{"id":2982,"date":"2010-08-12T21:39:51","date_gmt":"2010-08-13T00:39:51","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=2982"},"modified":"2010-11-07T21:18:41","modified_gmt":"2010-11-08T00:18:41","slug":"permanente-touristin-globale-kunstlerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/12\/permanente-touristin-globale-kunstlerin\/","title":{"rendered":"Permanente Touristin, globale K\u00fcnstlerin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/12\/talento-universal-turista-global\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Multitalent Lola Arias \u00fcber ihre Liebe zum Theater, ihr St\u00fcck &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221; und das Leben zwischen Berlin und Buenos Aires<\/p>\n<p><em>Von Katharina K\u00f6hler<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola111-200x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Lola11\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2983\" \/><\/a>Im biografischen Erz\u00e4hltheater &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221; (Mein Leben danach) von Lola Arias durchforsten sechs Schauspieler derselben Generation verschiedene Kapitel der Geschichte ihrer Kindheit und ihre Familienbiografie, um die Schicksale ihrer Eltern w\u00e4hrend der argentinischen Milit\u00e4rdiktatur in den 70er Jahren aufzuarbeiten. Noch bis zum 26. September wird das St\u00fcck im Theater &#8220;La Carpinter\u00eda&#8221; in Buenos Aires aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Lola Arias wurde 1976 in Buenos Aires geboren. Die Theaterst\u00fccke und Projekte der Schriftstellerin, Regisseurin, Schauspielerin und Musikerin bewegen sich oftmals auf der Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Ihr Interesse am Theater entwickelte sich bereits in ihrer Kindheit, als sie mit ihrer Schwester kleine Theaterst\u00fccke zu Hause auff\u00fchrte. Ihr aktueller Erfolg war damals nat\u00fcrlich noch nicht abzusehen. Zun\u00e4chst schrieb sie Gedichte und Geschichten und begann Theater zu studieren, allerdings als Schauspielerin.<\/p>\n<p>Irgendwann dachte sie sich: &#8220;Wenn du schreiben und schauspielern kannst, dann kannst du vielleicht auch ein Theaterst\u00fcck inszenieren.&#8221; Und so begann sie vor zehn Jahren, als Regisseurin zu arbeiten. &#8220;Mit 23 inszenierte ich &#8216;La escu\u00e1lida familia&#8217; (Die armselige Familie). Ich schrieb und inszenierte, und danach wurde mir klar, dass das, was mich am meisten interessiert, nicht St\u00fccke von anderen sind, sondern meine eigenen Projekte.&#8221;<\/p>\n<p>\u00dcber die Jahre wurde Arias\u2019 Arbeit von einer Reihe von K\u00fcnstlern beeinflusst, &#8220;die mich in jedem Augenblick und in jedem Bereich dazu brachten, etwas zu sehen, das man vorher nicht sehen konnte&#8221;. Ihre Professoren er\u00f6ffneten ihr neue Wege des Denkens und Schreibens, von ihrem Schauspielmentor Ricardo Bartis \u00fcbernahm sie die Art des Umgangs mit Schauspielern als Produzenten eigener Ideen und Inhalte, und Theaterkollegen wie Stefan Kaegi lie\u00dfen sie neue Elemente wie Interviews mit realen Menschen in ihre Arbeit aufnehmen. Auch Verlage, Dichter und Musiker wie der Komponist Ulises Conti hinterlie\u00dfen ihre Spuren in der Weiterentwicklung von Arias\u2019 Talenten.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Das St\u00fcck &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Das St\u00fcck entwickelte sich aus Gespr\u00e4chen Lola Arias\u2019 mit den Schauspielern, deren Geschichten dann in Zusammenarbeit auf die B\u00fchne gebracht wurden. Um das europ\u00e4ische Publikum, dem der historische Hintergrund fehlte, nicht zu verwirren, wurde eine Art Einf\u00fchrung erg\u00e4nzt, die die Zusammenh\u00e4nge der argentinischen Geschichte erkl\u00e4rte. Arias weist aber auf das Universelle des Werkes hin: dass man auch ohne genaue Kenntnisse der Details verstehe, &#8220;dass es eine Diktatur gab und Leute, die im Widerstand oder im Exil waren&#8221;. Arias ist \u00fcberzeugt, dass das besondere Verh\u00e4ltnis von Eltern und Kindern auch dann verstanden wird, wenn man nicht in Argentinien aufgewachsen ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola22-217x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Lola22\" width=\"217\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2986\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola22-217x300.jpg 217w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Lola22.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a>Die Zuschauer beispielsweise in Europa waren in der Lage, das St\u00fcck auf die Geschichte des eigenen Landes zu \u00fcbertragen, &#8220;weil irgendwie jeder wei\u00df, wie es ist, unter einem totalit\u00e4ren und gewaltt\u00e4tigen Regime zu leben&#8221;. Arias wurde auch gefragt, ob sie viel hinzugedichtet habe, weil die Biografien auf viele Zuschauer zu grausam wirkten, um wahr zu sein. Die Geschichten an sich waren allerdings schon so verr\u00fcckt, dass sie einfach nur erz\u00e4hlt werden mussten.<\/p>\n<p>Das Schwierigste war f\u00fcr die Regisseurin, &#8220;in diese Problematik Humor einflie\u00dfen zu lassen, so dass das St\u00fcck zwar tiefgr\u00fcndig, aber nicht pathetisch und voller Selbstmitleid werden w\u00fcrde&#8221;. \u00dcber den Einfluss ihrer eigenen Erlebnisse in der Kindheit auf den Inhalt von &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221; sagt Arias: &#8220;Wir sind alle Kinder dieser Diktatur, denn wir alle sind in dieser Zeit geboren und wurden von ihr beeinflusst. Meine Eltern waren nie politische Aktivisten. Aber die Diktatur hat nat\u00fcrlich auch Auswirkungen auf meine Familie gehabt. So ist z.B. der Sohn des Partners meines Vaters verschwunden. Meine Mutter unterrichtete an einer Schule, an der nach und nach Sch\u00fcler verschwanden.&#8221; Sie sieht ihr Werk aber vor allem als Portr\u00e4t einer Generation. Ein Portr\u00e4t, das sie mit einschlie\u00dft, aber keinesfalls ausschlie\u00dflich ihres ist.<\/p>\n<p>Wer Arias\u2019 Arbeit kennt, fragt sich bestimmt, warum Tr\u00e4ume f\u00fcr die 33-j\u00e4hrige K\u00fcnstlerin von so gro\u00dfer Bedeutung sind. In nahezu allen ihren St\u00fccken finden sich Traumsequenzen. Sie selbst sagt: &#8220;Alle meine Tr\u00e4ume sind immer in allem, was ich schreibe.&#8221; In &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221; handelt es sich teilweise um echte Tr\u00e4ume der Schauspieler und der Autorin und teilweise um ver\u00e4nderte Versionen von Tr\u00e4umen, die sie in das Projekt einflie\u00dfen lie\u00df. F\u00fcr Arias stehen Tr\u00e4ume generell f\u00fcr Phantasie und Fiktion und unterstreichen somit die Tatsache, dass es &#8220;in dem St\u00fcck die ganze Zeit darum geht, dass Erinnerungen und die Vergangenheit eine Fiktion sind, die sich st\u00e4ndig neu interpretieren lassen und inhaltlich ver\u00e4ndern&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Leben auf zwei Kontinenten<\/strong><\/p>\n<p>Lola Arias ist nicht nur in Buenos Aires als erfolgreiche K\u00fcnstlerin bekannt, auch in Europa sch\u00e4tzt man seit Jahren ihre Ideen. &#8220;Stipendien gaben mir die M\u00f6glichkeit, nach Europa zu reisen und dort zu arbeiten. Ich ging so nach London ans Royal Court Theatre, nach Marseille ans Mont\u00e9vid\u00e9o Cr\u00e9ations Contemporaines, nach Warschau an die Mobile Academy und nach Madrid an die Casa de Am\u00e9rica. So begann ich zu reisen und andere K\u00fcnstler und andere Formen von Theater kennenzulernen.&#8221;<\/p>\n<p>Auch ins deutschsprachige Europa hat Arias ihre Arbeit \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume hinweg gef\u00fchrt. Die Argentinierin hat bereits Wurzeln in Berlin geschlagen. &#8220;Ich f\u00fchle mich sehr wohl dort, aber Berlin ist eine sehr spezielle Stadt. Kaum jemand, der dort lebt, ist wirklich von da. Deshalb bist du die ganze Zeit von Leuten aus der ganzen Welt umgeben. Du f\u00fchlst dich nie als Ausl\u00e4nder, weil dort alle Ausl\u00e4nder sind.&#8221;<\/p>\n<p>Dieses Leben zwischen zwei Kontinenten und mit verschiedenen Kulturen hat das junge Allroundtalent ver\u00e4ndert: &#8220;Die Art und Weise, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, jemanden zu begr\u00fc\u00dfen, zu k\u00fcssen, ist sehr unterschiedlich. Warum geben wir uns in Argentinien so viele K\u00fcsse? Mir gef\u00e4llt die deutsche Version, das Hand-Geben, besser. Du ver\u00e4nderst dich kulturell, deine Gesten, die Art, dich zu bewegen.&#8221; Gleichzeitig lernte sie neue Leute kennen, &#8220;die Spiegelbilder meiner Freunde hier sind&#8221;. Sie f\u00fchle sich manchmal, als f\u00fchre sie ein Doppelleben.<\/p>\n<p>Als extremsten Kontrast bezeichnet Lola Arias die sehr unterschiedlichen professionellen Voraussetzungen in Europa und Argentinien, vor allem die ungleichen Produktionsbedingungen in Buenos Aires und Berlin. Sie kritisiert fehlende Subventionen in der argentinischen Theaterszene und die sehr begrenzte technische Ausstattung, die daraus resultiert. Auch die Strukturen und Hierarchien in beiden L\u00e4ndern erlebt sie als sehr unterschiedlich: &#8220;In Deutschland sind die Strukturen sehr b\u00fcrokratisch, sehr pyramidal aufgebaut. Das ist ein System, das man zu handhaben wissen muss. Ein System, das es recht schwer macht, nicht immer wieder dasselbe zu produzieren.&#8221; In Argentinien hingegen machten die Produktionsbedingungen die Arbeit fast unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Arias erg\u00e4nzt, dass sie mit dem Geld, das sie durch die Tour in Europa verdient, die Inszenierungen hier finanzieren m\u00fcsse. In Argentinien sei man generell mehr auf die Hilfe von Freunden angewiesen, worunter wiederum die Professionalit\u00e4t leiden k\u00f6nne. Die Theaterszene von Buenos Aires beschreibt Arias als &#8220;ein bisschen klaustrophobisch in dem Sinne, dass sie sehr isoliert ist und man kaum Gelegenheit hat, andere Formen des Theaters zu sehen&#8221;, wodurch gr\u00f6\u00dftenteils \u00e4hnliche St\u00fccke produziert w\u00fcrden. In Berlin sieht sie mehr k\u00fcnstlerische Vielfalt und &#8220;mehr Raum f\u00fcr Professionalit\u00e4t&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Aktuelle Auff\u00fchrungen und das Buch<\/strong><\/p>\n<p>Auff\u00fchrungen von &#8220;Mi vida despu\u00e9s&#8221; finden bis zum 26. September samstags um 21 Uhr und sonntags um 20.30 Uhr in &#8220;La Carpinter\u00eda&#8221;, Jean Jaures 858, statt. Der Eintritt kostet $ 50. Weitere Informationen unter Tel.: 4961-5092.<\/p>\n<p>Wer Lola Arias\u2019 Arbeit nicht im Theater sehen kann, hat mit dem Buch zum St\u00fcck, &#8220;Mein Leben danach&#8221;, das Ende September 2010 im Verlag der Autoren erscheint, die M\u00f6glichkeit, sich ein Bild von dem Projekt zu machen. Neben zahlreichen Abbildungen enth\u00e4lt das Buch u.a. auch ein Tagebuch der Regisseurin und Autorin. Im Rahmen des Gastlandauftritts Argentiniens wird &#8220;Mein Leben danach&#8221; auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vorgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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