{"id":248,"date":"2006-03-04T00:48:35","date_gmt":"2006-03-04T03:48:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/01\/05\/individuum-und-gesellschaft-in-argentinien\/"},"modified":"2006-08-12T22:49:15","modified_gmt":"2006-08-13T01:49:15","slug":"individuum-und-gesellschaft-in-argentinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/03\/04\/individuum-und-gesellschaft-in-argentinien\/","title":{"rendered":"Individuum und Gesellschaft in Argentinien (2001)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Marga Steinwasser stellt im Atelier &#8220;La Carboner\u00eda&#8221; ihre &#8220;lndividuos&#8221; aus<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Susanne Franz<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image278\" alt=marga.jpg src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/03\/marga.jpg\" align=right hspace=5 \/>Argentinien liegt am Boden wie ein alter Bettvorleger, abgewetzt an manchen Stellen, an einigen schon leicht gl\u00e4nzend. Die argentinische Flagge, die Marga Steinwasser aus gestickten Stucken zusammengesetzt hat, erinnert auch an einen uralten Teddyb\u00e4r, dessen sch\u00e4biges Fell Zeugnis ablegt von unendlichen Kinderumarmungen. Totgeliebt. Auf der Fahne, Symbol f\u00fcr den Stolz der Argentinier auf ihr Land, liegt ein Mensch, eine aufgen\u00e4hte Puppe. Auf ihrem Leib stehen all die Dinge geschrieben, die den Einzelnen &#8211; und die Gesellschaft &#8211; unmittelbar bedrohen: Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Default, Korruption, Sparma\u00dfnahmen, und vieles mehr.<\/p>\n<p>Marga Steinwasser beschreibt die argentinische Realit\u00e4t &#8211; und wie wichtig es ist, sich trotz aller Probleme selbst treu zu bleiben.<!--more--> Drei \u00fcbereinander geh\u00e4ngte Bilder zeigen oben zwei d\u00fcstere Mafiosi &#8211; &#8220;\u00bfPor d\u00f3nde empezamos?&#8221; (Wo fangen wir an?), hei\u00dft das Werk; in der Mitte ist der einzelne Mensch abgebildet, dem zugerufen wird: &#8220;No te olvides de tus sue\u00f1os&#8221; (Vergiss deine Traume nicht); unten ein Bettler im pessimistischen &#8220;As\u00ed quedamos&#8221; (Das ist aus uns geworden).<\/p>\n<p>In ihrer Reihe der &#8220;Due Testi&#8221; (Zweik\u00f6pfe) weist Marga Steinwasser auf den &#8220;neuen Menschentyp&#8221;, das &#8220;neue Vorbild&#8221; hin &#8211; denjenigen, der sich wie das sprichw\u00f6rtliche F\u00e4hnlein im Winde dreht: Auf einer Seite sagt er das eine, auf der anderen das Gegenteil. Es sind die L\u00fcgen der Politiker im Wahlkampf, oder das Verhalten vieler, die sich gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Vorteile verschaffen wollen. &#8220;Der &#8216;Due Testi&#8217; wei\u00df sogar nicht mehr, ob er Mann oder Frau ist, er ist im Grunde gar nichts, weil er nicht in der Lage ist, zu einer Sache zu stehen&#8221;, sagt Marga Steinwasser \u00fcber ihre Kreation. Ein &#8220;Due Testi&#8221; steht als Papier-Skulptur mitten im Raum, umgeben von einem ihn fesselnden Kreidekreis: Auf der einen Seite ist er auf abgerissene Plakate gemalt, auf der anderen aus br\u00e4unlich-durchscheinendem Backpapier gestaltet.<\/p>\n<p>Marga Steinwasser arbeitet mit Recycling-Materialien &#8211; sie rei\u00dft Plakat-Schichten ab, \u00fcberklebt mit Plastikfolie, beschichtet mit Resina-Harz, rei\u00dft Bl\u00e4tter vom Zeichenblock einfach ab, verwendet Gebrauchtes, Abgenutztes. &#8220;Wenn man \u00fcber unsere momentane Situation arbeiten will, muss man solche Materialien benutzen&#8221;, sagt sie. Auf den Plakaten kann man teilweise noch die Originalbotschaften lesen, darauf gemalt sind die &#8220;Individuen&#8221; Marga Steinwassers, oder auch Worte, Gedichte und andere Texte. &#8220;Das geschriebene Wort ist f\u00fcr mich von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, sowohl als graphisches Element als auch als Botschaftstr\u00e4ger&#8221;, sagt Steinwasser. &#8220;Es kann als Zusatzinformation zum Bild gelesen werden, muss aber nicht.&#8221;<\/p>\n<p>In einer weiteren Dreier-Bilderreihe prangert die K\u00fcnstlerin die Missst\u00e4nde im argentinischen Erziehungswesen an, deren Opfer die Kinder und letzten Endes die gesamte Gesellschaft sind. Auch bei dem auf einem Tischchen montierten Brettspiel &#8220;Destino mio&#8221; (Mein Schicksal) steht dieses Thema im Vordergrund: Man bewegt seine Spielfigur auf roten Feldern vorw\u00e4rts, gelbe Felder zwingen einen aus verschiedenen Gr\u00fcnden, zur\u00fcckzugehen: &#8220;Lehrerstreik, gehe zwei Felder zur\u00fcck&#8221;, oder &#8220;19, schwanger, zwei Felder zur\u00fcck&#8221;, oder &#8220;Schn\u00fcffelt Klebstoff, muss zwei Felder zur\u00fcckgehen&#8221;. Einige wenige blaue Felder bringen einen weiter: beispielsweise der Abschluss der Grundschule oder des Gymnasiums.<\/p>\n<p>Ist der Tenor der in ihrer \u00c4sthetik sehr ansprechenden und sparsam-wohldurchdachten Ausstellung auch kritisch bis pessimistisch, gibt es f\u00fcr die Individuen Marga Steinwassers doch Hoffhungsschimmer.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien am 1.12.2001 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marga Steinwasser stellt im Atelier &#8220;La Carboner\u00eda&#8221; ihre &#8220;lndividuos&#8221; aus Von Susanne Franz Argentinien liegt am Boden wie ein alter Bettvorleger, abgewetzt an manchen Stellen, an einigen schon leicht gl\u00e4nzend. Die argentinische Flagge, die Marga Steinwasser aus gestickten Stucken zusammengesetzt hat, erinnert auch an einen uralten Teddyb\u00e4r, dessen sch\u00e4biges Fell Zeugnis ablegt von unendlichen Kinderumarmungen. 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