{"id":19783,"date":"2014-09-19T17:29:10","date_gmt":"2014-09-19T20:29:10","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19783"},"modified":"2014-09-19T17:29:10","modified_gmt":"2014-09-19T20:29:10","slug":"die-sanften-bilder-eines-giganten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/09\/19\/die-sanften-bilder-eines-giganten\/","title":{"rendered":"Die sanften Bilder eines Giganten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hamburger Kunsthalle zeigt als Weltpremiere Stillleben des gro\u00dfen deutschen Malers Max Beckmann<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann1.jpg\" alt=\"Beckmann1\" width=\"500\" height=\"339\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19786\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann1-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nMax Beckmann (1884-1950) steht f\u00fcr Gem\u00e4lde voller Wucht und Kraft: f\u00fcr Selbstportr\u00e4ts im Smoking und mit dicker Zigarre, f\u00fcr die zeitlose Bearbeitung mythologischer Themen und f\u00fcr die malerische Bew\u00e4ltigung grandioser K\u00fcstenlandschaften und fulminanter Gro\u00dfstadtszenen. Ein k\u00fcnstlerischer Grenzg\u00e4nger, der 1937 in Deutschland als \u201eentartet\u201c gebrandmarkt, ins Amsterdamer Exil ging und gerade auch im Ausland als einer der wichtigsten Repr\u00e4sentanten einer von humanistischen Idealen gepr\u00e4gten deutschen Kunst steht.<\/p>\n<p>Seine Landschaften, Selbstportr\u00e4ts und Figurenbilder sind immer wieder in gro\u00df angelegten Ausstellungen und Retrospektiven gezeigt worden. Seine Stillleben jedoch, die eine ganz andere Seite seines facettenreichen Werks repr\u00e4sentieren, waren international noch nie in konzentrierter Form zu sehen. Mit der Ausstellung &#8220;Max Beckmann. Die Stillleben&#8221; widmet die Hamburger Kunsthalle diesem lange vernachl\u00e4ssigten Werkaspekt jetzt eine gro\u00dfe und faszinierende Schau. F\u00fcr Karin Schick, die Kuratorin der Ausstellung, ist Max Beckmann nicht weniger als &#8220;ein Block, ein Achtzehnender, mit dem man ringt&#8221;. Insgesamt 70 Gem\u00e4lde und einige Aquarelle hat sie f\u00fcr die Hamburger Pr\u00e4sentation ausgesucht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann2.jpg\" alt=\"Beckmann2\" width=\"250\" height=\"344\" class=\"alignright size-full wp-image-19787\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann2.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann2-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Herausgekommen, so Schick, ist &#8220;eine Retrospektive im Kleinen, die die Entwicklung seiner Malerei ablesbar macht&#8221;. Max Beckmann hat, beginnend mit seinem Umzug nach Berlin um 1904\/1905 bis zu seinem Tod in New York, immer wieder auch Stillleben gemalt. Auf diesen Bildern entdeckt der Betrachter komplexe, mal durchdacht, mal aber auch spielerisch und leicht wirkende Arrangements aus Blumen, Obst, Gem\u00fcse, Fischen, Weingl\u00e4sern, B\u00fcchern, Zeitungen, Uhren, dekorativen Objekten aus der Natur und oftmals kultisch aufgeladenen Kunstgegenst\u00e4nden aus dem privaten Fundus des Malers.<\/p>\n<p>Das Besondere an der Schau: Etliche der auf den Bildern dargestellten Objekte, so ein Tongef\u00e4\u00df mit Schlangenmotiv aus Peru, ein Zeremonialgef\u00e4\u00df aus dem Grasland Kameruns, ein chinesisches R\u00e4uchergef\u00e4\u00df in Form einer Kr\u00f6te und eine gro\u00dfe Muschel aus der Karibik, die Beckmann immer wieder gemalt und zu animalischer Gr\u00f6\u00dfe aufgeblasen hat, sind erhalten geblieben und werden in Hamburg im Original gezeigt. Der Betrachter erh\u00e4lt so Gelegenheit, ausgehend vom Originalobjekt, Transformations- und Entscheidungsprozesse des Malers nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Eine Art Scharnier der Ausstellung bildet Beckmanns 1927 entstandenes \u201eGro\u00dfes Fisch-Stillleben\u201c aus der Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Bevorzugte der Maler zuvor oft noch pastellartige, helle Farben, so arrangiert er seine Bildgegenst\u00e4nde jetzt \u00e4u\u00dferst kontrastreich. Drei farbenfrohe und lebensecht wirkende Fische werden zusammen mit zwei Zitronen, einer italienischen Zeitung und einem gestreiften Tuch in ein Rechteck eingebettet. Gleichzeitig ist auf dem Bild aber auch ein Dreieck erkennbar, an dessen Spitze das tiefschwarze Innere eines gro\u00dfen blauen Trichters den Blick in eine unbestimmbare Tiefe hineinzieht. &#8220;Ich bringe es fertig, immer mehr fertig, g\u00e4nzlich gegenst\u00e4ndlich und doch ungegenst\u00e4ndlich zu malen&#8221;, hatte Beckmann bereits ein Jahr zuvor seine Gratwanderung zwischen konkreter Gegenst\u00e4ndlichkeit und abstrakter Formaufl\u00f6sung beschrieben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann3.jpg\" alt=\"Beckmann3\" width=\"500\" height=\"310\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19788\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann3.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/Beckmann3-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nDie Hamburger Ausstellung f\u00fchrt eindrucksvoll vor Augen, dass Stillleben f\u00fcr Beckmann weit mehr waren als h\u00fcbsche Arrangements. Wie \u00fcberhaupt in seiner Malerei, ignoriert und durchbricht er auch hier g\u00e4ngige Darstellungskonventionen. Der Raum, seine virtuelle Erweiterung im Spiegelbild, die Landschaft, Personen und unbestimmbare Schattenwelten. Alles kommt ins Stillleben mit hinein. Beckmann erweist sich auch in seinen Stillleben als virtuoser Meister der Verzahnung verschiedener Realit\u00e4tsebenen. In den malerischen Fokus r\u00fcckt er sein Leben im Hier und Jetzt, die wehm\u00fctige Erinnerung des Amsterdamer Exilanten an unbeschwerte Tage an der C\u00f4te d\u2019Azur, aber auch seine Vorlieben f\u00fcr Philosophie, Mystik, Astronomie und Astrologie. Seine intensive Besch\u00e4ftigung mit den Alten Meistern und die Suche nach einer neuen, modernen, und ganz eigenst\u00e4ndigen Bildsprache jenseits aller ihn umgebenden Schulen und Stile wie Expressionismus, Neue Sachlichkeit oder Kubismus trieb Beckmann, wie jetzt in der klug zusammengestellten Hamburger Ausstellung zu besichtigen ist, auch in seinen Stillleben permanent an.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Max Beckmann. Die Stillleben<\/li>\n<li>Ort: Hamburger Kunsthalle<\/li>\n<li>Zeit: 5. September 2014 bis 18. Januar 2015<\/li>\n<li>Katalog: Prestel Verlag, 200 S., 142 Farbabb., 42 s\/w Abb., 29 Euro (Museum), 49,95 Euro (Buchhandel)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.hamburger-kunsthalle.de\/\">Internet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfes Fisch-Stillleben, 1927, \u00d6l auf Leinwand, 96 x 140,5 cm, Hamburger Kunsthalle.<br \/>\n(VG Bild-Kunst)<\/p>\n<p>Stillleben mit Fisch und Muschel, 1942, \u00d6l auf Leinwand, 95 x 70 cm, Privatsammlung.<br \/>\n(VG Bild-Kunst)<\/p>\n<p>Stillleben mit gro\u00dfer Muschel, 1939, \u00d6l auf Leinwand, 50 x 81 cm, The Baltimore Museum of Art.<br \/>\n(VG Bild-Kunst)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburger Kunsthalle zeigt als Weltpremiere Stillleben des gro\u00dfen deutschen Malers Max Beckmann Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas Max Beckmann (1884-1950) steht f\u00fcr Gem\u00e4lde voller Wucht und Kraft: f\u00fcr Selbstportr\u00e4ts im Smoking und mit dicker Zigarre, f\u00fcr die zeitlose Bearbeitung mythologischer Themen und f\u00fcr die malerische Bew\u00e4ltigung grandioser K\u00fcstenlandschaften und fulminanter Gro\u00dfstadtszenen. 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