{"id":24882,"date":"2017-03-26T13:44:19","date_gmt":"2017-03-26T16:44:19","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=24882"},"modified":"2017-03-26T13:49:30","modified_gmt":"2017-03-26T16:49:30","slug":"warte-warte-nur-ein-weilchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2017\/03\/26\/warte-warte-nur-ein-weilchen\/","title":{"rendered":"Warte, warte nur ein Weilchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hamburger Kunsthalle zeigt Ausstellung &#8220;WARTEN. Zwischen Macht und M\u00f6glichkeit&#8221;<\/p>\n<p><em>Von Nicole B\u00fcsing &#038; Heiko Klaas<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Zielony.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Zielony.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"328\" class=\"aligncenter size-full wp-image-24887\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Zielony.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Zielony-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><br \/>\nF\u00fcnf Minuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde. Warten geh\u00f6rt zum Alltag. Egal ob im Feierabendstau, an der Bushaltestelle, beim Check-in am Flughafen oder &#8211; der Klassiker &#8211; beim Hausarzt im Wartezimmer voller schniefender und dauerhustender Patienten. Wir alle kennen dieses enervierende Gef\u00fchl, diesen unproduktiven Zwischenzustand im minuti\u00f6s durchgetakteten Tagesablauf.<\/p>\n<p>Doch halt: Bedeutet Warten wirklich immer nur etwas Negatives? L\u00e4sst sich der vermeintliche Zeitverlust nicht auch produktiv oder kreativ nutzen? &#8220;Wer es aushalten kann, zu warten, der gewinnt immer!&#8221;, diese Erkenntnis gab schon Robert Musil seinem &#8220;Mann ohne Eigenschaften&#8221; mit auf den Weg.<\/p>\n<p>Die Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle geht dem ambivalenten Ph\u00e4nomen des Wartens jetzt genauer auf den Grund. 23 internationale K\u00fcnstler pr\u00e4sentieren in der gro\u00df angelegten Ausstellung &#8220;WARTEN. Zwischen Macht und M\u00f6glichkeit&#8221; Videoarbeiten, Installationen, Skulpturen, Fotografien und Performances zum Thema.<\/p>\n<p>Brigitte K\u00f6lle, die Kuratorin der Schau, will mit ihrer Auswahl aber auch zeigen, dass es sich durchaus lohnen kann, sich dem Warten wieder ganz bewusst auszusetzen: &#8220;Geduld und Langmut geraten in unserer Zeit, in der alles jederzeit und \u00fcberall verf\u00fcgbar erscheint, vermehrt aus dem Blick. Pausenf\u00fcllender Konsum und der min\u00fctliche Kontrollblick aufs Smartphone vertreiben das Warten und damit auch eine m\u00f6gliche Zeit der Reflexion und des Bei-Sich-Seins.&#8221;<\/p>\n<p>Genau das scheinen sich auch die unter einer Autobahnbr\u00fccke in Nigeria verharrenden \u00d6larbeiter in einer Videoinstallation des Belgiers David Claerbout zu Herzen zu nehmen. Einen kurzen, aber heftigen Regenschauer nutzen sie, um sich mit ihren Sinnen ganz dem Naturereignis auszusetzen.<\/p>\n<p>Was gibt es noch zu sehen? Gleich im Lichthof der Galerie der Gegenwart hat das d\u00e4nisch-norwegische K\u00fcnstlerduo Elmgreen &#038; Dragset ein Rollger\u00fcst aufgebaut. Oben drauf sitzt ein barf\u00fc\u00dfiger blonder Junge mit Jeans und Kapuzenjacke, neben sich eine Cola-Dose. Seine Turnschuhe liegen auf dem Boden. Worauf wartet er? Auf das Heranwachsen, die Erkenntnis der Welt? Oder nur auf seine Kumpel, die gleich um die Ecke biegen?<\/p>\n<p>Der D\u00fcsseldorfer Fotograf Andreas Gursky ist mit vier Aufnahmen aus seiner fr\u00fchen Serie &#8220;Pf\u00f6rtner&#8221; (1982-1987) vertreten. Gursky portr\u00e4tiert hier Empfangsmitarbeiter in den Respekt einfl\u00f6\u00dfenden Lobbys von Industrieunternehmen und Versicherungskonzernen. In ihrer statuarischen Ernsthaftigkeit erinnern sie an den unerbittlichen W\u00e4chter aus Franz Kafkas T\u00fcrh\u00fcter-Parabel &#8220;Vor dem Gesetz&#8221;.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ursula-Schulz-Dornburg_Bushaltestelle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ursula-Schulz-Dornburg_Bushaltestelle.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"407\" class=\"aligncenter size-full wp-image-24893\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ursula-Schulz-Dornburg_Bushaltestelle.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ursula-Schulz-Dornburg_Bushaltestelle-300x244.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass uns das Warten, insbesondere an Bushaltestellen, immer wieder heimsucht, stellen gleich mehrere K\u00fcnstler unter Beweis. Von der Berliner Fotografin Ursula Schulz-Dornburg sind Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen von modernistischen Bushalte-stellen in Armenien zu sehen &#8211; im \u00dcberschwang sozialistischer Utopien haben die Architekten ihrer Phantasie und dem Sichtbeton hier freien Lauf gelassen.<\/p>\n<p>Gleich gegen\u00fcber der Kunsthalle auf dem Glockengie\u00dferwall hat Michael Sailstorfer ein Warteh\u00e4uschen der besonderen Art aufgebaut: Der urspr\u00fcnglich aus dem l\u00e4ndlichen Bayern stammende K\u00fcnstler transferiert eine ausgediente Bushaltestelle aus seiner Heimat nach Hamburg und richtet sie mit dem N\u00f6tigsten ein: Bett, K\u00fcche, Wasser, Strom und WC &#8211; genau die richtige Grundausstattung, falls der Bus dann doch mal sp\u00e4ter kommt.<\/p>\n<p>Wundern sollten sich Besucher der Hamburger Kunsthalle in den n\u00e4chsten Monaten auch dann nicht, wenn sie hier und da auf eine sich pl\u00f6tzlich bildende Warteschlange sto\u00dfen: Der slowakische Konzeptk\u00fcnstler Roman Ond\u00e1k erzeugt mit unangek\u00fcndigten Performances beim Betrachter Neugier, aber auch das nagende Gef\u00fchl, von etwas ausgeschlossen zu sein.<\/p>\n<p>Auch wenn es dem Einzelnen gelingen mag, das Warten hin und wieder als kreative Auszeit zu nutzen &#8211; am Ende spiegelt es immer auch gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse wider. Eine ern\u00fcchternde Erkenntnis von Brigitte K\u00f6lle lautet denn auch: &#8220;Privilegierte und Menschen mit Macht warten nicht; sie lassen warten.&#8221;<\/p>\n<ul>\n<li>Ausstellung: WARTEN. Zwischen Macht und M\u00f6glichkeit\n<li>Ort: Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart\n<li>Zeit: 17. Februar bis 18. Juni 2017. Di-So 10-18 Uhr. Do 10-21 Uhr\n<li>Katalog: zu dieser Ausstellung erscheint keine Publikation\n<li><a href=\"http:\/\/www.hamburger-kunsthalle.de\/\">Internet<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Roman-Ondak_Warteschlange.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Roman-Ondak_Warteschlange.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\" class=\"aligncenter size-full wp-image-24889\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Roman-Ondak_Warteschlange.jpg 500w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Roman-Ondak_Warteschlange-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Fotos von oben nach unten:<\/strong><br \/>\nTobias Zielony (*1973), &#8220;Lee + Chunk&#8221;, 2000.<br \/>\n(Zielony)<\/p>\n<p>Ursula Schulz-Dornburg (*1938), &#8220;Erevan-Parakar&#8221;, 2004.<br \/>\n(Schulz-Dornburg)<\/p>\n<p>Roman Ondak (*1966), &#8220;Good Feelings in Good Times&#8221;, inszenierte Warteschlange, 2003.<br \/>\n(Tate\/Riechers)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburger Kunsthalle zeigt Ausstellung &#8220;WARTEN. 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