{"id":2570,"date":"2010-07-07T20:35:35","date_gmt":"2010-07-07T23:35:35","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=2570"},"modified":"2010-11-20T22:01:18","modified_gmt":"2010-11-21T01:01:18","slug":"pendlerin-zwischen-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/07\/07\/pendlerin-zwischen-welten\/","title":{"rendered":"Pendlerin zwischen Welten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/07\/07\/una-viajera-entre-dos-mundos\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>In der Musik der Schweizer Violinistin Sophie L\u00fcssi wachsen aus Atonalem T\u00f6ne mit Jazzflair<\/p>\n<p><em>Von Valerie Thurner<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie11.jpg\" alt=\"\" title=\"Sophie11\" width=\"250\" height=\"168\" class=\"alignleft size-full wp-image-2571\" \/><\/a>Die wichtigste Begleiterin von Sophie L\u00fcssi ist ihre Violine, auf der sie in einer beeindruckenden Leichtigkeit musiziert, als ob es nichts einfacheres und nat\u00fcrlicheres g\u00e4be, als \u00fcber das Violinenspiel musikalische Bilder zu kreieren und Anekdoten auf vier Saiten zu erz\u00e4hlen. In einer vollkommenen Verbundenheit entlockt sie ihrem Instrument T\u00f6ne und Harmonien, hinter dieser Kunst steckt eine lebenslange Liebe zur Musik und viel Arbeit. Mal lyrisch und selbstvergessen, mal pointiert und swingend, zieht die Musikerin ihre Zuh\u00f6rer in den Bann, mit ganzem K\u00f6rpereinsatz, wippend, sich streckend und neigend, und immer mal wieder Improvisationssoli mit geschlossenen Augen.<\/p>\n<p>Im Juli steht eine Konzertreihe mit dem Sophie L\u00fcssi Quartett in der Virasoro Bar an sowie die Pr\u00e4sentation der j\u00fcngsten CD des Leonardo Ferreyra Tangostringquartetts, wo sie die Viola spielt. Ferreyra, der Lebenspartner von L\u00fcssi, gilt als wichtigster zeitgen\u00f6ssischer Erneuerer der Tangogeige in der Formation des Streicherquintetts.<!--more--><\/p>\n<p>In ihren eigenen Kompositionen \u00fcberschreitet Sophie Grenzen zwischen traditionellen Kategorien wie der Klassik, dem Jazz oder Tango gekonnt und unpr\u00e4tenzi\u00f6s. Sie f\u00fchlt sich sichtlich in vielen Bereichen wohl. In ihrem eben erschienenen Album \u201cTo the Left and Right of the Ocean\u201d des Sophie L\u00fcssi String Trio f\u00fchrt L\u00fcssi verschiedenste Musikstile zusammen, raffiniert und spannend sind ihre Eigenkompositionen. Musikexperte Christoph Merki fasst seine Gedanken zu ihrer Kunst im Covertext sehr sch\u00f6n in Worte. Aus streng auskomponierten Partituren l\u00f6sten sich atonale, zerkl\u00fcftete Passagen, die dann in eine lockere Improvisation mit Jazzflair flie\u00dfen w\u00fcrden.<!--more--><\/p>\n<p>Sophie L\u00fcssi tut mit ihrem Streicherensemble keine Minute so, als w\u00e4ren wir noch im Jahr 1782, als Haydn die Gattung ins Leben rief. Sensibel, originell und ohne All\u00fcren kann man ihren Zugang zur Musik beschreiben. L\u00fcssi repr\u00e4sentiert selbstbewusst stil\u00fcbergreifende Musik. Und ist eine Ausnahmeerscheinung in der Musikszene hierzulande.<\/p>\n<p>Nicht nur die musikalische Biografie der 33-j\u00e4hrigen Schweizerin ist charakterisiert durch das Pendeln zwischen den Welten. Seit gut sieben Jahren oszilliert sie zwischen der Schweiz und ihrer Wahlheimat Buenos Aires. Hierhin zog sie der Tango, den sie auf ihrem Instrument erkunden wollte, wobei sie ihren Lehrer und k\u00fcnftigen Lebenspartner, den Tangoviolinisten Leonardo Ferreyra kennenlernte und blieb. Ihr Leben zwischen Europa und Argentinien, jenseits und diesseits des Atlantiks, die damit verbundenen Privilegien und Herausforderungen, pr\u00e4gt ihr k\u00fcnstlerisches Schaffen, gab ihrem aktuellen Album den Titel und Leitfaden.<\/p>\n<p><strong>Links und rechts des Ozeans<\/strong><\/p>\n<p>Das Pendeln zwischen Lateinamerika und der Schweiz ist l\u00e4ngst zur Routine geworden, Sophie hat die Zelte in ihrem Heimatland nie abgebrochen, im Gegenteil, nebst ihren eigenen Projekten hier, und dem Engagement im String Quartett von Ferreyra, arbeitet sie regelm\u00e4\u00dfig in der Schweiz, gibt Konzerte und Workshops. Manchmal sei sie mehr besch\u00e4ftigt in der Schweiz als in Buenos Aires, wie sie mit einem verschmitzten Lachen sagt. In Buenos Aires sei einer ihrer wichtigsten Pfeiler ihr Kompositionsstudium beim Gran Maestro der klassischen Moderne Daniel Montes, was sie als fundamental bezeichnet.<\/p>\n<p>Ihr j\u00fcngstes Album sind musikalische Stimmungsbilder, eine Verbindung von klassischer Moderne und Jazz, die auf ihren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen diesseits und jenseits des Atlantiks basieren. Die Hektik und Impulsivit\u00e4t der Metropole Buenos Aires verarbeitet sie ebenso zu einem St\u00fcck wie die Beobachtung von spielenden Kindern, oder den entspannten R\u00fcckzug in die Natur. Sie meint, sie brauche nach wie vor beide Realit\u00e4ten, einerseits das Gro\u00dfstadtleben in Argentinien, andererseits die Beschaulichkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit der Schweiz und deren Natur.<\/p>\n<p>Dem Jazz ist sie ebenso treu geblieben wie der Schweiz: Sie verehrt nach wie vor Miles Davis, dessen Kompositionen sie als etwas vom Besten in der Geschichte des Jazz bezeichnet. Aber auch Bill Evans oder Charlie Parker sind Klassiker des Jazz, denen L\u00fcssi in ihren eigenen modernen Interpretationen Ehre erweist. Sie studierte an der Hochschule f\u00fcr Theater und Musik Z\u00fcrich in der Sektion Jazz und Popul\u00e4rmusik Jazzvioline.<\/p>\n<p>Im Jahr 2004, bei ihrer Ankunft in Argentinien, gr\u00fcndete sie ein Trio mit dem Jazz-Gitaristen Ramiro Penovi und dem Kontrabassisten Adri\u00e1n De Felippo. 2008 erschien die viel gelobte Erstlingsplatte \u201cBirdmigration\u201d. Inspiriert ist das Projekt von den alten Meistern des Zigeunerjazz, dem Violinisten St\u00e9phane Grappelli und dem Gitarristen Django Reinhardt, die in den Drei\u00dfigerjahren den legend\u00e4ren Hot Club de France gr\u00fcndeten. Im Jazz war die Violine immer ein marginales Instrument, eine Ausnahmeerscheinung war somit der Violinist St\u00e9phane Grappelli, den Sophie seit ihrer Kindheit bewundert.<\/p>\n<p>Neben Jazz und moderner Klassik spielt auch der Tango weiterhin eine wichtige Rolle in ihrem musikalischen Alltag. In der Tanguer\u00eda El Querand\u00ed in San Telmo teilt sie sich den Job im Hausorchester mit ihrem Freund Leonardo, wo sie beinahe allabendlichv zu h\u00f6ren sind.<br \/>\nIn der Nacht mag sie die Metropole sowieso am liebsten. Das Nachtleben sei einzigartig, wohingegen in der Schweiz ab Mitternacht nicht mehr viel los sei, und wenn, dann zunehmend vulg\u00e4r. Hier finde man auch nachts um vier noch zwei alte Damen beim Kaffeetrinken in einer der traditionellen Pizzer\u00edas, die \u00fcberhaupt nichts darstellen wollen, wie viele Lokale im durchgestylten Palermo. Die \u201cBeizenkultur\u201d hier sei un\u00fcbertrefflich.<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob sie denn hier bleiben wolle, meint sie, das sei auch nach all den Jahren noch offen, Sophie tanzt weiter mit ihrer Geige zwischen den Welten und versucht, sich nicht festzulegen und die b\u00fcrokratischen wie kulturellen H\u00fcrden zu meistern. Es h\u00e4ngt wohl auch von der Arbeitssituation ab, wo sie mit ihren Projekten mehr gefragt ist. Die Umst\u00e4nde in Argentinien sind bestimmt nicht optimal f\u00fcr Berufsmusiker, im Gegenteil, oft fehlt es an nachhaltiger Planung, an Geld, an Verbindlichkeit. Das fehle ihr hier. Sie merke, dass sie mit ihrer Mentalit\u00e4t nach wie vor etwas nerv\u00f6s werde, weil sie eine andere Zeitplanung h\u00e4tte. Die Stimmung hier sei eben immer so wie \u201ckurz vor dem Eklat\u201d, und das mache die Arbeit schwierig. Ab August wird Sophie L\u00fcssi f\u00fcr eine Weile in der Schweiz sein, wo sie ein Nachdiplomstudium als Musikmanagerin macht. Ihre Hoffnung ist, dass sich das europ\u00e4ische Publikum f\u00fcr die Projekte ihres Freundes Leonardo Ferreyra interessiert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie1-300x224.jpg\" alt=\"\" title=\"Sophie1\" width=\"300\" height=\"224\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2572\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie1-300x224.jpg 300w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/Sophie1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Projekte im Juli<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Sophie L\u00fcssi Quartett<br \/>\nMit Leonardo Ferreyra, Violine<br \/>\nSophie L\u00fcssi, Violine<br \/>\nRamiro Penovi, Gitarre<br \/>\nAdri\u00e1n De Felippo, Kontrabass<br \/>\n8. und 15. Juli, 21.30 Uhr<br \/>\nVirasoro Bar<br \/>\nGuatemala 4328<br \/>\nReservierungen: 4831-8918<br \/>\ninfo@virasorobar.com.ar<\/li>\n<li>Leonardo Ferreyra Tangostringquartett<br \/>\n23. Juli, 19 Uhr<br \/>\nMuseo \u201cIsaac Fern\u00e1ndez Blanco\u201d<br \/>\nSuipacha 1422<br \/>\n(Schweizer Woche)<\/li>\n<li>24. Juli, 0.30 Uhr<br \/>\nSanata Bar<br \/>\nSarmiento 3501<\/li>\n<li>27. Juli, 20.30 Uhr<br \/>\nTeatro Presidente Alvear<br \/>\nAv. Corrientes 1659<\/li>\n<li>28. Juli, 21.30 Uhr<br \/>\nZyklus \u201cTangocontempo\u201d<br \/>\nCafe Vinilo<br \/>\nGorriti 3780<br \/>\nreservas@cafevinilo.com.ar<\/li>\n<li>30. Juli, 19 Uhr<br \/>\nZyklus \u201cM\u00fasica en el Hall\u201d<br \/>\nTeatro San Mart\u00edn<br \/>\nAv. Corrientes 1530<br \/>\nGratis<br \/>\n(Konzerttermin muss noch best\u00e4tigt werden)<\/li>\n<li>31. Juli, 19 Uhr<br \/>\nZyklus \u201cM\u00fasica en el Hall\u201d<br \/>\nTeatro San Mart\u00edn<br \/>\nAv. Corrientes 1530<br \/>\nGratis<br \/>\n(Konzerttermin muss noch best\u00e4tigt werden)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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