{"id":226,"date":"2005-12-03T12:17:02","date_gmt":"2005-12-03T15:17:02","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/wann-beginnen-wir-uns-argentinier-zu-nennen\/"},"modified":"2006-07-29T15:01:51","modified_gmt":"2006-07-29T18:01:51","slug":"wann-beginnen-wir-uns-argentinier-zu-nennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/wann-beginnen-wir-uns-argentinier-zu-nennen\/","title":{"rendered":"\u201eWann beginnen wir, uns Argentinier zu nennen?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2005\/12\/03\/cuando-empezamos-a-llamarnos-argentinos\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.martinbonadeo.com.ar\/\">Mart\u00edn Bonadeos <\/a>Installation \u201eInmigrante\/Argentino\u201c bei \u201eEstudio Abierto 2005 &#8211; Puerto\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/martin0.jpg\" alt=\"\" align=left hspace=5 \/>Eine kleine gepflasterte Stra\u00dfe befindet sich zwischen der Anlegestelle der Schiffe, mit denen die Einwanderer einst nach Buenos Aires gelangten, und dem \u201eHotel de Inmigrantes\u201c, ihrer ersten Unterkunft, bevor sie ihr neues Leben im neuen Land begannen. Noch befanden sie sich an der Schwelle, hatten die neue Heimat noch nicht richtig betreten. Von dem Moment des \u00dcbertretens dieser Schwelle w\u00fcrde nichts mehr so sein wie zuvor. Langsam, schmerzlich w\u00fcrde der Prozess der Anpassung beginnen, vielleicht schon mit dem neuen Namen, den die Einwanderungsbeh\u00f6rden den Ank\u00f6mmlingen verpassten, weil der eigene unm\u00f6glich auszusprechen war. Ein neuer Name, ein neues Land, eine neue Sprache, eine fremde Kultur. Ein Neuanfang, in vielen F\u00e4llen nicht gewollt. Eine neue Sonne.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/martin.jpg\" alt=\"\" align=right hspace=5 \/>An einem Ende der kleinen Stra\u00dfe steht sich ein kleines wei\u00dfes Podest. Auf dieses hat der argentinische K\u00fcnstler Mart\u00edn Bonadeo einen Glaskasten montiert, in dem er ein transparentes Band ausstellt, ein unendliches Band, das sich in einer Moebius-Schleife dreht, umkehrt, wendet und wieder zu seinem urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckkehrt. Auf der einen Seite dieser unm\u00f6glich scheinenden Verrenkung steht in schwarzer Schrift das Wort \u201eArgentino\u201c (Argentinier), auf der anderen Seite \u201eInmigrante\u201c (Einwanderer). Diese hintergr\u00fcndige Installation erscheint nur auf den ersten Blick statisch. Sie ist in sich unbeweglich, nimmt aber w\u00e4hrend des Tagesverlaufs andere Formen an. Mit dem Lauf der fremden Sonne.<!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/martin2.jpg\" alt=\"\" align=left hspace=5 \/>Mit der Morgensonne ist das Wort \u201eInmigrante\u201c deutlich zu lesen. Aber schon erscheint der Schatten des Wortes \u201eArgentino\u201c, auf den Kopf gestellt. Am Mittag, wenn die fremde Sonne im Zenit steht, haben beide W\u00f6rter einen gleichberechtigten Rang. Am Nachmittag dreht sich der Schatten des Wortes \u201eArgentino\u201c um, und das Wort nimmt die zentrale Position ein. Der Schatten des Wortes \u201eInmigrante\u201c dreht sich, langsam, und beginnt, von der Bildfl\u00e4che zu verschwinden. Aber er verschwindet niemals ganz.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/martin3.jpg\" alt=\"\" align=right hspace=5 \/>\u201eKann man eine Identit\u00e4t abstreifen, um in eine neue zu schl\u00fcpfen? Wie viel Zeit ben\u00f6tigt man f\u00fcr eine derartige Metamorphose der Pers\u00f6nlichkeit? Ein Jahr, zwei Jahre, ein Jahrzehnt, eine Generation, zwei Generationen? Und betrachte ich mich dann als \u201eeiner von hier\u201c?\u201c Dies sind nur einige der Fragen, die Mart\u00edn Bonadeo mit seiner vielschichtigen k\u00fcnstlerischen Arbeit aufwirft. Sie alle f\u00fchren ihn schlie\u00dflich zu zentralen Themen der Identit\u00e4tsfindung seiner argentinischen Landsleute: \u201eWas geschieht, wenn wir beginnen, <em>sie<\/em> zu sein, wenn das Andere uns als Eigenes erscheint? Von welchem Moment an sind wir Teil dieser Kultur, die uns fremd vorkam? Wann beginnen wir, uns Argentinier zu nennen?\u201c<\/p>\n<p><em>(\u201eEstudio Abierto 2005 &#8211; Puerto\u201c. Apostadero Naval\/Museo Hotel de los Inmigrantes, Av. Ant\u00e1rtida Argentina 1201, und andere Standorte in Puerto Madero. 14-23 Uhr. Bis 4.12.)<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 03.12.05 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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