{"id":23140,"date":"2016-03-04T13:16:41","date_gmt":"2016-03-04T16:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=23140"},"modified":"2016-04-04T13:34:09","modified_gmt":"2016-04-04T16:34:09","slug":"gottliche-theatermaschine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2016\/03\/04\/gottliche-theatermaschine\/","title":{"rendered":"G\u00f6ttliche Theatermaschine"},"content":{"rendered":"<p><strong>Heiner Goebbels` \u201cStifters Dinge\u201d im Teatro Col\u00f3n<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/stiftersdinge.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/stiftersdinge.jpg\" alt=\"stiftersdinge\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23145\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/stiftersdinge.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/stiftersdinge-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEinzigartige Mischung aus Performance und Installation: Am vergangenen Wochenende kam das Theaterpublikum von Buenos Aires in den Genuss, das Werk \u201cStifters Dinge\u201d des ber\u00fchmten deutschen Theaterschaffenden Heiner Goebbels im Teatro Col\u00f3n zu sehen. Im Rahmen des Programms <a href=\"http:\/\/www.teatrocolon.org.ar\/es\/2016\/colon-contemporaneo\/stifters-dinge\">\u201cCol\u00f3n Contempor\u00e1neo\u201d<\/a> (Zeitgen\u00f6ssisches Col\u00f3n) und mit der Unterst\u00fctzung des <a href=\"http:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/es\/bue.html\">Goethe-Instituts Buenos Aires<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.buenos-aires.diplo.de\/Vertretung\/buenosaires\/de\/Startseite.html\">Deutschen Botschaft in Argentinien<\/a> konnten jeweils 150 Menschen die vier Vorstellungen des 2007 entstandenen Werkes erleben, das in der Schweiz uraufgef\u00fchrt wurde und seitdem auf den renommiertesten Theaterfestivals und den wichtigsten B\u00fchnen der Welt gezeigt wird.<\/p>\n<p>Im Teatro Col\u00f3n durfte das Publikum erstmals in der Geschichte des ehrw\u00fcrdigen Opernhauses mit auf der B\u00fchne sitzen, und vor seinen Augen agierte &#8211; eine Maschine. Die verschiedenen Bestandteile des Unget\u00fcms, mehrere Klaviere, Schlaginstrumente, verdorrte B\u00e4ume, Lautsprecher, gro\u00dfe Video-Leinw\u00e4nde, sind auf drei hintereinander liegenden Schienen angebracht nd werden von Kabeln und Roboter-Greifarmen bewegt. Die Schienen trennen drei Becken voneinander ab, neben denen jeweils ein beleuchtetes W\u00e4rterh\u00e4uschen steht. Die Becken sind zu Anfang leer, dann streuen zwei im Dienst der Maschine stehende Menschen eine Saat \u00fcber sie aus und bew\u00e4ssern sie, sp\u00e4ter sind sie mit einer Art Ursuppe gef\u00fcllt, die vor geheimnisvollem, blubberndem Leben zu wimmeln scheint.<\/p>\n<p>Die drei Ebenen der Maschine fahren gegen Ende des Werkes nach vorne und verbinden sich zu einem h\u00e4mmernden Ganzen, das sich dem Publikum n\u00e4hert, Dieses aber hat zu dem Zeitpunkt bereits die Angst vor dem Unbekannten verloren und hat verstanden, dass die Maschine Perlen der menschlichen Zivilisation gesammelt hat und versucht, diese demjenigen behutsam in Erinnerung zu rufen, der sie kennt, oder dem nahe zu bringen, der sie vergessen hat oder nie erfahren durfte.<\/p>\n<p>Heiner Goebbels\u2019 Werk ist ein kultureller Webteppich &#8211; eine Klangcollage mit visuellen Reizen, die dem Publikum erlaubt, in eine packende Erz\u00e4hlung Adalbert Stifters einzutauchen, Bachs ergreifende Musik zu genie\u00dfen, \u00fcber L\u00e9vi-Strauss\u2019 Gedanken in einem Interview zu l\u00e4cheln und zu staunen, Malcolm X\u2019 revolution\u00e4re Ideen zu vernehmen, dem Sprechgesang eines vergessenen Volkes zu lauschen, ein Klagelied zu h\u00f6ren, das allen Schmerz und alles Leid auszudr\u00fccken scheint. Die T\u00f6ne, die die Maschine dazu erzeugt, sind teilweise so fremd, als stammten sie von einem anderen Planeten.<\/p>\n<p>Was ist diese Maschine? Ein letztes \u00dcberbleibsel der menschlichen Zivilisation, ein besonders sensibles und poetisches Destillat, das wenigen \u00dcbriggebliebenen deutlich macht, was alles verlorengegangen ist? Ist sie eine Mahnung? Oder vielleicht einfach ein Traum?<\/p>\n<p>Sicher ist sie f\u00fcr jeden einzelnen Zuschauer etwas anderes. Im Anschluss an das St\u00fcck wird das Publikum eingeladen, die Maschine von Nahem zu bestaunen, und es gibt keinen, der nicht ausgiebig und neugierig um sie herumstromert und sie zu verstehen versucht.<\/p>\n<p>Heiner Goebbels war pers\u00f6nlich in Buenos Aires und verbeugte sich bescheiden beim begeisterten Applaus. Er deutete hinter sich &#8211; hier, die Maschine war es, nicht ich &#8211; und stand am Ende l\u00e4chelnd am Rande, um die Menschen beim Betrachten seiner Kreation zu beobachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Goebbels` \u201cStifters Dinge\u201d im Teatro Col\u00f3n Von Susanne Franz Einzigartige Mischung aus Performance und Installation: Am vergangenen Wochenende kam das Theaterpublikum von Buenos Aires in den Genuss, das Werk \u201cStifters Dinge\u201d des ber\u00fchmten deutschen Theaterschaffenden Heiner Goebbels im Teatro Col\u00f3n zu sehen. 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