{"id":2101,"date":"2009-12-24T13:14:14","date_gmt":"2009-12-24T16:14:14","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/24\/erbe-verpflichtet\/"},"modified":"2010-01-01T18:48:50","modified_gmt":"2010-01-01T21:48:50","slug":"erbe-verpflichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/24\/erbe-verpflichtet\/","title":{"rendered":"Erbe verpflichtet"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/24\/las-12-sibilas-de-san-telmo\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Die \u201c12 Sibyllen von San Telmo\u201d ohne passenden Ausstellungsort<\/p>\n<p><em>Von Maria Buck<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2104\" alt=Sibilas33.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Sibilas33.jpg\" align=left hspace=5 \/>Die \u201cSibyllen von San Telmo\u201d, eine einmalige Bilderserie aus dem 18. Jahrhundert, z\u00e4hlen zu den beeindruckendsten und wichtigsten Kunstsch\u00e4tzen der lateinamerikanischen Kolonialmalerei. Dargestellt sind die zw\u00f6lf Sibyllen, welche das Leben Jesu Christi vorhersagen. Man sollte annehmen, diese zw\u00f6lf Gem\u00e4lde sind in einem der vielen wundersch\u00f6nen Museen in Buenos Aires ausgestellt, perfekt beleuchtet und jederzeit f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Doch weit gefehlt. Die Bilder befinden sich in der Sakristei von \u201cSan Pedro Gim\u00e9nez Telmo\u201d in San Telmo, kaum zug\u00e4nglich in einem f\u00fcr sie v\u00f6llig unw\u00fcrdigen Raum, da die Sakristei in einem desolaten Zustand ist und dringend renoviert werden muss. Feuchte W\u00e4nde, abbr\u00f6ckelnder Putz, ein modriger Geruch und au\u00dfer einer grellen Lampe in der Raummitte alles recht dunkel \u2013 keine passenden Voraussetzungen also, um antike Bilder unterzubringen.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2103\" alt=Sibilas22.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Sibilas22.jpg\" align=right hspace=5 \/>Durch die Initiative des deutschen Kunstfreundes Gerhard Krummacher, der seit einigen Jahren in Buenos Aires lebt, und des \u201cClub Europeo\u201d, konnte in einem ersten Schritt das Gem\u00e4uer der Sakristei trockengelegt werden. Allerdings fallen nun noch weitere n\u00f6tige Arbeiten an: Die W\u00e4nde m\u00fcssen neu verputzt und gestrichen werden, eine bessere Beleuchtung muss eingebaut werden und ein Sicherheitssystem muss dringend installiert werden, um die wertvollen Gem\u00e4lde zu sch\u00fctzen. \u201cWir haben eine gewisse Verantwortung gegen\u00fcber dem kulturellen und k\u00fcnstlerischen Erbe unserer Vorfahren.\u201d, begr\u00fcndet Krummacher sein aktives Engagement. \u201cDie Politik hat im Moment kein Interesse, Geld f\u00fcr den Bereich Kunst und Kultur auszugeben. Deshalb muss man eben einen Teil aus eigener Tasche bezahlen\u201d, sagt er weiter.<\/p>\n<p>Doch weshalb sind diese Bilder so besonders, dass sie solch eine Aufmerksamkeit verdienen? Nun, die Sibyllen, die \u201cGottesberaterinnen\u201d, sind au\u00dfergew\u00f6hnliche Gestalten, deren Tradition weit zur\u00fcckreicht. Sie stammen urspr\u00fcnglich aus der griechischen Mythologie und wurden als Seherinnen verehrt, die aber im Gegensatz zu den Orakeln den Menschen unaufgefordert die Zukunft vorhersagten. In der r\u00f6mischen Geschichte ist vor allem eine Sibylle von gro\u00dfer Bedeutung: Die Sibylle von Cumae gilt als F\u00fchrerin des Aeneas in der Unterwelt, wie es Vergil in seiner \u201cAeneis\u201d beschrieben hatte. Die christliche Tradition sieht in den Sibyllen den Beleg f\u00fcr die st\u00e4ndige Erwartung der Erl\u00f6sung der Menschheit und die Verk\u00f6rperung der matriarchalen Weisheit.<\/p>\n<p>In der Kunst werden sie seit dem 12. Jahrhundert dargestellt, meistens zusammen mit den biblischen Propheten. So sind zum Beispiel in der Sixtinischen Kapelle im Petersdom in Rom f\u00fcnf Sibyllen von Michelangelo gemalt worden. In Lateinamerika erscheinen sie zum ersten Mal 1595 in Mexiko-City. Dort wurden sie von Alonso de Villasana in der \u201cSantuaria de la Virgen de los Remedios\u201d bildlich dargestellt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2102\" alt=Sibilas11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Sibilas11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Die Sibyllen von San Telmo sind jeweils einzeln portr\u00e4tiert, dargestellt in wundersch\u00f6nen Kleidern. Jede von ihnen sagt ein bestimmtes Ereignis aus dem Leben von Jesus Christus voraus. Diese Voraussagen sind in einem ovalen Medaillon dargestellt, das von Blumenranken umgeben ist. Sie k\u00fcndigen damit das Kommen des Erl\u00f6sers, des Heilands, an. Die Sibylle P\u00e9rsica sieht beispielsweise Jesu Taufe voraus. \u201cSie werden ihn im Fluss Jordan taufen\u201d, ist auf einer Inschrift ihres Gem\u00e4ldes zu lesen, und das Medaillon zeigt, wie Jesus im Fluss stehend von Johannes getauft wird.<\/p>\n<p>Das Einzigartige an den Sibyllen von San Telmo ist aber, dass sie die einzige Bilderserie weltweit sind, bei der alle zw\u00f6lf Sibyllen dargestellt sind. Denn ansonsten sind es immer nur ein paar von ihnen. Woher diese zw\u00f6lf Sibyllen-Gem\u00e4lde stammen, ist allerdings unklar. Fest steht, dass sie nicht in Argentinien gefertigt worden sind, sondern erst sp\u00e4ter hierher gebracht wurden. Auch Untersuchungen w\u00e4hrend der aufwendigen Restaurationsarbeiten vor f\u00fcnf Jahren, die von der \u201cUniversidad Nacional de San Mart\u00edn\u201d initiiert wurden, f\u00fchrten zu keinen neuen Erkenntnissen. Es kommen weiterhin zwei unterschiedliche Herkunftsm\u00f6glichkeiten in Frage: Spanien oder das Andengebiet, wobei letzteres f\u00fcr wahrscheinlicher gehalten wird.<\/p>\n<table align=right>\n<tr>\n<td align=center>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2105\" alt=Sibilas44.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Sibilas44.jpg\" \/><br \/>\n<em>Padre Ernesto.<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Fest steht aber, dass diese Gem\u00e4lde gew\u00fcrdigt werden m\u00fcssen. Nach Beendigung der Restaurationsarbeiten waren sie zwar f\u00fcr kurze Zeit im \u201cMuseo Nacional de Arte Decorativo\u201d in Buenos Aires zu sehen, doch nach Ende der Ausstellung wurden sie wieder in die Sakristei zur\u00fcckgebracht. Gemeinsam mit Padre Ernesto, dem Pfarrer der Kirchengemeinde San Telmo, wird Gerhard Krummacher auch in Zukunft dieses Projekt unterst\u00fctzen, denn eines liegt ihm sehr am Herzen: \u201cDas kulturelle Erbe muss erhalten werden.\u201d Er ist davon \u00fcberzeugt, dass diese Pflicht jeden einzelnen betrifft, der die M\u00f6glichkeit und Mittel hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. Die \u201c12 Sibyllen von San Telmo\u201d ohne passenden Ausstellungsort Von Maria Buck Die \u201cSibyllen von San Telmo\u201d, eine einmalige Bilderserie aus dem 18. Jahrhundert, z\u00e4hlen zu den beeindruckendsten und wichtigsten Kunstsch\u00e4tzen der lateinamerikanischen Kolonialmalerei. Dargestellt sind die zw\u00f6lf Sibyllen, welche das Leben Jesu Christi vorhersagen. 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