{"id":24235,"date":"2016-10-29T14:26:07","date_gmt":"2016-10-29T17:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=24235"},"modified":"2016-10-29T14:38:05","modified_gmt":"2016-10-29T17:38:05","slug":"wenn-orte-sprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2016\/10\/29\/wenn-orte-sprechen\/","title":{"rendered":"Wenn Orte sprechen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die deutsche Dokumentaressayistin Juliane Henrich war bei 16. Internationalen Dokumentarfilmfestival &#8220;Doc Buenos Aires&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Ivana Forster<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/juliane_henrich1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/juliane_henrich1.jpg\" alt=\"juliane_henrich\" width=\"500\" height=\"532\" class=\"aligncenter size-full wp-image-24238\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/juliane_henrich1.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/juliane_henrich1-282x300.jpg 282w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nEine ganze Woche widmete sich das Doc Buenos Aires zum 16. Mal dem Besten, was das Dokumentarkino derzeit zu bieten hat. Vom 20. bis zum 27. Oktober lud das Filmfestival nationale und internationale K\u00fcnstler ein, ihre Werke zu pr\u00e4sentieren und diskutieren. Unter ihnen auch zwei deutsche &#8211; eine davon ist die 1983 geborene Juliane Henrich, die vom <a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/ins\/ar\/de\/sta\/bue.html\">Goethe-Institut Buenos Aires<\/a> eingeladen wurde. Die Filmemacherin lebt und arbeitet in Berlin und besch\u00e4ftigt sich in ihren Dokumentationen besonders mit \u00f6ffentlichen und privaten R\u00e4umen und Architektur.<\/p>\n<p><em>Ivana Forster: Sie haben in Leipzig und Berlin Literarisches Schreiben und Kunst und Medien studiert. Da ist der eingeschlagene Karriereweg nicht abwegig. Gab es trotzdem ein ausschlaggebendes Ereignis, das zu genau diesem Beruf f\u00fchrte?<\/em><\/p>\n<p><strong>Juliane Henrich:<\/strong> Nein, eigentlich nicht. Ich habe zuerst Literarisches Schreiben studiert. Man k\u00f6nnte das eine Kunsthochschule f\u00fcr das Schreiben nennen. Die Ausbildung gibt es in Deutschland nur in Leipzig und Hildesheim. Aber dort habe ich gemerkt: Ich will nicht nur schreiben, sondern auch etwas mit Bildern machen. Ich bin dann nach Berlin gegangen, um Kunst und Medien als Filmstudiengang zu studieren. Seitdem mache ich Filme. Aber Text ist immer noch eine wichtige Referenz.<\/p>\n<p><em>IFO: Sie sind in Solingen geboren, in Bielefeld aufgewachsen und haben im Osten studiert. Wie hat sich das auf Ihre Arbeit ausgewirkt?<\/em><\/p>\n<p><strong>JH:<\/strong> In meinem Film &#8220;Aus westlichen Richtungen&#8221; geht es eigentlich um den alten Westen &#8211; mit Perspektive auf die Teilung. Es geht vor allem um Architektur in Westdeutschland, die ich als Kind kannte und wahrgenommen habe und die mir dann im Kontrast sehr stark aufgefallen ist, als ich in Leipzig gelebt habe und meine Eltern im Westen besucht habe. Dort herrschte ein ganz anderer Architekturstil vor. Ich dachte, ich muss irgendetwas \u00fcber das Gef\u00fchl machen, das mit dieser Architektur zusammenh\u00e4ngt. Nach und nach kamen dann andere Ideen dazu. Dass es eigentlich auch um die politischen Hintergr\u00fcnde geht.<\/p>\n<p><em>IFO: Sie sagten einmal, dass Ihre Filme davon handeln, wie Orte sich ver\u00e4ndern und neu schreiben. Inwiefern hat ein Ort in Ihrer Auffassung ein Eigenleben?<\/em><\/p>\n<p><strong>JH:<\/strong> Das kann man sich auch fragen. Und ich glaube, darum geht es auch. Es gibt bestimmte Atmosph\u00e4ren, die vielleicht mit der Geschichte eines Ortes zusammenh\u00e4ngen. Aber was ich damit meinte, waren vor allem die Definitionen, die Menschen Orten zuschreiben. Etwa, dass man einem Ort einen Namen gibt. Es gibt einen Kurzfilm namens &#8220;Schleifen&#8221;, in dem es um Orte geht, die abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. In dem Zusammenhang fand ich spannend, ob ein Ort der gleiche ist, weil er genauso hei\u00dft und die gleichen Leute dort wohnen. In anderen Arbeiten geht es auch darum, dass sich auch der Westen als Definition im Laufe der Zeit verschiebt. Dieser urspr\u00fcngliche goldene Westen, den man vielleicht einmal vom Osten aus bewundert hat, der inzwischen doch sehr heruntergekommen und \u00fcberhaupt nicht mehr glamour\u00f6s aussieht.<\/p>\n<p><em>IFO: Inwiefern pr\u00e4gen sich Architektur, \u00f6ffentlicher Raum und Gesellschaft gegenseitig?<\/em><\/p>\n<p><strong>JH:<\/strong> Das ist eine der gro\u00dfen Fragen, die ich mir mit den Filmen stelle. Ich kann nicht genau sagen, wie, aber es passiert definitiv. Dass Menschen sich vielleicht anders verhalten in bestimmten R\u00e4umen und dass vieles, was man sich ausgedacht hat f\u00fcr die Architektur, was sie eigentlich sein soll, beispielsweise in westdeutschen St\u00e4dten oft nicht funktioniert hat. Es vermittelt eher den Eindruck von K\u00e4lte. Ich glaube, manche Leute sehen das als reine Kritik an dieser Architektur. F\u00fcr mich ist es aber auch mit Nostalgie verbunden.<\/p>\n<p><em>IFO: In Ihren Filmen sind oft sehr wenige Personen zu sehen. Was macht f\u00fcr Sie den Reiz daran aus, Filme mit wenigen Menschen und vielen Standbildern zu drehen?<\/em><\/p>\n<p><strong>JH:<\/strong> Ich glaube, ich pers\u00f6nlich finde diese Strukturen am interessantesten &#8211; architektonische Strukturen und diese \u00dcberschneidungen von Altem und Neuem, das im Stadtbild gebaut ist. Menschen ziehen nat\u00fcrlich wahnsinnig viel Aufmerksamkeit auf sich, wenn sie im Bild sind. Beispielsweise in &#8220;Aus westlichen Richtungen&#8221; geht es auch um diese Atmosph\u00e4re der Anonymit\u00e4t und dass man das gar nicht so sehr in Bezug zum Menschen setzt.<\/p>\n<p><em>IFO: Was ist Ihnen bisher in Buenos Aires aufgefallen, was Architektur und \u00f6ffentlichen Raum angeht? W\u00e4re es reizvoll, hier einmal zu drehen?<\/em><\/p>\n<p><strong>JH:<\/strong> Auf jeden Fall. Ich kenne die Stadt noch nicht so gut, ich bin erst vor wenigen Tagen angekommen und ein wenig herumgelaufen. Aber ich achte immer sehr stark auf Architektur und Stellen, an denen man sich fragt, warum die Stadt so gebaut ist. Alles ist in diesem Schachbrettmuster angelegt, das finde ich sehr interessant. Eigentlich m\u00fcsste man denken, man findet sich besser zurecht. Aber ich verlaufe mich eher. Vielleicht ist mein Gehirn darauf eingestellt, dass es Kurven gibt. Ein Projekt hier w\u00fcrde mich definitiv reizen.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nDie Dokumentaressayistin Juliane Henrich.<br \/>\n(Privat)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Dokumentaressayistin Juliane Henrich war bei 16. Internationalen Dokumentarfilmfestival &#8220;Doc Buenos Aires&#8221; Von Ivana Forster Eine ganze Woche widmete sich das Doc Buenos Aires zum 16. Mal dem Besten, was das Dokumentarkino derzeit zu bieten hat. Vom 20. bis zum 27. 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