{"id":2230,"date":"2010-03-27T14:02:36","date_gmt":"2010-03-27T17:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/18\/aus-der-eigenen-geschichte-lernen\/"},"modified":"2010-04-05T13:45:56","modified_gmt":"2010-04-05T16:45:56","slug":"aus-der-eigenen-geschichte-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/27\/aus-der-eigenen-geschichte-lernen\/","title":{"rendered":"Aus der eigenen Geschichte lernen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die \u201cCasa del Bicentenario\u201d will eine Schnittstelle von historischer Aufarbeitung und Kulturvermittlung sein<\/p>\n<p><em>Von Valerie Thurner<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2231\" alt=Casa11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Casa11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Am vergangenen 16. M\u00e4rz wurde die mit Spannung erwartete \u201cCasa del Bicentenario\u201d er\u00f6ffnet. Das Angebot klingt vielversprechend, die programmatischen Ziele, angesiedelt an der Schnittstelle von historischer Aufarbeitung und Kulturvermittlung, ehrgeizig. Man darf annehmen, dass es sich um eines der gelungensten neuen Kulturprojekte im Zusammenhang mit der 200-Jahr-Feier Argentiniens handelt. Die Regierung knausert nicht, wenn es darum geht, prestigetr\u00e4chtige H\u00e4user in der Hauptstadt termingerecht in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.<\/p>\n<p>Die beiden Bauten aus dem Jahr 1913 in der Stra\u00dfe Riobamba 985 wurden durch eine sanfte Renovierung in einen typischen Museumsbau des heutigen globalen Standards verwandelt. Ein White Cube, wo sich Ausstellungsr\u00e4ume, B\u00fcros und Recherche-Bereiche auf die vier Stockwerke verteilen; durch Glas wird eine Transparenz zwischen Besucherbereich und Backoffice gew\u00e4hrt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Besinnung auf die eigene Identit\u00e4t und Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Der Leitgedanke der \u201cCasa del Bicentenario\u201d ist zun\u00e4chst ein Haus f\u00fcr das Volk. Eine St\u00e4tte des \u201cKollektiven Ged\u00e4chtnisses\u201d, wo die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anhand Bildender Kunst, Musik, Theater, Kino und Diskussionen aktiv gef\u00f6rdert werden soll. Es soll ein lebendiger Ort der Reflexion \u00fcber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes sein, wo alle Generationen ihre Visionen und Themen ansprechen d\u00fcrfen. Die Direktorin Liliana Pi\u00f1eiro k\u00fcndet in der Zeitschrift \u201cNuestra Cultura\u201d diesen Grundsatz der \u201cCasa del Bicentenario\u201d an. An diesem Ort soll eine Auseinandersetzung mit den politischen, sozialen und kulturellen Transformationen der vergangenen 200 Jahre argentinischer Geschichte stattfinden. Ein p\u00e4dagogischer Impetus ist ebenfalls gegeben. Die Jugend soll in den Genuss von Spezialprogrammen f\u00fcr Schulklassen und Universit\u00e4tsbetriebe kommen. Unter der Leitung von Fachleuten gibt es ein gro\u00dfes Angebot an Kursen und Seminaren in den Bereichen Theater, Kino oder Literatur.<\/p>\n<p>Das Kulturministerium unter Jorge Coscia setzt den Fokus auf einen integrativen Kulturbegriff. Angesichts des ungebremsten Bev\u00f6lkerungswachstums Argentiniens und zunehmender Zuwanderung aus Nachbarl\u00e4ndern sieht sich die Nation als Einwanderungsland vor gro\u00dfe \u00f6konomische, energiepolitische und kulturelle Herausforderungen gestellt. Ein fruchtbarer diplomatischer Dialog mit den Nachbarn Chile, Brasilien oder auch Venezuela ist unabdingbar. Das ist auch die Klimax in der etwas sehr propagandistisch angehauchten Diashow im Erdgeschoss. Die Dauer-Installation \u201cMuchas voces, una historia. Argentina 1810-2010\u201d bietet dem Besucher einen assoziativen Streifzug durch die Marksteine der argentinischen Geschichte. Die Obergeschosse bieten Raum f\u00fcr Wechselausstellungen, deren Auftakt eine thematisch gegliederte Schau \u00fcber die vielschichtige Bedeutung der Frau in Argentinien ist.<\/p>\n<p><strong>Stell Dir vor es gibt Kunst, und niemand schaut hin<\/strong><\/p>\n<p>Die Einweihungsfeier hatte einen sehr prominenten Gast aus der Kunstwelt: Le\u00f3n Ferrari gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts, dessen thematische Grundpfeiler Krieg, Religion und bei\u00dfende Kritik an den Herrschaftsverh\u00e4ltnissen sind. Doch wie es nun im zeitgen\u00f6ssischen Kunstbetrieb \u00fcblich ist, leben die Widerspr\u00fcche zwischen intellektuellem Anspruch und Abh\u00e4ngigkeiten. So war die Gedankenlosigkeit einer Mehrheit der Anwesenden w\u00e4hrend der Tanz- und Klangperformance zu Le\u00f3n Ferraris musikalischen Skulpturen sehr befremdend. Anstelle von gebannt auf die B\u00fchne gerichteten Gesichtern, er\u00f6ffnete sich eine Szene der gedankenlosen Ignoranz. Die meisten h\u00f6rten der zugegeben nicht leicht zug\u00e4nglichen Darbietung gar nicht zu, sondern nutzten den Patio f\u00fcr lautstarke Telefongespr\u00e4che und angeregten Smalltalk.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass das Stammpublikum nicht den Botox-Gl\u00e4ubigen, dem sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzenden Beamtentum und den sich neureich gebenden Mittzwanzigern der Er\u00f6ffnungsfeier entsprechen wird. Hoffen wir, dass die Ausstrahlung dieses Hauses nicht unter diesem Stern der Eitelkeit steht, sondern tats\u00e4chlich eine produktive geistige Auseinandersetzung mit der argentinischen Geschichte und der komplexen Gegenwart f\u00f6rdert.<\/p>\n<ul><a href=\"http:\/\/www.casadelbicentenario.gov.ar\/\">Casa del Bicentenario<\/a>, Riobamba 985. Di-So 14-21 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt frei.<\/li>\n<\/ul>\n<div align=center><img decoding=\"async\" id=\"image2232\" alt=casa1.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/casa1.jpg\" \/><br \/>\n<em>Offizielle Er\u00f6ffnung am Dienstagnachmittag durch Pr\u00e4sidentin Cristina Fern\u00e1ndez de Kirchner (Mitte), Liliana Pi\u00f1eiro und Jorge Coscia.<\/em><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201cCasa del Bicentenario\u201d will eine Schnittstelle von historischer Aufarbeitung und Kulturvermittlung sein Von Valerie Thurner Am vergangenen 16. 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