{"id":21255,"date":"2015-05-16T14:42:36","date_gmt":"2015-05-16T17:42:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=21255"},"modified":"2015-05-16T14:55:09","modified_gmt":"2015-05-16T17:55:09","slug":"namibische-zeitung-in-deutscher-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/05\/16\/namibische-zeitung-in-deutscher-sprache\/","title":{"rendered":"Namibische Zeitung in deutscher Sprache"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Allgemeine Zeitung feiert im kommenden Jahr 100-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ11.jpg\" alt=\"AZ11\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21257\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ11.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ11-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n&#8220;Wir bringen t\u00e4glich Nachrichten aus Namibia in deutscher Sprache. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.&#8221; Chefredakteur Stefan Fischer formuliert, was das Besondere der Allgemeinen Zeitung (AZ) in der namibischen Hauptstadt Windhoek ausmacht.<\/p>\n<p>F\u00fcnfmal pro Woche, von Montag bis Freitag, bringen Fischer und seine Kollegen ein Printerzeugnis heraus, das locker mit jeder guten deutschen Lokalzeitung mithalten kann: Ein modernes Layout, ansprechende Farbfotos, leserfreundliche Aufmachung und vor allem lokale und regionale Nachrichten auf den ersten Seiten. Das Weltgeschehen und das, was in Deutschland passiert, findet der Leser erst im hinteren Teil. Bewusst versteht sich das Blatt als namibische Zeitung &#8211; deutscher Sprache.<\/p>\n<p>Die 1916 gegr\u00fcndete Publikation ist die einzige deutschsprachige Tageszeitung in Afrika und die \u00e4lteste in Namibia, das bis zum Ersten Weltkrieg deutsche Kolonie war. Je nach Wochentag betr\u00e4gt die Auflage zwischen 5300 und 6200 Exemplare. Die Seitenzahl pendelt zwischen zw\u00f6lf und 32. Umfangreich ist vor allem die Wochenendausgabe, die freitags herauskommt. Der Verkauf erfolgt durch Abonnements, aber auch durch Stra\u00dfenh\u00e4ndler sowie in Buchhandlungen und sonstigen Gesch\u00e4ften.<\/p>\n<p>Die Hauptklientel der AZ sind die rund 20.000 Muttersprachler, die laut Angaben der Namibia Statistics Agency (2013) im Land leben. Viele sind Nachkommen der Beamten und Siedler, die zu Koloniezeiten (1884 bis 1915) ins damalige &#8220;Deutsch-S\u00fcdwest&#8221; kamen. <\/p>\n<p>Deutsch ist eine von insgesamt 14 Landessprachen und als solche fester Bestandteil des namibischen Lebens. Die Tendenz sei aber leicht r\u00fcckl\u00e4ufig, beschreibt Fischer. Dies liege zum einen an einem Geburtenr\u00fcckgang, der bei den Deutschsprachigen festzustellen sei. Zum anderen aber auch an der restriktiven Einwanderungspolitik der Regierung. Fischer, der aus Cottbus stammt, musste selber zw\u00f6lf Jahre k\u00e4mpfen, ehe er in Namibia eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekam &#8211; und dies trotz einer festen beruflichen Position, einer in Namibia aufgewachsenen Frau und im Land geborener Kinder.<\/p>\n<p>Zu den Lesern der Allgemeinen Zeitung geh\u00f6ren aber nicht nur die Einheimischen, sondern auch die zahlreichen Touristen aus Deutschland, die Fischer auf 60.000 bis 80.000 pro Jahr sch\u00e4tzt. Hinzu kommen Namibia-Interessierte aus dem deutschsprachigen Teil Europas. <\/p>\n<p>&#8220;Das Interesse wird durch Urlaub geweckt. Es gibt famili\u00e4re Bindungen oder auch gesch\u00e4ftliche Aspekte&#8221;, erl\u00e4utert Fischer, weshalb die Zeitung Beachtung auch jenseits der Landesgrenzen findet. Die Tendenz spiegele sich in der steigenden Zahl der Besucher des <a href=\"http:\/\/www.az.com.na\/\">AZ-Internetauftritts<\/a> wider, so Fischer. Diese wird mittlerweile t\u00e4glich etwa 1500 Mal aufgerufen.<\/p>\n<p>Auf den Trend hat sich die Redaktion mit der Herausgabe einer monatlichen Tourismusbeilage eingestellt. Die Extra-Publikation wird gemeinsam mit den Schwesterzeitungen &#8220;Namibian Sun&#8221; (Englisch) und &#8220;Die Republikein&#8221; (Afrikaans) produziert, die wie die AZ zur Verlagsgruppe Namibia Media Holdings (NMH) geh\u00f6ren. Die drei Zeitungen teilen sich seit zwei Jahren auch ein modernes Gro\u00dfraumb\u00fcro (Newsroom).<\/p>\n<p>Synergie-Effekte erg\u00e4ben sich auch, was die Akquise von Anzeigen betreffe, so Fischer. Unter dem Strich st\u00fcnden so schwarze Zahlen. Gleichwohl sei die Finanzierung eine st\u00e4ndige Herausforderung, zumal aus Deutschland &#8220;kein Cent an Unterst\u00fctzung&#8221; komme, beklagt der AZ-Chefredakteur. Wichtig sei von daher auch das Nebengesch\u00e4ft mit Kalendern, DVDs und B\u00fcchern \u00fcber Namibia, mit denen die AZ ihre Wirtschaftsbilanz aufbessert.<\/p>\n<p>K\u00e4mpfen muss die AZ aber auch an anderer Front. So sei es nicht einfach, in ausreichendem Ma\u00dfe journalistische Fachkr\u00e4fte zu gewinnen. &#8220;Es gibt wenig Menschen im Land, die in Frage kommen&#8221;, meint Fischer mit Blick auf sprachliche und journalistische Qualifikation der in Namibia aufgewachsenen m\u00f6glichen Kandidaten. Und die wenigen, bei denen es diesbez\u00fcglich passen k\u00f6nnte, z\u00f6gen oft finanziell lukrativere Jobs in der Wirtschaft vor. &#8220;Journalismus ist Herzenssache&#8221;, sagt Fischer und meint damit, dass f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit bei der AZ auch eine geh\u00f6rige Portion Idealismus vonn\u00f6ten sei. <\/p>\n<p>Derzeit arbeiten zehn Redakteure f\u00fcr die AZ. Hinzu kommen Mitarbeiter, die f\u00fcr Satz bzw. Anzeigenakquise zust\u00e4ndig sind, sowie Praktikanten, die regelm\u00e4\u00dfig aus Deutschland kommen. Insgesamt z\u00e4hle man derzeit 20 Personen, die f\u00fcr die AZ arbeiten, so Fischer. Er selbst kam nach mehreren Urlaubsaufenthalten in Namibia 2004 zur AZ. Zuvor hatte er als Bildjournalist beim &#8220;M\u00e4rkischen Boten&#8221; in Cottbus gearbeitet, wo er auch mit dem Schreiben anfing.<\/p>\n<p>Fischer zur Seite steht sein Stellvertreter Eberhard Hofmann, der 1954 als DDR-Fl\u00fcchtling nach Namibia kam und seit vier Jahrzehnten f\u00fcr die AZ arbeitet. Er erz\u00e4hlt vom Wandel der politischen Ausrichtung, den die Zeitung in ihrer j\u00fcngeren Vergangenheit durchgemacht hat: Zun\u00e4chst habe die AZ lange Zeit den Apartheidskurs der s\u00fcdafrikanischen Besatzungsmacht unterst\u00fctzt. Erst ab Mitte der Siebzigerjahre sei eine allm\u00e4hliche Neuorientierung erfolgt. Die Unabh\u00e4ngigkeit von den S\u00fcdafrikanern, die 1915 die Deutschen als Herren des Landes abgel\u00f6st hatten, wurde nun als Ziel unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>In ihrer politischen Ausrichtung hatte die AZ ohnehin nicht immer ein gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen. Als in Deutschland die Nazis marschierten, sprangen auch die Blattmacher im s\u00fcdwestlichen Afrika auf den nationalsozialistischen Zug auf und benannten im Jahr 1939 ihre Zeitung in &#8220;Deutscher Beobachter&#8221; um &#8211; offenbar in Anlehnung an den &#8220;V\u00f6lkischen Beobachter&#8221;, dem Parteiorgan der NSDAP in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>&#8220;Es hat unter den Deutschen in Namibia einen starken Nationalismus gegeben, aber nicht alle waren Nazis&#8221;, erl\u00e4utert Hofmann. Fast alle seien w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges interniert worden. Schon 1943 habe man sich besonnen und das Blatt wieder in Allgemeine Zeitung umbenannt. \u00dcberhaupt wendet sich Hofmann gegen ein Verharren in der Geschichte: &#8220;Schauen wir doch lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit.&#8221; Gegr\u00fcndet wurde die Zeitung im \u00dcbrigen w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges unter dem Namen &#8220;Der Kriegsbote&#8221;. Als der Waffengang dann vorbei war, erhielt das Blatt den Namen, den es heute noch (bzw. wieder) tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die heutige politische Ausrichtung der Zeitung beschreibt Hofmann als &#8220;unabh\u00e4ngig, \u00fcberparteilich, kritisch&#8221;. Wobei sein Kollege Fischer hinzuf\u00fcgt, dass regierungskritische Meinungen in der AZ vielleicht st\u00e4rker pr\u00e4sent seien als in anderen Zeitungen des Landes. Namibia wird seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit von der einst marxistischen Befreiungsbewegung SWAPO (South-West Africa People\u2018s Organization) regiert. Diese charakterisiert Fischer als &#8220;nationalistisch&#8221;. In der SWAPO herrsche zuweilen noch &#8220;sozialistisches Denken&#8221; vor, das heutzutage aber mit einer &#8220;kapitalistischen Anspruchshaltung&#8221; gepaart daherkomme.<\/p>\n<p>Die Allgemeine Zeitung hat seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 1916 viel zum Zusammenhalt der deutschsprachigen Gemeinschaft im heutigen Namibia beigetragen. Im kommenden Jahr am 22. Juli, dem Gr\u00fcndungstag, wollen Fischer und seine Kollegen das runde Jubil\u00e4um geb\u00fchrend feiern. Ein ganzes Jahrhundert als deutschsprachige Zeitung im S\u00fcdwesten Afrikas bestanden zu haben, ist schlie\u00dflich eine stolze Leistung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ55.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ55.jpg\" alt=\"AZ55\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21258\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ55.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/AZ55-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nDas moderne Gro\u00dfraumb\u00fcro, das die AZ mit den Schwesterzeitungen &#8220;Namibian Sun&#8221; und &#8220;Die Republikein&#8221; teilt.<br \/>\n(Foto: Marcus Christoph)<\/p>\n<p>AZ-Chefredakteur Stefan Fischer (l.) und sein Stellvertreter Eberhard Hofmann (r.) nach dem Gespr\u00e4ch mit dem Redakteur des Argentinischen Tageblatts Marcus Christoph (M.).<br \/>\n(Foto: Carlota Salom\u00f3n)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Allgemeine Zeitung feiert im kommenden Jahr 100-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um Von Marcus Christoph &#8220;Wir bringen t\u00e4glich Nachrichten aus Namibia in deutscher Sprache. 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