{"id":3059,"date":"2010-08-22T10:10:26","date_gmt":"2010-08-22T13:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3059"},"modified":"2010-11-13T18:06:42","modified_gmt":"2010-11-13T21:06:42","slug":"das-buch-als-objekt-des-schaffens-und-erinnerns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/22\/das-buch-als-objekt-des-schaffens-und-erinnerns\/","title":{"rendered":"Das Buch als Objekt des Schaffens und Erinnerns"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/22\/el-libro-como-objeto-de-creacion-y-memoria\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Ausstellung &#8220;J\u00fcdisches Leben in Argentinien&#8221; im J\u00fcdischen Museum Berlin<\/p>\n<p><em>Von Katharina K\u00f6hler<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb11-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"juedleb11\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3083\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb11-225x300.jpg 225w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb11.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Organisiert durch das &#8220;Organisationskomitee f\u00fcr die Teilnahme Argentiniens als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010&#8221; (COFRA) des Ministeriums f\u00fcr Auslandsbeziehungen, internationalen Handel und Kultur in Zusammenarbeit mit der AMIA (Asociaci\u00f3n Mutual Israelita Argentina) und der Botschaft der Republik Argentinien in Deutschland wird seit dem 23. Juli die Ausstellung &#8220;J\u00fcdisches Leben in Argentinien. Beitr\u00e4ge zum 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um&#8221; in Berlin gezeigt.<\/p>\n<p>Am 18. Juli 1994 explodierte vor dem j\u00fcdischen Gemeindezentrum AMIA im Zentrum von Buenos Aires eine Autobombe. Bei diesem Anschlag, f\u00fcr den die Hisbollah und argentinische Rechtsextremisten verantwortlich gemacht werden, starben 85 Menschen, mehr als 300 wurden verletzt, und eine der wichtigsten j\u00fcdischen Bibliotheken wurde zerst\u00f6rt. Sie beherbergte \u00e4u\u00dferst wertvolle jiddische und hebr\u00e4ische Handschriften und B\u00fccher, von denen einige 50 Jahre zuvor vor der Zerst\u00f6rung durch die Nazis gerettet worden waren und als letzte Zeugnisse der vernichteten j\u00fcdischen Kultur Osteuropas galten. Der Terrorakt zerst\u00f6rte au\u00dferdem das Zentralarchiv der j\u00fcdischen Immigration nach Argentinien und Lateinamerika und somit eine der wichtigsten Grundlagen der j\u00fcdisch-lateinamerikanischen Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p>So verwundert es nicht, dass das Buch als Objekt des Schaffens und Erinnerns als inhaltliches wie gestalterisches Leitmotiv der von Elio Kapszuk und Ana E. Weinstein kuratierten Ausstellung des j\u00fcdischen Argentiniens gew\u00e4hlt wurde.<!--more--> Die Gedenkkultur steht im Fokus der Installationen: Aus einer argentinisch-j\u00fcdischen Perspektive wird Bezug auf das J\u00fcdische Museum Berlin, auf Werke wie Micha Ullmanns &#8220;Denkmal zur Erinnerung an die B\u00fccherverbrennung&#8221; auf dem Berliner Bebelplatz oder die &#8220;Stolpersteine&#8221; Gunter Demnigs genommen, um die Wahrung der Erinnerung an den Holocaust, an die argentinische Milit\u00e4rdiktatur, an das Attentat auf das j\u00fcdische Kulturzentrum AMIA in Buenos Aires, aber auch an den Beitrag der j\u00fcdischen Gemeinde zur Entwicklung der Nation und Gesellschaft Argentiniens zu gew\u00e4hrleisten.<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb33-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"juedleb33\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3081\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb33-225x300.jpg 225w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb33.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Im Zentrum steht die Installation &#8220;Buchhandlung der Erinnerung&#8221;: Auf f\u00fcnf roten Quadern verstreut liegen zahlreiche B\u00fccher, deren Inhalt identisch ist. Lediglich die R\u00fcckseiten bieten ausf\u00fchrlichere Informationen. Bei diesen B\u00fcchern handelt es sich um 200 ausgew\u00e4hlte Biografien argentinisch-j\u00fcdischer Pers\u00f6nlichkeiten, anhand derer die Geschichte Argentiniens erz\u00e4hlt und gleichzeitig der Beitrag dieser Menschen f\u00fcr die Entwicklung und Identit\u00e4t des Landes gew\u00fcrdigt wird. Es finden sich u.a. die Biografien des Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim, des Fu\u00dfballspielers Juan Pablo Sor\u00edn, des Blues- und Rockgitarristen David Leb\u00f3n und die von Alberto Gerchunoff, dem Verfasser von &#8220;Los gauchos jud\u00edos&#8221; (Die j\u00fcdischen Gauchos). Der Besucher wird dazu angehalten, diese B\u00fccher in die Hand zu nehmen, zu lesen und den Einfluss argentinischer Juden auf das gesellschaftliche Leben des Landes in der Vergangenheit und aktuell zu verstehen.<\/p>\n<p>Eine weitere Installation besteht aus drei S\u00e4ulen aus B\u00fcchern, die vom Boden bis an die Decke reichen. Sich auf ein Talmud-Zitat beziehend, st\u00fctzen und tragen diese B\u00fcchers\u00e4ulen das Museum auf symbolische Weise. Auf jedem Buch steht in Englisch, Deutsch und Spanisch: &#8220;Ohne Erinnerung bricht alles zusammen&#8221;. Die B\u00fccher sind somit St\u00fctzen der Identit\u00e4t und Erinnerung.<\/p>\n<p>Die &#8220;Unterirdische Bibliothek II&#8221; nimmt direkten Bezug auf Ullmans Werk, das Denkmal zur B\u00fccherverbrennung auf dem Berliner Bebelplatz. Die bei ihm unwiderruflich leer bleibenden Regale, die den rund 20.000 Titeln Platz bieten k\u00f6nnten, die am 10. Mai 1933 verbrannt wurden, sind in der aktuellen Ausstellung dicht mit B\u00fcchern gef\u00fcllt. Ausdruck des erneuten Aufbl\u00fchens j\u00fcdischer Literatur &#8211; auch in Argentinien.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/juedleb22.jpg\" alt=\"\" title=\"juedleb22\" width=\"250\" height=\"196\" class=\"alignleft size-full wp-image-3084\" \/><\/a>Die Installation &#8220;Pfade der Erinnerung&#8221; stellt judenfeindliche Ereignisse der j\u00fcngeren argentinischen Geschichte &#8211; wie den Anschlag auf die AMIA &#8211; in einen Zusammenhang mit der Erinnerung an den Holocaust. Die Berliner Stolpersteine im Gedenken an die Opfer des NS-Regimes finden sich neben Gedenktafeln im Asphalt f\u00fcr die &#8220;desaparecidos&#8221; w\u00e4hrend der Milit\u00e4rdiktatur, die in Buenos Aires an Orten angebracht wurden, wo diese Menschen gearbeitet oder gewohnt haben bzw. wo sie verhaftet wurden. Daneben finden sich 85 Platten im Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die AMIA, die 1999 in der Pasteur-Stra\u00dfe in Buenos Aires, dem Sitz der AMIA, eingelassen wurden. Ein Zitat Heinrich Heines, das dieser mehr als 100 Jahre vor der B\u00fccherverbrennung in Nazideutschland als &#8220;Aktion wider den undeutschen Geist&#8221; pr\u00e4gte, schm\u00fcckt die Wand des Saales: &#8220;Dort wo man B\u00fccher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen&#8221;. Flankiert werden die Installationen im J\u00fcdischen Museum von einer Zeittafel und von 25 Spielfilmen, die j\u00fcdisches Leben und Kultur in Argentinien aus verschiedenen Perspektiven im historischen Kontext zeigen. So reflektiert zum Beispiel der Episodenfilm &#8220;18 J&#8221; von 2004 zehn Jahre nach dem Terroranschlag vom 18. Juli die Fragilit\u00e4t j\u00fcdisch-argentinischen Zusammenlebens.<\/p>\n<p>Die argentinischen Juden sind heute &#8211; im Jahr des Bicentenarios &#8211; untrennbarer Bestandteil der pluralistischen und demokratischen Gesellschaft Argentiniens und die gr\u00f6\u00dfte j\u00fcdische Gemeinde Lateinamerikas. Buenos Aires ist nach New York die gr\u00f6\u00dfte j\u00fcdische Metropole au\u00dferhalb Israels.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist vom 23.07. bis 10.10.2010 in der Eric F. Ross Gallery im Libeskindbau in Berlin zu sehen. Weitere Informationen erhalten Sie unter: 00-49-(0)30-25-993-434 oder <a href=\"http:\/\/jmberlin.de\/\">im Internet<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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