{"id":3172,"date":"2010-08-29T13:48:41","date_gmt":"2010-08-29T16:48:41","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3172"},"modified":"2010-10-10T12:50:58","modified_gmt":"2010-10-10T15:50:58","slug":"der-himmel-auf-erden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/29\/der-himmel-auf-erden\/","title":{"rendered":"&#8220;Der Himmel auf Erden&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/08\/29\/el-cielo-en-la-tierra\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Ausstellung von Mart\u00edn Bonadeo in der Katholischen Universit\u00e4t wirft viele Fragen auf<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/cielo22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/cielo22-200x300.jpg\" alt=\"\" title=\"cielo22\" width=\"200\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3173\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/cielo22-200x300.jpg 200w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/cielo22.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>&#8220;Was bedeutet eigentlich der Himmel f\u00fcr Euch?&#8221;, fragte Mart\u00edn Bonadeo die Mitglieder des IPIS der Katholischen Universit\u00e4t von Buenos Aires (UCA), wo der K\u00fcnstler als Dozent t\u00e4tig ist. Im IPIS (Instituto para la Integraci\u00f3n del Saber\/Institut f\u00fcr die Einbeziehung des Wissens) sitzen akademische F\u00fchrungskr\u00e4fte, die sich mit dem Universit\u00e4tsleben \u00fcbergeordneten philosophischen Fragen auseinandersetzen. In dieses Gremium trug Bonadeo seine Idee, an der Universit\u00e4t eine Ausstellung \u00fcber den Himmel zu konzipieren.<\/p>\n<p>Bei einem Brainstorming kamen viele interessante Gedanken zusammen, die Bonadeo als Ausgangspunkt f\u00fcr die Schau &#8220;El cielo en la tierra&#8221; benutzt hat. Man liest sie auf einer Textwand im Eingang des &#8220;Pabell\u00f3n de Bellas Artes&#8221; im Erdgeschoss der UCA, bevor man die Ausstellung betritt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Gedankengang beginnt beim physikalisch messbaren &#8220;Himmel&#8221; und geht dann ins Abstrakte \u00fcber &#8211; der Himmel wird als Mythos, als Ort der G\u00f6tter oder des Paradieses bezeichnet, und interessanterweise als etwas, das Wissenschaftler und Philosophen nicht so gut beschreiben k\u00f6nnen wie Dichter oder K\u00fcnstler.<!--more--> Es wird angemerkt, dass Koordinaten wie Oben\/Unten, Nord\/S\u00fcd, und Polarisierungen wie Gut\/B\u00f6se, Arm\/Reich in vielen Kulturen das (bin\u00e4re) Verst\u00e4ndnis der Welt pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Weiter denn je habe sich der Mensch sowohl vom (idealen) Himmel als auch von der (realen) Erde entfernt, wird beklagt. Dieser zentrale Punkt schwingt in allen Werken Bonadeos in der Ausstellung mit.<\/p>\n<p>Das erste Werk, auf das der Blick f\u00e4llt, ist ein Schild mit der Aufschrift &#8220;Usted est\u00e1 en el cielo&#8221; (Sie sind hier im Himmel). Bonadeo weist mit Humor darauf hin, dass der Mensch sich im Prinzip immer &#8220;mitten im Himmel&#8221; befindet, wenn man sich diesen als eine \u00fcber der Erde befindliche Kuppel vorstellt.<\/p>\n<p>Neben dem Schild an der Decke h\u00e4ngt eine Moebius-Schleife &#8211; ein im Werk Bonadeos wiederkehrendes Element. Auf dem unendlichen Band sind die Worte &#8220;Tierra&#8221; und &#8220;Cielo&#8221; zu lesen, allerdings zeigt die Buchstabenreihe &#8220;Cielo&#8221; nach unten und &#8220;Tierra&#8221; nach oben. Hier verweist der K\u00fcnstler auf das menschliche Bed\u00fcrfnis nach Standortbestimmungen &#8211; und dass diese oft tr\u00fcgerischer sind als gedacht.<\/p>\n<p>An einer Wand sind zwei gro\u00dfe, Autobahn-Richtungsanzeigern nachempfundene Schilder aus reflektierendem Material angebracht. Das blaue, &#8220;Cielo&#8221; beschriftet, ist mit einem Pfeil nach oben ausgestattet, das gr\u00fcne, &#8220;Tierra&#8221;, mit einem Pfeil nach unten. Auch in diesem Werk findet sich wieder ein doppelb\u00f6diger Hinweis auf das Sicherheitsbed\u00fcrfnis des Menschen, der in nur scheinbar zuverl\u00e4ssigen Zeichensystemen Zuflucht sucht.<\/p>\n<p>Bei der Moebius-Schleife wurde schon klar, dass der Ausstellungsbesucher den Blick auch \u00f6fter mal nach oben lenken sollte. Ein als Backlight beleuchtetes Foto &#8211; das Werk hei\u00dft &#8220;Cielo en venta&#8221; (Der Himmel zum Verkauf) &#8211; h\u00e4ngt gleich unter der Decke. Es zeigt die von unten fotografierten obersten Stockwerke eines Hochhauses, an deren Balkonen Verkaufsschilder einer Maklerfirma h\u00e4ngen. Die Frage wird aufgeworfen, warum eigentlich die h\u00f6heren Stockwerke so viel teurer sind als die niedriger gelegenen. Denn aus diesem Grund werden oft zu hohe Hochh\u00e4user gebaut, die den Lebensraum der Menschen in der Stadt immer mehr einschr\u00e4nken, ihnen den Blick auf den Horizont rauben und ihnen das Sonnenlicht wegnehmen.<\/p>\n<p>Besonders in Puerto Madero, wo sich die Katholische Universit\u00e4t befindet, wurden in den letzten Jahren Hochh\u00e4user mit \u00fcber 50 Stockwerken hochgezogen, die heute die Skyline von Buenos Aires pr\u00e4gen. Die Hochhausriesen bedrohen das nahe gelegene Naturschutzgebiet &#8220;Reserva Ecol\u00f3gica&#8221;, auf das schon unz\u00e4hlige Brandanschl\u00e4ge ver\u00fcbt wurden, weil das Gebiet als Bauland begehrt ist. In Bonadeos Fotoreihe &#8220;Eclipse de la Reserva Ecol\u00f3gica&#8221;, sukzessive Aufnahmen von Google Earth an der Sommersonnwende der S\u00fcdhalbkugel, dem 21. Dezember, werden die wandernden Schatten der Riesen \u00fcber dem Naturschutzgebiet gezeigt, bis sie es ganz bedecken. Die Verletzlichkeit der Natur wird auf beeindruckende Weise ins Bewusstsein ger\u00fcckt.<\/p>\n<p>Das Schwester-Werk &#8220;Eclipse de Malba&#8221; zeigt die Schatten der erst k\u00fcrzlich errichteten Le Parc-T\u00fcrme an einem 21. Juni, der Wintersonnwende der S\u00fcdhalbkugel, die wandern, bis sie das renommierte Museum f\u00fcr Lateinamerikanische Kunst bedecken. Das Malba w\u00e4hlte der K\u00fcnstler, um auf den religi\u00f6sen Charakter der Kalenderberechnungen der vorkolonialen Kulturen Lateinamerikas zu verweisen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/bonadeo11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/bonadeo11-225x300.jpg\" alt=\"\" title=\"bonadeo11\" width=\"225\" height=\"300\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2886\" srcset=\"https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/bonadeo11-225x300.jpg 225w, https:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/bonadeo11.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Auch in anderen Werken kritisiert der K\u00fcnstler die menschen- und naturfeindlichen Betonkl\u00f6tze, so mit einem &#8220;STOP&#8221;-Schild in blauer Himmelsfarbe, unter dem zu lesen steht &#8220;Paren de construir&#8221; (H\u00f6rt mit dem Bauen auf), oder seinen Schwarz-Wei\u00df-Fotografien der Wolkenkratzer in der N\u00e4he der UCA an einem nebligen Tag, in denen die oberen Stockwerke im Dunst unsichtbar werden.<\/p>\n<p>Viele Werke in der Ausstellung bestehen aus Messger\u00e4ten, Barometern, Thermometern, Kompassen, Linsen, Lupen. Uhren, etc., Ger\u00e4te, mit denen der Mensch seit Jahr und Tag versucht, Raum und Zeit zu kontrollieren. Bonadeo stellt die Verl\u00e4sslichkeit der Messungen in Frage &#8211; so mit seinen &#8220;liegenden Eieruhren&#8221;, in denen die Zeit still steht, und \u00fcbt auch Sozialkritik wie in seiner Kompass-Konstruktion &#8220;El sur persigue al norte&#8221; (Der S\u00fcden ist dem Norden auf den Fersen), in der die Nadeln sich gegenseitig so beeinflussen, dass sie schlie\u00dflich das anzeigen, was der K\u00fcnstler von ihnen als Aussage haben will.<\/p>\n<p>Das Spiel mit himmlischen Themen setzt Bonadeo mit drei Projektoren aus den 40er-Jahren fort, von denen einer das Kreuz des S\u00fcdens an die Decke wirft, ein anderer einen Sturm projiziert, und der dritte den Mond bei Tage und einen Helikopter. Das Werk &#8220;Buscando el color del cielo&#8221; (Welche Farbe hat der Himmel?) besteht aus 23 Farbskalen mit je vier oder sechs m\u00f6glichen Himmelsfarben, auf jeder befindet sich ein Mini-Vergr\u00f6\u00dferungsglas, das einen besonders &#8220;poetischen&#8221; Namen hervorhebt wie z.B. &#8220;Bruma lavanda&#8221; (Lavendeldunst). Fotos von Horizonten und ein mit einem Fischauge aufgenommenes Himmelsbild, das unter einer gro\u00dfen Lupe wie ein &#8220;Himmelsplanet&#8221; wirkt, runden die Ausstellung ab.<\/p>\n<p>Kritische und nachdenkliche T\u00f6ne \u00fcber den Umgang des Menschen mit Himmel und Erde, viel Humor und die meisterhafte k\u00fcnstlerische Umsetzung der Ideen und Konzepte machen Mart\u00edn Bonadeos Ausstellung zu einem sehens- und erlebenswerten Abenteuer.<\/p>\n<p>Um noch einmal zum Anfang und auf jene Versammlung des IPIS zur\u00fcckzukommen: Da sa\u00dfen die Professoren, Psychoanalytiker, Soziologen, \u00d6konomen und Philosophen und fanden als &#8220;Ergebnis&#8221; etwas sehr Sch\u00f6nes: &#8220;Nach unserem pers\u00f6nlichen Empfinden k\u00f6nnen wir bekr\u00e4ftigen, dass der Himmel hier in diesem Raum ist, so wie er auch in jedem einzelnen von uns ist.&#8221; Als Betrachter der Ausstellung kann ich hinzuf\u00fcgen, dass er mit Sicherheit auch dort ist.<\/p>\n<p>&#8220;El cielo en la tierra&#8221; kann noch bis Samstag, den 4. September, montags bis samstags von 11 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt im Pabell\u00f3n de Bellas Artes der UCA, Alicia Moreau de Justo 1300, Puerto Madero, besucht werden. Zum Abschluss der Schau wird am 4.9. um 16.30 Uhr das Buch &#8220;Alba M\u00e1gica MMX&#8221; vorgestellt, in dem die ersten 10 Jahre der K\u00fcnstlerkarriere Bonadeos res\u00fcmiert sind. Durch die Veranstaltung f\u00fchren Fabiana Barreda, Alejandrina D\u00b4El\u00eda und Oliverio Duhalde.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Mart\u00edn Bonadeo<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.martinbonadeo.com.ar\/\">Mart\u00edn Bonadeo<\/a> wurde 1975 geboren. Der Doktor der Sozialwissenschaften ist Dozent an der UCA und gibt Kurse im Rahmen des Studiengangs &#8220;Publicidad y Comunicaci\u00f3n Institucional&#8221; (Marketing und Medienkommunikation). Er ist einer der Leiter der Presseagentur ICOS, die die UCA und verschiedene Nichtregierungsorganisationen betreut. Vor vier Jahren rief er das <a href=\"http:\/\/www.tecat.com.ar\/\">TECAT<\/a> ins Leben (Taller Experimental de Ciencia, Arte y Tecnolog\u00eda\/Experimenteller Workshop f\u00fcr Wissenschaft, Kunst und Technologie), eine disziplinen\u00fcbergreifende Denkfabrik aus Professoren, Studenten und Graduierten verschiedener Fakult\u00e4ten. Dar\u00fcber hinaus gibt er Kurse in Zeitgen\u00f6ssischer Argentinischer und Lateinamerikanischer Kunst am PEL (Programa de Estudios Latinoamericanos\/Lateinamerikanische Studien).<\/p>\n<p>Als K\u00fcnstler hat Mart\u00edn Bonadeo seit dem Jahr 2000 in \u00fcber 20 St\u00e4dten der Welt mehr als 35 &#8220;Site specific&#8221;-Installationen geschaffen. Anfang 2010 pr\u00e4sentierte er in Pittsburgh, USA, die Ausstellung &#8220;Alba M\u00e1gica MMX&#8221;, eine Retrospektive seiner k\u00fcnstlerischen Arbeit. Der Katalog dazu erscheint am 4. September in Buchform.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. Ausstellung von Mart\u00edn Bonadeo in der Katholischen Universit\u00e4t wirft viele Fragen auf Von Susanne Franz &#8220;Was bedeutet eigentlich der Himmel f\u00fcr Euch?&#8221;, fragte Mart\u00edn Bonadeo die Mitglieder des IPIS der Katholischen Universit\u00e4t von Buenos Aires (UCA), wo der K\u00fcnstler als Dozent t\u00e4tig ist. 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