{"id":287,"date":"2006-03-18T00:58:01","date_gmt":"2006-03-18T03:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/03\/18\/wurstchen-und-klatschgeschichten\/"},"modified":"2006-03-24T13:10:15","modified_gmt":"2006-03-24T16:10:15","slug":"wurstchen-und-klatschgeschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2006\/03\/18\/wurstchen-und-klatschgeschichten\/","title":{"rendered":"W\u00fcrstchen und Klatschgeschichten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jorge Labra\u00f1as Foto-Ausstellung \u201cTriviale Bilder aus einer untergegangenen Republik: die DDR\u201d<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Von Boris Adamovich<\/strong><\/em><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image289\" alt=Rda2.JPG src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2006\/03\/Rda2.JPG\" \/><br \/>\n<em>Gut getroffen: Eine Schie\u00dfbude in Erfurt.<\/em><\/p>\n<p>Es war im Sommer 1979, als der Fotoreporter Jorge Labra\u00f1a einen unerwarteten Anruf bekam. Die argentinische Agentur \u201eDan\u201c fragte ihn, ob er Lust habe, in die DDR zu reisen. Es ginge darum, dort jene ostdeutschen Sportler abzulichten, die im darauffolgenden Jahr bei den Olympischen Spielen in Moskau antreten sollten. Labra\u00f1a, der noch nie in Europa gewesen war, sagte begeistert zu. Schon bald darauf reiste er auf Einladung der staatlichen DDR-Agentur \u201eADN\u201c mehrere Wochen lang kreuz und quer durch das Land.<\/p>\n<p>Der leidenschaftliche Fotograf knipste w\u00e4hrend seiner Reise nat\u00fcrlich nicht nur Olympioniken. Bei seinen ausgiebigen Spazierg\u00e4ngen durch Weimar und Dresden, durch Erfurt und Leipzig, Rostock und Berlin, richtete er sein Objektiv auf alles, was ihm interessant erschien.<!--more--> Zumeist sind es Menschen in allt\u00e4glichen Stra\u00dfenszenen: spielende Kinder und Frauen beim Einkaufen, Stadtbummler, Stra\u00dfenverk\u00e4ufer und Musiker. &#8220;Ich hatte nie das Gef\u00fchl, unter besonderer Aufsicht zu stehen&#8221;, sagt Labra\u00f1a. Lediglich im Hafen und an den Grenzen wurde ihm untersagt, zu fotografieren. Dies fand er jedoch nicht weiter erstaunlich, nichts anderes war er n\u00e4mlich aus Argentinien gewohnt.<\/p>\n<p>Auch sonst erkennt man in seinen Motiven h\u00e4ufig Parallelen zu seinem Heimatland, wie es auch seine Bildkommentare verraten: Das w\u00fcrstchenessende P\u00e4rchen k\u00f6nnte ebenso gut durch Buenos Aires flanieren, auch wenn es hier ein \u201cChoripan\u201d w\u00e4re. Und das Gro\u00dfm\u00fctterchen in der Telefonzelle hat sicherlich ganz \u00e4hnliche Klatschgeschichten zu erz\u00e4hlen, wie ihr argentinisches Pendant. Ganz in diesem Sinne scheinen die meisten Aufnahmen von der Suche nach dem Bekannten, dem Synonymen zu erz\u00e4hlen &#8211; so als wollten sie sagen: &#8220;Die Menschen dort am anderen Ende des Globus leben ganz \u00e4hnlich wie wir.&#8221;<\/p>\n<p>So manch ein Fotograf aus dem ehemaligen Westdeutschland h\u00e4tte vermutlich andere Aufnahmen gemacht, etwa von finster dreinblickenden Polizisten, mausgrauer Einheitsware in den Schaufenstern oder klapprigen Trabi-Kolonnen. Er h\u00e4tte wohl versucht, den Kontrast zu seiner Heimat aufzuzeigen und in irgendeiner Weise die politischen und wirtschaftlichen Missst\u00e4nde einzufangen. Erwartet man derartige Zeitzeugnisse, so m\u00f6gen einem die Bilder Labra\u00f1as tats\u00e4chlich \u201ctrivial\u201d erscheinen.<\/p>\n<p>Labra\u00f1a betrachtet seine Umgebung jedoch mit anderen Augen &#8211; schlie\u00dflich kam er ja auch aus einem Land, welches in vielen Aspekten einen niedrigeren Lebensstandard hatte, und in dem auch diktatorische Regimes nichts Fremdes waren. Betrachtet man somit die gut drei Dutzend Schwarzwei\u00df-Fotos als einfache Momentaufnahmen aus dem ostdeutschen Alltag, so atmen die Szenen durchaus die Lebensatmosph\u00e4re dieser Epoche &#8211; gerade aufgrund ihrer &#8220;Trivialit\u00e4t&#8221;.<\/p>\n<p><em>Foto Club Buenos Aires, \u201eJos\u00e9 M. Porcallas\u201c-Saal, San Jos\u00e9 181. Montag bis Freitag 14-22 Uhr, Samstag 9-17 Uhr. Eintritt frei. Bis 7. April.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien am 18.3.06 im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221;.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jorge Labra\u00f1as Foto-Ausstellung \u201cTriviale Bilder aus einer untergegangenen Republik: die DDR\u201d Von Boris Adamovich Gut getroffen: Eine Schie\u00dfbude in Erfurt. Es war im Sommer 1979, als der Fotoreporter Jorge Labra\u00f1a einen unerwarteten Anruf bekam. Die argentinische Agentur \u201eDan\u201c fragte ihn, ob er Lust habe, in die DDR zu reisen. 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