{"id":19708,"date":"2014-09-12T14:46:32","date_gmt":"2014-09-12T17:46:32","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19708"},"modified":"2014-09-12T15:03:54","modified_gmt":"2014-09-12T18:03:54","slug":"fernweh-und-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/09\/12\/fernweh-und-liebe\/","title":{"rendered":"Fernweh und Liebe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das hochkar\u00e4tige Programm des 14. &#8220;Festival de Cine Alem\u00e1n&#8221; entf\u00fchrt den Zuschauer in verschiedene Welten und Gem\u00fctszust\u00e4nde<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/fack_ju_goehte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/fack_ju_goehte.jpg\" alt=\"fack_ju_goehte\" width=\"500\" height=\"314\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19712\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/fack_ju_goehte.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/fack_ju_goehte-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEs stimmt schon, viele der Filme des <a href=\"http:\/\/www.cinealeman.com.ar\/festival14\/intro.html\">14. Deutschen Kinofestivals von Buenos Aires<\/a>, das bis zum 17. September l\u00e4uft, laden den Zuschauer tats\u00e4chlich nach Deutschland ein. &#8220;Banklady&#8221; spielt etwa in einem Hamburg der 60er-Jahre, &#8220;Fack ju G\u00f6hte&#8221; in M\u00fcnchen, &#8220;Westen&#8221; in Berlin in der Zeit des Kalten Krieges, &#8220;Die Frau hinter der Wand&#8221; oder &#8220;Ummah &#8211; Unter Freunden&#8221; im modernen Berlin, &#8220;Love Steaks&#8221; an einem Ort an der Ostsee. Viele andere Filme des diesj\u00e4hrigen hochkar\u00e4tigen Programms entf\u00fchren aber in &#8211; aus deutscher Sicht &#8211; ferne und exotische L\u00e4nder und tragen so dem Fernweh, das die romantische Seele der Deutschen pr\u00e4gt, Rechnung.<\/p>\n<p>&#8220;Exit Marrakech&#8221; zeigt in pr\u00e4chtigen Bildern auf vielschichtige Weise Marokko, die aufw\u00fchlende Dokumentation &#8220;Art War&#8221; hat den arabischen Fr\u00fchling in \u00c4gypten zum Thema. Doris D\u00f6rries Tragikom\u00f6die &#8220;Alles Inklusive&#8221; spielt im spanischen Torremolinos, einst ein Traumziel der Deutschen. In &#8220;Zeit der Kannibalen&#8221; wird mit feiner Ironie eine Generation von Managern aufs Korn genommen, die um die ganze Welt reist, aber eigentlich nur das Hotelzimmer und die Minibar kennt. Der Film f\u00fcr die ganze Familie &#8220;Die schwarzen Br\u00fcder&#8221; beginnt im Tessin des 19. Jahrhunderts und erz\u00e4hlt die Geschichte des 14-j\u00e4hrigen Giorgio, dessen Familie ihn aus Not an einen Kinderh\u00e4ndler (herrlich als Fiesling: Moritz Bleibtreu) verkauft, der ihn mit anderen nach Mailand bringt, wo die Kinder als Kaminfeger ausgebeutet werden.<\/p>\n<p>Die Liebe in allen ihren Farben und Formen ist das andere gro\u00dfe Thema des diesj\u00e4hrigen Festivals, sie durchzieht die Beitr\u00e4ge wie ein roter Faden und w\u00fcrzt auch historische Themen wie die Schiller-Geschichte &#8220;Die geliebten Schwestern&#8221; um eine Dreiecksbeziehung. Zwei junge Au\u00dfenseiter finden sich in &#8220;Love Steaks&#8221;, Anbetung aus der Ferne versus echte Liebe ist das Thema von &#8220;Dear Courtney&#8221;. In &#8220;Die Frau hinter der Wand&#8221; wird das Verlangen nach der sch\u00f6nen Nachbarin zur Besessenheit und st\u00fcrzt einen jungen Mann ins Verderben. Dagegen ist in &#8220;Fack ju G\u00f6hte&#8221; oder &#8220;Banklady&#8221; Romantik gro\u00dfgeschrieben.<\/p>\n<p>&#8220;Alles Inklusive&#8221; zeigt ein Panoptikum an Menschen, die in der Liebe versagt haben und versagen, zugegebenerma\u00dfen auf sehr unterhaltsame Weise. So wird eine Sexszene zwischen Ingrid (Hannelore Elsner) und Helmut (Axel Prahl) wohl als eine der skurrilsten Anekdoten der j\u00fcngsten deutschen Kinogeschichte in die Annalen eingehen. Auch der Frage, ob die Br\u00fcste der Schauspielerin, die die junge Ingrid als Hippiem\u00e4dchen darstellt, wirklich &#8211; und der Zeit entsprechend &#8211; echt sind, h\u00e4ngt dem Zuschauer noch lange nach.<\/p>\n<p>Das Festival, das mit mehr Filmen und mehr Vorstellungen als je zuvor gl\u00e4nzt, findet im Kinokomplex Village Recoleta und erstmals auch im Kino Arte Multiplex Belgrano statt. Es wird wieder ein Publikumspreis vergeben, zur Teilnahme kann man in den Vorstellungen ausliegende Zettel ausf\u00fcllen. Unter denen, die mitmachen, werden sch\u00f6ne Preise verlost.<\/p>\n<p>Die Einzelkarte kostet in diesem Jahr 65 Pesos, es gibt erm\u00e4\u00dfigte Abonnements, die man ausschlie\u00dflich an den Kassen erwerben kann. Einzelkarten bekommt man auch auf den Webseiten des jeweiligen Kinos.<\/p>\n<p>Alle Informationen und das Programm finden sich auf der <a href=\"http:\/\/www.cinealeman.com.ar\/festival14\/intro.html\">Webseite des Fesrivals<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Einige ausgew\u00e4hlte Kritiken (von A-Z):<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8220;Alles Inklusive&#8221; (123 Min.) von Doris Dorrie<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Eine lustige Kom\u00f6die ist er nicht gerade, der neue Film &#8220;Alles Inklusive&#8221; von Doris D\u00f6rrie, aber wie immer eine mutige und im unverwechselbaren Stil der Kino-Poetin erz\u00e4hlte Geschichte. Ingrid (Hannelore Elsner), eine gealterte Hippie-Mutter, wird von ihrer Tochter Apple (Nadja Uhl) nach einer H\u00fcft-OP nach Spanien in ein &#8220;All inclusive&#8221;-Hotel zur Erholung geschickt. Am selben Ort hatte sich das junge Blumenm\u00e4dchen vor langer Zeit in den erfolgreichen Karl verliebt, was schreckliche Folgen f\u00fcr dessen Familie und vor allem den jungen Sohn Tim hatte.<\/p>\n<p>Tim (Hinnerk Sch\u00f6nemann) nennt ich heute meist Tina und erkennt Ingrid wieder, als sie sich im Hotel \u00fcber den Weg laufen, wo Ingrid auch noch weitere absonderliche Begegnungen hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen hat die beziehungsgest\u00f6rte Tochter &#8220;\u00c4pfelchen&#8221; zu Hause auch ihr P\u00e4ckchen zu tragen: Ihr Hund Dr. Freud muss operiert werden, der Tierarzt (Fabian Hinrichs) gef\u00e4llt ihr und sie bem\u00fcht sich ziemlich erfolglos, ihn nicht zu vergraulen, schlie\u00dflich verliert sie gar ihren Job und f\u00e4hrt zu Muttern nach Spanien, wo auch sie von der Vergangenheit eingeholt wird.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Banklady&#8221; (118 Min.) von Christian Alvart<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Deutschland, 60er-Jahre: Die sch\u00fcchterne, 30-j\u00e4hrige Gisela Werler (Nadeshda Brennicke) arbeitet in einer Tapetenfabrik und wohnt immer noch bei ihren Eltern. Kollege Uwe (Andreas Schmidt) macht ihr Avancen, aber sie z\u00f6gert. Als sie Uwes Kumpel Hermann (Charly H\u00fcbner) kennenlernt, verliebt sie sich Hals \u00fcber Kopf, und sie tut alles, um ihn zu kriegen: zum Beispiel Bankr\u00e4uberin werden\u2026 Gemeinsam \u00fcberf\u00e4llt das Paar an die 20 Banken, verfolgt vom besessenen Kommissar Fischer (Ken Duken)&#8230;<\/p>\n<p>Christian Alvart hat die wahre Geschichte der ersten Bankr\u00e4uberin Deutschlands temporeich, spannend und mit viel Herz verfilmt. Der Regisseur reiste als diesj\u00e4hriger Ehrengast des 14. Deutschen Kinofestivals nach Buenos Aires, auf der Pressekonferenz <a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/09\/12\/spannender-thriller-mit-viel-romantik\/\">sprach er ausf\u00fchrlich \u00fcber seinen Film<\/a>.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Dear Courtney&#8221; (89 Min.) von Rolf Roring<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein sch\u00f6nes kleines Roadmovie, eine Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte, die von einer abenteuerlichen Idee ausgeht: &#8220;Dear Courtney&#8221; ist Anfang der 90er-Jahre angesiedelt und erz\u00e4hlt von der unerwiderten Liebe von Paul Thomas (Jonas Ney) zu der \u00e4lteren Saskia, die er Jahr um Jahr anbetet und der er Hunderte Lieder schreibt, mit denen er sich vor aller Welt l\u00e4cherlich macht. Eines Tages f\u00e4llt ihm ein besonderer Riff ein, und er schickt den Song an David Geffen. Dann h\u00f6rt er ihn im Radio: Es ist der Welthit von Nirvana &#8220;Smells Like Teen Spirit&#8221;.<\/p>\n<p>Zusammen mit Knochen, seinem heruntergekommenen Manager, dem Rocker Kalle, der auch in Saskia verknallt ist und ein Auto hat, und einem Magazinherausgeber, der immer an den seltsamsten Orten auftaucht, verfolgt Paul die Band Nirvana auf ihrer Tournee durch ganz Deutschland, um von Kurt Cobain Genugtuung zu verlangen. Als er in den Augen Saskias endlich Rockstar-Status erlangt hat, merkt er, dass er eigentlich ein anderes M\u00e4dchen liebt.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Die geliebten Schwestern&#8221; (170 Min.) von Dominik Graf<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Vor drei Jahren gab es beim deutschen Kinofestival in Buenos Aires den Streifen &#8220;Goethe!&#8221; zu sehen. In diesem Jahr ist mit Friedrich Schiller der andere der beiden Dichterf\u00fcrsten an der Reihe: In Dominik Grafs Film &#8220;Die geliebten Schwestern&#8221; geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Poeten und den beiden Schwestern Caroline und Charlotte von Lengefeld. Beide verlieben sich in Schiller, der seinerseits auch beiden gleicherma\u00dfen zugetan ist. Um die M\u00e9nage-\u00e0-trois auf Dauer zu erm\u00f6glichen, beschlie\u00dfen sie, dass Schiller (Florian Stetter) Charlotte (Henriette Cunfurius), die j\u00fcngere der beiden Schwestern, heiratet. So soll gew\u00e4hrleistet sein, dass der aufstrebende Dichter auch den innigen Kontakt zu Caroline (Hannah Herzsprung) weiter pflegen kann. Diese hatte sich schon fr\u00fchzeitig f\u00fcr Mutter und Schwester aufgeopfert, indem sie im Interesse ihrer Familie aus wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen den Freiherrn von Beulwitz heiratete. Seit dem fr\u00fchen Tod des Vaters waren die von Lengefelds in finanzielle Engp\u00e4sse geraten.<\/p>\n<p>Wie sich denken l\u00e4sst, bleibt die Dreieckskonstellation zwischen dem Dichtergenie und den beiden Schwestern nicht frei von Spannungen. Caroline will mehr sein als nur eine Platzhalterin f\u00fcr ihre \u00e4ltere Schwester. Diese wiederum findet sich nur schwer damit ab, an den Rand gedr\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n<p>Auch wenn &#8220;Die geliebten Schwestern&#8221; in erster Linie ein lebendiges Beziehungsdrama ist, so erf\u00e4hrt der Zuschauer en passant doch auch viel \u00fcber das Leben und Wirken Schillers: Sein erstes Treffen mit Goethe, seine ber\u00fchmte Antrittsvorlesung an der Universit\u00e4t Jena, die Herausgabe der Zeitschrift &#8220;Die Horen&#8221; und schlie\u00dflich sein fr\u00fcher Tod infolge von Tuberkulose. Im Hintergrund taucht auch die Franz\u00f6sische Revolution auf, als Epoche bestimmendes Ereignis jener Jahre. Die 170 Minuten vergehen auf diese Weise kurzweilig, unterhaltsam und auch lehrreich.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Exit Marrakech&#8221; (122 Min.) von Caroline Link<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Da stimmt einfach alles: Das sensible Vater-Sohn-Drama &#8220;Exit Marrakech&#8221; ist eine cineastische Perle, in wundersch\u00f6nen Bildern scheinbar m\u00fchelos von der Oscar-preisgekr\u00f6nten Regisseurin Caroline Link erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Ben (Samuel Schneider) ist ein Internatssch\u00fcler, der die Sommerferien mit seinem Vater (Ulrich Tukur) in Marokko verbringen soll, wo er seinen 17. Geburtstag feiert. Er ist Diabetiker, und der Mutter (Marie-Lou Sellem), einer Orchestermusikerin, die viel unterwegs ist, f\u00e4llt es schwer, den Jungen zum Vater, von dem sie schon lange getrennt ist, reisen zu lassen.<\/p>\n<p>Bens Vater ist ein erfolgreicher und ziemlich arroganter Theaterregisseur, der im Rahmen des deutsch-marokkanischen Kulturaustauschs gerade mit einem St\u00fcck auf Tournee in Marokko ist. Er kennt Ben kaum und wei\u00df nicht, was er mit ihm anfangen soll, und Ben zeigt ihm die kalte Schulter.<\/p>\n<p>Doch dann nimmt Ben den Ratschlag seines Direktors, den dieser ihm mit auf den Weg in die Ferien gegeben hatte, w\u00f6rtlich: Er haut ab und st\u00fcrzt sich in ein Abenteuer mit Karima (Hafsia Herzi). Sein vor Wut sch\u00e4umender Vater macht sich auf die Suche nach dem Jungen. F\u00fcr beide wird es eine unvergessliche Reise.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Fack ju G\u00f6hte&#8221; (118 Min.) von Bora Dagtekin<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Er war der Lieblingsfilm des deutschen Kinopublikums im Jahr 2013, und er wird auch die argentinischen Filmfreunde nicht entt\u00e4uschen: &#8220;Fack ju G\u00f6hte&#8221; ist eine rundum gelungene Kom\u00f6die mit viel Herz und Gef\u00fchl. Zeki M\u00fcller (Elyas M\u2019Barek) wird nach 13 Monaten aus dem Knast entlassen und ist von einem einzigen Gedanken beseelt: das versteckte Geld aus seinem letzten Bruch auszugraben. Dummerweise wurde in Zekis kleiner Abwesenheit dort, wo sein Schatz liegt, die neue Turnhalle einer Gesamtschule gebaut.<\/p>\n<p>Zeki ist nicht auf den Kopf gefallen: Er bewirbt sich f\u00fcr den freigewordenen Hausmeisterposten. Beim Vorstellungsgepr\u00e4ch kommt es ihm schon ein bisschen komisch vor, dass nur gestrenge \u00e4ltere Damen im Zimmer sitzen \u2026 und zack, hat er durch ein Missverst\u00e4ndnis eine Aushilfslehrerstelle.<\/p>\n<p>Zeki, der nicht mal Abitur hat, geschweige denn ein Staatsexamen, erweist sich als Naturtalent. Bald schon fressen ihm nicht nur die Sch\u00fcler aus der Hand, sondern auch die Streber-Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth), bei der er untergeschl\u00fcpft ist. Zeki, der sein Ziel &#8211; das Geld &#8211; immer mehr aus den Augen verliert, glaubt schon beinahe daran, dass es auch f\u00fcr ihn eine echte Chance im Leben geben k\u00f6nnte. Doch dann bricht eine etwas f\u00fclligere Sch\u00fclerin beim Sprung \u00fcber den Kasten in den Tunnel ein, den Zeki zu der Beute gegraben hatte&#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8220;Love Steaks&#8221; (89 Min.) von Jakob Lass<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Liebeskom\u00f6die &#8220;Love Steaks&#8221; ist schon ein wenig skurril. Der eher sch\u00fcchterne Clemens (Franz Rogowski) f\u00e4ngt in einem Wellnesshotel an der Ostsee als Masseur an. Dort trifft er auf die ausgeflippte Lara (Lana Cooper), die in der Hotelk\u00fcche eine Ausbildung absolviert. Die beiden verlieben sich ineinander, und sie treffen eine Vereinbarung: Wenn Lara die H\u00e4nde vom Alkohol l\u00e4sst, will Clemens an sich arbeiten, seine \u00c4ngste im Umgang mit den Mitmenschen zu \u00fcberwinden. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich bizarre und tragikomische Situationen. Die Handlung spitzt sich zu, als Clemens vor der versammelten Hotelleitung seinen Dienst quittiert. F\u00e4lschlicherweise hatte er angenommen, dass Lara wegen ihrer Alkoholprobleme gek\u00fcndigt worden sei. Tats\u00e4chlich aber hatte seine Freundin ihn hinters Licht gef\u00fchrt. Entsprechend emotionsgeladen ist das Finale am Strand.<\/p>\n<p>&#8220;Love Steaks&#8221;, das mehrfach pr\u00e4mierte Spielfilmdeb\u00fct von Regisseur Jakob Lass, bietet auch einen authentischen Einblick in die deutsche Arbeitswelt. Denn au\u00dfer den beiden erw\u00e4hnten Protagonisten sind alle weiteren Darsteller Angestellte des Drehort-Hotels im mecklenburg-vorpommerschen Ahrenshoop. Sie spielen gewisserma\u00dfen sich selbst. Der Zuschauer wird zudem verw\u00f6hnt mit tollen Aufnahmen von der Ostseek\u00fcste, die eine grandiose Kulisse abgibt. Wer bereit ist, sich auf einen unkonventionellen Film einzulassen, wird nicht entt\u00e4uscht werden.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Westen&#8221; (102 Min.) von Christian Schwochow<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Im Westen ein neues Leben zu beginnen. Das ist der Wunsch von Nelly Senff (J\u00f6rdis Triebel), der Protagonistin in Christian Schwochows Film &#8220;Westen&#8221;. Nach dem mysteri\u00f6sen Unfalltod ihres Lebensgef\u00e4hrten, eines sowjetischen Physikers, stellt die 30-j\u00e4hrige Chemikerin einen Ausreiseantrag und kann 1978 mit ihrem Sohn Alexej die DDR verlassen. Doch der Neuanfang erweist sich als schwierig. Nelly und Alexej finden sich im Aufnahmelager Marienfelde wieder. Dort muss Nelly zun\u00e4chst jede Menge B\u00fcrokratie und Verh\u00f6re \u00fcber sich ergehen lassen. Eigentlich Dinge, die sie durch ihre Ausreise aus der DDR meinte, hinter sich gelassen zu haben. CIA-Agent John Bird (Jacky Ido) interessiert sich besonders f\u00fcr die Vergangenheit ihres verschollenen Ex-Partners, der als Wissenschaftler Kurierdienste f\u00fcr die Sowjets geleistet haben soll. Aber auch unter den Insassen im Aufnahmelager grassiert Misstrauen. Der Einzelg\u00e4nger Hans (Alexander Scheer) k\u00fcmmert sich auff\u00e4llig um Nelly und vor allem um Alexej. Ist er gar ein Stasi-Spitzel?<\/p>\n<p>Der Film, der auf dem autobiografischen Roman &#8220;Lagerfeuer&#8221; von Julia Franck aufbaut, reflektiert die Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung. Interessant ist dabei die Perspektive, dass beide Seiten des Eisernen Vorhangs durchaus kritisch betrachtet werden. Auch im Westen gilt es mitunter Widrigkeiten und Schikanen zu \u00fcberwinden, um sich eine selbstbestimmte Existenz aufzubauen. Schwarzwei\u00dfmalerei, einfache Gut-und-B\u00f6se-Klischees greifen zu kurz. Ein differenzierter Blick ist angebracht zum Verst\u00e4ndnis der j\u00fcngeren deutschen Geschichte. Das vermittelt der Film knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Berliner Mauer.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Wolfskinder&#8221; (94 Min.) von Rick Ostermann<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist richtig harte Kino-Kost: &#8220;Wolfskinder&#8221;, der Deb\u00fctfilm von Regisseur Rick Ostermann. Bei dem Streifen, der erst vor kurzem in Deutschland in die Kinos kam, geht es um deutsche Kinder, die nach den Wirren von Krieg und Vertreibung elternlos durch die W\u00e4lder Ostpreu\u00dfens irrten. Im Zentrum der Handlung steht der 14-j\u00e4hrige Hans (Levin Liam), der sich nach dem Hungertod seiner Mutter mit seinem f\u00fcnf Jahre j\u00fcngeren Bruder Fritz zu einem Bauernhof in Litauen durchschlagen will. Den Bruder verliert er allerdings recht schnell aus den Augen, nachdem sowjetische Soldaten an einem Fluss das Feuer auf die beiden Jungs er\u00f6ffnen. Hans zieht mit anderen Kindern weiter, die ebenfalls nur knapp dem Tod entgangen waren.<\/p>\n<p>Das Bedrohungsszenario setzt sich den ganzen Film \u00fcber fort. Immerzu m\u00fcssen die Kinder Angst vor den Rotarmisten haben. Verzweifelt schlagen sie sich durch und ern\u00e4hren sich von Heuschrecken, Fr\u00f6schen und allem, was die rohe Natur hergibt. Bis zuletzt wird der Zuschauer nicht aus dem Grauen entlassen, das die Kinder v\u00f6llig unschuldig durchleiden m\u00fcssen. Und doch gibt der Film laut Auskunft des Regisseurs nur eine Ahnung von dem, was damals passiert sei: Viele der Schicksale, von denen er in Gespr\u00e4chen mit \u00dcberlebenden erfahren habe, seien so schlimm und ergreifend gewesen, dass es f\u00fcr die Kinoleinwand zu hart gewesen w\u00e4re, so Ostermann gegen\u00fcber der dpa. Aber auch so hat der 35-j\u00e4hrige Filmemacher ein eindrucksvolles cineastisches Denkmal f\u00fcr die &#8220;Wolfskinder&#8221; gesetzt, die lange Zeit von der Geschichtsschreibung nahezu vergessen waren.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Zeit der Kannibalen&#8221; (93 Min.) von Johannes Naber<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Dunkle Kom\u00f6die&#8221; liest man im Abspann von &#8220;Zeit der Kannibalen&#8221; &#8211; na, eher ist das eine tiefschwarze Kom\u00f6die. Wie ein Kammerspiel inszeniert &#8211; zwischen den Szenen erscheint immer wieder ein schwarzer Screen, als ob der Vorhang gefallen sei -, schreitet die Story, getragen von hervorragenden Schauspielleistungen, gnadenlos voran bis zum bitteren Ende.<\/p>\n<p>\u00d6llers (Devid Striesow) und Niederl\u00e4nder (Sebastian Blomberg) sind zwei knallharte Berater, die um die Welt reisen und im Interesse ihrer Firma, ohne mit der Wimper zu zucken, Menschen und Unternehmen ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzen. Als ihr ehemaliger Kollege Hellinger zum Partner gemacht wird und dann Selbstmord begeht und ihnen Bianca (Katharina Sch\u00fcttler) geschickt wird, beginnen die Dinge aus dem Ruder zu laufen&#8230;<\/p>\n<p><strong>Ferner laufen:<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Das merkw\u00fcrdige K\u00e4tzchen&#8221; (72 Min.) von Ramon Z\u00fcrcher: Tragikom\u00f6die \u00fcber einen Familienbesuch in Berlin. \/ &#8220;Die Frau hinter der Wand&#8221; (95 Min.) von Grzegorz Muskala: Horrorfilm ab 16. Ein junger Student in Berlin ger\u00e4t in einen Strudel aus Sex und Gewalt. \/ &#8220;Ummah &#8211; Unter Freunden&#8221; (108 Min.) von C\u00fcneyt Kaya: Ein verdeckter Ermittler des verfassungsschutzes mit Burnout-Syndrom findet Freunde in einem Kreis muslimischer M\u00e4nner. \/ &#8220;Zwischen Welten&#8221; (102 Min.) von Feo Aladag: Ein Bundeswehrsoldat in Afghanistan ger\u00e4t wegen der Freundschaft zu einem afghanischen \u00dcbersetzer in einen Gewissenskonflikt. \/ &#8220;Die andere Heimat&#8221; (331 Min.) von Edgar Reitz: Leben in einem Bauerndorf Mitte des 19. Jahrhunderts. \/ Kurzfilmprogramm &#8220;Next Generation Short Tiger 2014&#8221;. \/ Dokumentarfilm &#8220;Art War&#8221; (84 Min.) von Marco Wilms \u00fcber den arabischen Fr\u00fchling. Sehr sehenswert! \/ Film f\u00fcr die ganze Familie &#8220;Die schwarzen Br\u00fcder&#8221; (103 Min.) von Xavier Koller \u00fcber Kinder im 19. Jahrhundert, die von ihren armen Tessiner Familien als Kaminfeger nach Mailand verkauft werden &#8211; und dann rebellieren. \/ Stummfilm &#8220;Das Cabinet des Dr. Caligari&#8221; (1920) von Robert Wiene mit Livemusik von Marcelo Katz und &#8220;Mudos por el Celuloide&#8221;, mit Unterst\u00fctzung des Goethe-Instituts Buenos Aires.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nZeki M\u00fcller (Elyas M&#8217;Barek) verschafft sich in der gef\u00fcrchteten 10B mit einem Paintball-Gewehr Respekt: Szene aus der rundum gelungenen Kom\u00f6die &#8220;Fack ju G\u00f6hte&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hochkar\u00e4tige Programm des 14. &#8220;Festival de Cine Alem\u00e1n&#8221; entf\u00fchrt den Zuschauer in verschiedene Welten und Gem\u00fctszust\u00e4nde Von Susanne Franz Es stimmt schon, viele der Filme des 14. Deutschen Kinofestivals von Buenos Aires, das bis zum 17. September l\u00e4uft, laden den Zuschauer tats\u00e4chlich nach Deutschland ein. &#8220;Banklady&#8221; spielt etwa in einem Hamburg der 60er-Jahre, &#8220;Fack [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,4],"tags":[],"class_list":["post-19708","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-film-cine","category-tipp-der-woche-recomendacion-de-la-semana"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19708","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19708"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19735,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19708\/revisions\/19735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}