{"id":2217,"date":"2010-03-10T18:15:53","date_gmt":"2010-03-10T21:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/16\/das-schlimmstmogliche-szenario\/"},"modified":"2010-03-18T18:34:30","modified_gmt":"2010-03-18T21:34:30","slug":"das-schlimmstmogliche-szenario","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/10\/das-schlimmstmogliche-szenario\/","title":{"rendered":"Das schlimmstm\u00f6gliche Szenario"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie w\u00fcrde die Welt nach einer Katastrophe aussehen?<\/p>\n<p><em>Von Friedbert W. B\u00f6hm<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2227\" alt=katastrophe11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/katastrophe11.jpg\" align=left hspace=5 \/>In meinen bald 70 Jahren habe ich kaum ein eindrucksvolleres Buch gelesen als den Weltbestseller &#8220;Arm und Reich&#8221; (&#8220;Guns, Germs, and Steel&#8221;, 1997) von Jared Diamond. Er beschreibt hier \u00fcberzeugend die Schicksale menschlicher Gesellschaften seit 13.000 Jahren. Jared Diamond ist ein Universalgelehrter wie es sie kaum noch gibt: Arzt, Historiker, Geograph, Evolutionsbiologe, Anthropologe, Pal\u00e4ontologe, au\u00dferdem, soweit ich es beurteilen kann, ein ausgeglichener und humorvoller Mann.<\/p>\n<p>Auf die Frage, wie die Erde nach einer Klimakatastrophe aussehen k\u00f6nnte, antwortete er unl\u00e4ngst: &#8220;Stellen Sie sich vor, die ganze Welt w\u00e4re heute wie Somalia oder Haiti. Dann haben Sie das schlimmstm\u00f6gliche Szenario. Leider ist es alles andere als unwahrscheinlich. Wenn wir so weitermachen, kommen wir in 30 Jahren dahin.&#8221;<\/p>\n<p>Hoppla! Wie es in Haiti zugeht, wissen wir seit einigen Wochen ziemlich genau.<!--more--> Und bez\u00fcglich Somalia erinnern wir uns, dass dort die Vereinten Nationen vor einigen Jahren daran scheiterten, einen v\u00f6lligen Verfall des Staates zu verhindern. Seitdem regieren tyrannische Landlords und Piraten. Die B\u00fcrger sind am Verhungern.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt allerlei Phantasie dazu, sich in eine solche Situation hineinzuversetzen. Ich stehe nicht an zu behaupten, dass die Generation meiner Kinder, aufgewachsen in der f\u00fcr Industrie- und Schwellenl\u00e4nder wie Deutschland und Argentinien sichersten und bequemsten Etappe der Menschheitsgeschichte, \u00fcberhaupt nicht in der Lage ist, sich ein Leben unter haitianischen oder somalischen Umst\u00e4nden vorzustellen.<\/p>\n<p>Auch mir f\u00e4llt das schwer. Allerdings hilft mir die Erinnerung an die Kriegs- und Nachkriegszeit in Europa. Da die Lebensmittelzuteilungen h\u00f6chst unzureichend waren, zog man, wenn man konnte, aus den zerst\u00f6rten St\u00e4dten zu Verwandten aufs Land oder tauschte dort das Familiensilber gegen ein Pfund Butter oder ein paar Eier. Wer einen Garten hatte, zog Obst und Gem\u00fcse, hielt ein Dutzend H\u00fchner und vielleicht ein Schweinchen. Kein bisschen Bioabfall ohne Recycling! Selbst die Pferde\u00e4pfel, die man auf der Stra\u00dfe fand (und wohl wieder finden wird) fanden als Kompost Verwendung. Der Ofen im einzigen winters beheizten Zimmer wurde mit Fallholz beschickt, das man sich im Wald suchen musste. Leichte Krankheiten kurierte man mit bew\u00e4hrten Hausmitteln, schweren erlag man einfach. Und was die Kinder nicht in der Schule lernen konnten, weil diese zerst\u00f6rt, ohne Heizung oder ohne Lehrer war, das brachte man ihnen zu Hause bei. Nicht zu denken an ein Auto, an Wasch-, B\u00fcgel- Geschirrsp\u00fcl-, Werkzeug- oder sonstige Maschinen, die Strom oder Sprit ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Es braucht nicht so schlimm zu, kann aber noch viel schimmer kommen. Und es kann ziemlich schnell gehen. Venezuela, eines der erd\u00f6lreichsten L\u00e4nder, das bis vor Kurzem hoff\u00e4rtig Sprit sogar nach London verschenkte, steht kurz vor dem Energiekollaps. Und mit Iran wird es 11 atomar ger\u00fcstete Staaten geben, von denen mindestens 3 nicht die innere Stabilit\u00e4t und\/oder den Wertekodex besitzen, welche hei\u00dfe Kriege zwischen Atomm\u00e4chten bisher verhindert haben.<\/p>\n<p>Sollte das schlimmstm\u00f6gliche Szenario, der gesellschaftliche GAU, eintreten, w\u00fcrde es nicht, wie jetzt in Haiti, umfangreiche internationale Hilfestellung geben, weil jeder Erdenfleck genug mit sich selbst zu tun h\u00e4tte. Ums \u00dcberleben wird jeder Einzelne sich zu k\u00fcmmern haben. L\u00e4ngst in Vergessenheit geratene F\u00e4higkeiten werden wieder gebraucht werden: Laufen, Treppensteigen, Fahrradfahren. Kochen, Brotbacken, Einmachen. Salat, Zwiebeln, Kartoffeln s\u00e4en, pflegen, ernten. B\u00e4ume pflanzen, stutzen, f\u00e4llen und Holz hacken. Vieh f\u00fcttern, schlachten, abdecken, ausnehmen. P\u00f6keln, R\u00e4uchern, W\u00fcrste machen. S\u00e4gen, Hobeln, Schleifen. Graben, Mauern, Dichten, Dachdecken. Scheren, Spinnen, F\u00e4rben, Weben, Zuschneiden, N\u00e4hen, Stricken, H\u00e4keln. Leider wahrscheinlich auch Raufen, Fechten und Schie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich werde in 30 Jahren nicht mehr leben. Meine Kinder werden etwa so alt sein wie ich jetzt und meine Enkel sich \u00fcberlegen, ob sie \u00fcberhaupt noch Kinder haben wollen. Das wird ihnen leichter fallen, wenn sie au\u00dfer Facebook (oder welche Spielchen es sonst geben m\u00f6ge) auch einige handfeste Dinge beherrschen. Ich will versuchen, ihre Eltern in dieser Richtung zu beeinflussen. Auch will ich ihnen nahelegen, sich beizeiten um ein fruchtbares, abgelegenes St\u00fcckchen Erde umzusehen, wo derartige Dinge praktiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber bitte nicht weitersagen! Sonst gibt es demn\u00e4chst kein solches St\u00fcckchen Erde mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie w\u00fcrde die Welt nach einer Katastrophe aussehen? Von Friedbert W. B\u00f6hm In meinen bald 70 Jahren habe ich kaum ein eindrucksvolleres Buch gelesen als den Weltbestseller &#8220;Arm und Reich&#8221; (&#8220;Guns, Germs, and Steel&#8221;, 1997) von Jared Diamond. Er beschreibt hier \u00fcberzeugend die Schicksale menschlicher Gesellschaften seit 13.000 Jahren. Jared Diamond ist ein Universalgelehrter wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,14],"tags":[],"class_list":["post-2217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-general","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2217\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}