{"id":21319,"date":"2015-05-22T15:02:20","date_gmt":"2015-05-22T18:02:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=21319"},"modified":"2015-05-22T15:02:20","modified_gmt":"2015-05-22T18:02:20","slug":"an-ihm-kam-so-gut-wie-keiner-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/05\/22\/an-ihm-kam-so-gut-wie-keiner-vorbei\/","title":{"rendered":"An ihm kam so gut wie keiner vorbei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sichtweisen auf Picasso in den Hamburger Deichtorhallen<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso9.jpg\" alt=\"picasso9\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21321\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso9.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso9-150x150.jpg 150w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso9-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nNicht \u00fcberall, wo Picasso draufsteht, ist auch Picasso drin. Zumindest wer nach Originalen des spanischen Malgenies sucht, wird in der Ausstellung &#8220;Picasso in der Kunst der Gegenwart&#8221;, mit der die <a href=\"http:\/\/www.deichtorhallen.de\/\">Hamburger Deichtorhallen<\/a> jetzt nach rund anderthalbj\u00e4hriger Bauzeit ihre frisch renovierte Nordhalle wiederer\u00f6ffnen, nicht f\u00fcndig werden. \u00dcber 200 Werke von rund 90 internationalen K\u00fcnstlern versammelt die facettenreiche Schau, in der Picasso bejubelt, verehrt, kopiert, ironisiert, seziert und zur Strecke gebracht wird. \u201eEs ist die komplexeste Ausstellung in der 25-j\u00e4hrigen Geschichte der Deichtorhallen\u201c, schw\u00e4rmt Intendant Dirk Luckow.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso3.jpg\" alt=\"picasso3\" width=\"250\" height=\"278\" class=\"alignleft size-full wp-image-21323\" \/><\/a><br \/>\n&#8220;Die Ausstellung zeigt die Einfl\u00fcsse des Weltstars Picasso auf zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler in den unterschiedlichsten Formen von der malerischen und der klischeehaften Aneignung bis zu monumentalen Guernica-Interpretationen von sechs bekannten K\u00fcnstlern&#8221;, so Luckow. Offensichtlich sch\u00f6pften die K\u00fcnstler aus der Begegnung mit Picasso Kraft. Nicht Ohnmacht befalle sie, sondern er scheine sie noch anzustacheln. Ob Brassa\u00efs fotografische Erkundungen im Pariser Atelier, Martin Kippenbergers ironische Selbstportr\u00e4ts eines Malerstars in Unterhose oder Roy Lichtensteins gemalte Atelierszene &#8220;Reflections on \u201aThe Artist&#8217;s Studio\u2018&#8221;, in der er sich auf eine Serie von Atelierbildern der 1920er Jahre bezieht. Die Zeitgenossen Picassos in den 1930er Jahren, aber auch K\u00fcnstler von heute arbeiten sich am Genius Picasso ab, zum Beispiel indem sie seinen kubistischen Stil affirmativ kopieren wie etwa der New Yorker Maler George Condo oder ihn ins Medium Fotografie \u00fcbersetzen wie der Londoner John Stezaker in seinen Gesichter deformierenden Fotocollagen.<\/p>\n<p>Offenbar l\u00f6st die \u00dcber-Pr\u00e4senz Picassos bei vielen K\u00fcnstlern den Impuls aus, sich mit ihm zu messen. Vor allem das 1937 entstandene Monumentalgem\u00e4lde &#8220;Guernica&#8221; wird immer wieder zum Anlass genommen, darauf zu reagieren. Der Berliner Thomas Zipp etwa malte eine d\u00fcstere, ganz menschenleere Version des anklagenden Friedensgem\u00e4ldes. Und der New Yorker Robert Longo hat eigens f\u00fcr die Hamburger Ausstellung eine Kohlezeichnung mit dem Titel &#8220;Guernica Redacted (After Picasso, Guernica, 1937)&#8221; in den Abmessungen des Originals angefertigt. Was auf den ersten Blick vertraut wirkt, ist jedoch das Ergebnis radikaler Eingriffe. Longo hat die Vorlage zun\u00e4chst vollkommen dekonstruiert. Danach hat er einzelne Figuren wieder in das Bild eingef\u00fcgt, andere aber durch schwarze Leerstellen ersetzt, um so die Bildaussage noch st\u00e4rker zu fokussieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso7.jpg\" alt=\"Sando Miller: &quot;Irving Penn \/ Pablo Picasso, Cannes, France (1957\" width=\"250\" height=\"247\" class=\"alignright size-full wp-image-21324\" \/><\/a>Ein anderes Schl\u00fcsselwerk, an dem sich viele K\u00fcnstler der Schau abarbeiten, ist &#8220;Les Demoiselles d&#8217;Avignon&#8221; von 1907, Picassos erstes kubistisches Bild, das nach Vorlagen von Rubens und El Greco entstanden ist. Ganz direkt und profan bezieht sich der 2010 verstorbene Sigmar Polke darauf. Polke zeigt sechs, nur mit Dessous und High Heels bekleidete junge Prostituierte. Der Brite Patrick Caulfield wiederum erwies dem Bild eine Hommage, indem er die von Picasso gemalte Szene in R\u00fcckenansicht darstellt, so, als h\u00e4tte ein Betrachter Picasso beim Malen beobachtet.<\/p>\n<p>In Hamburg zu sehen ist auch ein Picasso-Kost\u00fcm, das der schalkhafte italienische K\u00fcnstler Maurizio Cattelan in Anlehnung an Maskottchen, wie sie in Disneyland und anderen Freizeitparks herumlaufen, entworfen hat. Cattelan lie\u00df einen Schauspieler auf dem B\u00fcrgersteig vor dem New Yorker Museum of Modern Art in diesem Kost\u00fcm auftreten. Dieser gab Autogramme und lie\u00df sich mit den Besuchern fotografieren. G\u00e4nzlich respektlos dann die Ann\u00e4herung des 1934 geborenen New Yorker Malers Peter Saul. Dieser treibt Picassos Methode der kubistischen Formzerlegung von bevorzugt weiblichen Gesichtern derart auf die Spitze, dass nur noch eine h\u00e4ssliche, sabbernde Fratze im Stil des US-Satiremagazins Mad \u00fcbrig bleibt. Insgesamt eine sehr sehenswerte Schau, die jedoch noch fokussierter ausgefallen w\u00e4re, wenn sie auf die streckenweise dann doch erm\u00fcdende enzyklop\u00e4dische Vollst\u00e4ndigkeit verzichtet h\u00e4tte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso4.jpg\" alt=\"picasso4\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21326\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso4.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/picasso4-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Info:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: Picasso in der Kunst der Gegenwart<\/li>\n<li>Ort: Deichtorhallen Hamburg. Halle f\u00fcr aktuelle Kunst<\/li>\n<li>Zeit: 1. April bis 10. Juli 2015<\/li>\n<li>Katalog: Snoeck Verlag, 408 S., zahlreiche Abb., in dt. und engl. Sprache, 48 Euro<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.deichtorhallen.de\/\">Internet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><\/p>\n<p>Maurizio Cattelan, &#8220;Untitled (Picasso)&#8221;, 2000.<br \/>\n(Klaas)<\/p>\n<p>Marcin Maciejowski, &#8220;Picassos Boy&#8221;.<br \/>\n(Maciejowski)<\/p>\n<p>Sandro Miller, &#8220;Irving Penn \/ Pablo Picasso, Cannes, France (1957)&#8221;, 2014.<br \/>\n(Miller)<\/p>\n<p>Ch\u00e9ri Samba, &#8220;Quel avenir pour notre art?&#8221; (What Future for Our Art?), 1997.<br \/>\n(Samba)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sichtweisen auf Picasso in den Hamburger Deichtorhallen Von Nicole B\u00fcsing und Heiko Klaas Nicht \u00fcberall, wo Picasso draufsteht, ist auch Picasso drin. 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