{"id":24896,"date":"2017-04-08T17:15:07","date_gmt":"2017-04-08T20:15:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=24896"},"modified":"2017-04-09T11:41:50","modified_gmt":"2017-04-09T14:41:50","slug":"wunderschon-subtil-und-tragisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2017\/04\/08\/wunderschon-subtil-und-tragisch\/","title":{"rendered":"Wundersch\u00f6n, subtil und tragisch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dostojewskis &#8220;La mansa&#8221; in C\u00e9sar Bries Adaptation und Inszenierung<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/lamansa11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/lamansa11.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"337\" class=\"alignright size-full wp-image-24898\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/lamansa11.jpg 250w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/lamansa11-223x300.jpg 223w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Die Adaptation des argentinischen Theatermachers C\u00e9sar Brie der Novelle &#8220;Die Sanfte&#8221; (1876) von Fjodor Dostojewski kommt mit sparsamsten Mitteln aus und verl\u00e4sst sich vor allem auf die Darstellungskunst der beiden Hauptpersonen. Das Ergebnis ist eine meisterhafte Inszenierung (C\u00e9sar Brie f\u00fchrt auch Regie).<\/p>\n<p>Eine junge Frau liegt auf einem Tisch, sie ist tot, und ein schon \u00e4lterer Mann versucht, Gr\u00fcnde daf\u00fcr zu finden, warum sie sich umgebracht hat. Er erz\u00e4hlt die Geschichte der beiden, und die Darstellerin spielt die Frau, an die er sich erinnert und die noch vor wenigen Stunden neben ihm geatmet hat.<\/p>\n<p>Der Mann, ein Pfandleiher, entdeckt das 16-j\u00e4hrige M\u00e4dchen, als es bei ihm Familienerbst\u00fccke versetzt, um eine Stellenanzeige in der Zeitung aufgeben zu k\u00f6nnen. Sie ist Waise und lebt seit drei Jahren bei ihren tyrannischen Tanten, die sie nun mit einem alten, reichen Kaufmann verheiraten wollen, der bereits zwei Ehefrauen im Suff totgeschlagen hat. Als der Pfandleiher sie um ihre Hand bittet, sieht sie in ihm einen Retter in der Not.<\/p>\n<p>Doch die Ehe der beiden ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn der Mann will das M\u00e4dchen beherrschen, und er erz\u00e4hlt ihr nichts von seinen Schw\u00e4chen und \u00c4ngsten. Nach einem Streit bricht sie aus und trifft sich mit einem Offizier, der Mann holt sie zur\u00fcck, und in der Nacht f\u00fchlt er, wie sie eine Pistole an seine Schl\u00e4fe h\u00e4lt. Er r\u00fchrt sich nicht, und sie gibt den Wunsch, ihn zu t\u00f6ten, nach einer Weile auf. Dies ist das Ende ihrer Beziehung, denn er wertet das Ereignis als Sieg, sie aber verachtet ihn f\u00fcr seine Feigheit. Als der Mann schlie\u00dflich Monate sp\u00e4ter seine Liebe zu ihr gesteht, ist es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das St\u00fcck einerseits die patriarchalischen Verh\u00e4ltnisse im Russland des 19. Jahrhunderts widerspiegelt, ist es zugleich universell g\u00fcltig: F\u00fcr alle, deren Notsituation oder Schw\u00e4che ausgenutzt werden und die sich dennoch eine innere Freiheit bewahren, und sollte sie den Tod bedeuten. F\u00fcr diejenigen, die in der aussichtslosen Spirale des Schweigens in der Liebe gefangen sind, in der man sich immer weiter voneinander entfernt, obwohl man sich anscheinend nicht losgelassen hat. Und f\u00fcr alle, die einen geliebten Menschen verloren haben und angesichts des Todes alles Ungesagte und Ungelebte bereuen. \u201cLiebt einander\u201d, sagt die Sanfte im Augenblick ihres Todes zum Publikum gewandt, und jedem wird bewusst, wie kostbar das Leben ist.<\/p>\n<p>C\u00e9sar Bries Inszenierung ist wundersch\u00f6n, subtil und stimmig in jedem Detail: Angefangen bei der Kost\u00fcmierung im Stil der Epoche von Carolina Ferraioulo \u00fcber die Originalmusik und die Arrangements von Pablo Brie bis zu B\u00fchnenbild und Beleuchtung (Duilio della Pittima). Aber das Beeindruckendste ist die Schauspielkunst der beiden Protagonisten: Abril Piterbarg als die Sanfte, deren ausdrucksvolle Bewegungen die T\u00e4nzerin verraten und die auch als S\u00e4ngerin brilliert, aber besonders Iv\u00e1n Hochman, der erst Anfang 20 ist, aber den 40-j\u00e4hrigen Pfandleiher ebenso brillant verk\u00f6rpert wie den schleimigen fetten Kaufmann und den l\u00fcsternen Offizier: Hier sieht man ein Schauspielertalent, vor dem man sich nur verneigen kann.<\/p>\n<p>&#8220;La mansa. Un cuento ruso&#8221; kann man nur noch bis zum 21. April sehen: im <a href=\"http:\/\/www.elextranjeroteatro.com\/\">Teatro El Extranjero<\/a>, Valent\u00edn G\u00f3mez 3378, freitags um 21 Uhr. Eintritt: 200 Pesos. Es wird empfohlen, zu reservieren: 4862-7400 oder bei <a href=\"http:\/\/www.alternativateatral.com\/\">Alternativa Teatral<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Foto:<\/strong><br \/>\nAbril Piterbarg und Iv\u00e1n Hochman in &#8220;Die Sanfte&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dostojewskis &#8220;La mansa&#8221; in C\u00e9sar Bries Adaptation und Inszenierung Von Susanne Franz Die Adaptation des argentinischen Theatermachers C\u00e9sar Brie der Novelle &#8220;Die Sanfte&#8221; (1876) von Fjodor Dostojewski kommt mit sparsamsten Mitteln aus und verl\u00e4sst sich vor allem auf die Darstellungskunst der beiden Hauptpersonen. Das Ergebnis ist eine meisterhafte Inszenierung (C\u00e9sar Brie f\u00fchrt auch Regie). 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