{"id":2192,"date":"2010-02-23T13:25:38","date_gmt":"2010-02-23T16:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/02\/23\/ein-freigeist-der-musik\/"},"modified":"2010-03-01T14:47:52","modified_gmt":"2010-03-01T17:47:52","slug":"ein-freigeist-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/02\/23\/ein-freigeist-der-musik\/","title":{"rendered":"Freigeist der Musik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Tode von Ariel Ram\u00edrez<\/p>\n<p><em>Von Valerie Thurner<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2193\" alt=Ramirez11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Ramirez11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Ariel Ram\u00edrez, einer der bedeutendsten Komponisten und Pianisten Argentiniens, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlie\u00df ein umfangreiches Lebenswerk; musikalische Zeugnisse eines inspirierten und neugierigen Geistes, der nicht in wertenden Kategorien von Hoch- und Popul\u00e4rkultur dachte.<\/p>\n<p>Ariel Ram\u00edrez hatte klassische Musik studiert und sich bereits in jungen Jahren f\u00fcr lateinamerikanische Folklore interessiert. W\u00e4hrend seine Zeitgenossen den Tango zelebrierten, reiste er in den Nordwesten, um sich indianischer und kreolischer Volksmusik zuzuwenden. Er gilt als der Wegbereiter, das Klavier als Instrument der Folklore zu etablieren. Sein Schaffen beinhaltet Vokalwerke und Kantanten, viele davon auf Texte des bedeutenden Dichters F\u00e9lix Luna bezogen, folkloristische Kompositionen, aber auch liturgische Werke, die ihn vor allem in Europa ber\u00fchmt und beliebt machten.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Ein Weltenb\u00fcrger<\/strong><\/p>\n<p>Geboren und aufgewachsen in Santa Fe als Sohn einer Familie des Bildungsb\u00fcrgertums, genoss Ariel Ram\u00edrez eine klassische Ausbildung in C\u00f3rdoba. Auf Anraten des Dichters Atahualpa Yupanqui bereiste er 1941 die Provinzen Tucum\u00e1n, Salta und Jujuy und lernte in Humahuaca den Musiker und Kenner der nationalen Kultur Justiniano Torres Aparicio kennen, der ihn in die volkst\u00fcmliche Musik einf\u00fchrte.<\/p>\n<p>1946 begann seine Karriere als Pianist. Er war als Konzertmusiker t\u00e4tig und arbeitete fur Film und Radio, was ihn bereits 1950 f\u00fcr vier Jahre nach Europa brachte, wo er vor allem in Rom wohnhaft war. Seine erste gro\u00dfe Europatournee \u00f6ffnete ihm die Pforten zu den wichtigsten Spielst\u00e4tten klassischer Musik. Er war ein klassischer Pianist, der sich nicht gro\u00df f\u00fcr die Avantgarde interessierte, der rechten Hand das Spiel unpr\u00e4tenzi\u00f6ser Melodien \u00fcberlie\u00df, w\u00e4hrend die Linke die Akkorde \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>1954 zog er nach Lima in Peru und komponierte eine Reihe von volkst\u00fcmlicher Musik aus den s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern (heute w\u00fcrde man sie wohl unter dem Begriff \u201eWorld Music\u201c kategorisieren) und gr\u00fcndete 1955 die \u201eCompa\u00f1\u00eda de Folklore Ariel Ram\u00edrez\u201c. Der Musiker verstand sich darauf, in seinen Kompositionen den Melodien der traditionellen Kulturen Argentiniens und der Nachbarl\u00e4nder in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit zu belassen und erkannte den guten Geschmack und die Qualit\u00e4t der T\u00e4nze der Andenv\u00f6lker. So brachte er einem Publikum fernab jedes Ethnokitsches die lateinamerikanische Kultur in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit n\u00e4her.<\/p>\n<p>Sein Werk \u201eEsto es Folklore\u201c wurde bei seiner Urauff\u00fchrung 1964 in Buenos Aires von der Kritik mit Begeisterung aufgenommen. Die Tageszeitung \u201eClar\u00edn\u201c schrieb, dass dieses Werk ihm die T\u00fcren \u00f6ffnete zum Geschmack der Porte\u00f1os, und \u201eLa Naci\u00f3n\u201c sah Sch\u00f6nheit und Authentizit\u00e4t in sich vereint.<\/p>\n<p><strong>Die \u201eMisa Criolla\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Ariel Ram\u00edrez\u2018 wohl ber\u00fchmtestes und weltweit am meisten verbreitetes Werk ist die \u201eMisa Criolla\u201c, ein liturgisches Werk, das ihm im Zusammenhang mit einer Europatournee von 1967 sogar eine Privataudienz beim Papst verschaffte. Er schien alle Widerspr\u00fcche in seinem Schaffen vereint zu haben, und alle mochten ihn. Da sucht man vergeblich nach einem Haken. Ram\u00edrez mischte afrikanische Rhythmen mit gregorianischen Kl\u00e4ngen, schaffte den Spagat zwischen traditionell katholischem Erbe und der Kultur der in Lateinamerika beheimateten V\u00f6lker.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend beispielsweise der Jazz noch bis weit in die 60er Jahre beim B\u00fcrgertum verp\u00f6nt geblieben war, h\u00f6rte man aufmerksam Ramirez\u2019 Werke. Komponist Ram\u00edrez, der nicht zwischen \u201eHigh\u201c und \u201eLow\u201c zu unterscheiden pflegte, was damals eher die Norm als die Ausnahme war, war spontan und doch nicht vulg\u00e4r, religi\u00f6s, aber nicht dogmatisch, volksnah und klassisch, und immer lie\u00df er der traditionellen Volksmusik ihre W\u00fcrde. Vielleicht ist die These etwas gewagt, aber das b\u00fcrgerliche Europa mochte sich eher grenzg\u00e4ngerischer Kunst aus dem fernen Lateinamerika zuwenden als sich der Popul\u00e4rkultur der Nachkriegsjugend zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Ariel Ram\u00edrez war auch in seinem institutionellen Engagement ein Mittler zwischen Kulturen. Er war der erste lateinamerikanische Pr\u00e4sident der CISAC<\/p>\n<p>Sein p\u00e4dagogischer Impetus brachte ein Erbe von zahlreichen Kompositionen f\u00fcr den musikalischen Unterricht und Chorwerke. Die Weihnachtskantante \u201eNavidad nuestra\u201c, die Ram\u00edrez und Luna zusammen 1963 geschrieben hatten und von K\u00fcnstlern wie Mercedes Sosa oder Jos\u00e9 Carreras interpretiert wurde, ist nach wie vor bei lateinamerikanischen Laiench\u00f6ren sehr beliebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Tode von Ariel Ram\u00edrez Von Valerie Thurner Ariel Ram\u00edrez, einer der bedeutendsten Komponisten und Pianisten Argentiniens, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hinterlie\u00df ein umfangreiches Lebenswerk; musikalische Zeugnisse eines inspirierten und neugierigen Geistes, der nicht in wertenden Kategorien von Hoch- und Popul\u00e4rkultur dachte. 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