{"id":21200,"date":"2015-05-04T16:04:08","date_gmt":"2015-05-04T19:04:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=21200"},"modified":"2015-05-09T17:25:42","modified_gmt":"2015-05-09T20:25:42","slug":"bundesverdienstkreuz-fur-roberto-schopflocher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/05\/04\/bundesverdienstkreuz-fur-roberto-schopflocher\/","title":{"rendered":"Bundesverdienstkreuz f\u00fcr Roberto Schopflocher"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der argentinisch-deutsche Schriftsteller und Dichter Roberto Schopflocher wurde in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschand in Buenos Aires mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_embajador.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_embajador.jpg\" alt=\"schopflocher_embajador\" width=\"250\" height=\"159\" class=\"alignright size-full wp-image-21202\" \/><\/a>Am 30. April ist der argentinisch-deutsche Schriftsteller und Dichter Roberto Schopflocher in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschand in Buenos Aires mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Mit der Ehrung w\u00fcrdigte Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck die gro\u00dfen Verdienste Schopflochers um die argentinisch-deutschen Beziehungen, besonders im kulturellen und literarischen Bereich. Botschafter Bernhard Graf von Waldersee nahm die Ehrung vor. Roberto Schopflocher begleiteten seine Frau, Kinder, Enkel und enge Freunde.<\/p>\n<p>Durch sein Schreiben in Spanisch und seit vielen Jahren haupts\u00e4chlich in Deutsch baute und baut Roberto Schopflocher, der 1923 in F\u00fcrth geboren wurde, 1937 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten fliehen musste und in Argentinien eine neue Heimat fand. eine Br\u00fccke des Verst\u00e4ndnisses zwischen beiden Kulturen.<\/p>\n<p>In seiner Rede sagte der Botschafter: &#8220;In Ihrer Kindheit und Jugend in Deutschland mussten Sie die Diskriminierung und den Rassenhass der Nationalsozialisten aus eigener Hand erfahren. Im April 1937 gelang Ihrer Familie die Flucht nach Argentinien, wo Sie sich nach einem Ausflug in die Landwirtschaft in C\u00f3rdoba schlie\u00dflich in Buenos Aires niederlie\u00dfen und im v\u00e4terlichen Chemiebetrieb t\u00e4tig waren. Erste erfolgreiche Ver\u00f6ffentlichungen &#8211; von landwirtschaftlichen Fachb\u00fcchern &#8211; lie\u00dfen aber bereits damals erahnen, dass Ihre wahre Leidenschaft in einem ganz anderen Bereich zu finden war. 1980 wandten Sie sich dann ganz dem Schreiben zu, ihrer &#8220;wirklichen Berufung&#8221;, wie Sie einmal sagten. Sie ver\u00f6ffentlichten zun\u00e4chst in spanischer Sprache. Neben vielen anderen Ehrungen wurde Ihnen daf\u00fcr als erstem nicht in Argentinien geborenen Autor der Dritte Literaturpreis der Stadt Buenos Aires verliehen.<\/p>\n<p>1995 begannen Sie, auch auf Deutsch zu schreiben und zu ver\u00f6ffentlichen. Das wird ein wichtiger Schritt f\u00fcr Sie gewesen sein. Mit &#8220;Erz\u00e4hlungen aus Argentinien&#8221; brachten Sie dem Publikum in Deutschland die ganze Vielfalt dieses wundersch\u00f6nen Landes n\u00e4her. &#8220;Wahlheimat und Heimatwahl&#8221; wirft schon im Titel die Frage nach der Heimat der Emigranten auf &#8211; eine Frage, deren Aufarbeitung Sie sich immer wieder gewidmet haben.<\/p>\n<p>Christian Schmidt, heute deutscher Bundesminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft, hat einmal in Ihrer Heimatstadt F\u00fcrth in einem Gru\u00dfwort f\u00fcr Sie sehr sch\u00f6n ausgedr\u00fcckt, dass Sie nach seinem Eindruck &#8220;gleich mehrere Heimaten erlebt&#8221; haben.<\/p>\n<p>Als Vertreter Deutschlands in Argentinien betrifft mich vor allem: Ihrer deutschen Heimat beraubt, haben Sie sie doch nie aufgegeben.<\/p>\n<p>Auch Ihr deutschsprachiges Werk wurde ausgezeichnet, als Ihnen 2008 von F\u00fcrth der Jakob-Wassermann-Literaturpreis verliehen wurde. Bei Ihrer Laudatio hat Professor Och damals herausgearbeitet, wie Sie &#8211; in einer Reihe mit anderen gro\u00dfen Emigranten &#8211; sich dem Erbe der Aufkl\u00e4rung verpflichtet f\u00fchlen. Ihre 2010 erschienenen &#8220;Lebenserinnerungen&#8221; hei\u00dfen &#8220;Weit von wo. Leben zwischen drei Welten&#8221;. Haben Sie wirklich &#8220;zwischen&#8221; den Welten gelebt? Oder auch vielleicht eher &#8220;in&#8221; ihnen: als Deutscher, Jude und Argentinier? Auf jeden Fall aber haben Sie durch Ihr Leben und Ihre Erz\u00e4hlungen und Romane es erreicht, Deutschland, Argentinien und j\u00fcdischen Glauben, j\u00fcdische Identit\u00e4t auf ganz besondere Weise zu verbinden. Und aus diesem Blickwinkel vergleichen, untersuchen und bewerten Sie, stets uneitel und immer der Toleranz der Gerechtigkeit verpflichtet. &#8220;Wir wollen den Fluch in Segen verwandeln&#8221; &#8211; dieses Wort aus der von Ihnen mit herausgegebenen Autobiographie von drei Generationen der j\u00fcdischen Familie Neumeyer haben Sie nicht zuf\u00e4llig zum Titel dieses Buches gemacht.<\/p>\n<p>Lieber Herr Schopflocher: mit Ihrem literarischen Werk, mit Ihrem Lebenswerk und zugleich in Ihrem aktiven und bis heute unerm\u00fcdlichen Einsatz f\u00fcr die Vermittlung und das Verst\u00e4ndnis deutscher Sprache und Kultur, vor allem hier in Argentinien, haben Sie in \u00fcberzeugender Weise das Ansehen und den Ruf Deutschlands gemehrt und sich besondere Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland erworben. Daher hat Sie Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ich habe heute die gro\u00dfe Freude und Ehre, diese Auszeichnung im Namen des Herrn Bundespr\u00e4sidenten zu \u00fcberreichen und m\u00f6chte Ihnen dazu erneut sehr herzlich gratulieren.&#8221;<\/p>\n<p>Roberto Schopflocher bedankte sich mit den Worten: &#8220;Diese hohe Auszeichnung ruft nicht zuletzt die Hoffung in mir wach, dass ich nicht ganz umsonst auf dieser Welt wandelte, sondern meinen bescheidenen Beitrag geleistet habe, um diese ein klein wenig besser zu verstehen.<\/p>\n<p>Ich empfinde mich als ein Glied der Generationenkette, die die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet. Gleichzeitig erf\u00fcllt mich das Bewusstsein, dass es nicht nur das von den Vorfahren \u00fcbermittelte Erbe ist, sonderrn nicht weniger die Umwelt, die mich von Kindesbeinen an gepr\u00e4gt hat. Wie sollte es auch anders sein? Habe ich doch meine Urheimat, das fr\u00e4nkische F\u00fcrth, in der Tiefe meines Inneren trotz der noch immer unfassbaren Schrecknisse des 20. Jahrhunderts nie ganz verlassen. Und somit sehe ich mich nicht nur als einen der Zeitgenossen, die vom letzten Schimmer der kurzen Bl\u00fctezeit profitierten, die das sich gegenseitig befruchtenden deutsch-j\u00fcdische B\u00fcrgertum ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gekennzeichnet hat, wenn freilich auch auf schwankendem Untergrund. Sondern ich bin auch einer der dankbaren Zeugen, die den guten Willen der unbelasteten Nachkriegsgenerationen und den Kniefall Willy Brandts erleben durften.<\/p>\n<p>Dabei kann ich allerdings meinen seelischen Zwiespalt nicht verleugnen, den ich, der ich seit 1937 in Argentinien lebe, bereits vor Jahren in folgendem Gedicht zum Ausdruck brachte, das in meinem Lyrikband &#8220;Hintergedanken&#8221; zu finden ist:<\/p>\n<p>GEST\u00c4NDNIS<\/p>\n<p>Seit \u00fcber sechzig Jahren<br \/>\nin Argentinien, aber<br \/>\nbeim Worte \u2018Baum\u2019<br \/>\nf\u00e4llt mir zun\u00e4chst und noch immer<br \/>\ndie Dorflinde Rannas ein,<br \/>\nin der Fr\u00e4nkischen Schweiz,<br \/>\ngelegentlich auch eine Eiche,<br \/>\neine Kiefer oder ein Tannenbaum;<br \/>\nnie dagegen oder doch nur selten<br \/>\nein Omb\u00fa der Pampa,<br \/>\nein Para\u00edso in Entre R\u00edos<br \/>\nein \u00d1andubay, Lapacho oder Algarrobo,<br \/>\nwie sich\u2019s doch geziemen w\u00fcrde<br \/>\nschon aus Dankbarkeit<br \/>\ndem lebensrettenden Land gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Aber \u2018Fr\u00fchling\u2019 bedeutet mir noch immer<br \/>\nM\u00f6rikes blau flatterndes Band.<br \/>\nSchiller, Goethe und die Romantik,<br \/>\nJugendstil, Bauhaus und Expressionismus,<br \/>\npr\u00e4gten mir ihren Siegel auf,<br \/>\nnicht weniger wie der deutsche Wald,<br \/>\nder deutsche Professor<br \/>\noder der j\u00fcdische Religionsunterricht &#8211;<br \/>\nwohlgemerkt: der der letzten Zwanziger-,<br \/>\nder ersten Drei\u00dfigerjahre.<\/p>\n<p>Ja, selbst der fragw\u00fcrdige Struwwelpeter,<br \/>\nKarl May, Hauff, die Grimm\u2019schen M\u00e4rchen<br \/>\noder Max und Moritz, diese beiden,<br \/>\nrumoren weiter in mir<br \/>\nund lassen sich nicht ausrotten.<br \/>\nNun ja: Leider! Trotz alledem.<br \/>\nOder etwa Gottseidank?<\/p>\n<p>Und wo liegt es nun, mein Vaterland?<\/p>\n<p>Wo aber liegt mein Vaterland? Elie Wiesel zitiert den Rabbi Nachman aus Brazlaw, einen Urenkel des Mystikers und Begr\u00fcnder des Chassidismus Baal Schem Tow: &#8220;An irgend einem Ort lebt ein Mensch der eine Frage aufwirft, auf die es keine Antwort gibt. Eine Generation sp\u00e4ter, an einem ganz anderen Ort, lebt ein Mensch, der auch eine Frage stellt, auf die es ebenfalls keine Antwort gibt &#8211; und er wei\u00df nicht, kann es gar nicht wissen -, dass seine Frage in Wirklichkeit eine Antwort auf die erstere darstellt.&#8221;<\/p>\n<p>Gestatten Sie mir, dass ich diese \u00dcberlegung, der ich nichts hinzuzuf\u00fcgen habe, im Raum stehen lasse. Und nehmen Sie, sehr verehrter Herr Botschafter, und durch Sie die von Ihnen vertretene Bundesrepublik Deutschland nochmals meinen tiefempfundenen Dank f\u00fcr diese unerwartete Auszeichnung entgegen, deren vielfache Bedeutung mir und meiner Familie voll bewusst ist.&#8221;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_grupo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_grupo.jpg\" alt=\"schopflocher_grupo\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21203\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_grupo.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/schopflocher_grupo-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Foto oben:<\/strong><br \/>\nRoberto Schopflocher (links) und der deutsche Botschafter Bernhard Graf von Waldersee.<\/p>\n<p><strong>Foto unten:<\/strong><br \/>\nRoberto Schopflocher im Kreise seiner Familie und mit Botschafter von Waldersee.<br \/>\n(Fotos: Deutsche Botschaft)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der argentinisch-deutsche Schriftsteller und Dichter Roberto Schopflocher wurde in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschand in Buenos Aires mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet Am 30. 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