{"id":3034,"date":"2010-08-11T01:47:08","date_gmt":"2010-08-11T04:47:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3034"},"modified":"2010-11-13T18:47:29","modified_gmt":"2010-11-13T21:47:29","slug":"uberzeugender-auftakt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/11\/uberzeugender-auftakt\/","title":{"rendered":"\u00dcberzeugender Auftakt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/11\/un-comienzo-convincente\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Das eindringliche St\u00fcck &#8220;Dinero o Vida&#8221; leitet einen Zyklus &#8220;Dramaturg\u00edas Cruzadas&#8221; ein<\/p>\n<p><em>Von Katharina K\u00f6hler<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Dinero_o_Vida11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Dinero_o_Vida11.jpg\" alt=\"\" title=\"Dinero_o_Vida11\" width=\"250\" height=\"178\" class=\"alignleft size-full wp-image-3035\" \/><\/a>Das Goethe-Institut er\u00f6ffnete diesen Montag mit dem St\u00fcck &#8220;Dinero o Vida&#8221; (Geld oder Leben) seinen Zyklus &#8220;Dramaturg\u00edas Cruzadas&#8221; im Espacio Callej\u00f3n. Das Werk entstand aus der Kollaboration des Deutschen Philipp L\u00f6hle, Hausautor des Maxim Gorki Theaters in Berlin, und der argentinischen Schauspielerin, Regisseurin und Dozentin f\u00fcr Schauspiel Carolina Adamovsky.<\/p>\n<p>Mit der Unabh\u00e4ngigkeit als Schwerpunktthema der Projekte des Zyklus und der grundlegenden Frage nach Andersartigkeit, die sich aus der Zusammenarbeit mit K\u00fcnstlern aus einer anderen Kultur- und Theaterszene ergibt, transformierte sich L\u00f6hles Text in den H\u00e4nden der argentinischen Regisseurin Adamovsky zu einem St\u00fcck \u00fcber soziale Unterschiede und wirtschaftliche Unsicherheit. Problematiken, die auf die deutsche ebenso wie auf die argentinische Gesellschaft angewendet werden k\u00f6nnen, die aber durch die teils extremeren Zust\u00e4nde vor Ort noch an Eindringlichkeit gewinnen.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Mann wird in seinem Haus \u00fcberfallen und gefesselt. Er hat Angst, zittert und bittet mit weinerlicher Stimme um etwas zu trinken. Er wirkt gepflegt und tr\u00e4gt einen Seidenpyjama. Sein Gegenspieler ist leger gekleidet und wirkt deutlich gefasster &#8211; die Situation scheint ihn anfangs sogar leicht zu belustigen. Die Schauspieler Marcelo Pozzi und Ignacio Rodr\u00edguez de Anca stellen zwei M\u00e4nner dar, die bereits auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten. Im Folgenden erf\u00e4hrt der Zuschauer in einem intensiven, halbst\u00fcndigen Dialog, dass auch ihre Leben kaum weiter voneinander entfernt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Bei dem Einbrecher handelt es sich um einen &#8220;Cartonero&#8221;, der Papierabf\u00e4lle sammelt um seine Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen und der seinen Lebensstil nicht mehr ertr\u00e4gt. Er fungiert als Vertreter all der unsichtbaren Arbeiter, wie Taxi- oder Busfahrer, Reinigungskr\u00e4fte, Hausmeister, etc. Sein Opfer, ein Mitglied der Oberschicht, f\u00fchrt von au\u00dfen betrachtet ein perfektes Leben: er bewohnt ein wundersch\u00f6n ausgestattetes, gro\u00dfes Haus, besitzt drei Autos und hat einen Arbeitsplatz, der ihm Macht verleiht und ihn ein bedeutendes Leben, umgeben von ber\u00fchmten Pers\u00f6nlichkeiten und einflussreichen Politikern f\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Zu Beginn erz\u00e4hlt er von der Hundeh\u00fctte im Garten, die er selbst auf Gehei\u00df seiner Ehefrau gebaut hat und die nun sein ganzer Stolz und der Besitz ist, dessen Verlust ihn am meisten schmerzen w\u00fcrde. Ironischerweise starb der Hund, bevor sein Herrchen die Arbeit beendet hatte und seine Frau hat ihn inzwischen verlassen.<\/p>\n<p>Sein Kontrahent hingegen lebt mit seiner Familie in einem Haus, von dem er behauptet, dass es kleiner als diese H\u00fctte sei. Die Widrigkeiten, mit denen er t\u00e4glich zu k\u00e4mpfen hat, wie z.B. fehlende Heizung, Elektrizit\u00e4t, kein Auto und die Unm\u00f6glichkeit, seine Kinder weiter zur Schule zu schicken, werden von seinem Gegenpart als positiv gewertet oder als Nichtigkeiten abgetan. (Er k\u00f6nne f\u00fcr den Benzinverbrauch seiner drei Autos eine eigene Tankstelle gebrauchen &#8211; sein Peiniger solle doch froh sein, dass er keine solchen Ausgaben habe.) Trotz dieser naiven bis ignoranten Einw\u00fcrfe weicht der Einbrecher nicht von seinem Plan ab. Er will einen simplen Tausch: das Haus des Wohlhabenden gegen sein eigenes; seine Autos, seinen Job &#8211; kurz: sein Leben gegen das des Anderen. Was zun\u00e4chst wie ein unrealisierbares Vorhaben mit einseitigem Nutzen klingt, gewinnt schnell an Attraktivit\u00e4t f\u00fcr den Festgehaltenen &#8211; einen Mann, der dem permanenten Druck in seinem Leben nicht mehr standzuhalten glaubt. Er wohnt allein in einem Haus, das zu gro\u00df f\u00fcr ihn ist, gibt Unmengen aus, um sein Anwesen und seine Autos zu unterhalten und beginnt, den Cartonero um sein \u201ceinfaches\u201d Leben zu beneiden. Durch seinen Beruf tr\u00e4gt er st\u00e4ndig so viel Verantwortung, dass er kaum zum Schlafen kommt und sich nur mit Tabletten von der st\u00e4ndigen Angst, zu versagen, bzw. einen Fehler zu begehen und alles zu verlieren, ablenken kann.<\/p>\n<p>Die Leistung der zwei Protagonisten, die in so kurzer Zeit verschiedenste Emotionen durchleben und auf mehreren Ebenen die Positionen tauschen, ist bemerkenswert. Besonders die leidenschaftliche Performance von Pozzi \u00fcberzeugt von der ersten bis zur letzten Minute und f\u00fchrt zu der Erkenntnis, dass jedes Schicksal seine guten und schlechten Seiten hat. <\/p>\n<p>Letztendlich w\u00fcrde wohl niemand sein Leben gegen das eines Anderen tauschen wollen, ohne alle Details zu kennen. Und nicht immer beruhigt Geld &#8211; es kann ganz im Gegenteil zu permanenter Beunruhigung f\u00fchren. W\u00e4hrend man, wenn man nichts hat, auch nichts verlieren kann, was zu einer gewissen Sorglosigkeit und Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fchrt. So ist auch f\u00fcr L\u00f6hle selbst Unabh\u00e4ngigkeit &#8220;wie Abh\u00e4ngigkeit, eine Frage der Perspektive. Was ist denn mit denen, um die sich keiner k\u00fcmmert? Was ist denn mit den Vergessenen, Nichtvorhandenen, f\u00fcr die sich keiner interessiert? Ist das Desinteresse, das ihnen entgegenschl\u00e4gt, die Ignoranz, die Abneigung auch, ist das nicht eigentlich der Sockel, auf dem aus der Abh\u00e4ngigkeit Unabh\u00e4ngigkeit wird?&#8221;<\/p>\n<p>Am Montag, dem 16. August, wird der Zyklus mit \u201cx cantidad de personas tienen puesto un jean azul\u201d von Rebekka Kricheldorf &#8211; die anwesend sein wird &#8211; und Gerardo Naumann fortgesetzt. Die Vorstellungen werden am Montag und Dienstag um 20 Uhr im Espacio Callej\u00f3n (Humahuaca 3759) stattfinden. Der Eintritt kostet $15, Reservierungen unter 4862-1167 werden empfohlen. Weitere Informationen finden sich im <a href=\"http:\/\/espaciocallejon.blogspot.com\/\">Blog des Theaters<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. Das eindringliche St\u00fcck &#8220;Dinero o Vida&#8221; leitet einen Zyklus &#8220;Dramaturg\u00edas Cruzadas&#8221; ein Von Katharina K\u00f6hler Das Goethe-Institut er\u00f6ffnete diesen Montag mit dem St\u00fcck &#8220;Dinero o Vida&#8221; (Geld oder Leben) seinen Zyklus &#8220;Dramaturg\u00edas Cruzadas&#8221; im Espacio Callej\u00f3n. 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