{"id":225,"date":"2005-12-03T11:50:34","date_gmt":"2005-12-03T14:50:34","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/schwieirige-konstruktion-der-identitat\/"},"modified":"2016-10-15T13:34:44","modified_gmt":"2016-10-15T16:34:44","slug":"schwieirige-konstruktion-der-identitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/schwieirige-konstruktion-der-identitat\/","title":{"rendered":"Schwierige Konstruktion der Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/una-compleja-construccion-de-la-identidad\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Carola Zechs Intervention &#8220;in-migraci\u00f3n, migraci\u00f3n, e-migraci\u00f3n (un viaje eterno)&#8221; bei &#8220;Estudio Abierto 2005 &#8211; Puerto&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/caro6_02.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcr die in Argentinien geborene Bildhauerin Carola Zech ist der k\u00fcnstlerische Beitrag, den sie in diesem Jahr zu dem von der Stadt Buenos Aires veranstalteten Kunst-Event \u201eEstudio Abierto\u201c geleistet hat, eine h\u00f6chst pers\u00f6nliche Angelegenheit. Ausgehend vom Standort Hafen ist eines der zentralen Themenkomplexe von \u201eEstudio Abierto\u201c die Einwanderung und die komplexe Identit\u00e4tsfindung der Argentinier, die fast alle von Einwanderern abstammen. Carolas vier Gro\u00dfeltern waren allesamt Deutsche.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/caro3.jpg\" alt=\"\" align=left hspace=5 \/>&#8220;Als mir zum ersten Mal ein Marineangestellter die Anlegestelle &#8216;Apostadero Naval&#8217; zeigte und den Weg, den die Einwanderer vom Schiff aus bis zum &#8216;Hotel de Inmigrantes&#8217; gegangen sind, erschienen vor meinem geistigen Auge die Gesichter meiner Gro\u00dfeltern&#8221;, erz\u00e4hlt Carola bewegt. Die Gro\u00dfeltern, die sich nie von der Vorstellung ihrer verlassenen Heimat l\u00f6sen konnten, die ihre H\u00e4user so einrichteten, wie sie in Deutschland gewohnt hatten, die Deutsch mit ihrer Enkeltochter sprachen, wogegen diese sich wehrte. &#8220;Es war schwer f\u00fcr mich, meine Wurzeln zu akzeptieren&#8221;, sagt Carola. Ihre Eltern, bereits in Argentinien geboren, h\u00e4tten sich gut angepasst, aber sie selbst habe Schwierigkeiten mit ihrer Identit\u00e4tsbestimmung gehabt. Erst Reisen und lange Aufenthalte in Deutschland, Besuche der Orte, wo ihre Gro\u00dfeltern gelebt hatten (die selbst nie mehr nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt waren), f\u00fchrten zur endg\u00fcltigen &#8220;R\u00fcckkehr&#8221; nach Argentinien und dem Akzeptieren, dass f\u00fcr immer zwei Seelen in ihrer Brust schlagen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Carola Zechs Projekt \u201ein-migraci\u00f3n, migraci\u00f3n, e-migraci\u00f3n (un viaje eterno)\u201c f\u00fcr \u201eEstudio Abierto 2005\u201c ist eine Intervention der T\u00fcr des &#8220;Hotel de Inmigrantes&#8221; und des dahinterliegenden Eingangsbereichs. Auf die T\u00fcr bzw. den Boden aufgeklebte Plastikfolien weisen die Farben der deutschen und der argentinischen Flagge auf. Die beiden Fahnen l\u00f6sen sich auf, eine geht in die andere \u00fcber, aber nicht in einem linearen, sondern in einem organischen Prozess. Am Ende steht eine Fahne, in der alle Bestandteile gemischt sind (&#8220;Meine pers\u00f6nliche Flagge!&#8221;, sagt Carola).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/caro5.jpg\" alt=\"\" align=right hspace=5 \/>Auf den farbigen Folienstreifen stehen W\u00f6rter und Satz-Fetzen wie &#8220;einer f\u00fcr den anderen&#8221;, &#8220;einer neben dem anderen&#8221;, &#8220;einer ohne den anderen&#8221;, auf Deutsch oder auf Spanisch oder in einer Mischung der beiden Sprachen. Immer geht es um r\u00e4umliche und affektive Beziehungen von Menschen, um das Zerrei\u00dfen oder den Aufbau von Verbindungsnetzen. Dabei sind die Buchstaben, die eine andere Farbe als der Hintergrund aufweisen, entweder aufgeklebt, oder aber Carola arbeitet mit der Aussparung des Platzes, der f\u00fcr einen Buchstaben freigemacht wird, dem Negativ. \u201eAuswandern bedeutet immer, einen leeren Platz dort zu hinterlassen, wo man weggegangen ist, und dort, wo man ankommt, einen neuen Ort zu f\u00fcllen\u201c, so Carola.<\/p>\n<p>Der schmerzliche Prozess der Konstruktion einer neuen Identit\u00e4t, den die Einwanderer erlebt haben und der sich in den Enkelgenerationen fortsetzt, findet im Werk Carola Zechs eine sensible Beschreibung. Dabei ist hoch interessant, dass die Bildhauerin Zech f\u00fcr dieses Projekt die Sprache einer fl\u00fcchtigen, verg\u00e4nglichen Kunst gew\u00e4hlt hat. Sie arbeitet wohl weiter im Raum, aber ihre Intervention ist wie eine Skulptur ohne Objekt &#8211; die Dreidimensionalit\u00e4t entsteht durch die Bewegung im Raum, die der Zuschauer erzeugt, wenn er sich \u00fcber, neben, entlang, an Carolas Werk vorbei bewegt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/caro7.jpg\" alt=\"\" align=left hspace=5 \/>Die Konstruktion des Raums durch die Bewegung, und die daraus resultierende Konstruktion der Zeit, sind die Bestandteile, mit denen dieses Werk Carola Zechs von jedem einzelnen Betrachter erg\u00e4nzt wird. Und man k\u00f6nnte vielleicht noch hinzuf\u00fcgen, dass jeder durch seine eigene Biographie auch zu der Konstruktion einer gemeinsamen Geschichte beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Um ihr fl\u00fcchtiges Kunstprojekt &#8220;festzuhalten&#8221;, m\u00f6chte Carola Zech gerne ein Buch ver\u00f6ffentlichen, in dem neben einer Dokumentation der Intervention auch Hintergrundinformation \u00fcber die deutsche Einwanderung zur Verf\u00fcgung stehen soll. Um dieses Buchprojekt zu verwirklichen, hat sie um Mittel bei der deutschen Botschaft gebeten. Au\u00dferdem tr\u00e4umt sie davon, die gleiche oder eine \u00e4hnliche Ausstellung in Deutschland durchzuf\u00fchren &#8211; am Abfahrtsort ihrer Gro\u00dfeltern.<\/p>\n<p><em>(&#8220;Estudio Abierto 2005 &#8211; Puerto&#8221;. Apostadero Naval\/Museo Hotel de los Inmigrantes, Av. Ant\u00e1rtida Argentina 1201, und andere Standorte in Puerto Madero. 14-23 Uhr. Bis 4.12.)<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 03.12.05 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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