{"id":3248,"date":"2010-09-05T14:24:39","date_gmt":"2010-09-05T17:24:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kunstinargentinien.com\/?p=3248"},"modified":"2010-09-05T14:43:45","modified_gmt":"2010-09-05T17:43:45","slug":"kunstler-und-kultfigur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/05\/kunstler-und-kultfigur\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstler und Kultfigur"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/kunstinargentinien.com\/index.php\/2010\/09\/05\/artista-e-idolo\/\">Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano.<\/a><\/p>\n<p><strong>Mit Federico Klemm hat Argentiniens Kulturszene eine Pers\u00f6nlichkeit verloren<\/p>\n<p><em>Von Susanne Franz<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Buenos Aires ist \u00e4rmer geworden. Die schillerndste Pers\u00f6nlichkeit der Kunstszene ist am 27. November 2002 gestorben &#8211; Federico Klemm. Er war eine lebende Legende, ein Mythos, eine glitzernde Randfigur, exzentrisch und schrill, so dass viele ihn als Witzfigur abstempelten, wenn sie ihn nicht schon wegen seiner Homosexualit\u00e4t verachteten. Das Bild von sich selbst, das er nach au\u00dfen projizierte, hatte mit dem wirklichen Federico Klemm nicht viel zu tun, wohl diente es dazu, seine Verletzlichkeit zu \u00fcberdecken. Der Tod hat ihn besiegt, aber zu seinen Lebzeiten war er ein K\u00e4mpfer in eigener Sache und hat die Ger\u00fcchte und B\u00f6sartigkeiten, die oft \u00fcber ihn verbreitet wurden, eher noch gen\u00e4hrt. Ein gef\u00e4hrliches Spiel, das die \u00f6ffentliche Person Klemm, der sicher auch aus Eitelkeit das Licht der Kameras suchte, und die private Person Klemm miteinander spielten.<!--more--><\/p>\n<p>Die (Klatsch)Presse, deren liebstes Kind er einst gewesen ist, hat verhalten auf Federico Klemms Tod reagiert. Vielleicht ist klar geworden, dass man wenig von ihm wusste hinter der auff\u00e4llig gekleideten, kunstvoll frisierten, geschminkten Oberfl\u00e4che, die er zu gerne bot. Federico Klemm wurde 60 Jahre alt. Er hat alles daran gesetzt, j\u00fcnger zu wirken. Seine Sch\u00f6nheit, die langsam verging, verewigte er in Portr\u00e4ts, Selbstbildnissen und Skulpturen. Junge und sch\u00f6ne K\u00f6rper, haupts\u00e4chlich von M\u00e4nnern, dienten als Modelle f\u00fcr seine mystisch-theatralischen Gem\u00e4lde. Man k\u00f6nnte meinen, dass Frauen f\u00fcr ihn in die Kategorien G\u00f6ttinnen oder Heilige (u.a. in den Portr\u00e4ts seiner Mutter) oder Huren (wie die Verr\u00e4terin Dalila in seinem letzten Zyklus, &#8220;Samson und Dalila&#8221;) fielen, jedoch wenn man ihn kannte, wusste man, dass er einen zwanglosen, sehr freundschaftlichen Umgang mit Frauen hatte und sie sehr sch\u00e4tzte.<\/p>\n<p>Was Federico Klemm am meisten auszeichnete, waren seine Liebe zur Kunst, sein sensibles Gesp\u00fcr und sein universelles Wissen. Einen Teil des Verm\u00f6gens, das er von seinem Vater geerbt hatte, investierte er in eine Sammlung zeitgen\u00f6ssischer Kunst, zu der Werke von Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Jeff Koons, Robert Rauschenberg und Sol LeWitt ebenso z\u00e4hlten wie Werke von de Chirico, Picasso oder Dal\u00ed, Magritte und Chagall, Max Ernst und Joseph Beuys. Auch Argentinier waren nat\u00fcrlich in Klemms Sammlung vertreten, darunter Xul Solar, Libero Badii, Roberto Aizenberg, Raquel Forner, Ernesto Deira, Lucio Fontana, Edgardo Gim\u00e9nez, Guillermo Kuitca, Ra\u00fal Lozza, R\u00f3mulo Macci\u00f3 und Enio Iommi.<\/p>\n<p>Durch die von ihm gegr\u00fcndete Stiftung &#8220;Fundaci\u00f3n Federico Jorge Klemm&#8221;, die er als Pr\u00e4sident leitete, f\u00f6rderte Klemm junge Talente. Er stellte unbekannte K\u00fcnstler zusammen mit renommierten Meistern aus und er\u00f6ffnete sp\u00e4ter einen zus\u00e4tzlichen Raum, &#8220;Espacio Cinco&#8221;, der allein neuen Tendenzen gewidmet war und den er dem Kurator L\u00f3pez Anaya anvertraute, einem der einflussreichsten Streiter f\u00fcr die moderne Kunst in Buenos Aires.<\/p>\n<p>Sein Fernsehprogramm &#8220;El Banquete Telem\u00e1tico&#8221;, mit dem er Kunst einem Massenpublikum vermitteln wollte, nahm in den letzten Jahren viel seiner Energie in Anspruch. Er investierte weniger Zeit in sein eigenes k\u00fcnstlerisches Schaffen, leider, stellte aber dennoch ungef\u00e4hr im Jahresrhythmus neue Arbeiten vor. Die letzte Ausstellung im April 2002 im Centro Cultural Recoleta war dem biblischen Mythos &#8220;Samson und Dalila&#8221; gewidmet, mit dem Klemm sich auseinandersetzte. Ein Teil dieser Arbeiten ist in seiner &#8220;Fundaci\u00f3n&#8221; zu sehen, f\u00fcr deren Weiterbestehen er vor seinem Tod noch gesorgt hat: Er hinterlie\u00df der Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste (Asociaci\u00f3n Nacional de Bellas Artes, ANBA) gen\u00fcgend Geld, um die Verwaltung der Stiftung \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klemm, der einen deutschen Pass hatte und flie\u00dfend Deutsch sprach &#8211; obwohl dieses nach dem Tod seiner geliebten Mutter Rosa im Jahr 2000 etwas eingerostet war -, f\u00fchlte sich Zeit seines Lebens den europ\u00e4ischen Traditionen und Gedankengut verbunden. Als Sechsj\u00e4hriger kam er nach Argentinien und war so mit dem hiesigen Kulturleben verwachsen, dass ihn niemand als Deutschen ansah. &#8220;Es ist mir immer peinlich, wenn sie mich hier fragen, wen ich eigentlich gew\u00e4hlt habe&#8221;, gestand er einmal bei einem Gespr\u00e4ch bei einer Ausstellungser\u00f6ffnung in der &#8220;Fundaci\u00f3n&#8221; &#8211; zu dem er sich wie immer an einen Tisch setzen musste, denn &#8220;im Stehen kann ich kein Deutsch reden!&#8221;.<\/p>\n<p>Warum in diesen letzten Tagen der Tod Federico Klemms so wenig Schlagzeilen gemacht hat, ist eigentlich kaum nachvollziehbar. Vielleicht m\u00fcssen sich die argentinischen Medien erst von dem Schock erholen, eine Einordnung des Ph\u00e4nomens Klemm beginnen und dann Abschied von ihm nehmen.<\/p>\n<p><em>Erschienen im &#8220;Argentinischen Tageblatt&#8221; vom 07.12.2002,<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Click aqu\u00ed para leer la versi\u00f3n en castellano. 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