, 35, ist einer der beiden Gr\u00fcnder von &#8220;Bratwurst Argentina&#8221;, dem ersten Unternehmen in Buenos Aires, das sich allein auf das Brutzeln deutscher W\u00fcrste spezialisiert hat. Schnirch lebt seit neun Jahren in Argentinien und arbeitet hauptberuflich in einer Softwarefirma in Palermo. Die Mittagspause hat er sich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch freigeschaufelt.<\/p>\n<p>Seit zwei Jahren gibt es &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; nun schon. Bestellen kann der Kunde im Onlineshop so ziemlich alles, was das Herz eines Wurstliebhabers begehrt und, was man bisher in Argentinien nicht bekam: Currywurst, N\u00fcrnberger, Pankower, K\u00e4sebei\u00dfer, H\u00e4hnchen- und sogar Chilibratwurst. &#8220;Das Unternehmen floriert, und diesen Weg wollen wir weitergehen&#8221;, sagt Schnirch zufrieden. &#8220;Auch wenn wir niemals erwartet h\u00e4tten, dass wir so schnell einen solchen Erfolg haben w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p>Die Geschichte von &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; begann damit, dass sich Schnirch und sein heutiger Gesch\u00e4ftspartner Andr\u00e9 Kalisch bei einem Public Viewing im Rahmen der Fu\u00dfball-EM 2012 kennenlernten. &#8220;Es war wie Liebe auf den ersten Blick&#8221;, erinnert sich Schnirch. Kalisch kommt aus Berlin und hatte auch dort schon eine eigene Pizzeria betrieben, w\u00e4hrend der geb\u00fcrtige N\u00fcrnberger Schnirch als Student die ersten Erfahrungen in der Gastronomie sammeln konnte.<\/p>\n<p>Es vereint sie &#8211; das wurde den beiden schnell klar &#8211; der Wunsch, in Argentinien etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Die Idee zur Bratwurstschmiede lag auf der Hand: &#8220;Immer, wenn wir zwischendurch mal privat oder beruflich in Deutschland waren, haben wir Bratw\u00fcrste und andere deutsche Spezialit\u00e4ten nach Argentinien mitgebracht&#8221;, sagt Schnirch. Einmal war auch seine argentinische Frau dabei, ebenfalls mit deutschen Lebensmitteln in der Tasche. Doch sie hatte Pech: &#8220;Der Zoll hat ihre ganze Tasche leerger\u00e4umt und den gesamten Inhalt geschreddert.&#8221; Extrem schade um die guten Lebensmittel sei das gewesen und habe den Wunsch best\u00e4rkt, auch in Argentinien einfacher an deutsche Bratw\u00fcrste zu kommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_2.jpg\" alt=\"bratwurst_2\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19622\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_2.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_2-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEin zweiter Grund f\u00fcr Schnirch und Kalisch, ins Bratwurstgesch\u00e4ft einzusteigen, war die in ihren Augen irritierend falsche Vorstellung, die Argentinier von deutschem Essen haben: &#8220;Wenn man hier in Buenos Aires auf eine \u201aFeria de las Naciones\u2018 geht, bekommt man am deutschen Stand Bockw\u00fcrste, Sauerkraut und Kartoffeln. Sonst nichts. Und das wird dann als typisch Deutsch hingenommen&#8221;, sagt Schnirch. Dabei habe die deutsche K\u00fcche viel mehr zu bieten: &#8220;Wir haben so viele leckere Wurstsorten in Deutschland, zum Beispiel die Currywurst.&#8221; Letztere sei aktuell der Verkaufsschlager bei den Kunden von &#8220;Bratwurst Argentina&#8221;.<\/p>\n<p>Wenn Michael Schnirch an die Anf\u00e4nge des Unternehmens zur\u00fcckdenkt, muss er unweigerlich schmunzeln. Die ersten selbstgemachten Bratw\u00fcrste gaben Kalisch und er noch ihren Freunden und Bekannten zu probieren. Deren positive Reaktionen brachten die beiden dann auf die Idee, einen Stand beim monatlichen BA Underground Market aufzumachen. &#8220;Beim ersten Mal hatten wir 15 Kilo Wurst produziert und dachten, das reicht locker. Doch dann standen wir da mit unserem kleinen Elektrogrill vor einer Schlange von 30 Metern&#8221;, sagt Schnirch.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_4.jpg\" alt=\"bratwurst_4\" width=\"500\" height=\"375\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19623\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_4.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/bratwurst_4-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDaraus wollten die jungen Unternehmensgr\u00fcnder lernen und r\u00fcckten beim n\u00e4chsten Mal mit 30 Kilo Wurst und einem Gasgrill an. Auch das reichte nicht. Als &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; schlie\u00dflich kurz darauf von der argentinisch-deutschen Handelskammer eingeladen wurde, die Verpflegung beim Oktoberfest zu \u00fcbernehmen, produzierten die beiden 50 Kilo. Mehr als positiv kalkuliert. &#8220;Nach zwei Stunden waren wir ausverkauft&#8221;, sagt Schnirch mit einem immer noch leicht ungl\u00e4ubigen Blick in den Augen. &#8220;Die W\u00fcrstchen gingen weg wie warme Semmeln.&#8221; Oder eben wie warme, deutsche W\u00fcrstchen in Argentinien.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der WM vor rund einem Monat sei nat\u00fcrlich Hochkonjunktur gewesen. Auch die Deutsche Botschaft war mittlerweile auf &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; aufmerksam geworden. Bei den Viertel- und Halbfinalspielen der Deutschen Mannschaft versorgten Schnirch und Kalisch die zum Public Viewing eingeladenen G\u00e4ste der Botschaft. Das h\u00e4tten sie auch beim Finale gerne getan, doch die Botschaft entschied sich gegen eine \u00dcbertragung des Spiels der beiden Nationen, ohne die es &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; nicht geben w\u00fcrde. &#8220;Die Botschaft hat aber im Vorfeld des Finales alle Anfragen an uns weitergeleitet, so dass wir letztendlich eine ganze Pizzeria mit G\u00e4sten f\u00fcllen konnten&#8221;. Auch der Botschafter und seine Frau waren gekommen. &#8220;Es war so voll, dass wir den Botschafter durchschieben mussten&#8221;, erinnert sich Schnirch grinsend.<\/p>\n<p>Wie der WM-Titel der deutschen Mannschaft scheint auch die Entwicklung von &#8220;Bratwurst Argentina&#8221; eine Erfolgsgeschichte zu werden. Deutschland bestach im Fu\u00dfball durch mannschaftliche Geschlossenheit, Schnirchs und Kalischs W\u00fcrste durch Frische, den Verzicht auf Konservierungsstoffe und den f\u00fcr die von Hand gefertigten W\u00fcrste fairen Preis.<\/p>\n<p>Heute gehen jeden Tag Bestellungen ein. Die Kundschaft sei haupts\u00e4chlich international, aber von der Bestellmenge her mittlerweile sehr heterogen. Vom Einzelbesteller, \u00fcber ein englisches Hotel, das die W\u00fcrste zum Fr\u00fchst\u00fcck serviert, bis hin zum Kreuzfahrtschiff.<\/p>\n<p>Die ersten Schritte sind gemacht, nun muss das junge Gesch\u00e4ft beweisen, dass es sich behaupten kann. Zum Beispiel, wenn es aufgrund der Einnahmen demn\u00e4chst in eine h\u00f6here Steuerklasse aufsteigt. Oder wenn es darum geht, noch mehr Argentinier von den Produkten zu \u00fcberzeugen. Ernst ist es den beiden Gr\u00fcndern in jedem Fall: So hat Andr\u00e9 Kalisch seinen Job gek\u00fcndigt und arbeitet jetzt Vollzeit bei &#8220;Bratwurst Argentina&#8221;. Noch werden die Bratw\u00fcrste bei ihm zu Hause produziert. Im Oktober soll dann endlich der erste eigene Laden er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Termine: 3.9. Botschaft (Public Viewing Deutschland-Argentinien), 27.9. AHK-Oktoberfest.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nMichael Schnirch beim Mittagessen in Palermo.<br \/>\n(Foto: Tobias Zwior)<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Kalisch und Michael Schnirch in ihrem Element: Am Grill.<br \/>\n(Foto: Privat)<\/p>\n<p>Unerwartet gro\u00dfer Andrang am Stand von &#8220;Bratwurst Argentina&#8221;.<br \/>\n(Foto: Privat)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei deutsche Bratwurst-Brutzler schreiben in Buenos Aires an einer Erfolgsgeschichte Von Tobias Zwior Auf den ersten Blick erinnert er ein wenig an den jungen Gerard Depardieu, doch der Schein tr\u00fcgt. Mit Schauspiel hat Michael Schnirch nichts zu tun, sein Handwerk ist das W\u00fcrstemachen. 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