{"id":22820,"date":"2015-12-19T12:03:54","date_gmt":"2015-12-19T15:03:54","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=22820"},"modified":"2015-12-19T12:07:39","modified_gmt":"2015-12-19T15:07:39","slug":"motorsport-journalist-und-entdecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2015\/12\/19\/motorsport-journalist-und-entdecker\/","title":{"rendered":"Motorsport-Journalist und Entdecker"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pionier des Tourismus Federico B. Kirbus starb am 12. Dezember<\/p>\n<p><em>Von Stefan Kuhn<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/FBK-11-3-f.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/FBK-11-3-f.jpg\" alt=\"FBK 11 (3) f\" width=\"250\" height=\"200\" class=\"alignright size-full wp-image-22823\" \/><\/a>Der langj\u00e4hrige Mitarbeiter der argentinischen Wochenzeitung in deutscher Sprache <a href=\"http:\/\/www.tageblatt.com.ar\/\">&#8220;Argentinisches Tageblatt&#8221;<\/a> Federico Kirbus ist tot. Er starb am Samstag vergangener Woche im Alter von 84 Jahren in seinem Geburtsort Buenos Aires nach langer Krankheit &#8211; zweieinhalb Jahre nach seiner geliebten Ehefrau und Reisekameradin Marl\u00fa.<\/p>\n<p>Dass Federico in seinem Geburtsort starb, ist ein wenig \u00fcberraschend. Schon als Kleinkind siedelte er mit seinen Eltern nach Europa um, und als Auto- und Reisejournalist war er ein Weltenbummler. Noch vor zehn Jahren traf man ihn kaum in Buenos Aires an, er und Marl\u00fa waren st\u00e4ndig auf Entdeckungstour. Zudem lebte er lange Zeit zwischen zwei Welten: Argentinien und Deutschland.<\/p>\n<p>1933 zog die Familie des am 14. Oktober 1931 geborenen Federico nach Europa. Sein Vater und sein Onkel betrieben sp\u00e4ter eine kleine Metallwarenfabrik in Oberschlesien. Dort, in Sachsen und im Bayrischen verbrachte er seine Kindheit. Er erz\u00e4hlte h\u00e4ufig von dieser Zeit, vom Bombenangriff auf Dresden oder davon, wie sein Vater und sein Onkel versuchten, die ihnen zugeteilten Zwangsarbeiter zu ern\u00e4hren und zu besch\u00fctzen. Diese Zeit hat ihn gepr\u00e4gt. Federico war ein weltoffener, sozialer und hilfsbereiter Mann, der f\u00fcr jeden ein offenes Haus und Ohr hatte. Ein Menschenfreund.<\/p>\n<p>1948, noch vor der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik, ging es zur\u00fcck nach Buenos Aires. Federico leistete seinen Milit\u00e4rdienst in der argentinischen Armee ab. Er wurde Journalist und spezialisierte sich auf Motorsport. Federico Kirbus geh\u00f6rte zu denen, \u00fcber die man sagt, sie h\u00e4tten Benzin im Blut. Schon als 24-J\u00e4hriger begleitete er die argentinische Rennsportlegende Juan Manuel Fangio und das Mercedes-Rennsportteam auf der Tour \u00fcber die Rennstrecken der Welt. Er wurde Co-Autor einer Fangio-Biografie, schrieb auf Spanisch, Deutsch und Englisch f\u00fcr namhafte Zeitungen und Zeitschriften wie &#8220;La Naci\u00f3n&#8221;, die Schweizer &#8220;Automobil Revue&#8221; und das US-amerikanische Magazin &#8220;Car and Driver&#8221;.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/FBK-1933-f.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/FBK-1933-f.jpg\" alt=\"FBK 1933 f\" width=\"250\" height=\"192\" class=\"alignright size-full wp-image-22824\" \/><\/a>Drei Jahre dauerte diese aufreibende Zeit an, in der Motorenl\u00e4rm, \u00d6lgeruch, der Gestank von abgeriebenem Gummi und schlechte Hotelbetten Federicos Leben dominierten. Ende der 50er-Jahre orientierte er sich neu. Dem Auto blieb er dabei treu: Er testete Neuwagen, schrieb Fahrberichte und reiste dementsprechend viel. Dieses &#8220;Reisen&#8221; gewann dabei mehr und mehr die \u00dcberhand, der fahrbare Untersatz, der dabei getestet werden sollte, wurde zum mehr oder weniger zuverl\u00e4ssigen Fortbewegungsmittel.<\/p>\n<p>&#8220;Reisen&#8221; ist eigentlich das falsche Wort, Federico und Marl\u00fa, die er 1961 heiratete, &#8220;entdeckten&#8221;. Beide haben einen gewaltigen Beitrag zur Entwicklung des argentinischen Tourismus geleistet. Auf Federico Kirbus&#8217; Beschreibungen hin, wurden Landschaften wie das &#8220;Tal des Mondes&#8221; (Valle de la luna) und die bizarren Felsen von Ischigualasto zu bekannten Reisezielen, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe z\u00e4hlen. Kirbus erkannte auch als einer der ersten, welches touristische Potenzial in dem fast vergessenen Andenzug steckte, der zwischen dem argentinischen Salta und dem chilenischen Antofagasta verkehrte. Heute geh\u00f6rt der &#8220;Tren a las nubes&#8221;, der &#8220;Zug in die Wolken&#8221; zu den gr\u00f6\u00dften Touristenattraktionen Argentiniens.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst kein Geheimtipp mehr ist die &#8220;Ruta 40&#8221;, die sich \u00fcber 5000 Kilometer entlang der Anden hinzieht. Sie f\u00fchrt von Feuerland \u00fcber den Abra del Acay, den mit 5000 Metern \u00fcber dem Meeresspiegel h\u00f6chsten Stra\u00dfenpass der Welt. Federico Kirbus hat sie mehrfach befahren und beschrieben. Sein Werk &#8220;M\u00e1gica Ruta 40&#8221; wurde zum Verkaufsschlager. Nicht ohne Stolz nannte es Federico seinen &#8220;Bestseller&#8221;.<\/p>\n<p>Federico geh\u00f6rte nicht zu dem Schlag der Reise- und Motorjournalisten, die Betten in Luxusabsteigen testen und mit den neuesten Autos durch das Land kutschieren. In den 60er-Jahren war die argentinische Tourismusbranche wie die Automobilindustrie in den Anfangsjahren. Man musste, so ein Freund und Kollege, &#8220;Draht, Zange, Taschenlampe und ein \u00dcberlebenspaket&#8221; dabeihaben. Als ich Federico einmal f\u00fcr eine geplante Tour auf einem Teilst\u00fcck der Ruta 40 um Rat fragte, riet er mir, genug Wasser und einen zweiten Ersatzreifen mitzunehmen. Es war ein wertvoller Tipp. Wir brauchten das Wasser und beide Reifen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ranqueles-marlu-y-fede-f.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Ranqueles-marlu-y-fede-f.jpg\" alt=\"Ranqueles marlu y fede f\" width=\"250\" height=\"154\" class=\"alignright size-full wp-image-22827\" \/><\/a>Federico Kirbus hat die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Argentinien fr\u00fch erkannt und die Erschlie\u00dfung des Landes in Wort und Tat unterst\u00fctzt. Es ging ihm aber in erster Linie um einen sanften Tourismus, der die Natur schonen und der indigenen Bev\u00f6lkerung nutzen sollte. Seine und Marl\u00fas letzte gro\u00dfe Reise ging 2009 nach San Luis, in ein touristisches Dorfprojekt der Ranquel-Indios.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re zu kurz gefasst, Federicos Wirken mit Reisen, Entdecken und Motorsport zu umschreiben. Er war so vielseitig interessiert und unter Argentiniens Schreibern ein gefragter Mann, wenn es um Luft- und Raumfahrt ging. Zudem besch\u00e4ftigte er sich mit Geschichte und Arch\u00e4ologie. So suchte er unter anderem den genauen Ort der ersten Gr\u00fcndung von Buenos Aires und schrieb eine Biografie \u00fcber Utz Schmidl, den Regensburger Landsknecht, der Chronist dieser Gr\u00fcndung war.<\/p>\n<p>Federico Kirbus schrieb lange f\u00fcr viele argentinische Zeitschriften und Zeitungen. Etwa f\u00fcr die auflagenstarke Mitgliederzeitschrift des argentinischen Automobilclubs, die Naci\u00f3n oder den englischsprachigen Buenos Aires Herald. Dem Argentinischen Tageblatt blieb er am l\u00e4ngsten treu. Bis vor wenigen Wochen schrieb er noch in seiner Muttersprache f\u00fcr die Zeitung. Federico betreute die Rubrik Auto und Motor, schrieb Berichte und Reportagen f\u00fcr Sonderausgaben der Zeitung. Nach dem Tod Marl\u00fas im April 2013 \u00fcbernahm er deren Reise-Tipps. In den letzten Monaten wurde es weniger, er wurde weniger. Der Verlust seiner ein Jahrzehnt j\u00fcngeren Frau schlug sich gesundheitlich nieder. Am Samstag, dem 12. Dezember, starb er im Hospital Penna.<\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<br \/>\n<\/strong><br \/>\nMarl\u00fa und Federico auf Reisen.<\/p>\n<p>Benzin im Blut: der zweij\u00e4hrige Federico mit einem Spielzeug-Bugatti.<\/p>\n<p>Federicos und Marl\u00fas letzte gro\u00dfe Reise ging 2009 nach San Luis, wo sie ein touristisches Dorfprojekt der Ranquel-Indios einweihten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pionier des Tourismus Federico B. Kirbus starb am 12. Dezember Von Stefan Kuhn Der langj\u00e4hrige Mitarbeiter der argentinischen Wochenzeitung in deutscher Sprache &#8220;Argentinisches Tageblatt&#8221; Federico Kirbus ist tot. 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