{"id":3221,"date":"2010-09-04T10:59:08","date_gmt":"2010-09-04T13:59:08","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3221"},"modified":"2010-11-16T14:03:43","modified_gmt":"2010-11-16T17:03:43","slug":"zwischen-den-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/04\/zwischen-den-welten\/","title":{"rendered":"Zwischen den Welten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/04\/entre-dos-mundos\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcbersinnliches und eine ungl\u00fcckliche Liebe: &#8220;El dibuk&#8221; im San-Mart\u00edn-Theater<\/p>\n<p><em>Von Katharina K\u00f6hler<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/dibuk11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/dibuk11.jpg\" alt=\"\" title=\"dibuk11\" width=\"250\" height=\"167\" class=\"alignleft size-full wp-image-3222\" \/><\/a>Im Teatro San Mart\u00edn wird seit dem 27. August der Klassiker des j\u00fcdischen Theaters &#8220;El dibuk&#8221; (una historia entre dos mundos &#8211; eine Geschichte zwischen zwei Welten) von Shlomoh An-Ski in der Version von Jacobo Kaufmann aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Erscheinungen aus &#8220;der anderen Welt&#8221; und ein wandernder Geist, der sich der Seele eines Menschen bem\u00e4chtigt &#8211; das sind die unheimlichen Zutaten dieses B\u00fchnenst\u00fcckes. Hinter diesen \u00fcbernat\u00fcrlichen Aspekten steckt jedoch eine Problematik, die irdischer nicht sein k\u00f6nnte: Die Gier eines Vaters, die ihn ein altes Versprechen brechen l\u00e4sst, entfesselt eine Trag\u00f6die. Wie bereits bei Romeo und Julia f\u00fchren die Interessen der Erwachsenen zum Ungl\u00fcck mit tragischem Ausgang f\u00fcr die junge Generation.<!--more--><\/p>\n<p>Ein &#8220;dibuk&#8221; ist der Geist eines Toten, der aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht ins Jenseits \u00fcbergehen kann und deshalb in den K\u00f6rper eines lebenden Menschen f\u00e4hrt. Diese Person scheint dann eine andere zu sein und spricht bisweilen mit der Stimme des Toten. Obwohl der &#8220;dibuk&#8221; weder in biblischen Quellen noch im Talmud vorkommt, gibt es unz\u00e4hlige, teilweise sehr alte Geschichten \u00fcber F\u00e4lle von Besessenen und ihren Exorzismen. Die Rabbiner sind in der Regel geneigt, diesen &#8220;Aberglauben&#8221; abzulehnen. Die Kabbalisten ihrerseits, die zwischen einem &#8220;dibuk&#8221; und psychischen Erkrankungen unterscheiden, akzeptieren die Lehre von der Seelenwanderung &#8220;gilgul neshamot&#8221;, die Eingang in die Folklore der osteurop\u00e4ischen j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung gefunden hat.<\/p>\n<p>In der alten Synagoge der Ortschaft Brinitz in Wolhynien (Ukraine) begibt sich Sender, ein wohlhabender Kaufmann, auf die Reise, um eine vorteilhafte Heirat f\u00fcr seine Tochter Leah zu erhandeln. Jan\u00e1n, der begabteste Student in der Jeschiwa (Talmudschule) von Brinitz, ist in Leah verliebt. Ihm fehlen aber die n\u00f6tigen Mittel, um um ihre Hand anzuhalten. Durch die riskanten Praktiken der Kabbalisten versucht er zu bekommen, was notwendig ist, um den Vater seiner Angebeteten von seinen Absichten zu \u00fcberzeugen. Sender kehrt von seiner Reise zur\u00fcck und verk\u00fcndet, dass er den richtigen Kandidaten gefunden hat und die Hochzeit arrangiert sei. Als Jan\u00e1n dies erf\u00e4hrt, stirbt er, ausgezehrt vom ununterbrochenen Fasten und mit gebrochenem Herzen, und endet zwischen zwei Welten. Am Tag der Hochzeit weist Leah ihren Br\u00e4utigam zur\u00fcck und wird von einem &#8220;dibuk&#8221;, dem Geist von Jan\u00e1n besessen. Sender entdeckt kurz darauf mit Hilfe eines Rabbis, dass diese Besessenheit auf einem gebrochenen Versprechen mit einem alten Freund, dem Vater von Jan\u00e1n, beruht. Es wird ein Exorzismus durchgef\u00fchrt, aber die Ereignisse nehmen eine unerwartete Richtung.<\/p>\n<p>Das 26-k\u00f6pfige Ensemble \u00fcberzeugt unter der Regie von Jacobo Kaufmann, dem seit vielen Jahren in Israel verwurzelten Argentinier, von jedem einzelnen Mitglied der Dorfbev\u00f6lkerung, \u00fcber die Schwestern der Hauptdarstellerin bis zum alten Rabbi. Die Protagonisten der Liebesgeschichte Victoria Almeida (Leah) und Mariano Mazzei (Jan\u00e1n) stechen jedoch mit ihren &#8220;wahnsinnigen&#8221; Performances noch aus diesem Talentpool hervor.<\/p>\n<p>&#8220;El dibuk&#8221; ist das am weitesten verbreitete St\u00fcck des j\u00fcdischen Theaters. Seine Geschichte beruht auf den Beobachtungen des Autors Shlomoh An-Ski w\u00e4hrend einer umfassenden ethnographischen Expedition, die er 1910 in j\u00fcdischen D\u00f6rfern in Europa unternahm und in deren Verlauf er einen enormen Schatz an Br\u00e4uchen, Legenden, Traditionen und Ritualen sammelte. Der wei\u00dfrussische Autor starb 1920, einen Monat bevor das St\u00fcck erstmalig auf Jiddisch in Warschau aufgef\u00fchrt wurde. In Argentinien wurde &#8220;El dibuk&#8221; in den 30er Jahren im Teatro Mitre in Buenos Aires auf Jiddisch aufgef\u00fchrt. Der Originaltitel &#8220;Der Dibbuk&#8221; wurde als &#8220;La Posesa&#8221; \u00fcbersetzt und mit 26 Schauspielern von David Hermann inszeniert.<\/p>\n<p>Der philosophische Kern des Werkes, das die B\u00fchnen der Welt mit nachhaltigem Erfolg in verschiedensten Fassungen, \u00dcbersetzungen und Adaptionen bereist, bezieht sich auf die einzigartige Bedeutung von Erinnerungen an all das, was wir lieben oder einst liebten. Denn es wird vor allem die Geschichte einer Liebe erz\u00e4hlt, die sich zu sterben weigert.<\/p>\n<p>Die etwa zweieinhalbst\u00fcndigen Vorstellungen finden mittwochs bis samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr, im Casacuberta-Saal des Teatro San Mart\u00edn (Av. Corrientes 1530) statt. Eine Karte f\u00fcr das Parterre kostet $ 45, am \u201cTheatertag\u201d mittwochs $ 25.<\/p>\n<p><strong>Foto oben:<\/strong><\/p>\n<p>Jan\u00e1n (Mariano Mazzei) weigert sich w\u00e4hrend eines Exorzismus hartn\u00e4ckig, Leahs (Victoria Almeida) K\u00f6rper zu verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. \u00dcbersinnliches und eine ungl\u00fcckliche Liebe: &#8220;El dibuk&#8221; im San-Mart\u00edn-Theater Von Katharina K\u00f6hler Im Teatro San Mart\u00edn wird seit dem 27. 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