{"id":19937,"date":"2014-10-06T13:00:39","date_gmt":"2014-10-06T16:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=19937"},"modified":"2014-10-06T13:00:39","modified_gmt":"2014-10-06T16:00:39","slug":"ran-an-die-waffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2014\/10\/06\/ran-an-die-waffen\/","title":{"rendered":"Ran an die Waffen!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Schau &#8220;Krieg &#038; Propaganda 14\/18&#8221; im Hamburger Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe zeigt, dass der Erste Weltkrieg auch eine Propagandaschlacht nie gekannten Ausma\u00dfes war<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Krieg_und-Propaganda1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Krieg_und-Propaganda1.jpg\" alt=\"Krieg_und Propaganda1\" width=\"500\" height=\"240\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19939\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Krieg_und-Propaganda1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Krieg_und-Propaganda1-300x144.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEine Kinovorstellung irgendwo in den USA im Jahre 1917. Die \u00c4ra des Tonfilms ist noch nicht angebrochen. Kino aber ist bereits &#8220;Big Business&#8221;. Viele Millionen Menschen str\u00f6men t\u00e4glich in die Lichtspielh\u00e4user. Doch bevor der Stummfilmpianist in die Tasten haut, hat in den Zeiten des Weltenbrandes erst noch ein anderer seinen Auftritt. Rund 75.000 sogenannte &#8220;Four MinuteMen&#8221; heizten der US-amerikanischen \u00d6ffentlichkeit gegen Ende des Ersten Weltkriegs vornehmlich in Kinos, aber auch in Theatern oder Kirchen ein, um Rekruten anzuheuern, die Zuh\u00f6rer von der Notwendigkeit des Krieges zu \u00fcberzeugen und f\u00fcr die Zeichnung von Kriegsanleihen zu werben. Vier Minuten nur, und alles musste gesagt sein. Pr\u00e4gnant, emotional und mitrei\u00dfend. Hier wurde sozusagen die moderne PR- und Werbekampagne geboren.<\/p>\n<p>In Deutschland ging man zur selben Zeit noch wesentlich archaischer zur Sache: Besonders beliebte patriotische Kollektivveranstaltungen waren &#8220;Nagelungen&#8221;. Millionen Menschen beteiligten sich daran, auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen N\u00e4gel in klobige Holzstatuen deutscher Helden einzuschlagen. Je nach Geldbeutel erwarb man eiserne, silberne oder goldene N\u00e4gel \u2013 demonstrierte Entschlossenheit und finanzierte so den Kriegsfortgang.<\/p>\n<p>Diese und viele andere Beispiele von Kriegspropaganda w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs stehen im Zentrum der Ausstellung &#8220;Krieg &#038; Propaganda 14\/18&#8221;, die jetzt im Hamburger Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe anhand von \u00fcber 400 Exponaten aus dem Deutschen Reich, Frankreich, England, den USA, Russland, Italien und \u00d6sterreich-Ungarn vor Augen f\u00fchrt, mit welch ausgekl\u00fcgelten, patriotischen, mitunter aber auch perfiden Mitteln auf allen Seiten an Heldenlegenden und Gr\u00e4uelgeschichten gestrickt wurde, wie der Gegner diffamiert und die eigene Bev\u00f6lkerung zum Weitermachen angestachelt wurde.<\/p>\n<p>Dennis Conrad, der Kurator der europaweit einzigen Ausstellung, die sich jetzt explizit dem Thema Propaganda im Ersten Weltkrieg widmet, stellt fest: &#8220;Vor 100 Jahren wurde der Grundstein einer multimedialen \u00d6ffentlichkeitsbeeinflussung gelegt. Man nutzt w\u00e4hrend der Kriegsjahre alle zur Verf\u00fcgung stehenden Medien, um die Meinung der \u00d6ffentlichkeit zu lenken.&#8221; Die Hamburger Ausstellung versammelt Plakate, Filme, Kinderspielzeug, patriotischen Nippes, Postkarten und viele andere Druckerzeugnisse und Objekte, die den Krieg in jeden Winkel des Alltagslebens trugen. Am Beispiel von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, dem Chef der Obersten Heeresleitung, etwa wird gezeigt, wie der Kriegsherr zur positiven &#8220;Marke&#8221;, ja, zum Mythos fetischisiert wird. Ob auf Seifenschachteln, Zigarrenkisten oder Bildpostkarten: Vor dem markanten Konterfei des zum &#8220;Russenbezwinger&#8221; hochstilisierten, b\u00e4rbei\u00dfigen Pickelhaubentr\u00e4gers gab es im Alltag kein Entrinnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Unclesam.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Unclesam.jpg\" alt=\"Unclesam\" width=\"250\" height=\"336\" class=\"alignright size-full wp-image-19940\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Unclesam.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Unclesam-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>In L\u00e4ndern ohne Wehrpflicht, wie etwa England oder den USA, war die Propagandamaschinerie vor ganz andere Probleme gestellt. Hier galt es, Freiwillige f\u00fcr den Kriegseinsatz im Namen von Freiheit und Demokratie zu rekrutieren. James Montgomery Flaggs weltber\u00fchmtes Uncle-Sam-Plakat mit dem ausgestreckten Zeigefinger und der Aufforderung &#8220;I Want Youfor U.S. Army&#8221; wird flankiert von zahlreichen weiteren, grafisch pr\u00e4gnanten Beispielen aus dem angels\u00e4chsischen Raum, die letzten Endes auch die Grundlagen f\u00fcr eine moderne Werbe\u00e4sthetik im zivilen Leben bildeten.<\/p>\n<p>Einen besonderen Schwerpunkt legt die Hamburger Schau auch auf die Pr\u00e4sentation von Filmen und auditiver Propaganda. Im Hauptraum der Schau k\u00f6nnen Spiel- und Dokumentarfilme betrachtet und an zahlreichen H\u00f6rstationen patriotische Reden und Durchhaltelieder angeh\u00f6rt werden. Die \u00fcberaus sehenswerte, mit gro\u00dfer kuratorischer Sorgfalt zusammengestellte Ausstellung regt zudem dazu an, historische Propagandamechanismen, Zensurma\u00dfnahmen und Strategien der Bildmanipulation mit den heutigen Methoden staatlicher und massenmedialer Beeinflussung zu vergleichen. Viel mehr kann eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg eigentlich kaum leisten.<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: &#8220;Krieg und Propaganda 14\/18&#8221;<\/li>\n<li>Ort: Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe, Hamburg<\/li>\n<li>Zeit: 20. Juni bis 2. November 2014. Di-So 10-18 Uhr. Do 10-21 Uhr<\/li>\n<li>Katalog: Hirmer Verlag, 224 S., 174 Abb., 25 Euro (Museum), 39,90 Euro (Buchhandel)<\/li>\n<li>Internet: <a href=\"http:\/\/www.mkg-hamburg.de\/de\/\">Webseite des Museums f\u00fcr Kunst und Gewerbe Hamburg<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.propaganda1418.de\/\">Webseite zur Ausstellung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schau &#8220;Krieg &#038; Propaganda 14\/18&#8221; im Hamburger Museum f\u00fcr Kunst und Gewerbe zeigt, dass der Erste Weltkrieg auch eine Propagandaschlacht nie gekannten Ausma\u00dfes war Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas Eine Kinovorstellung irgendwo in den USA im Jahre 1917. Die \u00c4ra des Tonfilms ist noch nicht angebrochen. Kino aber ist bereits &#8220;Big Business&#8221;. 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