{"id":2119,"date":"2009-12-25T12:50:07","date_gmt":"2009-12-25T15:50:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/25\/moderne-klassik-im-goethe-institut\/"},"modified":"2009-12-30T12:50:28","modified_gmt":"2009-12-30T15:50:28","slug":"moderne-klassik-im-goethe-institut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2009\/12\/25\/moderne-klassik-im-goethe-institut\/","title":{"rendered":"Moderne Klassik im Goethe-Institut"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hommage an den Komponisten f\u00fcr Neue Musik Mauricio Kagel<\/p>\n<p><em>Von Nils Witte<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2120\" alt=kagel111.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/kagel111.jpg\" align=left hspace=5 \/>\u201cMusik ist in Buenos Aires lebensnotwendig\u201d, sagt der Komponist f\u00fcr Neue Musik Mauricio Kagel. \u201cSie ist Ersatz f\u00fcr das, was nicht klappt in Politik und Gesellschaft.\u201d Der in Buenos Aires geborene K\u00fcnstler starb im September 2008. Das Goethe-Institut seiner Geburtsstadt widmete ihm jetzt eine Hommage und lud dazu K\u00fcnstler ein, die in den letzten Jahren mit dem Deutsch-Argentinier zusammengearbeitet haben. \u201cF\u00fcr uns war Kagel ein Sinnbild der zeitgen\u00f6ssischen Musik\u201d, schw\u00e4rmt Dirigent Marcelo Delgado, der zur Hommage an drei Abenden das Orquesta Compa\u00f1\u00eda Obl\u00edcua leitete. Die Musiker hatten im Sommer 2006 mit Kagel, der bereits 1959 nach Deutschland ausgewandert war, zusammengearbeitet und spielten im Rahmen eines ihm gewidmeten Festivals u.a. im Teatro Col\u00f3n.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcberzeugend interpretierten die Anh\u00e4nger Kagels jetzt das durch Milit\u00e4rmusik inspirierte \u201cSechs M\u00e4rsche um den Sieg zu verfehlen\u201d, ein an Hanns Eislers Komposition erinnerndes Orchesterwerk, in dem die Bl\u00e4ser immer wieder jazzgleich dem Ordnung stampfenden Rhythmus von Marschtrommel und Pauke entfliehen, am Ende gar physisch mitsamt dem Dirigenten.<\/p>\n<p>Kagel selbst durchbrach mit seiner Musik alle Konventionen und \u00fcberraschte so nicht nur das Publikum, sondern auch die Interpreten. Bei dem jetzt von Klara Csordas gesungenen und von Romina Pedroli getanzten \u201cDer Turm zu Babel\u201d treffen &#8211; f\u00fcr Kagel typisch &#8211; klassische Musik und Theater aufeinander. <\/p>\n<p>Choreographin Diana Theocharidis, die ebenfalls eng mit dem als Vertreter des Instrumentalen Theaters geltenden Kagel zusammenarbeitete, l\u00e4sst die Sopranistin singend durch den Raum wandeln, w\u00e4hrend die Ballerina gleich einer Mimose von den Kl\u00e4ngen durchgesch\u00fcttelt oder durch den Raum getrieben und zu Boden geworfen wird. Das St\u00fcck mit dem biblischen Thema der sprachlichen Verwirrung bringt Theocharidis zusammen mit \u201cZwei Akte\u201d, ein Wunsch Kagels, der in K\u00f6ln eine Professur f\u00fcr Musiktheater innehatte.<\/p>\n<p>Saxophon und Harfe treten in dem Werk in Dialog aber finden nicht zueinander, als spr\u00e4chen sie unterschiedliche Sprachen &#8211; f\u00fcr Kagel eine Allegorie auf Mann und Frau. Theocharidis setzte das Kommunikationsproblem t\u00e4nzerisch um. Ein Paar: Die Frau &#8211; stark dargestellt von der Franz\u00f6sin Johanna Cessiecq &#8211; m\u00fcht sich zu gefallen, sie windet sich auf dem Boden, zieht sich aus und qu\u00e4lt sich f\u00fcr ihr Gewicht. Der Mann ist derweil unentschlossen, zieht sich an und aus und an, und sitzt auf dem Sofa, auch hier eine untypische Choreographie, der Zuschauer wartet vergebens auf Tanzeinlagen des Mannes.<\/p>\n<p>Insgesamt pr\u00e4sentierte das Goethe-Institut ein sehr stimmiges und anregendes Programm, abgerundet und verbunden durch Ausschnitte des Dokumentarfilms \u201cS\u00fcden\u201d von Gast\u00f3n Solnicki. Darin erfahren wir von Kagel und seiner Beziehung zu K\u00f6ln und zu Buenos Aires. \u201cIch f\u00fchle mich gut dort, wo ich arbeite, das ist meine Heimat\u201d, begr\u00fcndet der Wahlk\u00f6lner, warum er seine Geburtsstadt so selten besuchte, und erg\u00e4nzt mit einem Augenzwinkern: \u201cUnd dann ist es feucht \u00fcber achtzig Prozent, und sie sagen: Ach, das ist Buenos Aires.\u201d Als er f\u00fcr das Festival Kagel 2006 zur\u00fcckkehrte, war es der erste Auftritt in seinem Geburtsland seit 40 Jahren, denn lange hatte man ihn hier ignoriert. Die Interpreten seiner Musik hinterlie\u00df er schon damals tief beeindruckt. \u201cKagel hatte viel Respekt vor den Musikern. Er war ungeheuer flei\u00dfig, arbeitete von morgens bis abends und war nie m\u00fcde\u201d, erinnert sich Marcelo Delgado, und erz\u00e4hlt von der Bescheidenheit seines Kollegen: \u201cF\u00fcr mich ist er einer der modernsten Komponisten, aber er hat sich selbst nie zur Avantgarde gez\u00e4hlt.\u201d<\/p>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image2121\" alt=kagel1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/kagel1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Die Sopranistin Klara Csordas lauscht den Worten Mauricio Kagels.<br \/>\n(Foto: Nils Witte)<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hommage an den Komponisten f\u00fcr Neue Musik Mauricio Kagel Von Nils Witte \u201cMusik ist in Buenos Aires lebensnotwendig\u201d, sagt der Komponist f\u00fcr Neue Musik Mauricio Kagel. \u201cSie ist Ersatz f\u00fcr das, was nicht klappt in Politik und Gesellschaft.\u201d Der in Buenos Aires geborene K\u00fcnstler starb im September 2008. 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