{"id":2094,"date":"2010-01-09T07:43:03","date_gmt":"2010-01-09T10:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/20\/weltreise-mit-werner-bischof\/"},"modified":"2010-01-15T21:38:53","modified_gmt":"2010-01-16T00:38:53","slug":"weltreise-mit-werner-bischof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/01\/09\/weltreise-mit-werner-bischof\/","title":{"rendered":"Weltreise mit Werner Bischof"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausstellung des Schweizer Pressefotografen zeigt Leben der 50er Jahre<\/p>\n<p><em>Von Nils Witte<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2097\" alt=bischof11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/bischof11.jpg\" align=left hspace=5 \/>\u201cNichts hat mich so fasziniert wie Lateinamerika\u201d, schw\u00e4rmt Marco Bischof, Kurator der Fotoausstellung \u201cWerner Bischof Im\u00e1genes\u201d, die derzeit im Centro Cultural Borges zu sehen ist. Eine Neigung, die er mit seinem Vater geteilt h\u00e4tte. Jener starb vor \u00fcber 50 Jahren w\u00e4hrend einer S\u00fcdamerikareise bei einem Autounfall in den peruanischen Anden. \u201cArgentinien war sein Traumziel. Feuerland sollte die letzte Reisestation sein\u201d, erkl\u00e4rt Kurator Bischof, warum die Retrospektive jetzt in Buenos Aires zu sehen ist, \u201caber Ushuaia ist f\u00fcr eine Ausstellung dieser Gr\u00f6\u00dfe weniger geeignet.\u201d Buenos Aires ist die zweite Station der 106 Werke umfassenden Ausstellung, die \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre auf Tournee in Lateinamerika gehen soll. Gestartet hat sie in Lima, dem Ort, in dem Werner Bischof begraben liegt. Sp\u00e4ter soll sie weiter nach Kolumbien, Venezuela und Mexiko wandern.<!--more--><\/p>\n<p>Neben dem S\u00fcdamerika der 50er Jahre hat Bischof auch das vom Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rte Europa fotografiert. Was den jungen Fotografen interessierte, war das Leid der Menschen. \u201cDie Themen seiner Fotografie sind bis heute aktuell\u201d, begr\u00fcndet Marco Bischof seine Motivation, die Jahrzehnte alten Bilder der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen. \u201cDurch seine Bilder macht er Probleme begreifbar, die heute so aktuell sind wie vor 50 Jahren.\u201d Der \u00fcberwiegend als Bildjournalist t\u00e4tige Werner Bischof dokumentierte in den 50er Jahren das Hungerleid in Nordindien und die Folgen des Krieges nicht nur in Westeuropa, sondern auch nach den Atombombenabw\u00fcrfen in Japan. \u201cDie Bilder meines Vaters sind heute allgemeine Zeitdokumente\u201d, unterstreicht der Kurator die Bedeutung der ausgestellten Aufnahmen.<\/p>\n<p>Die \u00c4sthetik der Bilder steht h\u00e4ufig im Widerspruch zum Leid, das sie zeigen. Bischof perfektionierte seine Technik als Studiofotograf in Z\u00fcrich und nutzte sie erst sp\u00e4ter, um die Welt zu fotografieren. Eine Reise ins vom Krieg zerst\u00f6rte Deutschland im September 1945 brachte ihn zum Umdenken. Nachdem er die Kriegsjahre im Schweizer Elfenbeinturm verbracht hatte, verwarf er seinen k\u00fcnstlerischen Anspruch und machte die Dokumentation des Zeitgeschehens zu seiner prim\u00e4ren Mission. Seine Bilder sind also Geschichtsunterricht. Der Blick f\u00fcr die \u00c4sthetik und das Wissen um den Einsatz von Licht und Schatten blieben ihm aber auch au\u00dferhalb des Studios erhalten. So wird der Unterricht bei Werner Bischof zu einer unterhaltsamen Lektion.<\/p>\n<p>Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck der beginnenden Globalisierung. Die Bilder zeigen die Hektik st\u00e4dtischen Verkehrs in den Vereinigten Staaten und den kulturellen Einfluss des amerikanischen Kapitalismus in japanischen St\u00e4dten, aber auch das urspr\u00fcngliche und ruhige Landleben, das es in den 50er Jahren noch \u00fcberall gab, ob in Frankreich, Peru oder Kambodscha. Ferner zeigen die Bilder das Aufeinandertreffen von l\u00e4ndlichem Lebensstil und st\u00e4dtischer Industrie in Indien, wie Werner Bischof sie 1951 f\u00fcr das Magazin Life fotografierte.<\/p>\n<p>Der Schweizer dokumentierte auch die Zerst\u00f6rung seiner europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4nder und schlie\u00dft damit eine L\u00fccke im kollektiven Ged\u00e4chtnis Europas. Die fr\u00fchen Nachkriegsjahre scheinen oftmals zu unspektakul\u00e4r, um erinnert und reflektiert zu werden. Die Nazi-Diktatur scheint durch den Holocaust und die sinnlose Verheizung junger Menschenleben in den letzten Kriegsmonaten auch ohne Nachkriegsleiden hinreichend disqualifiziert. Das kurze Jahrzehnt zwischen Kapitulation und dem millionsten VW-K\u00e4fer f\u00e4llt dahinter derart ab, dass es kaum erinnert wird. Nichtsdestotrotz ist diese Zeit der Tauben im Gras eine pr\u00e4gende Epoche europ\u00e4ischer Geschichte, die nicht auf eine vage Vorstellung von Tr\u00fcmmerfrauen und \u201cWir hatten ja nichts!\u201d reduziert werden sollte. Werner Bischof zeigt mit seinen Bildern die Zerst\u00f6rung und Armut des Nachkriegseuropas in aller Deutlichkeit und verurteilt dadurch nicht nur die Nazi-Diktatur, sondern jeden Krieg bis heute.<\/p>\n<table align=left>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2100\" alt=bischof33.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/bischof33.jpg\" \/><br \/>\n<em>Valle Sagrado, Peru.<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Sohn Marco Bischof, der seit 20 Jahren Ausstellungen kuratiert, hat bei der Auswahl aus dem Werk seines Vaters einen Schwerpunkt auf den Gastkontinent gelegt. Trotz seiner langj\u00e4hrigen Erfahrung ist \u201cWerner Bischof Im\u00e1genes\u201d etwas Besonderes f\u00fcr Bischof: \u201cDas ist eine ganz neue Art von Ausstellung. Die Auswahl der Bilder hat hier vor Ort stattgefunden, normalerweise werden Ausstellungen in Europa zusammengestellt und dann verschifft.\u201d Um die Ausstellung vor Ort umsetzen zu k\u00f6nnen, suchte der Z\u00fcricher einen Druckmaschinenhersteller als Partner und entzaubert romantische Vorstellungen der Fotografie: \u201cDie ausgestellten Bilder sind alle aus einer DVD produziert.\u201d<\/p>\n<p><em>\u201cWerner Bischof Im\u00e1genes\u201d, bis zum 31. Januar 2010, montags-samstags 10-21, sonntags 12-21 Uhr, <a href=\"http:\/\/www.ccborges.org.ar\/\">Centro Cultural Borges<\/a>, Viamonte 525, Buenos Aires. Infos auch auf den Webseiten von <a href=\"http:\/\/www.wernerbischof.com\/\">Werner Bischof<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.magnumphotos.com\/Archive\/C.aspx?VP=XSpecific_MAG.AgencyHome_VPage&#038;pid=2K7O3R1VX08V\">Magnum Photos<\/a>.<\/em><\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image2096\" alt=bischof1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/bischof1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Kurator Marco Bischof bei der Ausstellungser\u00f6ffnung in Buenos Aires.<br \/>\n(Foto: Till Wyszynski)<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellung des Schweizer Pressefotografen zeigt Leben der 50er Jahre Von Nils Witte \u201cNichts hat mich so fasziniert wie Lateinamerika\u201d, schw\u00e4rmt Marco Bischof, Kurator der Fotoausstellung \u201cWerner Bischof Im\u00e1genes\u201d, die derzeit im Centro Cultural Borges zu sehen ist. Eine Neigung, die er mit seinem Vater geteilt h\u00e4tte. 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