{"id":23633,"date":"2016-08-06T14:51:06","date_gmt":"2016-08-06T17:51:06","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=23633"},"modified":"2016-08-06T14:51:59","modified_gmt":"2016-08-06T17:51:59","slug":"das-auto-und-die-alte-dame","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2016\/08\/06\/das-auto-und-die-alte-dame\/","title":{"rendered":"Das Auto und die alte Dame"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Berlinerin Heidi Hetzer umrundet mit ihrem Oldtimer die Welt<\/p>\n<p><em>Von Marcus Christoph<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerI.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerI.jpg\" alt=\"heidi_hetzerI\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23635\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerI.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerI-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\n&#8220;Ich wollte etwas f\u00fcr mich nachholen.&#8221; So beschreibt Heidi Hetzer ihre Motivation, in einem Oldtimer um die Welt zu fahren. Vor fast zwei Jahren startete die heute 79-j\u00e4hrige Berlinerin in einem &#8220;Hudson Great Eight&#8221; (Baujahr 1930) ihre Mammut-Tour, die sie bereits durch 33 L\u00e4nder gef\u00fchrt hat. Nach insgesamt 70.000 Reisekilometern hat sie vor wenigen Tagen Buenos Aires erreicht, wo sie ein paar Tage Pause macht, ehe es im s\u00fcdlichen Afrika weitergeht.<\/p>\n<p>Als Vorbild diente Hetzer, die fr\u00fcher bei Rallyes um Bestzeiten und Pokale k\u00e4mpfte, die deutsche Automobil-Pionierin Cl\u00e4renore Stinnes. Diese unternahm von 1927 bis 1929 eine Weltrundfahrt in einem &#8220;Adler Standard 6&#8221;. &#8220;Ich will mich nicht mit Cl\u00e4renore messen. Aber ich m\u00f6chte zumindest das Gef\u00fchl haben, wie es ist, mit einem alten Auto um die Welt zu fahren&#8221;, erl\u00e4utert Hetzer.<\/p>\n<p>Dabei kam ihr Entschluss, am 27. Juli 2014 am Brandenburger Tor zu einer mehrj\u00e4hrigen Weltumrundung aufzubrechen, eher spontan. Es war jedenfalls kein langgehegter Sehnsuchtsplan, sondern resultierte aus der Situation, dass keines ihrer beiden Kinder Interesse hatte, das familieneigene Autohaus weiterzuf\u00fchren. Dieses hatte Heidi Hetzer einst von ihrem Vater \u00fcbernommen und \u00fcber 40 Jahre lang erfolgreich gef\u00fchrt. So entschloss sich die Unternehmerin 2012, &#8220;Opel Hetzer&#8221; mit den Standorten in Charlottenburg und Steglitz zu verkaufen.<\/p>\n<p>Zeit und finanzielle Mittel waren vorhanden, um sich auf die Spuren von Cl\u00e4renore Stinnes begeben zu k\u00f6nnen. Heidi Hetzer erwarb einen Oldtimer, den sie auf den Namen &#8220;Hudo&#8221; taufte &#8211; ein Wortspiel aus dem Markennamen Hudson und Udo, dem Vornamen der Verk\u00e4ufers.<\/p>\n<p>Der Auftakt war indes ein wenig holprig. Da der Motor merkw\u00fcrdige Ger\u00e4usche machte, kehrte sie bei Dresden heimlich um und lie\u00df sich in Berlin einen neuen Motor einsetzen. Dieser sollte tats\u00e4chlich bis Australien durchhalten. Auch mit dem als Beifahrer vorgesehenen Fotografen Jordane Sch\u00f6nfelder stimmte die Chemie nicht. Er blieb nur wenige Tage mit an Bord, so dass Hetzer gro\u00dfe Teile ihrer Welttour alleine bestritt.<\/p>\n<p>Zuerst ging es durch Tschechien, \u00d6sterreich, Ungarn und den Balkan. Dann in die T\u00fcrkei, den Kaukasus, den Iran und durch zentralasiatische Staaten wie Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan nach China. Vor allem die Fahrt \u00fcber den bis zu 3750 Meter hohen Torugart-Pass hatte es in sich. &#8220;Bei 21 Grad minus war alles eingefroren. Zudem habe ich kaum Luft bekommen. Es war furchtbar&#8221;, beschreibt Heidi Hetzer die Strapazen.<\/p>\n<p>Im &#8220;Reich der Mitte&#8221; w\u00e4hlte sie eine Route durch das Landesinnere, die auch an der legend\u00e4ren Terrakotta-Armee bei Xi&#8217;an vorbeif\u00fchrte. N\u00e4chstes Land der Reise war Laos, in dessen Hauptstadt Vientiane sie Weihnachten und Neujahr feierte. Im Get\u00fcmmel der s\u00fcdostasiatischen Stadt musste sie sich auch eines Diebes erwehren, der vom Motorrad aus versuchte, der Berliner Seniorin die Handtasche zu entrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Nach Thailand, Malaysia und Singapur stand die erste Passage mit einem Containerschiff an, das Heidi Hetzer und &#8220;Hudo&#8221; ins australische Perth transportierte. An der S\u00fcdk\u00fcste von &#8220;Down Under&#8221; entlang fuhr sie bis Melbourne, wo der Motor ausgewechselt werden musste. Hetzer lie\u00df sich den am Anfang der Tour ersetzten Motor kommen. Dieser machte zwar immer noch bedenkliche Ger\u00e4usche, leistete aber nichtsdestotrotz treue Dienste.<br \/>\nDen vielleicht sch\u00f6nsten Teil ihrer Reise erlebte die Berlinerin in Neuseeland. &#8220;Die Natur, die Berge, das Meer, die Tiere&#8221; &#8211; der Inselstaat am anderen Ende der Welt gefiel ihr in jeder Hinsicht. Auch das Zwischenmenschliche passte. Ein Hostelmanager verzichtete gar auf die Bezahlung, so begeistert sei dieser von der Idee der Weltreise im Oldtimer gewesen. Gegen m\u00f6gliche Probleme des Linksfahrens wappnete sich Hetzer, indem sie sich jeden Abend einen entsprechenden Erinnerungszettel aufs Steuer legte. So f\u00e4delte sie sich an den folgenden Tagen morgens gleich richtig in den Verkehr ein.<\/p>\n<p>Die Pazifik\u00fcberquerung meisterten Heidi und &#8220;Hudo&#8221; getrennt. W\u00e4hrend das Auto wieder auf ein Containerschiff geladen wurde, nahm seine Fahrerin diesmal ein Flugzeug. In Los Angeles ging die Fahrt weiter. Zun\u00e4chst in Begleitung eines Reporterteams des NDR nach Las Vegas, dann alleine die Westk\u00fcste der USA hinauf bis nach Kanada. Von dort an zeigte die Kompassnadel immer Richtung Osten, bis Heidi Hetzer schlie\u00dflich am US-Bundesstaat Maine den Atlantik erreichte. N\u00e4chster wichtiger Orientierungspunkt war Florida, wo die Berlinerin sich wieder einschiffen lie\u00df, um durch den Panama-Kanal nach Lima zu gelangen. Von der urspr\u00fcnglich geplanten Fahrt durch Mexiko und Zentralamerika sah die Seniorin ab, nachdem sie zahlreiche Warnungen hinsichtlich der Sicherheitslage erhalten hatte.<\/p>\n<p>Doch bevor sie in S\u00fcdamerika richtig loslegen konnte, musste Heidi Hetzer erst einmal eine Lymphdr\u00fcsenkrebserkrankung \u00fcberstehen, wegen der sie ihre Tour unterbrach und sich in Deutschland operieren lie\u00df. Zur\u00fcck in Peru galt es, mit anderen Schwierigkeiten fertig zu werden: der Sprachbarriere und H\u00f6hen von mehr als 4000 Metern. Bei manchen Steigungen stie\u00df &#8220;Hudo&#8221; an seine Grenzen. Entsch\u00e4digt wurde die Berlinerin, die mittlerweile von der Coburger Fotografin Liliana Frevel (28) begleitet wurde, durch die Sch\u00f6nheit von Orten wie Cuzco und Machu Picchu oder dem Titicacasee.<\/p>\n<p>Von Bolivien aus gelangten Hetzer und ihre Beifahrerin nach Argentinien. \u00dcber Salta fuhren sie nach Mendoza. Der Aufenthalt in der argentinischen Weinmetropole z\u00e4hlt aber eher zu den Tiefpunkten der Reise. Denn erstens waren dortige Mechaniker nicht in der Lage, &#8220;Hudos&#8221; Motor zu reparieren. Und zweitens entwendeten Diebe der Weltbummlerin die Handtasche mit Geld, Handy, Pass, Video-Kamera, Tagebuch und iPad.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerII11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/heidi_hetzerII11.jpg\" alt=\"heidi_hetzerII11\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignright size-full wp-image-23637\" \/><\/a>Doch Hetzer gab nicht auf. Sie organisierte einen H\u00e4nger f\u00fcr den Transport ihres Oldtimers nach Santiago de Chile, wo sie mit Hilfe eines dortigen Opel-H\u00e4ndlers schlie\u00dflich die Reparatur des betagten Fahrzeuges erreichte. Heikel war der Grenz\u00fcbertritt. Denn nach den argentinischen Zollbestimmungen ist es nicht m\u00f6glich, ein abgeschlepptes Fahrzeug ins Nachbarland durchzulassen. So baute die gelernte Kfz-Mechanikerin Hetzer die zwei defekten der insgesamt acht Zylinder aus. Mit den verbleibenden sechs Zylindern konnte sie immerhin einige Kilometer fahren und auf diese Weise nach Chile gelangen.<\/p>\n<p>Nach der Reparatur des Oldtimers kehrte die nun mittlerweile wieder allein reisende Berlinerin nach Argentinien zur\u00fcck. \u00dcber Bariloche und Bah\u00eda Blanca ging es nach Balcarce, wo das Museum des legend\u00e4ren Formel-1-Champions Juan Manuel Fangio ein Muss f\u00fcr Hetzer war. Argentinien erwies sich aber weiterhin als schwieriges Pflaster. Probleme mit den Geld\u00fcberweisungen aus Deutschland und der Akzeptanz von Kreditkarten sorgten f\u00fcr Bargeldengp\u00e4sse.<\/p>\n<p>Aber es gab auch sehr sch\u00f6ne Momente, wie beispielsweise beim Oldtimer-Treffen in Berazategui. In dem Vorort von Buenos Aires waren &#8220;das Auto und die alte Dame&#8221; im Mittelpunkt des Interesses. &#8220;Vier Tage mit netten Menschen&#8221;, so Hetzer, die die herzliche Abschiedsszene beschreibt: &#8220;F\u00fcnf M\u00e4nner verabschiedeten mich. Alle mit Tr\u00e4nen in den Augen.&#8221; Bei dem Treffen der Auto-Freaks stie\u00df Hetzer auch auf eine Kopie ihrer einstigen Startnummer von der Rallye Monte Carlo. Die Welt ist manchmal ein Dorf.<\/p>\n<p>In Buenos Aires kam Hetzer bei Mitarbeitern der deutschen Botschaft unter. Wie ihr \u00fcberhaupt die deutschen Auslandsvertretungen w\u00e4hrend der gesamten bisherigen Tour eine verl\u00e4ssliche Hilfe gewesen seien, lobt die Berlinerin. Gleiches gelte f\u00fcr die Reederei &#8220;Hamburg S\u00fcd&#8221;, die die interkontinentalen Transporte des Oldtimers erm\u00f6glicht habe. Unterst\u00fctzung kommt auch von &#8220;Eberswalder Wurst&#8221;. Die Brandenburger Firma spendet f\u00fcr jedes von Hetzer durchfahrende Land 1000 W\u00fcrstchen, die bei Charity-Events verkauft werden. Das auf diese Weise eingenommene Geld soll sozialen Einrichtungen in Berlin und Brandenburg zugute kommen.<\/p>\n<p>Was nun noch fehlt, ist Afrika. Dort will Hetzer bis Dezember durch S\u00fcdafrika, Botswana und Namibia fahren. Zudem denkt sie an einen Abstecher zu den Viktoria-Wasserf\u00e4llen, sofern Sicherheitsbedenken dem nicht im Weg stehen. Danach geht es wieder aufs Containerschiff, um im Januar in Portugal wieder europ\u00e4ischen Boden zu betreten. \u00dcber Spanien und Frankreich will Hetzer wieder heimatliche Gefilde ansteuern mit dem Ziel, ihre Tour im M\u00e4rz des kommenden Jahres unter dem Brandenburger Tor zu beenden. &#8220;Das genaue Datum steht noch nicht fest. Aber es sollte ein Sonntagvormittag sein. Da haben die Leute Zeit&#8221;, blickt Hetzer voraus.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Zeit nach der Reise hat die r\u00fcstige Rentnerin schon Pl\u00e4ne: &#8220;M\u00f6glich ist, dass ich mit Hilfe eines Ghostwriters ein Buch \u00fcber meine Weltumrundung schreibe.&#8221; Aber bis dahin sind ja noch einige Tausend Kilometer Reisestrecke zur\u00fcckzulegen.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nHeidi Hetzer mit ihrem Oldtimer &#8220;Hudo&#8221;.<br \/>\n(Foto: Marcus Christoph)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berlinerin Heidi Hetzer umrundet mit ihrem Oldtimer die Welt Von Marcus Christoph &#8220;Ich wollte etwas f\u00fcr mich nachholen.&#8221; So beschreibt Heidi Hetzer ihre Motivation, in einem Oldtimer um die Welt zu fahren. 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