{"id":22630,"date":"2015-11-06T12:57:20","date_gmt":"2015-11-06T15:57:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=22630"},"modified":"2015-11-20T19:15:19","modified_gmt":"2015-11-20T22:15:19","slug":"der-souveranitatseffekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/11\/06\/der-souveranitatseffekt\/","title":{"rendered":"Der Souver\u00e4nit\u00e4tseffekt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Goethe-Institut begr\u00fc\u00dft Kulturwissenschaftler Joseph Vogl<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/vogl_diaphanes_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/vogl_diaphanes_2.jpg\" alt=\"vogl_diaphanes_2\" width=\"250\" height=\"351\" class=\"alignright size-full wp-image-22633\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/vogl_diaphanes_2.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/vogl_diaphanes_2-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Auf Einladung des Goethe-Instituts besucht der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl zum ersten Mal Argentinien.. Im Dialog mit lokalen Referenten stellt er eine Geschichte der Mythen und Unvereinbarkeiten der \u00f6konomischen Narrativik dar, um zu verdeutlichen, dass das ganze intellektuelle Geb\u00e4ude der Finanzwissenschaft kollabiert. Aus der Perspektive des Kulturkritikers beschreibt er, wie immer mehr Entscheidungsbefugnisse vom Staat und den Regierungen auf un\u00fcberschaubare Finanzm\u00e4rkte und andere nicht demokratisch legitimierte Akteure, Agenturen und improvisierte Expertengremien \u00fcbergegangen sind. Dies f\u00fchrt zu Demokratiedefiziten und Souver\u00e4nit\u00e4tsverschiebungen bei gleichzeitig  unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Einflussm\u00f6glichkeiten von Finanzspekulanten.<\/p>\n<p>Am Dienstag, den 17.11., von 17 Uhr bis 19 Uhr, findet im Goethe-Institut (Av. Corrientes 343) bei freiem Eintritt die Veranstaltung &#8220;Der Souver\u00e4nit\u00e4tseffekt: Regierbarkeit, Schuldenkrise und Finanzm\u00e4rkte&#8221; statt, in deren Rahmen Joseph Vogl mit Jos\u00e9 Natanson und Gabriela Massuh diskutiert. Aus organisatorischen Gr\u00fcnden wird um Anmeldung gebeten (info@buenosaires.goethe.org).<\/p>\n<p>Wer es ist der wahre Souver\u00e4n im modernen Staat? Joseph Vogl antwortet: &#8220;Souver\u00e4n ist, wer eigene Risiken in Gefahren f\u00fcr andere zu verwandeln vermag und sich als Gl\u00e4ubiger letzter Instanz platziert.&#8221;<!--more--><\/p>\n<p>Joseph Vogl, geboren 1957 in Eggenfelden, Niederbayern, ist heute einer der einflussreichsten und meistgefragten Philosophen und Kulturwissenschaftler. Diese Bedeutung erlangte er sp\u00e4testens nach der Ver\u00f6ffentlichung der zwei Teile seiner, wie er es selber nennt, &#8220;historisch-spekulativen&#8221; Abhandlung \u00fcber politische \u00d6konomie, einer historisch-literarischen Darstellung der \u00f6konomisch grundierten politischen Verfasstheit unserer Gegenwart.<\/p>\n<p>Im ersten Teil seiner Untersuchung, &#8220;Das Gespenst des Kapitals&#8221;, den das Verlagshaus Cruce dieses Jahr in der spanischen \u00dcbersetzung von Florencia Mart\u00edn ver\u00f6ffentlichen wird, schildert Vogl die Erkl\u00e4rungsmodelle der klassischen, neoklassischen und liberalen Wirtschaftstheorien als einen Komplex von Illusion, sozialer Utopie und b\u00fcrgerlicher Moralkonzeption, der dazu gef\u00fchrt h\u00e4tte, dass alle Aspekte des Lebens und der Gesellschaft unter rein \u00f6konomischen, finanziellen Gesichtspunkten gesehen und bewertet w\u00fcrden. Nach Vogl ist die geltende Lehre in den Wirtschaftswissenschaften nicht in der Lage, eine plausible Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Finanzkrisen der letzten Jahre zu liefern. Man wollte in Spekulationsblasen und Crashs blo\u00dfe Anpassungskrisen oder jene Ausnahmesituationen erkennen, die im irrationalen \u00dcberschwang eines vielleicht gierigen, vielleicht inkompetenten oder schlicht r\u00fccksichtslosen Spekulationswesens gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Im zweiten Teil, &#8220;Der Souver\u00e4nit\u00e4tseffekt&#8221;, untersucht Vogl die Frage, wo sich heute politische Entscheidungs- und Handlungsmacht formiert. Denn &#8220;man kann feststellen, dass in einem engen Austauschverh\u00e4ltnis von \u00f6konomischen Akteuren und politischen Institutionen, sehr viele Entscheidungen gef\u00e4llt werden, die die Gesellschaft insgesamt betreffen&#8221;, sagt der Kulturwissenschaftler. Er versucht zu zeigen, inwieweit gerade das moderne Finanzsystem nur durch eine enge Symbiose von politischer und \u00f6konomischer Macht entstehen konnte.<\/p>\n<p>Der Essayist verfolgt die Wechselbeziehungen zur\u00fcck bis zum fr\u00fchen Mittelalter. Unter anderem erl\u00e4utert er die Entwicklung der wichtigsten Zentralbanken in Europa seit dem 17. Jahrhundert und der Federal Reserve Bank in den USA im Jahre 1913 als hybride Organisationen und Vermittler zwischen \u00f6ffentlichen und privaten Interessen. Und er kritisiert die zunehmende \u00dcbertragung von Souver\u00e4nit\u00e4t durch Verschiebung von wirtschaftlichen Entscheidungen und wirtschaftlicher Macht hin zu demokratisch nicht legitimierten Instanzen wie der &#8220;Troika&#8221; (bestehend aus Europ\u00e4ischer Kommission, Europ\u00e4ischer Zentralbank und Internationalem W\u00e4hrungsfonds), die zur L\u00f6sung der Finanzkrise in Europa gebildet wurden.<\/p>\n<p>Joseph Vogl studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte. Sein Interessens- und Forschungsschwerpunkt ist die Schnittstelle zwischen Literatur, Geschichte und Wissensgeschichte, besonders der Medientheorie und der Literaturgeschichte seit dem 18. Jahrhundert. 1984 erwarb er den akademischen Grad des Magister Artium an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen, wo er 1990 im Fach Neuere deutsche Literatur promovierte. Im Jahr 1999 wurde Vogl Professor f\u00fcr Geschichte und Theorie k\u00fcnstlicher Welten an der Fakult\u00e4t Medien der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar. 2001 habilitierte er sich im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Sprach- und Literaturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Seit dem 1. April 2006 hat Vogl die Professur f\u00fcr Neuere deutsche Literatur: Literatur- und Kulturwissenschaft\/Medien an der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin inne. Von 2001 bis 2002 war er Gastprofessor am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien. Seit 2007 ist er Professor an der Germanistikabteilung der Princeton University.<\/p>\n<p>Vogl verfasste mehr als hundert wissenschaftliche Artikel und Buchbeitr\u00e4ge zu den Themengebieten deutsche Literatur, Literaturtheorie, Medien, Wissensgeschichte und Politische Philosophie. Zu seinen letzten Arbeiten (ver\u00f6ffentlicht im Diaphanes-Verlag) z\u00e4hlen &#8220;\u00dcber das Zaudern&#8221; (2007), &#8220;Soll und Haben. Fernsehgespr\u00e4che&#8221; (2009, mit Alexander Kluge), &#8220;Das Gespenst des Kapitals&#8221; (2015) und &#8220;Der Souver\u00e4nit\u00e4tseffekt&#8221; (2015), nominiert auf der Short List des Literaturpreises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch.<\/p>\n<p>Joseph Vogl lebt und arbeitet in Berlin.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nJoseph Vogl.<br \/>\n(Foto: Goethe-Institut)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Goethe-Institut begr\u00fc\u00dft Kulturwissenschaftler Joseph Vogl Auf Einladung des Goethe-Instituts besucht der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl zum ersten Mal Argentinien.. Im Dialog mit lokalen Referenten stellt er eine Geschichte der Mythen und Unvereinbarkeiten der \u00f6konomischen Narrativik dar, um zu verdeutlichen, dass das ganze intellektuelle Geb\u00e4ude der Finanzwissenschaft kollabiert. Aus der Perspektive des Kulturkritikers beschreibt er, wie immer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-22630","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-sociedad"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22630","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22630"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22630\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22639,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22630\/revisions\/22639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22630"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22630"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22630"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}