{"id":21272,"date":"2015-05-16T16:01:26","date_gmt":"2015-05-16T19:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=21272"},"modified":"2015-05-16T16:01:26","modified_gmt":"2015-05-16T19:01:26","slug":"die-ddr-kinder-von-namibia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/05\/16\/die-ddr-kinder-von-namibia\/","title":{"rendered":"Die DDR-Kinder von Namibia"},"content":{"rendered":"<p><strong>430 junge Namibier wuchsen im zweiten deutschen Staat auf<em><\/p>\n<p>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/ddr_namibierin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/ddr_namibierin.jpg\" alt=\"ddr_namibierin\" width=\"250\" height=\"370\" class=\"alignright size-full wp-image-21273\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/ddr_namibierin.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/ddr_namibierin-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Ein ganz besonderes Kapitel der deutsch-namibischen Geschichte stellen die sogenannten &#8220;DDR-Kinder von Namibia&#8221; dar. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von insgesamt 430 Kindern, die weite Teile ihrer Jugend im zweiten deutschen Staat zugebracht haben. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der 1990 erreichten Unabh\u00e4ngigkeit Namibias kehrten sie in ihr Herkunftsland zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Hintergrund f\u00fcr die kuriose Episode der Geschichte ist die politische Situation im s\u00fcdwestlichen Afrika in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Das Gebiet, das heute Namibia ist, war von den S\u00fcdafrikanern besetzt. Diese indtallierten ein Apartheidsregime, das die schwarze Mehrheitsbev\u00f6lkerung stark benachteiligte.<\/p>\n<p>Die marxistisch orientierte Befreiungsorganisation SWAPO bek\u00e4mpfte die Besatzer auch von<br \/>\nBasen im benachbarten Angola aus. Die Situation spitzte sich dramatisch zu, als die s\u00fcdafrikanische Armee 1978 ein Ausbildungs- und Fl\u00fcchtlingslager der SWAPO nahe der Stadt Cassinga im s\u00fcdlichen Angola angriff. Mehr als 600 Personen kamen dabei ums Leben, darunter zahlreiche Zivilisten, von denen 122 Kinder waren.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Ereignisse wandte sich SWAPO-Chef Sam Nujoma an verb\u00fcndete sozialistische Staaten mit der Bitte, namibische Kinder aus den Fl\u00fcchtlingslagern aufzunehmen, um ein zweites Cassinga zu verhindern. Im September 1979 stimmte das Zentralkomitee der DDR-Staatspartei SED dem Ansinnen Nujomas zu und erkl\u00e4rte sich bereit, Kinder aufzunehmen.<\/p>\n<p>Im Dezember desselben Jahres trafen die ersten 80 namibischen Kinder im Alter zwischen drei und sieben Jahren im winterlichen Berlin ein. Sie wurden zun\u00e4chst im Jagdschloss Bellin nahe G\u00fcstrow in Mecklenburg untergebracht. Ab 1985 brachte man die \u00e4lteren Klassen in der &#8220;Schule der Freundschaft&#8221; in Sta\u00dffurt in Sachsen-Anhalt unter. Die Erziehung der namibischen Kinder war darauf gerichtet, sie zur F\u00fchrungselite ihres Heimatlandes nach der Unabh\u00e4ngigkeit zu formen. Durch die deutschgepr\u00e4gte Umgebung verloren sie aber zusehends den Bezug zur Kultur Namibias.<\/p>\n<p>Nach elf Jahren endete das ungew\u00f6hnliche Kapitel der Geschichte. Fast zeitgleich fielen das Ende der DDR und die Unabh\u00e4ngigkeit Namibias zusammen, so dass weder Sponsor noch Grund f\u00fcr den Aufenthalt der namibischen Kinder auf deutschem Boden mehr vorhanden waren.<\/p>\n<p>Die Wiedereingliederung der nunmehr fast erwachsenen Jugendlichen in die namibische Gesellschaft verlief unterschiedlich. F\u00fcr nicht wenige Schwarze waren die in der DDR Aufgewachsenen &#8220;Deutsche&#8221;. Zu gro\u00df war die durch die Pr\u00e4gung in der DDR entstandene Entfremdung von der namibischen Kultur &#8211; und die angestammten Deutschnamibier betrachteten die DDR-Kinder aufgrund von Hautfarbe und Erziehung in einem kommunistischen Staat auch nicht als Ihresgleichen.<\/p>\n<p>Manche der einstigen DDR-Kinder konnten ihre durch den langj\u00e4hrigen Auslandsaufenthalt gewonnenen Sprachkenntnisse f\u00fcr ihre berufliche Karriere nutzen. Zuihnen geh\u00f6rt Hilda Kenda Lucas. Die heute 42-J\u00e4hrige arbeitet als Immobilienmaklerin in Windhoek. Bevorzugt k\u00fcmmert sie sich um deutschsprachige Kunden. Davor war sie mehrere Jahre lang Betreiberin einer Diskothek.<\/p>\n<p>Andere sind jedoch auf die schiefe Bahn geraten. So gibt es eine Gruppe von einstigen DDR-Kindern, die in der Innenstadt von Windhoek gezielt deutsche Touristen ansprechen. Denen erz\u00e4hlen sie in nahezu perfektem Deutsch wahlweise, dass sie Spenden f\u00fcr eine Ausstellung zur Geschichte der namibischen Kinder in der DDR sammeln oder f\u00fcr die Organisation eines Treffens Geld ben\u00f6tigen. Doch dies sind nur Vorw\u00e4nde, um den Touristen die Geldscheine aus dem Portemonnaie zu ziehen. Die Allgemeine Zeitung hat dem Kleinganoventrick schon mehrere Artikel gewidmet, die auch im Eingangsbereich der Christuskirche ausgelegt sind. Hilda ist das Gebaren ihrer einstigen Weggef\u00e4hrten peinlich, da es ein schlechtes Licht auf die DDR-Kinder wirft.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nHilda Kenda Lucas geh\u00f6rte zu den 430 DDR-Kindern von Namibia.<br \/>\n(Foto: Carlota Salom\u00f3n)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>430 junge Namibier wuchsen im zweiten deutschen Staat auf Von Marcus Christoph Ein ganz besonderes Kapitel der deutsch-namibischen Geschichte stellen die sogenannten &#8220;DDR-Kinder von Namibia&#8221; dar. 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