{"id":1968,"date":"2009-12-01T09:25:16","date_gmt":"2009-12-01T12:25:16","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/10\/24\/warhol-auf-der-couch\/"},"modified":"2009-12-01T11:07:48","modified_gmt":"2009-12-01T14:07:48","slug":"warhol-auf-der-couch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/01\/warhol-auf-der-couch\/","title":{"rendered":"Warhol auf der Couch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Ausstellung \u201cMr. America\u201d im <a href=\"http:\/\/www.malba.org.ar\/web\/\">Malba<\/a> zeigt die weltbekannten Werke Andy Warhols aus psychoanalytischer Sicht<\/p>\n<p><em>Von Maria Exner<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1967\" alt=warhol11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/warhol11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Keiner geringeren Institution als dem amerikanischen Au\u00dfenministerium hat Argentinien seine erste umfassende Andy Warhol-Retrospektive zu verdanken. Der kanadische Kurator Philip Larratt-Smith hatte die Ausstellung \u201cMr. America\u201d urspr\u00fcnglich konzipiert, um sie in Kuba zu zeigen, wo der 29-J\u00e4hrige in den vergangenen Jahren bereits die Werke von Louise Bourgeois und Robert Mapplethorpe pr\u00e4sentierte. Doch das US-Au\u00dfenministerium wollte die Ausreise der ungleich bekannteren Warhol-Bilder in Richtung Havanna nicht genehmigen. Also beschloss Larratt-Smith, solange mit \u201cMr. America\u201d durch Lateinamerika zu reisen, bis die Beh\u00f6rde von Hillary Clinton es sich anders \u00fcberlegt und die Chance zum interkulturellen Austausch zwischen Kuba und den USA, den der Ausstellungsmacher ansto\u00dfen will, doch noch nutzt.<\/p>\n<p>Des einen Leid, des anderen Freud: Nach Bogot\u00e1 macht \u201cMr. America\u201d jetzt also in Buenos Aires Station &#8211; mit mehr als 170 Werken des Multitalents Warhol, darunter Ikonen wie die Marilyn-Reihe und das Portr\u00e4t Mao Tse-Tungs. Gem\u00e4lde, Drucke, Fotografien, Filme und Installationen hat Larratt-Smith zusammengestellt, um das lateinamerikanische Publikum die nordamerikanische Alltagskultur der 60er, 70er und 80er Jahre durch die Augen des Begr\u00fcnders der Pop Art sehen und verstehen zu lassen.<!--more--><\/p>\n<p>Nun l\u00e4uft jeder Kurator einer Andy Warhol-Ausstellung Gefahr, weder besonders viel falsch, noch besonders viel richtig zu machen. Bilder wie \u201cCampbells Soup\u201d sind ein fester Bestandteil des globalen Bildged\u00e4chtnisses. Dem Publikum eine neue, \u00fcberraschende Perspektive darauf zu erm\u00f6glichen, ist eine schwierige Mission. Doch Philip Larratt-Smith gelingt sie, indem er die Bilder in direkten Zusammenhang mit der Biografie und Pers\u00f6nlichkeit Warhols bringt. Dem Kulturmagazin \u201c\u00d1\u201d sagte Larratt-Smith: \u201cAus meiner Sicht sind Andy Warhols Kunstwerke eng mit seiner Psyche verkn\u00fcpft. Alles was er tat, die Motive, die mechanische Reproduktion seiner Bilder, h\u00e4ngt mit seinem Wunsch zusammen, eine neue Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr sich zu kreieren.\u201d<\/p>\n<p>Entsprechend zeigt \u201cMr. America\u201d, wie Warhol durch das \u201cK\u00fcnstlersein\u201d die beiden pr\u00e4genden Defizite seiner Person auszumerzen suchte: seine Herkunft als Kind einer armen, osteurop\u00e4ischen Einwandererfamilie und seine von ihm selbst als solche empfundene H\u00e4sslichkeit. Ersteres kompensierte er durch die Reproduktion all dessen, was das Selbstbild der Amerikaner pr\u00e4gte: die Tomatensuppe der Arbeiterfamilien, Pr\u00e4sident John F. Kennedy, Hollywoodstars wie Marilyn Monroe und James Dean, das christliche Kreuz, Dollar-Noten, die Feindbilder Stalin und Mao. All diese Bilder fluteten damals aus den Fernsehern in die Wohnzimmer und K\u00f6pfe der Amerikaner. Warhol hat sie sich durch seine Kunst zu Teilen seiner Identit\u00e4t gemacht und jetzt h\u00e4ngen sie an den W\u00e4nden des Malba und \u00f6ffnen dem argentinischen Betrachter den Blick auf die Kultur des Landes, das soviel Einfluss auf Lateinamerika aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Um den Makel, selbst nicht mit einem attraktiven K\u00f6rper gesegnet zu sein, aufzuheben, scharte Andy Warhol zu Lebzeiten die Schr\u00e4gen und die Glamour\u00f6sen um sich, allen voran seine Muse und Hauptdarstellerin Edie Sedgwick. Und die Anziehungskraft von Warhol ist auch heute ungebrochen. Bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung quoll das Malba f\u00f6rmlich \u00fcber vor langbeinigen Sch\u00f6nheiten und exzentrisch gekleideten Bohemiens. K\u00fcnstler, Galeristen, Journalisten und Warhol-Fans dr\u00e4ngelten sich durch den Rundgang im 2. Stock des Museums und waren erleichtert, im Saal auf der 1. Etage etwas mehr Platz zum Betrachten der Foto-Portr\u00e4ts ber\u00fchmter Warholfreunde und der zerbrechlichen Edie Sedgwick auf Celluloid zu finden.<\/p>\n<p>Kurator Philip Larrat-Smith schien mit dem Ansturm auf seinen \u201cMr. America\u201d zufrieden zu sein. Geduldig gab er Feuilletonisten und Fernsehteams ein Interview nach dem anderen und wird so wohl nachhaltig zum Erfolg seiner Ausstellung in Buenos Aires beitragen. Sein Gegen\u00fcber Thomas Sokolowski, Direktor des Andy Warhol Museums in Pittsburgh, belohnte die Presse f\u00fcr ihr zahlreiches Erscheinen mit einem besonderen Bonmot: H\u00e4tte Andy Warhol ein Bild \u00fcber Argentinien gemalt, so Sokolowski, dann h\u00e4tte es wohl Eva Per\u00f3n gezeigt. Wie Warhol verstand sie schlie\u00dflich der Masse zu geben, was sie sich w\u00fcnschte, und so von ganz unten nach ganz oben zu kommen.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.malba.org.ar\/web\/\">Malba<\/a>, Av. F. Alcorta 3415, Do-Mo und feiertags 12-20 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr, dienstags geschlossen. Eintritt 15 Pesos, Lehrer und Rentner 8 Pesos, Studenten 5 Pesos. Mittwochs: Eintritt 5 Pesos, Lehrer und Rentner 3 Pesos, Studenten gratis. Schauen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.malba.org.ar\/warhol\/\">Microsite Andy Warhol<\/a> an.<\/li>\n<\/ul>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1966\" alt=warhol1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/warhol1.jpg\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung \u201cMr. America\u201d im Malba zeigt die weltbekannten Werke Andy Warhols aus psychoanalytischer Sicht Von Maria Exner Keiner geringeren Institution als dem amerikanischen Au\u00dfenministerium hat Argentinien seine erste umfassende Andy Warhol-Retrospektive zu verdanken. 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