{"id":2233,"date":"2010-03-23T13:18:01","date_gmt":"2010-03-23T16:18:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/23\/der-blick-des-kunstlers\/"},"modified":"2010-03-23T13:55:49","modified_gmt":"2010-03-23T16:55:49","slug":"der-blick-des-kunstlers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/23\/der-blick-des-kunstlers\/","title":{"rendered":"Der Blick des K\u00fcnstlers"},"content":{"rendered":"<p><strong>Remo Bianchedis Werke 2006-2010 im Centro Cultural Recoleta<\/p>\n<p><em>Von Vanessa Bersis<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2238\" alt=remo11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/remo11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Betritt man den Cronopios-Saal des Centro Cultural Recoleta, in dem die Werke von Remo Bianchedi ausgestellt sind, f\u00e4llt einem sofort auf, dass es hier nicht nur um die Kunst an sich geht, sondern um die Atmosph\u00e4re, um eine Grundstimmung. Die Beleuchtung, die dezente instrumentale Hintergrundmusik, die Anordnung der Gem\u00e4lde ist eine sorgf\u00e4ltig bedachte Komposition, die beim Betrachter den Eindruck erzeugt, als w\u00fcrde er in eine ganz spezielle Sph\u00e4re eindringen.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt dieses Empfinden aber auch an der Sensibilit\u00e4t des K\u00fcnstlers, die durch seine Werke reflektiert wird. Remo Bianchedi hat der oberfl\u00e4chlichen Kunstszene und der Stadt Buenos Aires l\u00e4ngst den R\u00fccken gekehrt. Er lebt und arbeitet zur\u00fcckgezogen in Cruz Chica. Im Centro Cultural Recoleta stellt er seine Werke aus, die zwischen 2006-2010 entstanden sind.<!--more--><\/p>\n<p>In dieser Schaffensperiode entstanden insgesamt 300 Arbeiten. Dabei handelt es sich um die Serien \u201cIncendio en el Castillo Immendorf\u201d, \u201cEl Regreso del Se\u00f1or Lafuente\u201d, \u201cEn el Observatorio del Mundo\u201d, \u201cTablas\u201d, \u201cAltamir\u201d, \u201cLa Otra Orilla\u201d. Sie bilden einzelne Einheiten und Schwerpunkte, die die Vielfalt der Arbeiten Bianchedis erkennen lassen. Er malt auf Leinwand, dann wieder mit Kugelschreiber auf Papier oder mit Acryl auf Holz, Aquarell, Collage, \u00d6l. Dabei focussiert er seine Arbeit im Rahmen dieser Serien ausschlie\u00dflich auf die Darstellung von Menschen.<\/p>\n<p>Remo Bianchedis gesamtes K\u00f6nnen und die St\u00e4rke seiner Bilder, man k\u00f6nnte sogar sagen die St\u00e4rke der gesamten Ausstellung, liegen in den ausdrucksvoll gemalten Augen seiner Figuren. Es gelingt dem K\u00fcnstler, Gef\u00fchle in ein paar Augen zu verpacken. Sie dr\u00fccken Verbitterung, \u00c4ngstlichkeit, Gekr\u00e4nktheit, Trauer und Melancholie aus. Es sind nachdenkliche Blicke, kritische Blicke, suchende Blicke, verlorene Blicke oder einfach nur ein Blick in die Leere. Jedenfalls sind es jene Blicke, welche die ganze Ausstellung zu Leben erwecken und sie auf diese Weise eindringlich machen. Alles andere an den Figuren von Remo Bianchedi ist ausdruckslos. Auf die Frage, warum keines der Abbilder mit einem L\u00e4cheln dargestellt wird, antwortet der K\u00fcnstler betr\u00fcbt: \u201cWeil es sehr schwierig ist, in dieser Welt zu lachen!\u201d<\/p>\n<p>Diese Ernsthaftigkeit, die sich durch die Ausstellung zieht, wird durch den Hintergrund der Gem\u00e4lde ausgeglichen. Denn diese sind in ihrer Darstellung meist in verspielten, abstrakt-bunten und ornamentalen Mustern gehalten.<br \/>\nMan begegnet immer wieder den gleichen Figuren. Oftmals malt er auch ein Diptychon oder eine Serie, in denen die gleiche Person mehrmals und aus verschiedenen Perspektiven abgebildet ist.<\/p>\n<p>Die Ausstellung wirkt zudem wie eine gro\u00dfe Installation. Man k\u00f6nnte sagen, dass die Platzierung der Gem\u00e4lde einer architektonische Anordnung unterliegt. Der Ausstellungsraum ist f\u00fcr Remo Bianchedi wie eine Wohnung, die man einrichtet. Je nachdem, wie ein Bild h\u00e4ngt, hat es auch eine andere Bedeutung. Einige Werke sind wiederum auf dem Boden aufgelegt, so als w\u00e4ren sie zuf\u00e4llig hingeworfen. Diese verschiedenen Platzierungen der Bilder verlangen vom Betrachter eine andere Art des Sehens ab, da sich die Perspektive beim Betrachten st\u00e4ndig ver\u00e4ndert. Ein weiterer Faktor, der essenziell erscheint, ist die Beleuchtung auf die einzelnen Arbeiten und somit die Aufmerksamkeit, die darauf gelenkt wird.<\/p>\n<p>Vielleicht ist Remo Bianchedis Kunst gerade deshalb so besonders, weil er keinen Konventionen unterliegt. Er malt, was er will und wie er will, ohne auf die Kunstwelt und Kunstkritiker R\u00fccksicht zu nehmen. Er besticht mit seiner L\u00e4ssigkeit, seiner Lebenserfahrung, seinem kritischen Blick und seinem Durst nach Arbeit. Letztendlich sind es vielleicht auch seine Augen, denen man in unterschiedlichen Variationen immer wieder begegnet.<\/p>\n<p>Sein starker, ernster, ehrlicher, scharfer, eindringlicher, melancholischer Blick. M\u00f6glicherweise liegt es daran, dass Remo Bianchedi noch der alten Schule angeh\u00f6rt und Sch\u00fcler von Josef Beuys war. Er geh\u00f6rt wohl einer Generation an, die noch bem\u00fcht war, die Welt zu verstehen, zu hinterfragen, etwas in dieser zu bewegen und zu ver\u00e4ndern. Er selbst sagt allerdings bescheiden: \u201cIch male f\u00fcr das Publikum, das so f\u00fchlt wie ich!\u201d<\/p>\n<ul>\n<li>Remo Bianchedi &#8211; Werke 2006-2010. <a href=\"http:\/\/centroculturalrecoleta.org\/ccr-sp\/\">Centro Cultural Recoleta<\/a>, Cronopios-Saal, Jun\u00edn 1930. Mo-Fr 14-21, Sa, So und feiertags 10-21 Uhr. 5.3.-11.4.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Remo Bianchedis Werke 2006-2010 im Centro Cultural Recoleta Von Vanessa Bersis Betritt man den Cronopios-Saal des Centro Cultural Recoleta, in dem die Werke von Remo Bianchedi ausgestellt sind, f\u00e4llt einem sofort auf, dass es hier nicht nur um die Kunst an sich geht, sondern um die Atmosph\u00e4re, um eine Grundstimmung. 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