{"id":2236,"date":"2010-03-18T12:31:27","date_gmt":"2010-03-18T15:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/18\/suche-nach-den-spuren-der-zeit\/"},"modified":"2010-03-24T15:59:30","modified_gmt":"2010-03-24T18:59:30","slug":"suche-nach-den-spuren-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/03\/18\/suche-nach-den-spuren-der-zeit\/","title":{"rendered":"Suche nach den Spuren der Zeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der deutsche Fotograf Dieter Deventer stellt im Palacio del Congreso aus<\/p>\n<p><em>Von Vanessa Bersis<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2237\" alt=titel11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/titel11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Dieter Deventer, ein geb\u00fcrtiger M\u00fcnchner, der sich bereits durch seine Arbeit als Kameramann f\u00fcr etliche Spielfilme und Werbespots weltweit einen Namen gemacht hat, stellt im Palacio del Congreso ganz unverhofft seine Photoserie \u201cTrazos del Tiempo\u201d aus. Auf die Frage, warum es ihn gerade nach Buenos Aires verschlagen hat, antwortet er mit einem breiten Grinsen: \u201cDie Leidenschaft meiner Frau zum Tango war es!\u201d<\/p>\n<p>Hinzu kamen eine Reihe weiterer Zuf\u00e4lle und viel Arbeit, die dieses Projekt letztendlich erm\u00f6glichten. Alles begann also mit einem Tango in Buenos Aires und endete mit einer interessanten Ausstellung in den prunkvollen R\u00e4umlichkeiten des Palacio del Congreso. Eine Tangofreundin der Frau des K\u00fcnstlers ist Anw\u00e4ltin im Congreso und hatte vor einem Jahr die Werke des K\u00fcnstlers in Deutschland gesehen. So wurde die Idee dieses Ausstellungsprojektes geboren.<!--more--><\/p>\n<p>\u201cTrazos del tiempo\u201d ist die Suche nach den Spuren der Zeit, genauer gesagt nach den Spuren des Verfalls und der Verg\u00e4nglichkeit, die die Zeit mit sich bringt und hinterl\u00e4sst. Die Motive, welche Dieter Deventer sorgf\u00e4ltig ausw\u00e4hlt, sind Mauern, Oberfl\u00e4chen alter Schiffe, Container, abgebrannte H\u00e4user, Fassaden, Z\u00fcge, eine schmutzige Ecke, Schrott &#8211; all das, was die Narben und Falten der Zeit in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Er findet seine Motive \u00fcberall dort, wo sich das banal Allt\u00e4gliche aufh\u00e4lt &#8211; an jenen Orten, die man keines Blickes w\u00fcrdigt, in den abgelegensten Ecken, die l\u00e4ngst in Vergessenheit geraten sind, weil sie alt, verkommen, schmutzig, verrostet und h\u00e4sslich sind, da die Zeichen der Zeit sie l\u00e4ngst eingeholt haben. Genau dieses St\u00fcck Verg\u00e4nglichkeit sucht Dieter Deventer \u00fcberall in St\u00e4dten, Stra\u00dfen, Gassen, Ecken, W\u00e4nden, dort, wo die trostlose Dekadenz sich aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Es sind jene Alltagskulissen, an denen man unachtsam vorbeil\u00e4uft, von denen man wei\u00df, dass sie existieren und das Stadtbild pr\u00e4gen, denen man allerdings keinerlei Bedeutung schenkt. Dieter Deventer sieht das alles ganz anders. Er sch\u00e4rft seinen Blick und beweist, dass man aus der Verg\u00e4nglichkeit Kunst entstehen lassen kann. Er sucht pr\u00e4zise einen Ausschnitt, einen Winkel, einen Blickfang, der durch das Auge der Kamera eine neue Bedeutung gewinnt. Eine \u00e4sthetische Komposition aus einer Oberfl\u00e4che, die letztendlich doch noch ein St\u00fcck Sch\u00f6nheit beinhaltet, wenn auch nicht im herk\u00f6mmlichen Sinn.<\/p>\n<p>Dieter Deventer definiert den Begriff Sch\u00f6nheit auf seine ganz pers\u00f6nliche Art und Weise neu. Er sieht die Sch\u00f6nheit im H\u00e4sslichen, im Verlassenen, letztendlich muss man nur das Auge daf\u00fcr haben, sich darauf einzulassen und sie entdecken. Genau das versucht Dieter Deventer durch seine Fotografie. Alles ist einem nat\u00fcrlichen Verfall ausgesetzt, Sch\u00f6nheit ist nicht f\u00fcr die Ewigkeit, ebensowenig die Kunst. Sein k\u00fcnstlerischer Ansatz wirkt fast schon philosophisch, in einer Welt, die vom Streben nach Sch\u00f6nheit besessen ist und oftmals vergisst, dass der Moment des Entstehens gleichzeitig den Beginn und den Prozess des Verfallens einleitetet.<\/p>\n<p>Die Fotografien Deventers \u00e4hneln in ihrer Pr\u00e4zision einer Mikroskopaufnahme. Er selbst versucht, die Bilder so wenig wie m\u00f6glich zu bearbeiten, um das Original nicht zu verf\u00e4lschen. Oft wirken die Fotografien auch wie ein abstrakt gemaltes Gem\u00e4lde, dies k\u00f6nnte vielleicht daran liegen, dass sich Dieter Devente bereits in jungen Jahren der \u00d6lmalerei gewidmet hat. Seit 2004 besch\u00e4ftigt er sich jedoch vermehrt mit Fotografie, sowohl mit Dokumentarfotografie als auch mit abstrakt experimenteller. Viele seiner Motive entstehen auf Reisen.<\/p>\n<p>Er selbst sagt, dass er ohne seine Frau, die ihm als Managerin zur Seite steht, nie so weit gekommen w\u00e4re. Er f\u00fcgt ein Zitat des Komikers Karl Valentin hinzu, der einst sagte: \u201cKunst ist sch\u00f6n, aber macht viel Arbeit!\u201d Letztendlich merkt man ihm jedoch die Freude und Begeisterung an, \u00fcber die Tatsache, dass er seine Ausstellung in dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen R\u00e4umlichkeit er\u00f6ffnen darf. Erleichtert, dass trotz aller Schwierigkeiten alles gut gegangen ist, genie\u00dfen er und alle Anwesenden zum Ausklang des Abends noch eine Tangoperformance und Rotwein, um auf einen gelungene Ausstellung anzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Allerdings ist hier noch lange nicht das Ende der \u201cTrazos del tiempo\u201d. F\u00fcr Dieter Deventer geht die Suche in Buenos Aires weiter, die Stadt liefert ausreichend Motive, um die Zeichen der Zeit ausfindig zu machen. Vorallem die Gegenden um La Boca, San Telmo und Tigre hat der K\u00fcnstler f\u00fcr sich entdeckt, denn diese bergen viele solcher k\u00fcnstlerischen Sch\u00e4tze, die Dieter Deventer versucht, fotographisch einzufangen.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.dieter-deventer.de\/\">Dieter Deventer<\/a> (Deutschland), \u201eTrazos del Tiempo\u201c, Fotos. Deputiertenkammer der Nation, Jos\u00e9 Luis Cabezas-Saal, Av. Rivadavia 1864, 1. Zwischenstock. Mo-Fr 10-20 Uhr. 16.3.-30.3.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Fotograf Dieter Deventer stellt im Palacio del Congreso aus Von Vanessa Bersis Dieter Deventer, ein geb\u00fcrtiger M\u00fcnchner, der sich bereits durch seine Arbeit als Kameramann f\u00fcr etliche Spielfilme und Werbespots weltweit einen Namen gemacht hat, stellt im Palacio del Congreso ganz unverhofft seine Photoserie \u201cTrazos del Tiempo\u201d aus. 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