{"id":2324,"date":"2010-05-18T16:17:56","date_gmt":"2010-05-18T19:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/05\/18\/die-neue-moderne\/"},"modified":"2010-05-18T20:02:37","modified_gmt":"2010-05-18T23:02:37","slug":"die-neue-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/05\/18\/die-neue-moderne\/","title":{"rendered":"Die neue Moderne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Andreas Huyssen und eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Diskussion<\/p>\n<p><em>Von Sandra Henoch<\/em><\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image2305\" alt=andreashuyssen11.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/andreashuyssen11.jpg\" align=left hspace=5 \/>Mit einer Klarstellung er\u00f6ffnete Andreas Huyssen, Autor und Professor an der Columbia Universit\u00e4t, am Montag seinen Vortrag \u00fcber sein neues Buch vor dem mit etwa 400 Personen voll besetzten Auditorio des Malba. \u201eModerne nach der Postmodernit\u00e4t\u201c, so der Buchtitel \u00fcbersetzt, sei keinesfalls eine nostalgische \u00c4u\u00dferung, sondern vielmehr eine Provokation. Wie diese These zu begr\u00fcnden sei, stellte der geb\u00fcrtige Deutsche im Rahmen eines Vortrags und in einem anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch mit dem K\u00fcnstler Guillermo Kuitca vor.<\/p>\n<p>\u201eEs entstanden neue Chancen seit der Diskussion \u00fcber die klassische Moderne\u201c, bemerkte der Philosoph w\u00e4hrend seines etwa einst\u00fcndigen englischen Vortrags. Im ersten Teil des Buches, der sich aus Essays des Autors \u00fcber das Thema Moderne und Postmoderne zusammensetzt, werden vor allem Fragen zum wissenschaftlichen und sozialen Diskurs bearbeitet. Die Postmoderne, die als Denkstr\u00f6mung Kritik an den gesellschaftlichen Entwicklungen der Moderne \u00fcbt, wurde vor allem in der Kunst bekannt. Es waren \u201eneben Musik und Architektur vor allem Literatur und Kunst, die eine herausragende Rolle in der Diskussion der fr\u00fcheren Moderne\u201c spielten. Im 21. Jahrhundert m\u00fcssen alte Fragen der Postmoderne durch neue, interdisziplin\u00e4re Antworten gekl\u00e4rt oder zumindest neu diskutiert werden, um eine neue Moderne zu schaffen. Denn auch wenn historische Fragen zum Teil durch zeitgeschichtliche Ereignisse obsolet geworden sind, sei die Mehrheit doch noch immer von gro\u00dfer Bedeutung. \u201e\u00dcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum war die Diskussion in den Hintergrund ger\u00fcckt. Andere Entwicklungen, wie die zunehmende Globalisierung und Transnationalit\u00e4t hatten sie verdr\u00e4ngt\u201c so Huyssen. Schlie\u00dflich sei sie jedoch zur\u00fcckgekehrt und werde nun interdisziplin\u00e4r bearbeitet.<\/p>\n<p>Der Autor, der selbst neben Germanistik und Literatur auch Philosophie und Kunstgeschichte an verschiedenen europ\u00e4ischen Universit\u00e4ten studierte, sieht hier neben der Kunst auch die Anthropologie und die Soziologie als Hauptdisziplinen. Die Modernit\u00e4t, so der Autor, m\u00fcsste in ihrer ganzen historischen und geographischen Spannweite betrachtet werden. Werke wie Adornos Abhandlungen \u00fcber die Musik oder die wieder aufkeimende Bauhausbewegung seien vor dem Hintergrund dieser Spanne besonders wichtig.<!--more--><\/p>\n<p>Geschichtliche Entwicklungen haben gro\u00dfen Einfluss, und mit dem neuen Jahrtausend bieten sich neue M\u00f6glichkeiten. \u201eNun k\u00f6nnen Diskurse, die w\u00e4hrend des Kalten Krieges unterdr\u00fcckt wurden, endlich wieder gef\u00fchrt werden. Die Beziehungen zwischen Rolle und Geschlecht, Politik und \u00c4sthetik und Herkunft und Migration geh\u00f6ren dazu\u201c. Und dies sei nicht mehr auf das nordatlantische Gebiet beschr\u00e4nkt, in dem die Debatte ihren Ursprung hatte. \u201eBesonders in Argentinien, Brasilien und Mexiko, etwas weniger jedoch auch im asiatischen und afrikanischen Raum, werden interessante Arbeiten zu dem Thema Modernit\u00e4t ver\u00f6ffentlicht\u201c.<\/p>\n<p>Mit \u201eSpaces of Memory\u201c, oder \u201eR\u00e4ume der Erinnerung\u201c, ist der zweite Teil des Werkes \u00fcberschrieben. Die Politik der Erinnerung, in Form von Fotos von Ruinen, Gedenkst\u00e4tten und Monumenten, soll zeigen, dass die eindimensionale Zuordnung von Moderne zu Zeit und Postmoderne zu Raum nicht zutreffend ist. Dies erkl\u00e4rt sich der Universit\u00e4tsprofessor mithilfe der  \u201eVerbindung von Geschichte und Erinnerung in globaler Ausdehnung, durch die die einstmals starken Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwischt wurden\u201c. Was fr\u00fcher noch den Dichtern und Sch\u00f6ngeistern vorenthalten war, wird nun in Beziehung zur als objektiv bekannten Geschichtswissenschaft gesetzt. Erinnerung ist eben nicht mehr nur \u201edie Jagd nach einer ruhelosen Vergangenheit\u201c, sondern Teil der Entwicklung in der Moderne. Die Definition mag schwierig und die Diskussion \u00fcberreizt sein, doch wenn dieser entscheidende Anteil an der Gesellschaft \u00fcbergangen w\u00fcrde, so k\u00e4men wichtige Komponenten, wie etwa die Menschenrechtsbewegung, in Bedr\u00e4ngnis. Erinnerung, so die Kernthese, erfolgt in zunehmendem Ma\u00dfe nicht mehr national und innerhalb bestimmter Grenzen, sondern international ohne Grenzen.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem in Buenos Aires geborenen K\u00fcnstler Guillermo Kuitca gab Huyssen dann Einblicke in sein Privatleben preis. Die beiden langj\u00e4hrigen Freunde begannen die Diskussion mit der Studentenzeit Huyssens, die ihn in der Kunstgeschichte vor allem mit den Spuren des Faschismus und dem Bruch damit konfrontierte. Wohl auch deshalb vertritt er die These, dass Kunst nur vor dem Hintergrund von Politik und Geschichte verstanden werden kann, auch wenn die Einfl\u00fcsse nicht explizit zu sehen sein m\u00fcssen. Die Werke seines argentinischen Gespr\u00e4chspartners, der nach eigenen Angaben \u201ebei der Entstehung eines neuen Kunstwerkes nicht immer eine genaue Linie vor Augen\u201c habe, hatten gro\u00dfen Einfluss auf das Denken Huyssens. Die von Kuitca verwendeten kubischen Formen, die die Dimension Postmoderne &#8211; Raum und Moderne &#8211; Zeit aufbrechen, haben gezeigt, dass diese Trennung keinen Sinn ergebe. Besonders in seinen fr\u00fchen Werken, so Kuitca, konnte er durch die so verwendeten Bilder \u201eumformen und auf einer Linie gehen\u201c.<\/p>\n<p>Huyssen plant bereits ein neues Buchprojekt, das sich mit den R\u00e4umen der Gro\u00dfstadt auseinandersetzen wird. Auch hier sollen wieder verschiedene Disziplinen und Denkrichtungen zusammengef\u00fchrt werden. Die Vielschichtigkeit des Autors spiegelt sich so erneut in der Vielschichtigkeit seines Werkes wider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas Huyssen und eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Diskussion Von Sandra Henoch Mit einer Klarstellung er\u00f6ffnete Andreas Huyssen, Autor und Professor an der Columbia Universit\u00e4t, am Montag seinen Vortrag \u00fcber sein neues Buch vor dem mit etwa 400 Personen voll besetzten Auditorio des Malba. \u201eModerne nach der Postmodernit\u00e4t\u201c, so der Buchtitel \u00fcbersetzt, sei keinesfalls eine nostalgische \u00c4u\u00dferung, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2324","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2324","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2324"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2324\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}