{"id":2065,"date":"2009-12-05T12:53:03","date_gmt":"2009-12-05T15:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/05\/jugend-punk-und-kunstlerleben\/"},"modified":"2009-12-10T15:42:04","modified_gmt":"2009-12-10T18:42:04","slug":"jugend-punk-und-kunstlerleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/05\/jugend-punk-und-kunstlerleben\/","title":{"rendered":"Jugend, Punk und K\u00fcnstlerleben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lena Szankays Fotoausstellung &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Nils Witte<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2064\" alt=szankay11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/szankay11.jpg\" align=left hspace=5 \/>&#8220;Ich wollte nicht die \u00fcblichen Bilder von der Mauer machen&#8221;, fasst Fotografin Lena Szankay ihre Ausstellung &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221; zusammen, die derzeit in der &#8220;VVVgallery.&#8221; in Buenos Aires zu sehen ist. Die Fotos der Porte\u00f1a vermitteln dem Betrachter die Atmosph\u00e4re im Berlin vor und nach dem 9. November 1989. Was haben die Menschen gef\u00fchlt? &#8220;Begeistert war ich nicht&#8221;, erinnert sich die damals 24-J\u00e4hrige an ihren ersten Eindruck. Mit dieser Reaktion war sie im Herbst 1989 nicht allein.<!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Die linke Szene war \u00fcberrumpelt von den Ereignissen&#8221;, erinnert sich Szankay, &#8220;was geschah, war auch unw\u00fcrdig. Im Fernsehen wurde der Sieg von Kapitalismus \u00fcber Kommunismus verk\u00fcndet, und die DDR-B\u00fcrger boten ihre FDJ-Uniformen zum Verkauf an, um an D-Mark zu kommen.&#8221; Die in den Medien transportierte Botschaft &#8211; Ost schlecht, West gut &#8211; war ihr zu plump. Bis heute vermisst sie eine Anerkennung der Qualit\u00e4ten der Ostrepublik, beispielsweise ein ausreichendes Kinderbetreuungsangebot: &#8220;Die Mauer bleibt in den K\u00f6pfen. Nach zwanzig Jahren Wiedervereinigung sind viele B\u00fcrger der ehemaligen DDR vom kapitalistischen System entt\u00e4uscht.&#8221;<\/p>\n<p>Die jetzt ausgestellten Fotos entstanden daher erst ein paar Monate sp\u00e4ter. &#8220;Ich habe keine Mauerspechte fotografiert und keine Vorher-Nachher-Aufnahmen gemacht&#8221;, erkl\u00e4rt die heute 44-J\u00e4hrige. Ein durch Doppelbelichtung entwickeltes Bild zeigt einen jungen Menschen, in dessen Sonnenbrille sich vertraute Szenen zwischen Volk und Mauer spiegeln. &#8220;So war ich auch, zur\u00fcckhaltend und beobachtend.&#8221; Szankay hatte eine kurze Zeit das Leben hinter Mauern genossen: &#8220;West-Berlin war das Gegenteil von Buenos Aires: ruhig und ohne Autoverkehr.&#8221; Nach dem Mauerfall wurde es lauter. Sie blieb dennoch, um das Handwerk der Fotografie zu erlernen. Auch lernte sie das geeinte Berlin lieben. &#8220;Ich finde die Stadt nach wie vor faszinierend&#8221;, sagt sie heute.<\/p>\n<p>Die Ausstellung offenbart daher nicht nur ihre anf\u00e4ngliche Skepsis gegen\u00fcber der Wiedervereinigung. Die Bilder zeigen eine jugendliche Stadt. &#8220;Berlin ist Laissez-Faire und Rumh\u00e4ngen&#8221;, kommentiert Szankay eine neuere Aufnahme vom belebten G\u00f6rlitzer Park, &#8220;die Stadt ist bis heute ein Magnet f\u00fcr junge Menschen.&#8221; Eine tolerante Polizei, billige Wohnungen und die Tatsache, dass man nachts mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren kann, sind ihres Erachtens die Alleinstellungsmerkmale der deutschen Hauptstadt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2066\" alt=szankay22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/szankay22.jpg\" align=left hspace=5 \/>Trotzdem ist auf den Lichtbildern nicht das gro\u00dfe Gl\u00fcck zu sehen. Die Atmosph\u00e4re der 90er Jahre empfand die 2008 nach Buenos Aires zur\u00fcckgekehrte K\u00fcnstlerin auch als bedr\u00fcckend: &#8220;Es war nicht alles rosig in Berlin. Die Liebesgeschichten waren oft traurig. Zudem lebte noch die Mentalit\u00e4t der 80er. Alles war schwarz gekleidet, und die Trends aus der Punkbewegung waren No Future, Alkohol und Selbstmord.&#8221; Eine Serie von Schwarz-Wei\u00df-Fotografien eines gesichtslosen Frauenk\u00f6rpers greift diese dunkle Stimmung auf. Die Narben der Frau zeugen vom Schmerz dieser Generation.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1989 war Szankay in die geteilte Stadt gekommen. &#8220;Mein Freund und ich hatten Wim Wenders\u2019 Film \u2018Der Himmel \u00fcber Berlin\u2019 gesehen&#8221;, erinnert sich die damalige Studentin des Fotografen Eduardo Gil an ihren Entschluss zur Reise und verr\u00e4t: &#8220;Um das Flugticket zu bezahlen, habe ich die Goldkette meiner Gro\u00dfmutter verkauft.&#8221;<\/p>\n<p>Nicht zuletzt gibt &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221; auch einen Einblick in Leben und Werk der K\u00fcnstlerin. Eine Serie gro\u00dfformatiger Abz\u00fcge aus der Wendezeit zeigt Kreuzberger Ateliers in einer alten Fabrik. &#8220;Die Fenster und die Lichtatmosph\u00e4re sind typisch f\u00fcr mich&#8221;, begr\u00fcndet sie ihre Aussage, die Ausstellung sei auch eine Art Retrospektive. Und in welcher Stadt will Lena Szankay alt werden? Die Antwort kennt sie selbst noch nicht: &#8220;Man w\u00e4hlt den Ort, wo man sich am besten entfalten kann. Jetzt habe ich mir erstmal zwei bis drei Jahre in Buenos Aires gegeben.&#8221;<\/p>\n<p><em>&#8220;Zeitgeist Berlin\u201d, Aguirre 1153, 2. Stock &#8220;A&#8221;, mittwochs-freitags 16-20, samstags 15.30-18.30 Uhr, bis 19.12. Infos auf der <a href=\"http:\/\/www.vvvgallery.com\/\">Webseite von &#8220;VVV.gallery.&#8221;<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Mehr Berlin-Fotografie von Lena Szankay ist seit Donnerstag im Centro Cultural de la Cooperaci\u00f3n zu sehen. In der Ausstellung &#8220;Im\u00e1genes de un pa\u00eds que ya no existe&#8221; (Bilder eines Landes, das es nicht mehr gibt) kombiniert Kurator Alberto Giudici Fotos der Stadt Berlin mit Originalplakaten aus der DDR. Die hier ausgestellten Werke Szankays haben st\u00e4rker dokumentarisch-journalistischen Charakter als jene der Ausstellung &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221;.<\/p>\n<p><em>&#8220;Im\u00e1genes de un pa\u00eds que ya no existe&#8221;, Av. Corrientes 1543, montags-samstags 10-22, sonntags 17-20.30 Uhr, bis 7.1.<\/em><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image2063\" alt=szankay1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/szankay1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Lena Szankay erlebte den Mauerfall in Berlin.<br \/>\n(Foto: Nils Witte)<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lena Szankays Fotoausstellung &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221; Von Nils Witte &#8220;Ich wollte nicht die \u00fcblichen Bilder von der Mauer machen&#8221;, fasst Fotografin Lena Szankay ihre Ausstellung &#8220;Zeitgeist Berlin&#8221; zusammen, die derzeit in der &#8220;VVVgallery.&#8221; in Buenos Aires zu sehen ist. 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