{"id":22089,"date":"2015-07-31T11:49:38","date_gmt":"2015-07-31T14:49:38","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=22089"},"modified":"2015-07-31T11:52:11","modified_gmt":"2015-07-31T14:52:11","slug":"oper-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/07\/31\/oper-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Oper in der Krise?"},"content":{"rendered":"<p><strong>K\u00fcnstler aus S\u00fcdamerika loten das Konzept von Musiktheater neu aus<\/p>\n<p><em>Von Friederike Oertel<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/oper1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/oper1.jpg\" alt=\"oper1\" width=\"500\" height=\"352\" class=\"aligncenter size-full wp-image-22091\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/oper1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/oper1-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nSie sitzen an einem Tisch auf der B\u00fchne, in Alltagskleidung, den R\u00fccken zum Publikum. \u00dcber ihnen eine Videokamera, die das Geschehen in Echtzeit auf eine Leinwand projiziert. Ihre Dialoge sind Rhythmen, raschelndes Papier und einzelne W\u00f6rter verschiedener Sprachen, die sich zu einem Cluster verdichten. W\u00e4hrend das Sitzen in Bewegung \u00fcbergeht, steigern sich die Ger\u00e4usche zu einem Klang-Orgasmus. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: auf der B\u00fchne wird Musiktheater pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Das klassische Konzept von Oper, deren Inszenierung auf einer originalen Partitur beruht, hat sich in den letzten Jahren radikal ver\u00e4ndert. Selbst in traditionsbewussten Opernh\u00e4usern stehen mittlerweile modern inszenierte St\u00fccke auf dem Programm. Konservative Kritiker ziehen gegen diese &#8220;Ausw\u00fcchse&#8221; zu Felde, indem sie die Produktionen als Regietheater in der Oper gei\u00dfeln, deren Zwang nach Aktualisierung die erhabene Kunstform sch\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die Entwicklungen im Neuen Musiktheater spielen auch im beschriebenen St\u00fcck eine zentrale Rolle. Im Rahmen einer Initiative der M\u00fcnchener Biennale \u2013 Festival f\u00fcr neues Musiktheater und dem <a href=\"http:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/de\/bue.html\">Goethe-Institut Buenos Aires<\/a> sind sechzehn junge K\u00fcnstler aus ganz Lateinamerika zusammengekommen, um Praxen und Begriffe wie Musiktheater, Oper und zeitgen\u00f6ssische Oper zu diskutieren und in kollektiven Gestaltungsprozessen, jenseits von Hierarchien und geregelten Ablaufstrukturen, neu auszuloten. Kuratiert wird das Projekt vom Schweizer Komponisten Daniel Ott, der ab 2016 k\u00fcnstlerischer Co-Leiter der M\u00fcnchener Biennale sein wird.<\/p>\n<p>Nach zehn Tagen intensiver Arbeit wurden am Mittwoch vergangener Woche vier St\u00fcckentw\u00fcrfe als \u201eWork in Progress\u201c in der Fundaci\u00f3n Beethoven vorgestellt. Die Herangehensweisen an die Kunstform k\u00f6nnten unterschiedlicher nicht sein: W\u00e4hrend das St\u00fcck &#8220;Estimado John&#8221; mit Dokumentarfilm, Theaterkulisse und unterschwellig defensiven Kl\u00e4ngen arbeitet, setzt &#8220;La vida de las m\u00e1scaras&#8221; auf Klaviermusik, wechselnde Standfiguren und Neonlicht. &#8220;Sue\u00f1os que olvid\u00e9 so\u00f1ar hasta el fin&#8221; hingegen interpretiert ein literarisches Werk und vermittelt musikalisch das Gef\u00fchl von fl\u00fcchtiger, schmerzvoller Sehnsucht.<\/p>\n<p>Die Diskussion um Wert und Existenzrecht moderner Operninszenierungen weicht der Frage nach den m\u00f6glichen Urspr\u00fcngen einer musiktheatralen Produktion. Rahmen gebend ist einzig der kleinste gemeinsame Nenner: Nicht das Schauspiel oder die Sprache stehen im Vordergrund, sondern die Musik als Kommunikations- und Ausdrucksmittel. Ausgehend von dieser Pr\u00e4misse demonstrieren die jungen K\u00fcnstler, dass das Genre Oper kaum Grenzen kennt. Auch die Integration neuer Medien und verschiedener Kunstdisziplinen bildet keinen Widerspruch zu ihren ureigenen Grundprinzipien. Die Vielfalt des Abends zeigt, dass die Oper, befreit von der Autorit\u00e4t der Partitur, neue Dimensionen hinzugewinnen kann und dass jede noch so moderne Inszenierung, jeder riskante Stilbruch schon deshalb dem Stillstand vorzuziehen ist.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDas St\u00fcck &#8220;Ping&#8221; integriert Ger\u00e4usche und Rhythmen in das Musiktheater.<br \/>\n(Foto: Goethe-Institut Buenos Aires)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcnstler aus S\u00fcdamerika loten das Konzept von Musiktheater neu aus Von Friederike Oertel Sie sitzen an einem Tisch auf der B\u00fchne, in Alltagskleidung, den R\u00fccken zum Publikum. \u00dcber ihnen eine Videokamera, die das Geschehen in Echtzeit auf eine Leinwand projiziert. 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